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Typisch VfB

Wenn in die Scheisse, dann richtig mit Vollgas. Der VfB als sein eigenes Abrisskommando. Wenn, dann als bisher unbesiegter Tabellenführer gegen den Tabellenletzten die erste Niederlage kassieren, nach vier Pfostentreffern und Scheibenschießen am Spielende. Typisch VfB.

Wenn Du mit Mario Gomez und Hamadi Al Ghaddioui zwei Ochsen im Sturm hast, dann brauchen die Flanken und Vorlagen, im wesentlichen von den Außenpositionen. Wenn die aber einzig mit einem indisponierten Borna Sosa und einem deplatzierten Santi Ascacibar besetzt sind, dann geht der Matchplan von Trainer Tim Walter nicht auf (er korrigiert dies später mit den Einwechslungen von Silas und Massimo). Aber selbst mit einer beschissenen Aufstellung und Einstellung muss der VfB gegen Wehen Wiesbaden gewinnen. Von einem Kader, der 100 mal teurer ist, kann man das erwarten. Millionarios verlieren gegen eine, sorry, Thekentruppe. Typisch VfB.

Zugegeben, Doppeltorschütze Manuel Schäffler ist in der Form seines Lebens. Der würde im Moment auch barfuss, mit verbundenen Augen und drei Maß vom Wasen intus die Kisten machen und seine Tore resultieren aus geradezu grotesken individuellen Fehlern. Sosa verhindert die Flanke beim 0:1 nicht, Marc-Oliver Kempf und Ata Karazor agieren in der Mitte als ob sie gemeinsam eine Schlaftherapie gebucht hätten und der Abschluss von Schäffler ist einfach überragend. Das 1:2 ermöglicht ein 3-Meter-Fehlpass von Sosa am eigenen Strafraum und Gregor Kobel denkt, er würde den Ball sowieso halten, und ist mit den Gedanken deshalb schon bei der Spieleröffnung ist. Ja, das war die Arroganz des Tabellenführers. Typisch VfB.

Auch wenn der VfB natürlich mindestens den Ausgleich schießen muss, auch wenn die Ballbesitzquote bei 82 Prozent liegt: Das Spiel des VfB ist geprägt von schlampigen Zuspielen, drucklosen Pässen, einer statischen und uninspirierten Spielweise, die es Wehen Wiesbaden mit seiner 5er- und 4er-Kette meistens leicht macht, die Angriffe zu verteidigen. Karazor ist weder wach noch handlungsschnell, Nathaniel Philips hat einen Zitterfuß und eine Körperspannung wie nach einer durchzechten Nacht in einem verrauchten Pub und Ascacibar fühlt sich auf der Halbposition im Mittelfeld so wohl wie eine bengalische Wüstenrennmaus auf einer Eisscholle. Da passt vorne und hinten nichts zusammen. Al Ghaddioui ist so verzweifelt, dass er auf den Flügel ausweicht. Aber was macht er da mit dem Ball? Er verliert ihn. Das ist nicht sein Spiel, er muss in Szene gesetzt werden, ebenso Gomez. Die beiden haben ihre Chancen, ja, vieles entspringt dem Zufall und dann fehlt beiden die Konsequenz und der Punch, das Tor auch wirklich zu erzwingen.

Es war klar, dass „Uns wird keiner ein Bein stellen“, diese (leicht) arrogante Aussage von Tim Walter vor dem Spiel, ihm irgendwann vor die Füße fallen würde. Dass es ausgerechnet gegen den Tabellenletzten Wiesbaden passiert: Typisch VfB.

Ist es auch typisch VfB, dass Zuschauer zur Halbzeit pfeifen? Dass während des Spiels, bei Einbindung von Kobel ins Aufbauspiel, gepfiffen wird? Ist das wirklich hilfreich, ist Pfeifen das probate Mittel, um schläfrige und überbebliche Spieler aufzuwecken? Ich finde es jedenfalls nicht gut. Nach dem Spiel seinen Unmut zu zeigen, kein Frage, aber während des Spiels? Aber klar, Fußball ist Emotion. Und er ist auch negative Emotion. Vor allem, wenn man Tabellenführer ist …

Nach der Länderspielpause geht es mit einem weiteren Heimspiel gegen Holstein Kiel weiter (Sonntag, 20. Oktober, 13.30 Uhr). Also gegen Tim Walters ehemaligen Verein. Er will alle Spiele gewinnen, dieses aber sicher ganz besonders. Dass er seinen Ehrgeiz zu gewinnen im Spiel gegen den Tabellenletzten nicht auf die Mannschaft übertragen konnte, wird ihn sicher genauso schmerzen wie die VfB-Fans. Mal schauen, ob die Manschaft etwas aus der Niederlage lernt. Das wäre dann gar nicht mehr typisch VfB.

Unseren Rückblick in GIFs „Die Rache des Aluminiums“ findet Ihr hier.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

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13 Kommentare

  1. Horst sagt

    Hier das vollständige Zitat, dann hört es sich auch nicht mehr arrogant an:

    Uns kann keiner ein Bein stellen. Aber klar, wenn Du auf den Platz gehst, besteht die Chance, zu scheitern. Aber ich sehe bei meinen Jungs nicht, dass sie die Aufgabe zaghaft oder von oben herab angehen. Wir wollen bestätigen, dass wir zu Recht da oben stehen.

