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Klatschpappen, Krücken und kommende Stars: Der MBJC 2019

Der Mercedes-Benz Junior Cup gehört für uns zu einem guten Jahresauftakt wie der Hang-over nach Silvester, die Neujahrsbrezel und das gepflegte Über-Bord-Werfen guter Vorsätze. Zugegeben: Große Erkenntnisse lassen sich bei diesem Hallenkick kaum gewinnen. Zu groß ist der Unterschied in der Spielweise auf Kunstrasen-Kleinfeld und dem Großfeld. Wer richtige Kanten im Team hat, so wie der VfB und Atlanta, ist nicht unbedingt im Vorteil. Mit vielen spiel- und dribbelstarken Akteuren ist man deutlich erfolgreicher wie Rapid Wien, die im Finale knapp gegen den FC Liverpool verloren. Vor zwei Jahren holten sich die Österreicher den Titel. Bester Spieler und Torschütze war 2017 Julian Küssler. Er spielt heute irgendwo unterklassig in der Alpenrepublik, so viel zur Aussagefähigkeit des Turniers.

Foto: GES-Sportfoto

Verschweigen wollen wir aber nicht, dass in Sindelfingen schon kommende Weltstars wie Sami Khedira, Manuel Neuer, Carsten Jancker, Kevin Kuranyi und Mesut Özil erstmals auf sich aufmerksam machten. Aber nicht jedes Jahr sieht man Ausnahmetalente wie die, deren Namen auf überdimensionalen Trikots von der Hallendecke hängen. Und manchmal sieht jeder in der Halle, wenn ein besonderer Spieler auf dem Platz steht. So war es 2018 mit dem Berliner Arne Meier, der aussah wie ein A-Jugendlicher, der mit und gegen C-Jugendliche spielt. Nur wenige Wochen nach dem Junior Cup spielte Meier mit der Hertha im Neckarstadion und ist mittlerweile fester Bestandteil des Teams von Pal Dardai.

Foto: GES Sportfoto

Das Turnier war natürlich für uns ein schönes Erlebnis, absolutes Highlight allerdings war unsere knapp zehnminütige „Audienz“ bei VfB-Präsidiumsmitglied, NLZ-Chef und Schirmherr des Turniers Thomas Hitzlsperger. Schon die drei Titel zeigen, wie beschäftigt der Mann ist. Und tatsächlich schien sein Wochenende im Glaspalast komplett durchgetaktet. TV-Interview hier, Gespräch mit dem kicker dort. Dann noch ein YouTube-Gespräch, unzählige Hände schütteln und dann noch schnell nach La Manga ins Trainingslager fliegen. Umso schöner, dass wir trotzdem bei einem Stück Kuchen kurz mit ihm über das Nachwuchsleistungszentrum und seine Herausforderungen reden konnten. Natürlich haben wir vergessen, das Ganze in irgendeiner Form aufzunehmen. Man merkt: Wir sind eher Schreiber.

Unsere Fragen waren:

„Wie abhängig ist die Arbeit im NLZ vom jeweiligen Cheftrainer? Ist mehrjährige strategische Kontinuität möglich, wenn halbjährlich die Chef-Trainer wechseln? Wie wichtig wäre in diesem Bezug der geplante Co-Trainer als Konstante?“

Die Antwort:
Das NLZ kann auch unabhängig vom Cheftrainer arbeiten, aber in enger Abstimmung mit ihm natürlich weitaus effizienter. Diese enge Zusammenarbeit gibt es mit Markus Weinzierl und Michael Reschke. Der Weg aus den U-Mannschaften ins Profi-Team ist nicht weit. Wenn die U-Trainer und Thomas Hitzlsperger einen Spieler für reif für die Profis halten, können sie ihn zu Markus Weinzierl schicken. So wie jüngst Dajaku und Aidonis.

Der Co-Trainer ist für ihn ein wichtiges Bindeglied zwischen Nachwuchs und Profis. Denn während der Chef-Trainer vor allem die Profis im Blick hat, hat sein Assistent die Möglichkeit, sich verstärkt mit den Talenten aus der Jugend auseinanderzusetzen.

„Wie hoch ist die Identifikation der Jugendspieler mit dem VfB? Wollen sie im Jahr 2019 noch der nächste Buchwald, Gomez oder Khedira werden? Oder ist die Ausbildung beim VfB mittlerweile „nur noch“ die Chance, sich im Profifußball zu etablieren – bei welchem Verein auch immer?“

Hier sieht auch Thomas Hitzlsperger eine große Herausforderung. Zum einen sehen die jungen Spieler natürlich viel mehr von den internationalen Weltstars, denen sie nacheifern. Zum anderen ist die Konkurrenz unter den NLZs größer geworden. Kam ein Spieler früher nicht zum Zug, spornte ihn das an, mehr Gas zu geben. Heute kann es passieren, dass er einfach den Verein wechselt, was natürlich auch von seinem persönlichen Umfeld abhängt. Die Herausforderung für das NLZ ist es deshalb auch, Talente zu fordern, ohne sie an die Konkurrenz zu verlieren. Gut fasst das für Hitzlsperger ein Zitat zusammen, dass Norbert Elgert, Schalkes Urgestein und U19-Coach, am Wochenende im Interview verwendete:

„Jeder möchte etwas sein, aber keiner möchte etwas werden …“

Auch nach dem kurzen Gespräch bleibt der gute Eindruck, den Thomas Hitzlsperger in der Öffentlichkeit macht: Ein guter Typ, bei dem das NLZ in guten Händen ist. Schön, dass er allmählich zum neuen Gesicht des VfB Stuttgart wird. Auch, wenn er manchmal knallhart durchgreift.

