Mini-Feature, VfB
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(K)ein Interview mit Hannes Wolf

Der VfB-Trainer ist ein gern gesehener Gast. Letzte Woche noch bei Sport im Dritten, war er nun im aktuellen Sportstudio zu Besuch. Immer gut aussehend, locker und eloquent. Ein klasse Typ, unser Trainer. Nur die Fragen, die man ihm stellt, sind für uns herzlich uninteressant. Ob er jetzt ein Laptop-Trainer sei oder nicht? Dabei wissen wir dank Jürgen Klopp doch jetzt: “Was Mehmet Scholl sagt, ist nicht wichtig.” Aber selbst, wenn seine Interviewpartner die wirklich heißen Fragen stellen würden, könnte Hannes Wolf sie wohl kaum beantworten. Mit Recht, denn alles andere wäre völlig unprofessionell.

Aber schön wäre es natürlich schon, mal die richtigen Fragen und die ehrlichen Antworten darauf zu hören. Deswegen haben wir uns ein Interview überlegt, dass es so nie gegeben hat und so vermutlich auch nie geben wird.

Nur zur Sicherheit: Keine der folgenden Aussagen stammt von Hannes Wolf.

“Guten Abend Hannes Wolf. Schön, dass sie da sind.”

“Guten Abend.”

“Herr Wolf, Hand auf’s Herz: Haben Sie die Niederlage in Mainz schon verdaut?”

“Nein, auf keinen Fall. Dafür lief einfach zu viel schief. Von A wie Aufenthaltsgenehmigung bis Z wie Zieler war das einfach eine ganz schwache Leistung von uns. Das darf nicht wieder passieren.”

“Sie sprechen ihren Keeper an. Ist er hauptverantwortlich für die Niederlage in Mainz?”

“Natürlich hatte Ron-Robert einen rabenschwarzen Tag. Nach starken Paraden zu Beginn des Spiels glückte ihm einfach gar nichts mehr. Aber auch in Bestform hätte er die Niederlage wohl nicht verhindern können. Denn seine Teamkollegen spielten auch nicht viel
besser.”

“Nach seinem Fehler in Hamburg ist es die zweite Auswärtspleite, die man Zieler anlasten kann. Bereuen Sie es schon, Mitch Langerak als Nummer 1 abgelöst zu haben?”

“Auf gar keinen Fall! Abgesehen von den zwei angesprochenen Partien spielt
Ron-Robert eine klasse Saison. Mit ihm haben wir auf der Torwartposition eindeutig
an Qualität hinzugewonnen. Und ganz ohne Häme: Sie wissen, wo Mitch Langerak
mittlerweile spielt?”

“Auf der Torwartposition sind Sie also rundum zufrieden. Aber wie sieht es in der Innenverteidigung aus?”

“Wir haben vier Top-Innenverteidiger. So viele, dass ich eigentlich gar nicht weiß, welchen von ihnen ich aufstellen soll. Nehmen Sie nur Bänschamäh Pavard. Der ist innen brutal stark. Aber selbst als rechter Außenverteidiger ist er noch besser als alle anderen Spieler im Kader. Deswegen spielt er auch dort, obwohl ich ihn lieber in der Mitte einsetzen würde. Marcin Kaminski ist auch ein echter Härtefall. Ich wünschte, ich könnte ihn häufiger offensiv bringen.” (Lacht.)

“Wie ist Ihr Verhältnis zu Holger Badstuber?”

“Holger verfügt über wahnsinnig viel Erfahrung. Damit kann er unseren jungen
Leuten weiterhelfen. Aber, als jemand, der Champions League und in der
Nationalmannschaft gespielt hat, stellt er natürlich besondere Ansprüche. Doch die
müssen auch zur aktuellen Leistung passen. Es nicht immer einfach, ihm das zu vermitteln, aber es gehört zum Job dazu.

“Badstuber zögert mit seiner Vertragsverlängerung, weil er offenbar nach einem Club sucht, bei dem er international spielen kann. Was sagen Sie dazu?”

“Das ist sein gutes Recht. Nur, wenn es darauf ankommt, benötige ich Spieler, die sich für den VfB zerreißen. Sollte ich das Gefühl bei Holger irgendwann nicht mehr haben, wird er nicht spielen.”

“Kommen wir zu Ihrem Sorgenkind, der Offensive. Woran hakt es?”

“Wir erarbeiten uns einfach zu wenig Chancen. Und die wenigen Chancen, die wir haben, verwerten wir zu selten.”

“Viele Fans sind der Meinung, das läge weniger am Personal als vielmehr an Ihrer taktischen Ausrichtung und Ihren defensiven Wechseln. Was sagen Sie dazu?”

“Ach wissen Sie, ich kann ja nur die Spieler aufstellen, die mir zur Verfügung stehen. Und wer mir ankreidet, in Mainz Dzenis Burnic eingewechselt zu haben, damit der kopfballstarke Christian Gentner nach vorne kann, der hat – sorry – keine Ahnung. Was hätte ich denn sonst machen sollen? Asano einwechseln? Takuma hat eine wahnsinnige Schnelligkeit, aber der wäre doch gleich beim ersten Sprint in dem Acker stecken geblieben.”

“Also fehlen die offensiven Alternativen im Kader?”

“Ich bringe Emilano Insua ja nicht zum Spaß im offensiven Mittelfeld. Donis, Akolo und Öczan stellen sich eigentlich von selbst auf. Der Gomczek-Sturm ist eine tolle
Sache, funktioniert aber nur selten und auch Asano ist ein sehr, äh, spezieller Spieler,
den du ins laufen bekommen musst. Das geben manche Gegner einfach nicht her.”

