Beliebt, VfB
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Stuggi*. Ginni. Love.

Er ist ein mächtiger Mann. Über 1,90 Meter groß, Litfasssäule für flächendeckende Tattoos, und doch umweht ihn immer ein Hauch von Melancholie. Denn Daniel Ginczek ist der Don Quijote des VfB. Sein Kampf gegen die Windmühlen seiner Verletzungen ist Symbol dafür, nie aufzugeben, und trotz vieler Rückschläge immer positiv zu bleiben. Nach zwei Kreuzbandrissen, einem Bandscheibenvorfall und unzähligen Muskelverletzungen hat der Schmerzensmann des VfB nun drei Spiele am Stück absolviert (insgesamt 269 Minuten), er hat sieben von 13 Torschüssen beim Spiel gegen Frankfurt abgegeben, ein Tor vorbereitet (Frankfurt), eines selbst geschossen (Gladbach). Er ist zu einem absoluten ErfolgsfakTOR unter Tayfun Korkut geworden.

Daniel Ginczek ist jemand, der Menschen mitnimmt und für sich einnimmt. Die VfB-Fans leiden stets mit dem bulligen Stürmer mit, sie haben ihn ins Herz geschlossen wegen seines entscheidenden Tores gegen Paderborn 2015. Aber auch wegen seiner schier unmenschlichen Leidenszeit. Mitleid ist das nicht, es ist Respekt und es ist Stolz auf einen Spieler, der sich immer wieder zurückgekämpft hat und dabei nicht selbstmitleidig wurde, sich nie beklagte, sondern sein Verletzungs-Schicksal mit Würde ertrug. Und es ist Liebe, die bei Ginczek offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht. Es scheint eine perfekte Symbiose zwischen beiden zu geben: Publikum und Stürmer geben sich gegenseitig Halt – und Hoffnung. Hoffnung, dass Ginczek verletzungsfrei bleibt und dass er die Rolle spielt, die zu seinem Talent passt.

Daniel Ginczek ist seit einigen Jahren eines der Gesichter des VfB Stuttgart. Mit ihm verbindet man trotz seiner Verletzungen nur Positives. Weil er immer wieder zurück kam. Weil unter anderem er es war, der den Abstieg 2015 verhinderte. Die letzten, von Euphorie getragenen Spiele in der Zweigligasaison. Union Berlin. Nürnberg. Aue. Würzburg. Ginczek war auch nicht beim beispiellosen Spannungsabfall der Abstiegssaison 2016 dabei.

Ginczek und die VfB-Fans sind Lebens- und Leidensgefährten geworden. Die in guten und in schlechten Zeiten zueinander stehen und die auch einmal Fehler zugestehen können. Sie helfen einander, die negativen Gedanken zu zerstreuen, sie sind dankbar einander zu haben: Ginczek, der beim VfB trotz seiner Verletzungshistorie angesehen ist und das Publikum, dem die Nummer 33 eine Projektionsfläche bietet.

Obwohl er außerhalb des Spielfelds manchmal so aussieht, als käme er gerade von einem Videodreh eines Hip-Hop-Videos aus den Nullerjahren und seine Frau Wibi eine Celebrity-Family auf Instagram kreieren möchte, bleibt Ginczek nahbar. Vermutlich ist es seine Verletzlichkeit in diesem mächtigen Körper, die den Menschen nahe geht.

Ginczek ist ein Eingesperrter in diesem verletzlichen Körper. Aber es steckt ein ungeheurer Trotz in ihm, unverwüstlich, ja fast heroisch kommt er immer wieder zurück. Er zeigt gigantischen Mut, denn er schont sich in keinem Zweikampf, obwohl durchaus Zweifel in ihm stecken müssen. Aber der 26-jährige stellt sich nicht die Frage „Halten meine Knie?“, er ist unbezwingbar in seinem Willen, erster Abwehrspieler zu sein, offensiv seinen gewaltigen Körper einzusetzen, Tore zu schießen und Tore vorzubereiten. Deshalb liebt ihn das Publikum. Für seinen Kampf mit sich selbst. Und für den VfB.

Daniel Ginczek

* für die Headline liegt uns eine Ausnahmegenehmigung von kessel.tv vor.
Denn natürlich heißt es Stuttgart und nicht Stuggi.

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3 Kommentare

  1. heldausberlin sagt

    Beim Saison-Opening wollte mein Sohn noch unbedingt ein Autogramm von ihm. War aber auf dem Wasen nicht mehr zu erreichen. Wir warteten deswegen vor dem Clubgelände. Als er kam, stand seine Frau mit seiner weinenden Tochter da, die unbedingt zu ihrem Papa wollte. Er sagte zu uns, er müsse sich jetzt erstmal um seine Familie kümmern, käme dann aber nochmal raus.
    Nach einer Viertelstunde kam er tatsächlich zurück und ließ sich noch mit meinem Sohn fotografieren. Er ist eben ein Profi mit Herz und Leidenschaft durch und durch!

  2. Stephan sagt

    Wie immer ein sehr schöner Text über einen Topmann! Danke hierfür. Jedoch: Ginczeks Kampf gegen die Windmühlen, diese so häufig und fast immer falsch verwendete Metapher, muss ich rot anstreichen. Denn als der Don gegen Windmühlen etc. kämpfte, kämpfte er einen aussichtslosen Kampf, da er ihn gegen einen EINGEBILDETEN Gegner (Riesen etc.) führte. Ginczeks Verletzungen waren hingegen real, zumindest ist davon auszugehen. Also kein Kampf gegen Quijotes Windmühlen. Sorry für den Senf, weiter machen!

    • @abiszet sagt

      Oh, vielen Dank für die Artikel-Kritik und den Rotstift. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich nicht wohl gefühlt habe bei der Metapher wegen der Aussichtslosigkeit. Aber habe mich dann doch dafür entschieden … erwischt ;-)

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