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Super-Hitz: Bad Cannstatts Bester?

Eines vorweg: Natürlich ist Thomas Hitzlsperger das Beste, was dem VfB Stuttgart passieren konnte. Er ist eine Bereicherung für unseren Club. Er hatte den Mut, den Kader auf links zu drehen, was nicht ohne Risiko war und nach wie vor ist. Wir hoffen, dass sein Plan aufgeht, auch wenn wir nicht wissen, wie groß sein Anteil daran war und ist. Hitzlsperger ist eine Bereicherung für den VfB, denn er ist fan-nah, integrativ, empathisch, feinfühlig, diskussionsfreudig und meinungsstark. Seine Stärke ist nicht nur die Kommunikation sondern alle, alle Beteiligten bei der Entscheidungsfindung mitzunehmen … okay, von Christian Gentner einmal abgesehen.

Dem Vernehmen nach war er kein Freund von der Idee, Jürgen Klinsmann zum Vorstandsvorsitzenden der VfB 1893 AG zu machen, er fürchtete womöglich um seine Position. Verständlich. Aber wird dem Meister von 2007 nicht zu viel zugemutet? Vom Meisterhelden zum „Beauftragten des Vorstands in der Schnittstelle zwischen dem Lizenzspielerbereich und der Vereinsführung“ zum Präsidiumsmitglied zum NLZ-Leiter zum Sport-Vorstand (seit Februar 2019!) zum Vorstandsvorsitzenden zum Cannstatter Supermann innerhalb von etwa drei Jahren. Eine steile Karriere. Dass er scharf schießen kann, wussten wir. Dass er auch karrieremäßig durch die Decke gehen kann, sehen wir zehn Jahre später.

Hitzlsperger kann zum Superhelden von Cannstatt werden. Niemand anderem als ihm wünschen wir es mehr. Aber dass jetzt so eine Dynamik in die Besetzung des Vorstandsvorsitzenden kommt, erstaunt schon angesichts der offenen Präsidentenfrage. Der wird bekanntlich am 15. Dezember gewählt und vorher sollen offensichtlich Fakten geschaffen werden. Womöglich könnte der neue Präsident eigene Ideen einbringen, schließlich ist er zugleich Aufsichtsrat(svorsitzender) der VfB 1893 AG. Dass Hitzlsperger laut einer unbestätigten Medienmeldung Vorstandsvorsitzender wird und gleichzeitig in Personalunion seinen Job als Sport-Vorstand ausüben soll, hätte ein G’schmäckle. Er wäre damit sein eigener Vorgesetzter. Obwohl, wer träumt nicht von einer solchen Konstellation in seinem eigenen Berufsumfeld? Sein eigener Chef sein, das war bislang Selbstständigen und Freiberuflern vorbehalten. Aber jetzt gibt es dieses Privileg eventuell auch beim VfB Stuttgart.

Natürlich ist Hitzlsperger der ideale Mann: Er ist beliebt – und zwar überall, nicht nur im VfB-Umfeld. Hinter ihm können sich alle verstecken und da kein Mann von außen kommt, bleiben Strukturen und Personalien zunächst einmal unverändert. Genau die hätte wahrscheinlich ein neuer Vorstandsvorsitzender von außerhalb des VfBs in Frage gestellt. Und das hätte dem VfB Stuttgart sehr gut getan.

Dass Thomas Hitzlsperger dem VfB bisher auch sehr gut getan hat, steht außer Frage. Er hat für eine Aufbruchstimmung gesorgt, den Kader verjüngt, ist nicht davor zurückgeschreckt, verdienten Spielern keinen Vertrag zu geben, hat einen Trainer geholt, der den VfB auf Aufstiegskurs gebracht hat. Andererseits ist seine Vita als Sportvorstand noch ziemlich blank – vom Abstieg mal abgesehen. Wir hoffen, dass es in Zukunft wieder nach oben geht – gerne mit „Hitz“ als Vorstandsvorsitzenden. Doch der Job ist nicht ohne: Für ihn völlig fremde Aufgabengebiete wird er zu beackern haben, wie beispielsweise die Entwicklung einer Gesamtstrategie, er wird sich mit Fragen des Rechts, der Finanzen und der Compliance beschäftigen müssen, er soll Vermarktungspotentiale erkennen und internationale Partnerschaften schmieden, so steht es jedenfalls im Anforderungsprofil, das uns vorliegt. Ist Thomas Hitzlsperger der „charismatische General Manager mit internationalem Spirit und Erfahrungen im Bereich Sport/Medien/Enterntainment/Consumer Goods“? Kann er „basierend auf sehr gutem betriebswirtschaftlichen Verständnis bzw. des Geschäftsmodells ‚Profifußball‘ die Strategien der VfB Stuttgart 1893 AG entwickeln“? Das wird sich zeigen müssen. Es kommen auf jeden Fall große Herausforderungen auf ihn zu und wir wünschen ihm den Mut und das Durchsetzungsvermögen, nicht alles abzunicken und auch einmal unangenehme Entscheidungen zu treffen – und durchzusetzen!

