Querpass
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Wollen wir ernsthaft den Trainer in Frage stellen?

Ok, was haben wir nach vier Spieltagen in der zweiten Liga: sechs Punkte, zwei Siege, zwei Niederlagen, sechs Punkte Rückstand auf Platz 1. Eine fahrige und fehlerhafte Innenverteidigung. Orientierunglose offensive Außenspieler. Ein einsamer Mittelstürmer. Ein engagierter Kapitän. Kein erkennbares Spielkonzept. Wer Jubel-Trubel-Hurra-Fußball erwartet hat, kennt Trainer Jos Luhukay nicht. Seine Mannschaften spielen so spröde wie er in der Öffentlichkeit auftritt. Aber ist es die Lösung, jetzt den Trainer anzuzählen, weil er mit einem Team und einem Verein im absoluten Umbruch gegen eine gefestigte und eingespielte Heidenheimer Mannschaft verloren hat?

Logisch sind die Ansprüche hoch: Alle haben erwartet, den FCH mal locker aus dem Stadion zu schießen. Freitag, 18.30 Uhr, ein lauer Abend wie gemacht für eine Geburtstagsparty, für ein Fußballfest, im Stadion ein Gefühl ein bisschen wie bei „Tag am Meer“: lässig, entspannt, zuversichtlich, gelöst. Aber nach dem 1:2 „ändern sich Zustand, der Raum und die Zeit, der Verstand kehrt zurück“ und sagt: In der Form klappt der sofortige Wiederaufstieg nicht. Und für die Form ist der Trainer verantwortlich.

Warum Luhukay genau der Richtige ist:
– Er weiß wie Aufstieg funktioniert.
– Er kennt sich aus seiner Zeit in Berlin mit hohen Erwartungshaltungen aus.
– Seine Teams sind in der zweiten Liga stets holprig gestartet. Nach vier Spielen waren es fünf Punkte in Gladbach (2007), sechs bzw. fünf in Augsburg (2008 und 2009), sechs in Berlin (2012).
– Ihm fehlte in den ersten Spielen durch die späte Kader-Komplettierung (Carlos Mané, Takuma Asano, Benjamin Pavard) und durch Verletzte (Timo Baumgartl, Hjaime Hosogai, Kevin Großkreutz) eine halbe Mannschaft. Er kann jetzt aus dem Vollen schöpfen und hat mehr Möglichkeiten.

Warum Luhukay genau der Falsche ist:
Viele Probleme des VfB sind josgemacht.
– Mit Alexandru Maxim bleibt der vermeintlich beste Kreativspieler auf der Bank. Verschenktes Potential in einer nicht gerade spielfreudigen Mannschaft.
– Es ist keine Spielidee erkennbar, es wirkt gerade so, als ob die Mannschaft noch nie miteinander trainiert habe. Da wird gelaufen, gepasst, geflankt und geschossen als ob es die Spieler zum ersten Mal machen.
– Die drei Last-Minute-Neuzugänge Pavard, Mané und Asano werden nicht optimistisch und wohlwollend empfangen, sondern klein geredet. „Sie müssen eine neue Sprache lernen, eine neue Spielphilosophie verstehen und einen neuen Rhythmus verkraften. Das dauert sechs bis acht Wochen“, so der Trainer. Welche Spielphilosophie meint Luhukay?
– Der Holländer ist vorsichtig, er ist ein Bedenkenträger, für ihn sind Probleme noch Probleme und keine Herausforderungen. Ein Problem stellt aus seiner Sicht das Publikum dar, das die Mannschaft verunsichere und Druck aufbaue. Aber ist es nicht genau seine Aufgabe, das Team darauf vorzubereiten? Und was genau haben so erfahrene Spieler wie Langerak, Klein, Insua, Sunjic, Gentner, Werner, Maxim, Großkreutz und Terodde für ein Problem mit einer großen Kulisse?

Der VfB hat keine Zeit, die Liga ist eng. Sechs Wochen bis die Neuen funktionieren? Too late.
Die Innenverteidigung muss JETZT stabil sein.
Laufwege und Raumaufteilung müssen JETZT sitzen.
Das Offensivspiel muss ab SOFORT funktionieren.

Der Rückstand auf die Aufstiegsränge darf nicht zu groß werden. Luhukay muss ab sofort liefern, es darf keine Ausreden mehr geben. Lautern, Braunschweig, Bochum, Fürth heißen die nächsten Gegner. Danach ist ein Viertel der Saison vorbei und wir wissen wirklich, woran wir mit Luhukay sind. Es kann bis dahin mit weiteren Niederlagen schon zu spät sein. Sind wir ehrlich: Wir sind Luhukay ausgeliefert.

