Spielbericht, VfB
Schreibe einen Kommentar

Macht Huub Stevens den VfB (noch) schlechter?

Dass der VfB-Trainer ein absoluter Fachmann ist, der schon alles gesehen hat, bewies er kurz vor der Beginn der PK, als er Pep Guardiola eine kleine Geschichte erzählt. Dass er ihn schon kenne als er soooo klein war (hält seine Hand etwa auf Hüfthöhe) und dass Guardiola ihm bei einem Jugendturnier in Lloret de Mar aufgefallen sei, dass der kleine Pep aber einen sonderbaren Laufstil gehabt habe. Dabei konnte sich der Huubster kaum einkriegen vor Lachen, ein sonniges Gemüt hat er also, der VfB-Übungsleiter. Glaubt man gar nicht, die Medien werden ja nicht müde, ihn als griesgrämigen Ewiggestrigen darzustellen. Dass der VfB gerade 0:2 gegen Bayern München verloren hatte, es also kaum Grund für gute Laune gibt – geschenkt. Hatte ja sowieso jeder erwartet, immerhin habe man „über weite Strecken gut mitgehalten“. Damit ist man in Stuttgart schon zufrieden.

Dass nicht alle fröhlich sind angesichts der schlechtesten Heimbilanz aller Bundesligisten, nach hunderten von Minuten ohne Tor und Tabellenplatz 18, wundert Stevens aber trotzdem:

Nicht nur der Tabellenstand, auch die Spielweise stößt manchem auf. Den Mannschaftsbus vors Tor fahren kann auch der VfB nicht, tut aber alles, um kein Tor zu bekommen. Und im Gegenzug leider sehr wenig, um eins zu schießen.

Die Aufstellung:
Huub spielt in einem Art 6-3-1, mit einer doppelten Absicherung an den Flanken durch jeweils zwei Außenverteidiger. Vorne hampelt Vedad Ibisevic rum und man muss kein Fussballfachmann sein, der Pep Guardiola schon in Lloret gesehen hat, um schon vor dem Spiel zu wissen: Ibisevic ist in so einem Spiel eine Fehlbesetzung. Da brauchts schnelle Spieler wie zB Timo Werner und Filip Kostic, die einem Konter das richtige Tempo geben. Das ist aber kein Grund, sich über Ibisevic lustig zu machen:

In Anlehnung an diesen Tweet könnte ich auch die Bayern fragen: „Darf ich bei Euch ins Tor?“ #WenigeralsNeuermussichauchnichthalten.

Der Bosnier jedenfalls kämpft, läuft die Verteidiger Dante und Benatia gut an, ihm gelingen einige gute Ballgewinne, aber Torgefahr strahlt er keine aus, weil er in dieser Aufstellung regelrecht verloren geht. Stevens hat ihm mit der Nominierung gewiss keinen Gefallen getan, wie auch Martin Harnik nicht in den beiden zurückliegenden Spielen gegen Gladbach und Köln. Und so muss man sich fragen: Macht der Huubster die Mannschaft schlechter, weil er sie so destruktiv aufstellt?

Was fiel auf?
Bayern München fehlt die Geschwindigkeit und die Kreativität, um den Mannschaftsbus VfB zu knacken. Nur Arjen Robben strahlt so etwas wie Gefahr aus. Wenn er den Ball hat, schaue ich lieber in meinem iPhone nach lustigen Tweets. Aber: Robben wird weitgehend aus dem Spiel genommen.

Es ist mittlerweile ein Sport in Stuttgart geworden, bestimmte Spieler zu bashen (das ist die Steigerung von bruddeln). Ibisevic ist seit etwa einem Jahr eine beliebte Zielscheibe für Hohn & Spott, Go Sakai und Adam Hlousek ebenso. Aber: Gegen Robben machen beide es wirklich gut, sind dran an ihm bei der Ballannahme, drängen den Holländer teilweise bis zur Mittellinie zurück. Sakai wäre sogar zum Helden geworden, wäre sein Schlenzer nach einem Hochgeschwindigkeitskonter nicht am Außenpfosten gelandet. Je länger das Spiel geht, desto mehr denke ich mir: Da geht was.

