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Wie schlau ist Herr Reschke wirklich?

Michael Reschke sorgt für Schlagzeilen. Er tut das wohl nicht absichtlich, denn das Bild, das er vom VfB vermittelt ist nicht immer das Beste. Aber was soll er machen, er trägt eben sein Herz auf der Zunge. Der VfB-Vorstand ruft allen Kritikern zu, „Ich spüre eine riesengroße Verantwortung für den Verein und die Region“ und dass er „alles zum Wohle“ seines Arbeitgebers tut. Das schützt ihn nicht vor Kritik, einen Freifahrschein für sein Verhalten bekommt er dafür nicht. Natürlich ist er ein Überzeugungstäter, aber es wäre sicher gut für das Wohl des VfB, wenn er erst denken, dann sprechen würde und auch mal einen Fehler zugeben würde. Im Gespräch letzte Woche mit Carlos Ubina von der Stuttgarter Zeitung wünscht er sich, bei der Beurteilung seiner Arbeit mehr die Sachfragen in den Vordergrund zu stellen.

Alles klar, dann gucken wir uns doch mal die Fakten an:

  • Der VfB steht auf dem vorletzten Tabellenplatz.
  • Michael Reschke musste Tayfun Korkut wegen Erfolglosigkeit entlassen. Den Trainer, den er verpflichtet hat und den er beim Antritt im Januar als die beste Lösung anpries.
  • Seine Neuverpflichtungen funktionieren (noch) nicht.
  • Seinem früh zusammengestellten Kader fehlt es an Geschwindigkeit und Robustheit.
  • Im Team gibt es offensichtlich eine Unwucht zwischen Spielern, die nach eigenem Verständnis spielen müssen (Badstuber, Gentner, Didavi, Castro, Insua, Beck) und jungen Spielern, die Spielzeit benötigen, um sich zu entwickeln (Sosa, Maffeo, Donis, Thommy, Gonzalez, Baumgartl).
  • Es gibt Lücken im Kader, zum Beispiel auf den offensiven Außenpositionen.
  • Die Einschätzung mit einem kleinen Kader (21 Feldspieler) in die Saison zu gehen, erweist sich als gefährlich anlässlich der aktuellen Verletztenliste (Sosa, Aogo, Didavi, Kempf, Donis).

Keine Fakten, aber berechtigte Fragen:

  • War es wirklich so schlau, den dauerverletzten Didavi zu verpflichten? „Der Faktor Didavi ist groß“, meint Markus Weinzierl. Genau: Wenn er nicht spielen kann, ist das kreative Loch groß und niemand da, der es stopfen könnte.
  • War es eine gute Idee, Orel Magala zu verleihen und anstatt dessen mit Castro, Gentner oder Aogo auf der Sechs/Acht zu spielen?

Für über 30 Millionen konnte Michael Reschke einkaufen. Gleichwohl: „Man wird den Eindruck nicht los, als passten die einzelnen Komponenten einfach nicht zusammen“, schreibt der kicker in seiner Montagsausgabe. Ist Herr Reschke doch nicht so schlau, wie er von vielen gesehen wird?

Vor der Saison sagte er noch: „Mit diesem Kader werden wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben“. Das wirkt heute geradezu lächerlich, aber daran muss er sich messen lassen. Im Moment jedenfalls sieht es so aus, als ob er mit seiner Kaderplanung daneben gelegen hätte. Axel Hacke, Kolumnist des SZ-Magazins, schrieb in einem anderen Zusammenhang: „Ja, der Fußball wird ehrlich und groß nur in der Krise, wenn die Fassaden stürzen“. Problem nur: Wir haben schon zu viele Krisen (gehabt) und groß ist der VfB damit nicht geworden. Und ehrlich – dieser Seitenhieb sei auf Reschke erlaubt – leider auch nicht.

Darf gerne geteilt werden:

14 Kommentare

  1. Fahne sagt

    Lieber Abiszet,

    danke für deinen Artikel. Auch ich mach mir Gedanken, leider gerade keine positiven Gedanken.
    Ich mag mir die Konsequenzen gar nicht vorstellen, wenn sich unser Perlentaucher womöglich als Badenwannenschnorchler entpuppt. Und bei Konsequenzen denke ich nicht an das Personal im VfB-Vorstand, sondern an die Perspektive für den Verein und die Fußballmannschaft.
    Ich hoffe, ich liege mit meinen Befürchtungen sowas von daneben.

    Liebe Grüße
    Fahne

    • @abiszet sagt

      Lieber Fahne, vielen Dank. „Badewannenschnorchler“ ist sehr gut ;-)
      Problem ist eben: Es hat sich nach dem Abstieg scheinbar nichts verbessert. Wir sind immer noch in derselben Situation wie 2016, nur mit ein paar Euros mehr (wenn denn die Daimler-Millionen nicht schon alle weg sind).