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12 Kommentare

  1. Also ich sehe den Abstieg mittlerweile wohlwollend und natürlich wäre als Fan ein direkter Aufstieg nett, aber nett ist der kleine Bruder von Arschloch. Ich glaube der Verein hat noch mehr als genug Baustellen und die sollten auch angegangen werden – größtenteils noch nicht geschehen im Sommer. Die „Jungen Wilden“ gibt es schon lange nicht mehr, und falls doch, dann sind wir zu dumm daraus Kapital zu schlagen. Schaut mal nach Leipzig und ihrem 23er Ding, riesige Nachwuchsförderung, riesiges Scouting. Da sind wir zu dumm, da lässt sich Mercedes von einem Brausehersteller vorführen – als ob Mercedes kein Geld hätte. Bayern baut Nachwuchsförderung auch komplett aus.
    Insofern sollte oder muss der VfB vielleicht gar nicht gleich aufsteigen. Neben dem Spielfeld gibt es genug Probleme und was bringt 1. Liga wenn der Verein weiterhin planlos ist und nicht nur planlos kickt.

  2. Ich frage mich langsam auch, ob Luhukay der richtige ist und finde mittlerweile, dass er es nicht ist. Für mich ist es unerklärlich, warum gestandene Ex-Bundesliga Kicker sich in die Hose machen sollen, nur weil über 50.000 Zuschauer im Stadion sind. Da fragt man sich dann auch, warum diese „Last“ dann einem 18-jährigen Nachwuchsspieler wie Özcan aufgebürdet wird. Damit verscherzt es sich Luhukay bei den Fans noch zusätzlich. Aber vielleicht ist das ja sein Ziel, damit wir nur noch vor knapp 10.000 Zuschauer unsere Heimspiele bestreiten… Am Freitag hatte ich das Gefühl, dass die Mannschaft schon gegen den Trainer spielt…

  3. „Wollen wir ernsthaft den Trainer in Frage stellen?“

    Klar. Im Verein und auf dem Platz hat sich nichts geändert, warum sollte sich bei den Fans was ändern? ;)

    Ich finde es noch zu früh, etwas zu sagen. Ein schlechter Start kann schon mal vorkommen.

    Das was mir wirklich Sorgen macht: es scheint ja bzgl Transfers irgendeinen Konflikt mit Schindelmeiser zu geben. Kein guter Start für einen Neuanfang…

    Btw. 8/34 ist noch nicht ganz 1/3tel ;)

    • @abiszet sagt

      @Tom
      Das ist mal eine Einstellung: mehr Gelassenheit ;-) Nee, ich möchte mich nicht in der zweiten Liga einrichten.

      @Chuck
      „Gegen den Trainer spielen“: So weit würde ich nicht gehen. Aber insgesamt hat man gesehen, dass es im Zusammenspiel einfach (noch?) nicht passt.

      @Max
      Du bist aber ein ganz Korrekter ;-) Spaß beiseite: Danke, ich habs korrigiert, ist ein Viertel der Saison.
      „Schlechter Start kann vorkommen“: Ja, vor allem beim VfB, seit 5 Jahren … und das kann sich der VfB in der zweiten Liga nicht erlauben. Obs zwischen J-Lu und Schindelmeiser nicht stimmt, ist schwer zu sagen bzw. Spekulation. Ich denke, Luhukay will einfach den Ball flach halten. Das ist seine (öffentliche) zaudernde Art. Dabei brauchen alle einen, der sie mitreisst …

  4. Passiggi sagt

    Man langsam! Es war ja wohl nach so einem Umbruch mit einem holprigen Start zu rechnen. Zwar habe ich nicht unbedingt mit einer Niederlage gegen Heidenheim gerechnet aber 6 Punkte mit einer fast ganz neuen Mannschaft und den letzten 3 Neuzugängen, die bisher kaum mit der Mannschaft trainiert haben aber großes Potential haben, ist noch akzeptabel. Aber jetzt müssen die Punkte kommen. Nicht nur in Kaiserslautern, nein gerade zu Hause gegen den Tabellenführer aus Braunschweig erwarten wir Kampf, gute Kombinationen und viele erarbeitete Torchancen. Natürlich ist gerade in diesem Spiel eine sichere Abwehr absolut nötig. Speziell die Innenverteidigung, egal welche Namen sie trägt, muß mal absolut fehlerlos arbeiten. Die bisher 6 Punkte sind absolut verziehen, wenn aus diesen beiden Spielen noch mal 6 Punkte dazu kommen! Jungs, wir zählen auf euch!