“Abgesehen von Erik Thommy hießen die letzten Transfers Ihres Sportvorstands Michael Reschke Beck, Aogo und Gomez. Manche sprechen sogar von der ‘Reschkerampe’. Wie ist Ihre Meinung dazu?”

“Andi Beck hat uns in der ersten Phase der Saison sehr geholfen. Leider ist die 3er/5er-Kette nicht ideal für ihn. Und in der Viererkette ist Pavard momentan einfach stärker. Bei Dennis weiß ich, dass er einen schweren Stand bei den Fans hat, weil er oft ein wenig phlegmatisch wirkt. Das ist schade, denn er ist ein richtig guter Außenverteidiger: Technisch stark, mit Übersicht und ehrlich gesagt, auch viel schneller als Emiliano Insua. Und deswegen hat er sich auch einen Stammplatz erarbeitet. Aber, ganz klar: an seinen Zweikampfverhalten und den Flanken kann er noch arbeiten. Etwas schwieriger ist es da schon mit der Hierarchie im Kader.“

“Wie meinen Sie das?”

„Nun ja, Michael Reschke hat überwiegend erfahrene Profis verpflichtet. Einen Schritt, den ich übrigens ausdrücklich begrüße. Aber natürlich ist es nicht unproblematisch, wenn man den Jungs, die für den Aufstieg gesorgt haben, auf einmal vier neu verpflichtete „Führungsspieler“ vor die Nase setzt. Da muss man aufpassen, dass es keine Grüppchenbildung gibt.

“Und was ist mit Mario Gomez?”

“Als mich Micha fragte, ob ich Simon gegen Mario tauschen möchte, dachte ich, der
spinnt. Anschließend habe ich keine Sekunde gezögert. Auch mit 32 ist Mario ein Stürmer mit Weltklasseniveau. Neben seinen fußballerischen Qualität bringt er auch eine unglaubliche mentale Qualität mit. Deswegen wollte ich ihn auch im Mannschaftsrat haben.”

“Getroffen hat er aber für seinen neuen Club noch nicht. Im Gegensatz zu Terodde.”

“Klar, dass das jetzt kommt. Wir hatten nur wenig Zeit in der Winterpause und die
Aufgabe ist nicht einfach: Wir wollen Mario zum Zielspieler machen. Andererseits
dürfen wir nicht komplett abhängig von ihm werden. Diese Balance gilt es zu finden.
Wir müssten Chancen für ihn kreieren und gleichzeitig versuchen, die Lücken, die er
durch seine Präsenz reißt, zu nutzen. Und für Simon freut es mich natürlich
wahnsinnig, dass er in Köln so eingeschlagen hat.”

“Michael Reschke sagte, der VfB halte die Augen nach Neuzugängen auf. Jetzt mal ganz ehrlich, Herr Wolf, reicht das?”

“Michael Reschke und ich stehen in regem Austausch.”

“Und was haben Sie zuletzt mit ihm besprochen? Was haben Sie Michael Reschke gesagt?”

“Dass wir auf einigen Positionen noch Handlungsbedarf haben. Vor allem in der
Offensive. Denn natürlich würde ich Jungs wie Berkay Öczan lieber behutsam
aufbauen als sie im Abstiegskampf zu verheizen. Und natürlich hätte ich gerne noch
eine weitere Alternative auf den offensiven Außenpositionen, nachdem Josip Brekalo
gewechselt ist und mit Carlos Mané nicht mehr zu rechnen ist. Emiliano Insua ist derzeit unsere beste Option. Das zeigt, dass wir eindeutig zu dünn besetzt sind. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass in der Dortmunder U19 noch einige Schätze schlummern. (Grinst.)

“Wie sieht es auf den Außenverteidiger-Positionen aus?”

“Wenn Micha Reschke in der Winterpause einen Philipp Lahm oder Joshua Kimmich
findet, würde ich ihn nicht ablehnen. (Lacht.) Aber mit Benschamäh und Andi auf der
einen und Dennis, Emiliano und Ailton auf der anderen Seite sind wird ganz
ordentlich aufgestellt. Sagen wir es mal so: Wir haben größere Baustellen auf
anderen Positionen.

“Herr Wolf, vielen Dank für dieses bemerkenswerte Gespräch.”

Nur noch mal zur Sicherheit: Keine der Aussagen stammt von Hannes Wolf.

 

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2 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    wirklich gut gemacht, dieses Interview. Wann kommt das mit dem Vampi…, äh Präsidenten?

    Zum Umgang mit Badstuber:
    Sollte nicht der Anspruch immer etwas über der Leistung liegen?
    Ist nicht ein höherer Anspruch der Anreiz zur höheren Leistung?
    Oder andersherum: Wenn ich mich mit weniger begnüge, muss ich ja auch weniger dafür tun.
    Ist dies vielleicht das Kardinalproblem beim VfB?
    Ich bin definitiv kein Badstuber-Fan, ich mag nichts, was von München kommt, ich mochte auch Kögl und Lahm und Struuuuuunz nicht, und Reschke, und ich halte es mit CP: was von dort kommt, wurde dort nicht mehr gewollt, aber etwas mehr Arroganz und Aggressivität, die könnten wir uns dort schon abgucken.

    • @buzze sagt

      Vielen Dank. Ja, etwas mehr Arroganz und Aggressivität und auch das Selbstverständnis, mit dem man in der zweiten Liga Spiele noch gedreht hat, würden dem VfB gut tun. Bei Holger Badstuber haben wir allerdings hin und wieder das Gefühl, dass seine Ansprüche (z.B. in der Dreierkette zentral zu spielen) nicht immer auf Leistung begründet sind. Aber das ist wie gesagt nur unser Eindruck von außen.

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