Wurden die Bayern überschätzt? Wenn der VfB nur mutiger wäre, wenn der eine oder andere Spieler dabei wäre, der nicht nur den Ball hoch und weit weg schlägt und dort auf den lieben Gott hofft, sondern dort wirklich jemand stehen würde, Werner oder Kostic zum Beispiel, wegen mir auch Sararer. Bayern war an diesem Tag fällig, nur acht Torschüsse hatte die sogenannte Übermannschaft. Wie gegen Gladbach und Köln war für den VfB deutlich mehr drin.

Was muss besser werden?
Der VfB macht wenig falsch im Spiel gegen die Bayern. Aber er hat auch nicht wirklich viel richtig gemacht, das gilt ebenso für die Spiele gegen Gladbach und Köln. Sicher, die Abwehr um Niedermeier und Baumgartl steht sicher. Leitner fällt nicht negativ auf, Romeu leistet sich keine gravierenden Fehler und Gentner ist, … ja, er ist Gentner. Lieb, nett, fleißig. Das ist aber zu wenig. Nimmt Huub Stevens der Mannschaft den letzten Rest an kreativem Raum? Nimmt er Offensivkräften wie Harnik, Ibisevic, Werner, Kostic, Maxim den letzten Rest an Selbstvertrauen? Es sieht ganz danach aus. Denn wenn Du entweder auf der Bank sitzt oder Dir vorne nur so die Gurken um die Ohren fliegen, Du den Bällen nur hinterher läufst, kaum positiven Aktionen hast, ja, dann macht das wenig Spaß. Und genau so sieht es aus: Es wird viel gelaufen und gekämpft, die letzte Begeisterung Überzeugung fehlt aber, so wie auch bei den Zuschauern. Da wird pflichtschuldigst geklatscht, sich das Pfeifen verkniffen, aber ein Funke springt nicht über. Weder von den Rängen aufs Spielfeld, noch umgekehrt.

So wie der Huubster die Defensive hinbekommen hat, so muss er nun die Offensiven aufrichten: Maxim in den Arm nehmen, Ibisevic aufs leere Tor schießen lassen, mit Werner Playstation spielen. Mit seiner guten Laune und seinem Fachwissen müsste ihm das gelingen. Dann nimmt er auch die Fans mit, denn den meisten geht es wohl wie mir: Ich will dran glauben, dass der Klassenerhalt klappt. Ein kleines offensives Signal wäre schön. Nur ein klitzekleines, Huub! Ok?

Das sieht die Süddeutsche Zeitung auch so und wagt einen nostalgischen Blick zurück auf die Zeiten mit Allgöwer, Elber, Bobic, Fritz Walter und Gomez. Auf Spieler also, die für das eine oder andere Tor gut waren. Anstatt dessen wählt Stevens die Taktik, ein Tor weniger zu bekommen als der Gegner und nicht ein Tor mehr zu schießen als der Gegner.

Was bleibt?
Hoffnung. Dass der Huubster erkennt, dass nicht mit 14 0:0 die Klasse gehalten werden kann. Dass die gute Form von Bremen, die Siege von Hamburg, Hertha und Dortmund nur Momentaufnahmen sind. Dass Hoffenheim, die noch schlechter in die Rückrunde gestartet sind als der VfB (0 Punkte in 3 Spielen) ihren Negativlauf nächstes Wochenende fortsetzen.

Was sagt Jan Delay zum VfB?
Ja, dies ist für die Traurigen,
die zu tausenden da draußen sind,
irgendwo alleine sitzen und
einfach nicht mehr weiter wissen,
für die die Sonne nie mehr scheint,
weil die graue Wolkendecke ewig bleibt,
verlassen und verloren,
ausgepowert und am Boden.
(aus „Hoffnung“)

Ein Bild aus besseren Tagen vertreibt vielleicht die Tristesse … Man beachte die langen, weißen Unterhosen!

Bild:
Ververidis Vasilis / Shutterstock.com

Darf gerne geteilt werden:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.