  5. drausvomLande sagt

    Lieber abiszet,
    Nein, Nein, Nein und nochmals Nein.
    Wir haben in einem regulären Ligaspiel zuhause vor 50.000 Zuschauern gegen Heidenheim verloren.
    Heidenheim hat uns in der Tabelle überholt.
    Wir sind im grauen(vollen) Mittelfeld der 2. Liga (angekommen).
    Es ist noch nicht lang her, der VfB war noch nicht abgestiegen, wir saßen in der örtlichen Pizzeria beim gemütlichen Rundenausklang unserer C-Jugend. Pizza, Bier und schönes Wetter, Abstieg vermieden, letztes Spiel gewonnen, schön wars. Aus heiterem Himmel hielt vor der Pizzeria ein Bus, der Heidenheimer Bus wars. Drin sass eine der Heidenheimer Jugendmannschaften auf dem Rückweg von einem Turnier. Hunger hatten sie, und die Betreuer spendierten Pizza und Cola to go. Sowas dauert, deshalb stiegen einige aus und auch unsere Jungs liessen es sich nicht nehmen, hinzugehen und Kontakt aufzunehmen. Autogrammkarten wurden verteilt, der Bus besichtigt, fachgesimpelt und auch sonst einiges an Quatsch und Action geboten. Richtig nett und freundlich waren sie, die Heidenheimer und richtig begeistert waren sie, unsere Jungs. Wir Eltern sassen auf der Terasse und haben uns für die Jungs gefreut, Heidenheim ist zwar örtlich weit weg, aber als Verein gar nicht so weit weg von uns, wir waren ja auch mal in der Verbandsliga. Ja gut, mittlerweile sind wir im Mittelfeld der Bezirksliga angekommen, aber sportlich unerreichbar ist Heidenheim nicht. So dachten und redeten wir damals.
    Am Samstag sassen wir auf der gleichen Terrasse, Ende des Trainingslagers der Jungs, schönes Wetter. Keiner, aber auch wirklich gar keiner, hat über den Rundenabschluss oder den VfB geredet. Und nicht nur ich habe schweigend auf die andere Strassenseite geblickt, dahin, wo vor einigen Wochen noch der „erreichbare“ Bus der Heidenheimer stand. Eine richtige Stimmung kam nicht auf.
    Lieber abiszet, bitte rechne nicht den Rückstand nach oben, wir haben die Talsohle noch nicht erreicht und aufwärts geht es erst wieder, wenn der Verein einmal komplett auf den Kopf gestellt worden ist. Es ist müssig, über die jetzt handelnden Personen zu diskutieren, die jetzige Mannschaft zu kritisieren, mit dieser Vereinsstruktur, diesem Aufsichtsrat und diesem Freundeskreis wird das nichts mehr. Es ist noch nicht schlimm genug.

    • @abiszet sagt

      @Passiggi
      Nichts anderes sag’ ich! ;-)

      @drausvomLande
      Sehr schön geschrieben, vielen Dank für Deinen emotionalen Kommentar!

      Ich sehe schon, Du gehst tief, oder soll ich sagen steil? Ja, die Vereins-Struktur ist mindestens mal diskussionswürdig, die Kür des Kandidaten und Wahl des künftigen Präsidenten trägt auch nicht gerade zur Beruhigung bei. Trotzdem sollte es möglich sein, nach oben in der Tabelle zu schauen. Der Kader könnte (Konjunktiv!) für Plätze besser Rang 5 reichen.

  6. drausvomLande sagt

    Der Kader schon, aber kommt Dir das nicht seltsam bekannt vor?
    Trainerwechsel / neuer Sportvorstand, ist das nicht auch sattsam bekannt?
    Bleiben die zwei weiteren Konstanten:
    Unerschütterlich optimistische Fans und unerschütterlich regierende oberste Führungsgremien.
    Was bricht als erstes?
    Ich bin ja mal auf den weißen Ritter nach Dietrich gespannt.

  7. naja, ich bin eigentlich Optimist. Aber nicht dass der VFB noch um den Abstieg mitspielt – also Abstieg aus Liga 2 in Liga 3…

    Warten wirs ab.

    Was überlegt sich jeder, bevor er ein Auto kauft, in den Urlaub fährt, ein Haus baut? Was
    – brauche ich
    – will ich
    – wie komme ich da hin.

    Der eine oder andere nennt so etwas Konzept! Das setzt die richtigen Leute oben und nur erstmal oben voraus.

    Und dann noch pro Luhukay: Wenn ich weiß, dass der gute mehrere Aufstiege geschafft hat, muss ich es eben akzeptieren, wenn er keinen Aufpasser in der Kabine haben will.

    Es gäbe da noch mehr zu sagen, aber ich denke das genügt.

    jenny

    • @abiszet sagt

      Vollkommen richtig: Wer Luhukay verpflichtet, muss wissen, was er bekommt. Die Reihenfolge scheint aber der Knackpunkt gewesen zu sein: Erst Trainer, dann Sport-Vorstand. Die Angst, Luhukay wäre womöglich vom Markt (angeblich war auch Werder Bremen an ihm dran) hat wohl zu der übertriebenen Hektik bei seiner Verpflichtung geführt.

      Zum Konzept: Ich befürchte, dadurch dass der Aufsichtsrat stark ins operative Geschäft eingreifen musste (und es auch ohne Not in der Vergangenheit tat), kommen von dort keine tragfähigen Konzepte. Dazu scheint die sportliche Kompetenz zu fehlen.

  8. naja, dann klingelt jetzt ja vielleicht ein Telefon bei JL – diesesmal von einem der „Stadtmusikanten“….

    • @abiszet sagt

      Genau, durchaus möglich. Wäre wieder einmal bitter, wenn ein Ex-VfB’ler, der hier nicht sein komplettes Leistungsvermögen abruft, sich verbessert: Timo Werner, Rupp, Kostic, Schwaab, Niedermeier, …

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