Übrigens: Hitzlspergers Konkurrent um den Posten des Vorstandsvorsitzenden, Bernhard Heusler, wurde anscheinend abgelehnt, weil er Legia Warschau beriet oder noch berät. Ein Club, der auch von Quattrex-Geldern profitiert. Quattrex: war da nicht mal was? Achja: das Unternehmen, das unmittelbar vom Relegationssieg von Union Berlin gegen den VfB profitierte. Das Unternehmen, dessen Geschäftsführer der Sohn des ehemaligen VfB-Präsidenten war. 2016, bei der Berufung von Wolfgang Dietrich zum Präsident(schaftskandidaten), sah der VfB-Aufsichtsrat darin noch kein Problem. Gibt es beim VfB also so etwas wie einen Lerneffekt? Oder nimmt das Thema gerne auf, um einen unliebsamen Querdenker von außen abzuservieren?

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24 Kommentare

  1. Schwabeimexil sagt

    Andreas, Sebastian, könnt ihr mir noch ein wenig auf die Sprünge helfen. Wer bestellt denn den Vorstandsvorsitzenden der AG – ist das der Aufsichtsrat der AG? Oder ist das der VfB e.V., weil er ja Mehrheitseigner der AG ist? Sollte es der e.V. sein, ist dann das Präsidium zuständig, ggf. mit Genehmigung des Beirats?

    Ich versuche gerade rauszufinden, wer – zumindest formal – der starkt Mann beim VfB ist.

    • @buzze sagt

      Der Präsidialrat (Porth, Gaiser, Ohlicher) führt die Gespräche, der AG-Aufsichtsrat entscheidet dann.

    • Bernd sagt

      Formal sind Gaiser und Pfeifer die starken Herren beim VfB. Der VV der AG wird zwar vom gesamten AR bestellt, aber die vom eV entsendeten Mitglieder (also alle außer Porth) können bei Bedarf durch das eV-Präsidium ausgetauscht werden. Eine Zustimmung des Vereinsbeirats ist hierzu nicht erforderlich. Details regelt die Satzung der AG, von daher wäre es interessant, die mal zu Gesicht zu bekommen.

      • @abiszet sagt

        VV wird vom AG-Aufsichtsrat bestellt, wie von Sebastian angeführt. Zum Thema Präsident ein Zitat des Vereinsbeirats: „Inhaltlich wird es zu den zentralen Aufgaben des Präsidenten/der Präsidentin gehören, den e.V. mit seinen Abteilungen zu repräsentieren und weiterzuentwickeln, für die Belange der Mitglieder da zu sein und in der VfB Stuttgart 1893 AG die Interessen des Mehrheitseigners im Aufsichtsrat, verbunden mit dem möglichen Vorsitz, zu vertreten.“ Das bedeutet: nicht automatisch AR-Vorsitz (da dieser ja vom gesamten AR gewählt wird).

        • Bernd sagt

          Mag sein, aber wenn der AR jemand anderen zum Vorsitzenden zu wählen meint, dann werden die aufmüpfigen Mitglieder die längste Zeit Aufsichtsräte gewesen sein.

  2. Bernd sagt

    Dass ein Vorstandsvorsitzender auch ein eigenes Vorstandsressort betreut, hat kein Gschmäckle sondern ist völlig normal. Diesen Fehler bitte berichtigen.

    Emotional hätte ich Heusler spannend gefunden, sehe aber natürlich auch das Risiko Hitz jemanden vor die Nase zu setzen. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, die Entscheidung über den VV herauszuzögern, bis sich die Erfolgswahrscheinlichkeit des hitzlintatschen Weges besser beurteilen ließe, aber angesichts eines drohenden Buchwalds als neuem starken Mann wäre das vielleicht auch keine so tolle Idee gewesen. Ist ein bisschen wie die Korkut-Verlängerung: kann ein cleverer Schachzug sein aber auch nach hinten losgehen.