Wer oder was ist uns sonst noch aufgefallen?

Liverpool ist shit hot
Der FC Liverpool scheint im internationalen Fußball im Moment das Maß aller Dinge zu sein – auch im Nachwuchsbereich. Den Junior Cup gewinnen die Briten, nachdem sie sich kontinuierlich gesteigert haben und ihre beste Leistung im Finale boten. Auffällig Remy Savage, nicht nur wegen seiner Fellaini-Gedächtnisfrisur. Auf dem Großfeld Innenverteidiger, spielte er in der Halle im Sturm. Auch wenn Max vom Rasenfunk anderer Meinung ist: Jack Bearne, ein echter Zehner, trickreich, wuselig, kann ein Großer werden. Der wieselflinke Brite, der das entscheidende Tor im Halbfinale gegen Bayern München schoss, ist noch ein Leichtgewicht, müsste noch ein bisschen wachsen.

Foto: GES Sportfoto

Melih Ibrahimoglu (Rapid Wien)
Dynamisch, spielintelligent, abschlusssicher, robust im Zweikampf, wurde von seiner Familie leidenschaftlich supportet. Einer von vielen hoffnungsvollen Talenten der Wiener wie der 15-jährige Yusuf Demir (MVP des Turniers), der von 30 Clubs aus aller Welt gejagt wird, wie Goalgetter Daniel Markl, wie der reaktionsschnelle Torhüter Nikolas Polster, nicht verwandt mit Toni.

Härtere Gangart
Die Zweikämpfe wurden dieses Jahr deutlich knackiger geführt als in den Jahren zuvor. Oft trafen dabei ältere, muskulöse Spieler auf jüngere, grazilere Gegner. Das führte leider auch zu einigen Verletzungen und zahlreichen Spieler, die auf Krücken zur Siegerehrung humpeln mussten.

Hohes Niveau beim Azubi-Turnier
Beim Finale Untertürkheim gegen Sindelfingen hat man nicht wirklich einen Unterschied zum U19-Turnier gesehen, weil auch etliche Bezirks- und Landesligakicker mit am Ball waren. Gratulation an das Werk Sindelfingen, das bei ihrer 29. Teilnahme das zwölfte Mal gewann! Immer als Trainer an der Bande: Michael Hornung. Ein Mann für die Hall of Fame!

Foto: GES Sportfoto

Per Lokl (VfB Stuttgart)
Er sieht aus wie eine Kombination aus Andi Beck und Santi Ascacibar, er läuft wie der Argentinier und wirft sich genauso in Zweikämpfe, was ihm sogar eine Zweiminutenstrafe einbrachte. Lokl ist technisch stark und ein zuverlässiger Kombinationspieler mit einem guten linken Fuß, mit dem er regelmäßig aus der zweiten Reihe schoss (und traf). So zum Beispiel im besten Spiel der Stuttgarter U19, dem überzeugenden 4:0 gegen Hertha BSC.

Abseits vom Kunstrasen war der „MBJC“ wieder die perfekte Gelegenheit, einige Blogger- und Podcastkollegen zu treffen. Danke an Max vom Rasenfunk für das Organisieren und an Martin von MiasanRot, Danny von abseits.at und Tobias von spielverlagerung.de für die gute Zeit und die interessanten Gespräche. Und David, Craig und Joshua: It was nice to meet you! Danke an den Hauptsponsor Mercedes-Benz für die Einladung. Wir waren wieder gerne da.

Die Veranstaltung hat einfach die perfekte Größe (insgesamt waren 10.000 Zuschauer vor Ort) und entwickelt sich Jahr für Jahr ein kleines Stück weiter (dieses Jahr z.B. mit aufgefrischtem optischen Erscheinungsbild und großer Leinwand), ohne die wichtigen Traditionen und Konstanten zu vernachlässigen. Und damit ist nicht nur der hervorragende Wurstsalat gemeint!

Wenn der Mercedes-Benz Junior Cup nächstes Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, sind wir gerne wieder mit dabei.

Update:
Auch dem Stuttgarter U19-Trainer Nico Willig durften wir zwei Fragen stellen. Und da das stellvertretend für uns niemand Geringeres als Max vom Rasenfunk getan hat, gibt es hierzu auch den O-Ton!

Foto: GES Sportfoto

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