      • Bernd sagt

        Die Situation ist doch mit 2016 nicht vergleichbar. Damals hatten wir eine Defensive, die fast komplett nicht bundesligatauglich war. Aktuell haben wir dieselben Akteure, die letzte Saison sowohl unter Wolf als auch unter Korkut den Laden hinten zuverlässig dicht gehalten haben. Trotzdem kriegen wir aktuell regelmäßig die Hucke voll.

        Das ganze ist also weniger ein Problem mit dem Kader, als vielmehr ein Problem, die PS auf die Straße zu bringen. Von daher ist das eher die Verantwortung des Trainers als des Sportdirektors. Weinzierl scheint angesichts seiner letzten Aussagen auch genau da ansetzen zu wollen.

        Ganz schuldlos sind Reschke und der Rest der Führungsriege aber auch nicht. Nach der letzten Saison hätten die ruhig ein bisschen darauf drängen dürfen, dass noch ein langer Weg zu gehen ist und bisher nichts erreicht wurde. Selbstzufriedenheit kann man sich leisten, wenn man dreimal die Champions League gewonnen hat, vorher nicht.

        • @abiszet sagt

          Das ist mein Punkt gewesen: Wir sind nicht weiter als 2016 mit der Spirale Fehlstart, Trainerwechsel, Abstiegskampf, Rettung, Vertragsverlängerung, Herbstmisere usw. Wie im Text angedeutet: Das Team ist sowohl was Geschwindigkeit als auch Anspruch (alt vs. jung) unausgewogen zusammen gestellt. Und ja: Selbstzufriedenheit ist fehl am Platz. Im Sport ist eben etwas anderes als in anderen Bereichen: der Erfolg (zB Platz 7, gute Rückrunde) ist in der neuen Saison nichts mehr wert. Ein Sieg ist eine Woche später schon wieder vergessen. Da darf es kein „Ausruhen auf Erfolgen“ geben und genau das scheint auch eines der Probleme im Verein zu sein. Es fehlt das „weiter immer weiter“-Mantra zB von Sammer oder dieses permanente Antreiben und unzufrieden sein eines Pep Guardiloa.

  2. Das große Übel aber aus meiner Sicht ist aber nicht Reschke, sondern der, der Reschke für ein Koryphäe in seiner Branche hält: nämlich Wolfgang Dietrich. Reschke hat seine letzte Patrone mit Weinzierl aufgebraucht, sollte das schief gehen, dann muss auch Reschke gehen. Und wenn man die Zusammenstellung des Kaders als Ganzes sieht, dann hat Reschke zwar Qualität geholt, aber auch Mentalität ziehen lassen. Für Mentalität stehen für mich Daniel Ginczek, Zimmermann und Orel Mangala. Dann kommt noch erschwerend hinzu, dass er sich um einen flinken Außenstürmer (Carlos Mané) bemüht hatte und ihn wegen seiner „Verletzungsanfälligkeit“ hat sausen lassen. Und wenn man schon Reschke kritisch sieht und auch die Kritikpunkte aufzählt, so waren längst nicht alle dabei. Dabei fällt mir noch die öffentlichen Bloßstellung unseres damaligen Trainer Wolf im „Aktuellen Sportstudio“ ein sowie die Vertragsverlängerung von Tayfun Korkut bis 2020, ohne jemals die Saison 2017/18 analytisch abgeschlossen zu haben. Auch die Verkäufe von Terodde und Ginczek wurden zunächst als „unverkäuflich“ deklariert. Und vor allem macht mich persönlich der Stuttgarter „Klüngel“ mehr zu schaffen. Noch heute ist für mich ein Rätsel, weshalb man vom eigentlichen Weg – eine junge, hungrige Mannschaft aufzubauen – weit abgekommen ist? Aus meiner Sicht fing das Stuttgarter Fiasko mit der Demission von Jan Schindelmeiser an, welches bis heute noch nicht richtigerweise bzw. ehrlich vermittelt wurde. Auf mich machte es den Eindruck, dass Dietrich Reschke schon längst zuvor im Köcher hatte und nur noch sein großen Plan, nämlich die Ausgliederung, umzusetzen. Danach wurde Schindelmeiser zum Abschuss freigegeben. Als Dietrich vor zweieinhalb Wochen im „Sport im Dritten“ nach dieser Demission gefragt wurde, wurde er aggressiv und seine Antwort darauf empfand ich als eine einzige Farce. Fazit hierzu: bis heute weiß ich nicht, weshalb Schindelmeiser vor die Tür gesetzt wurde? Das war der Anfang des Chaos, welches sich der VfB jetzt befindet.

  3. Micha1893 sagt

    Aus meiner Sicht war der Fehler nicht, Tayfun Korkut zu verpflichten, sondern ohne Not seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern.
    Für die Mission des Feuerwehrmanns / Klassenerhalt mit der letztjährigen Mannschaft war er offensichtlich sehr geeignet.
    Für die Mission der (spielerischen) Weiterentwicklung mit dem diesjährigen Kader leider nicht. Hier hätte Michael Reschke erkennen müssen, dass dies zwei völlig unterschiedliche Aufgabenprofile sind.