    Was ich aber Hitz definitiv zutraue, ist auch in den Bereichen Marketing und Finanzen für bessere Verhältnisse zu sorgen. Er hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass er auch in neuen Verantwortungsbereichen vielversprechendes Personal holt.

    • @buzze sagt

      Er hat jetzt ja gleich drei Ressorts: Sport, Unternehmensstrategie und Kommunikation – und ist damit quasi sein eigener Chef im Bereich Sport.

      • Schwabeimexil sagt

        Da bin ich bei Bernd, Sebastian. Er ist quasi auch sein eigener Chef bei Unternehmensstrategie und Kommunikation. Ich kenne es auch so, dass ein Vorstand halt aus X Leuten mit unterschiedlichen Ressorts besteht und einer von denen ist dann zusätzlich Vorstandsvorsitzender oder -sprecher.

      • Bernd sagt

        @buzze: Sorry, aber dieser Blödsinn wird durch Wiederholung nicht besser, Er ist ab dem 15.10. genauso wenig sein eigener Chef wie jetzt auch, da sich an seinen Rechenschaftspflichten im Ressort Sport gegenüber dem AR nichts ändert. Das ist wie gesagt eine ganz normale Aufgabenverteilung im Vorstand einer AG. Rummenigge ist auch Sportvorstand bei den Bayern. Källenius ist Vorstand für das Ressort Mercedes Benz Cars.

        • @buzze sagt

          Dann mal andersrum gefragt: Wenn ein externer VV gekommen wäre, hätte einer der Vorstände eines oder mehrere seiner Ressorts abgeben müssen? Oder hätte man für ihn neue geschaffen?

          • Bernd sagt

            Wenn ein Externer gekommen wäre, hätte dieser wahrscheinlich nur die Ressorts Unternehmensstrategie und Kommunikation übernommen. Der HSV hat mit Hoffmann als VV und Vorstand für Marketing und Kommunikation sowie mit Boldt als Sportvorstand so eine Konstruktion.

            Könnt Ihr die Fake News mit dem Gschmäckle bitte endlich rausnehmen?

          • @buzze sagt

            Nein. Denn die zitierte Passage aus dem Anforderungs-Profil zeigt ja, dass es ursprünglich so offensichtlich nicht gedacht war.

        • @buzze sagt

          Im Anforderungsprofil an den Vorstandsvorsitzenden steht übrigens: „Arbeitet eng und vertrauensvoll mit dem Vorstand Sport zusammen, um sicherzustellen, dass er über die erforderlichen Ressourcen und Unterstützung verfügt, um herausragende sportliche Ergebnisse erzielen zu können.“

          Eine Zusammenarbeit mit sich selbst stelle ich mir sehr eng und vertrauensvoll vor. :-)

          • Roland sagt

            Das ist ungefähr so, als wenn der Innenverteidiger, der Kapitän wird, plötzlich der Vorgesetzte des Mittelstürmers sein soll. Nein, er bleibt Innenverteidiger und auf einer Stufe mit dem Mittelstürmer – hat aber im Zweifelsfall etwas mehr zu sagen, wenn es darauf ankommt.

            Die Tatsache, dass man niemand von außen geholt hat, spricht dafür, dass der Aufsichtsrat die aktuelle Besetzung des Vorstands als ausreichend ansieht. Wenn z.B. Klinsmann gekommen wäre, hätte man die Zuständigkeiten neu ordnen müssen. Das hätte beispielsweise dazu führen können, dass Klinsmann und Hitzlsperger für den Sport zuständig gewesen wären – schwierig. Oder einer der anderen hätte gehen müssen.

            Wenn ich mir die Unternehmenswelt so anschaue, dann ist die VfB AG mit drei Vorstandsmitgliedern ganz gut aufgestellt. Etliche weit größere Unternehmen (gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl) haben auch nicht mehr Vorstände.

  3. Schwabeimexil sagt

    Dann scheinen mir die Fäden ja schon ziemlich eindeutig bei Gaiser zusammenzulaufen. Von Pfeifer habe ich noch nie etwas gehört und bei Porth scheint es ja nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis er weg ist, obwohl man Daimler sicher trotzdem eng einbezieht in die Vergabe der Führungspositionen.

    Ohlicher und der Beiratsvorsitzende Erhard kommen mir jetzt auch nicht gerade wie die großen Meinungsmacher vor, wie der gesamte Beirat, der eher ein wenig erschrocken scheint über seine plötzliche Verantwortung mit der Präsidentenvorauswahl.

