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Null Bock auf Rostock?

Gonzo Castro ist über seinen Zenit hinaus. Daniel Didavi ist bei weitem nicht so gut wie sich alle erhofft haben. Und die Jungen wie Pablo Maffeo und Nicolas Gonzalez müssen sich erst an den rauen Alltag im deutschen Fußball gewöhnen.

Okay, diese kritischen Stimmen waren weder zahlreich noch laut, doch sie haben vorerst Recht behalten: Der VfB Stuttgart scheidet peinlich und letztlich ohne große Gegenwehr und das nötige Engagement gegen den eigentlich harmlosen Drittligisten Hansa Rostock aus.

Alle Beteiligten – Spieler, Trainer, Management und Fans – waren nach einer guten Vorbereitung und mit einem vermeintlich hervorragend zusammengestellten Kader besoffen vor lauter Euphorie. Jetzt kam zum frühestmöglichen Zeitpunkt die große Ernüchterung – anschließender Kater inklusive.

Aber warum kam es mal wieder so, wie es nur die größten Pessimisten prognostiziert hatten? Warum sah es mal wieder so aus, als hätte die legendäre VfB-DNA ihren Tribut gefordert? Die Erbinformation, die immer wieder dazu führt, dass das Stuttgarter Team nach einer guten Leistung, aktuell der sensationellen Rückrunde und einer guten Vorbereitung, glaubt, es gehe alles von selbst?

Der Auftritt in Rostock offenbart ganz andere Tatsachen. Zum Beispiel, dass Holger Badstuber aktuell nur im Anmotzen seiner Mitspieler Champions League Niveau hat, aber leider nicht im Zweikampfverhalten. Man sieht, dass dem VfB Stuttgart offenbar nach wie vor eine Idee fehlt, wie man gegen tiefstehende Gegner spielen soll. Und man sieht, dass dem Team anscheinend immer noch die Spieler fehlen, die sich mit aller Macht gegen eine drohende Niederlage stemmen. Wenn Michael Reschke nach dem Spiel sagt, der VfB hätte in den ersten 20 Minuten desolat gespielt, hat er Recht. Auf seine Aussage, das Stuttgarter Team hätte es anschließend verpasst, die Chancen zum Ausgleich zu nutzen, möchte man hingegen erwidern: Welche Chancen? Ein Schüsschen von Mario Gomez hier, ein Freistoß direkt auf den Keeper von Dennis Aogo dort und ein Gonzales-Kopfball als beste Gelegenheit des gesamten Spiels: So richtig in Bedrängnis konnte Korkuts Team die Rostocker nie bringen. Dafür war das Stuttgarter Spiel einfach zu langsam, zu unpräzise und zu uninspiriert. Phasenweise hatte man den Eindruck, das finale Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea noch einmal zu sehen.

Es schien fast so, als hätte das Trainerteam um Tayfun Korkut im Vorfeld gar nicht erst in Betracht gezogen, dass man möglicherweise in Rückstand geraten könnte. Die Wechsel (Gentner für Thommy, Donis für Gonzales) kamen erstaunlicherweise relativ frühzeitig, änderten aber nichts an der abwartenden und zögerlichen Spielweise des VfB Stuttgart. Und so gewinnt man nicht. Auch nicht gegen einen Drittligisten.

„Der VfB Stuttgart startet mit einem so guten Kader wie schon lange nicht mehr in die Saison. Das ist das Verdienst von Michael Reschke. Der Verein ist auf dem bestem Weg, sich wieder in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga zu etablieren“, meinen die Stuttgarter Nachrichten. Ist das nach der Blamage gegen Rostock schon wieder alles passé? Oder wird das Ausscheiden in der Rubrik „Ausrutscher“ abgelegt? Sind die zu erwarteten Aussagen „Man sollte jetzt nicht alles schlecht machen“ oder „Uns hat ein bisschen die Konsequenz gefehlt“ jedoch nicht Warnsignale, dass die Mannschaft bei weitem nicht so gut ist – weder spielerisch noch von der Mentalität her – wie sie von vielen gesehen wird?

Nach einem (schlechten) Spiel ist es natürlich viel zu früh, sich ein Urteil zu erlauben. Aber klar ist: mit einem Auftritt wie in Rostock wird der VfB in Mainz keine Chance haben. Zur Erinnerung: Die Mainzer spielten im Pokal beim Zweitligisten Aue 87 Minuten in Unterzahl. Und gewannen 3:1 (übrigens mit zwei Treffern und einem Assist von Alex Maxim).

Klar ist ebenfalls: Nach dem überraschenden Pokalaus steht der VfB Stuttgart bereits vor dem ersten Bundesliga-Spieltag unter Druck. Aber in der Regel ist diese Situation ja nicht die schlechteste für den VfB.

Außerdem hat das Pokal-Aus auch etwas Gutes: Vermutlich um die schlechte Stimmung etwas einzudämmen, wurde heute die Vertragsverlängerung von Erik Thommy bekannt gegeben.

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4 Kommentare

  1. Michael sagt

    Es wird auf alle Fälle eine spannende, wichtige und richtungsweisende Woche für Korkut. Jetzt kann, muss er sich beweisen. Wenn Du nach 3 Spieltagen 5 Punkte hast, kannst das Spiel als Ausrutscher, Warnschuss zur rechten Zeit, etc pp verbuchen. Sollte es jetzt 3 Klatschen setzen, holt uns die Januar-Diskussion ganz schnell wieder ein.

    • @abiszet sagt

      Hi Michael, es wird nicht nur spannend, wichtig und richtungsweisend für Korkut, sondern – viel wichtiger – für den gesamten Club. Hohe Investitionen wurden getätigt, der VfB braucht Erfolg. Ich fand das Pokal-Aus irgendwie vorhersehbar, das ist immer so: man denkt, alles wird gut und dann kommt der typische VfB-Rückschlag. Klar ist, dass alle es als Ausrutscher bezeichnen, nein, nein, es ist auf keinen Fall ein strukturelles Problem. Ich bin mir da nicht so sicher. Warten wir es ab. Ich befürchte, 5 Punkte nach 3 Spielen werden es nicht …

  2. Stefan sagt

    Ich befürchte wenn der Start in die Hose geht in Mainz, Bayern und in Freiburg haben wir schon bald eine Trainerdiskussion. Die gute bis sehr gute Rückrunde wird nicht wiederholbar sein. Korkut hat eine Vorbereitung hinter sich und den vermutlich besten Kader seit langem ( Aussage der Verantwortlichen ). Er muss mit der Mannschaft zusammen liefern.

  3. Didi sagt

    Ich glaube seit ich denken kann, hat unser VfB erst in der Rückrunde angefangen zu kapieren um was es geht. Muss ein spezieller Virus sein…Hmmm schauen wir mal.
    Wir sind’s doch gewohnt.

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