    • @abiszet sagt

      Sehe ich genau so.
      Dass Korkut (bzw. sein Fußball) in der Rückrunde erfolgreich war, war mE reines Glück.

  4. Mario sagt

    Hallo zusammen,

    Korkut hatte in der Rückrunde von Hannes Wolf seiner Arbeit profitiert-mehr nicht!
    Es war klar, dass er gehen musste. Ein Trainer, der überschätzt wurde.
    Und mit Reschke….der soll seinen Hut nehmen, denn der passt zu uns wie der Fuchs im Hühnerstall.

  5. Andreas Philipp Weingärtner sagt

    Ich bin immer noch Shindy Fan. Aber der geht bestimmt bald zum Hannes und selbst der HSV ist dann bald größer als wir.

  6. Bernd sagt

    In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, warum der Vorstand Sport immer noch eine Ein-Mann-Show im sportlichen Bereich darstellt. Sollte das Tagesgeschäft nicht viel eher von einem Sportdirektor beackert werden, damit der Vorstand sich um die langfristigen (strategischen) Themen kümmern kann? Nicht zu unterschätzen wäre auch der Effekt, dass ein qualifizierten Mitarbeiter die Kompetenz in diesem Bereich deutlich erweitern würde und sich ein gesunder Austausch mit Herrn Reschke ergeben sollte, der dann zusätlich positiv ins Tagesgeschäft wirkt. Sehr interessant, dass ausgerechnet Reschke, der die Position des Sport Managers selbst so lange bekleidet hat, diese offensichtlich für nicht wichtig hält. Hatte er gar keinen so großen Anteil an den Verpflichtungen bei Bayer und Bayern?

  7. EffGee1910 sagt

    Reschke war bei Bayer und den Bauern vor allen Dingen eins: Kaderplaner! Da mag er seinen Sachverstand eingebracht haben und auch beim VfB passt das. Aber hatte immer einen Vorstand Sport vor sich. Diese Schuhe sind ihm zu groß. Der VfB sollte hier dringend nachbessern.

  8. TomTom sagt

    Ihr seid schon lustig ihr Fußball Experten. Zuerst war der Korkhut an allem schuld jetzt ist es der rechcke weil der weinzierl nicht die erwarteten Hoffnungen erfüllt. Dabei ist es ganz einfach erstens never Change evening Team ! Nachdem der Reschke Bundesligataugliche Spieler verkauft und nicht bundesligataugliche Spieler eingekauft hat die obendrein keine Bundesliga Erfahrung haben konnte kein Trainer der Welt in einigen Wochen die Mannschaft auf aufstellen Die wir gerne in Stuttgart gesehen hätten. Und wenn die nächsten Spiele unter Weinzierl den Bach runtergehen und die Wahrscheinlichkeit ist hoch dass sie den Bach runtergehen dann ist die Kacke aber wirklich am dampfen und im Winter wird schon wieder eingekauft und verkauft und eingetauscht und verliehen und ausgeliehen, dass es eine wahre Freude ist. Mit diesem Kader wird Weinzierl das neue Jahr kaum erleben. Aber Korkut ist ja noch in Lohn und den kann man dann Ende Januar zurück holen damit er alles rettet. Wird aber mit diesem Kader auch nicht funktionieren

    • @abiszet sagt

      Hi TomTom, ich bin jetzt nicht ganz sicher, was Du meinst ;-) Dein Eingangssatz legt nahe, dass Du bei Reschke kaum (keine) Verantwortung siehst. Im weiteren Verlauf Deines Kommentars ist das anders. Wobei Reschke sicher bundesligataugliche Spieler geholt hat. Nur entweder funktionieren sie noch nicht richtig (Maffeo, Gonzalez, Castro) oder sie sind verletzt (Sosa, Didavi). Richtig scheint, dass der Kader an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig ist. Ob Weinzierl der richtige Mann ist, das wird sich zeigen.

  9. TomTom sagt

    Und nu A-Z?
    Reschkes Kader ist eine Offenbarung.
    Weinzierl der ja besser sein soll als korkut realisiert gerade nicht nur dass er schlechter ist sondern auch, dass es ein Fehler war diesen Vertrag zu unterzeichnen!
    Der Stuttgarter Anhang der sich zuerst bei korkut entschuldigte für den saumäßigen Empfang darf sich jetzt und zuletzt nochmal entschuldigen für die wieder ungerechtfertigte Kritik , mit diesem Kader wird kein Trainer der Welt etwas reißen. Reschke hat ein erfolgreiches Team völlig unnötig zerteilt Und zum Opfer seiner eigenen Ambitionen gemacht. Aber er kann es halt nicht.

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