    Ob Gaiser schon einen Favoriten hat, oder ist er selbst einer derer, die nicht genannt werden wollen? Wird sich Hitz wohl einschalten in die Wahl seines Präsidenten? Seine Meinung hätte wohl einiges Gewicht bei den Mitgliedern, die am Ende wählen.

    Spannend

  4. @SWeinrebe sagt

    Obwohl ich Hitzelsperger sehr schätze und ich mit seiner bisherigen Arbeit durchaus zufrieden bin, halte ich seinen kometenhaften Aufstieg nicht für richtig. Bei Klinsmann wurde die Frage aufgeworfen, was ihn zum VV qualifiziert. Diese Frage stellt sich mir bei Hitz auch, da seine bisherigen Erfahrungen im Sportmanagement nicht wirklich umfangreich sind und sein Erfolg ehrlicherweise auch noch nicht richtig bewertet werden kann.

    Für mich erscheint das ganze doch eher so, als ob der Präsidialrat schnell eine bequeme interne Lösung zur Sicherung der eigenen Position gesucht hat. Meiner Meinung nach hätte diese Position unbedingt extern besetzt werden sollen, um endlich mal von außen neue Impulse zu bekommen. Spätestens das Spiel gegen Wehen Wiesbaden hat gezeigt, dass selbst ein neuer Sportvorstand, ein neuer Sportdirektor und eine nahezu neue Mannschaft es nicht geschafft haben, die typischen VfB-Krankheiten wie Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und Selbstüberschätzung auszukurieren. In meinen Augen wurde mit dieser Entscheidung die Chance auf einen richtigen, vollständigen Neuanfang endgültig vertan.

  5. Aha… ein externer VV hätte also den selbstgefällig-überheblichen Auftritt der Profimannschaft gegen Wehen Wiesbaden verhindert. Steile These, das.

    • @SWeinrebe sagt

      Nein, ein externe VV hätte diesen einzelnen Auftritt sicher nicht verhindert. Man sollte hier schon etwas weiter denken. Wie auch Ihnen vielleicht aufgefallen sein könnte, zieht sich diese Problematik der schnellen Selbstzufriedenheit, Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit schon seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten unabhängig von Trainer, Spielern, Präsidenten hin. Zu Bobic Zeiten wurde das gemeinhin mit der „Wohlfühloase“ bezeichhnet. Schaut man sich andere Clubs an, ist das nicht (in dem Ausmaß) der Fall. Das zeigt deutlich, dass in diesem Verein irgendetwas nicht stimmt, was aber wohl nicht so leicht ausfindig zu machen ist. Folglich braucht es einen externen, der hier mal jeden Stein umdreht und versucht, diesen „Teufel“ auszutreiben. Neue Besen kehren gut -sagt man. Dafür zahle ich auch gerne drei Euro ins Phrasenschwein. By the way, beim DFB versucht man genau das aktuell mit Fritz Keller. Bei genauerem Nachdenken vielleicht doch keine so steile These?

  6. centercourt sagt

    „[…]da kein Mann von außen kommt, bleiben Strukturen und Personalien zunächst einmal unverändert. Genau die hätte wahrscheinlich ein neuer Vorstandsvorsitzender von außerhalb des VfBs in Frage gestellt. Und das hätte dem VfB Stuttgart sehr gut getan.“

    Ich weiß, dass in Frage stellen von Personalien ist die Lieblingsforderung aller VfB-Fans, gleichzeitig frage ich mich schon, woher das eigentlich kommt. Hat man die letzten Jahre nicht verfolgt? Wir haben abgesehen vom Platzwart gefühlt jede handelnde Person (Trainer, Sportdirektor, Vorstand, AR (Mitglieder und Vorsitzender) sowie Präsident mindestens einmal, die meisten mehrfach ausgetauscht. Ein Großteil davon waren „externe Querdenker“. Die Liste seit Staudt und Hundt das Sagen hatten ist endlos.

    Ich freue mich, dass man nicht wieder einen neuen Wichtigtuer mit komplett anderen Ideen reingeholt hat. Entweder ich vertraue auf den Hitz/Mislintat/Walter-Weg oder ich fange wieder von vorne an.

    • @buzze sagt

      Das kann man durchaus so sehen. Andererseits fallen mir sofort vier Personen in neuralgischen Positionen ein, die bereits zwei Abstiege begleitet haben, und jetzt vermutlich weiterhin nicht hinterfragt werden.

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