  2. Joachim Leuze sagt

    Mein lieber Horst, er hatte einst auch einmal gesagt, dass der VfB nur sich selber schlagen kann! Und genau so ein Spiel war es. Der VfB hat mit seiner eklatanten Abwehrverhalten und einem Fehlpass (Sosa) die Niederlage selbst eingeleitet.
    Aber mir zeigte das Spiel aber auch auf, dass nicht nur die Verletzung von Nicolas Gonzalez eine gewichtige Rolle spielte, nein, auch das Fehlen von Holger Badstuber machte sich schwer bemerkbar. Aber was mich mehr oder weniger störte ist die Tatsache, dass Tim Walter vier gelernte Sechser (Acacibar, Mangala, Karazor und Förster – letzterer spielte die Position auch schon in Sandhausen) und der Leistungsschwächste spielte diese eminent wichtigste Position. Da gehört entweder Ascacibar oder Mangala hin oder beide bzw. wenn er mit einer Doppelsechs spielt. Aber es sollte mal erklärt werden, welch Rolle Karazor in Walters Gedanken spielt…!
    Dann fehlt dem VfB an Geschwindigkeit! Das Ballgeschiebe ist doch von den Gegnern zu leicht auszurechnen und man kann sich hervorragend stellen. Ascacibar sowie Mangala sind einfach keine „Achter“, dort gehören wieselflinke und wendige Spieler hin, die entweder Flanken können oder mal eins zu eins gehen können. Es gibt also noch viel zu tun.
    Jetzt heißt es Mund abputzen, aus dem Spiel lernen und wieder aufstehen. Mich ärgert nur die -Tatsache, dass es gegen den vermeintlich Tabellenletzten so eine Leistung zustande kam. Mal sehen, wie TW das Spiel gegen Kiel angehen möchte… Die werden besonders motiviert sein und es wird abermals ein ganz gefährliches Spiel. Wenn das auch verloren geht, dann könnte das Ganze zu einem ganz „schwarzen Oktober“ mutieren.

  3. Tobias sagt

    Nichts hätte es besser zeigen können als dieses Spiel, dass Walter mit seiner Aussage „uns kann keiner ein Bein stellen“ zu 1000 % richtig lag!
    Gefehlt hat lediglich die Ergänzung“wenn uns eine ein Bein stellt dann nur wir selbst“.
    Wiesbaden hat uns doch kein Bein gestellt, ein riesengroßer Patzer und einmal im Tiefschlaf, haben zu zwei Gegentoren geführt.
    Anschließend bringt man zig Fach die Kugel nicht über die Linie.
    Diesmal ist es auch nicht damit gut gegangen, dass man aufstellen kann wen man will und trotzdem gewinnt.

    • @abiszet sagt

      @Horst, Tobias und Joachim
      Es geht nicht um das Zitat an sich (von der unglücklichen Formulierung mal abgesehen), es war klar, dass irgendwann jemand ein Bein stellen würde, sondern um den Zeitpunkt gegen den Tabellenletzten, der vor der Partie 23 Gegentore in acht Spielen kassierte.
      Ansonsten gehe ich bei allem mit: Karazor, Sechser, Badstuber …

    • Stefan sagt

      Bin seit über 40 Jahren Fan. Die einzige Konstante über all die Jahre hinweg waren/sind immer wieder ’schläfrige und überhebliche Spieler‘ (© @abiszet), die vermeintlich schwächere Gegner mit schönster Regelmäßigkeit unterschätz(t)en. Hab mich bisweilen gefragt, warum offenbar kein Trainer dieser Welt den VfB-Schlendrian auf Dauer in den Griff bekommt, bzw. bekommen kann.
      Scheint so, dass bereits ein Hauch von Favoritenrolle das Ego diverser Spieler durch die Decke gehen lässt; ganz egal, ob nun z. B. die Saison 84/85 gespielt wurde – oder die laufende gespielt wird.

  4. drhuey sagt

    Ich mag Ballbesitzfussball…nach wie vor. Aber Walters Version hat eklatante Schwächen. Sein Schlüsselspieler steht gefühlt zu mindestens 50 % mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und lässt prallen oder spielt quer, auch gerne mal ohne Gegnerdruck. Das könnte Gentner auch noch. Das ist mir viel zu wenig nach vorne orientiert. Über seine Handlungsschnelligkeit ist schon alles gesagt. Er ist nicht der Lenker, den das Spiel braucht. Borna Sosas Leistung ist eine Frechheit. Leider hat Walter in beiden Fällen nicht reagiert. Damit wären wir beim Trainer. Es kristallisiert sich heraus, dass er sein System durchziehen möchte und erst sehr spät umstellt. Den Sturm so lange so zu belassen ist ein Versäumnis, das evtl. den Sieg gekostet hat. Ich denke nicht, dass Arroganz im Spiel ist, denn zu vielen Toren hat das Waltersche System noch in keinem Spiel geführt. Demgegenüber stehen aber Situationen, die in der ersten Liga zu Gegentoren führen und dann hat man plötzlich nur 5 Punkte auf dem Konto. Es ist aus meiner Sicht eine trügerische Sicherheit, mit der der Ball in torentfernten Gefilden zirkuliert wird und es muss dringendst Zug zum Tor, Konsequenz und Killerinstikt in das tolle Walter-System.

    • Bernd sagt

      Die Niederlage war sicher nicht dem System geschuldet. Das System kann nix für haarsträubende individuelle Fehler. Das System war immerhin in der Lage gegen einen tiefstehenden Gegner ausreichend Chancen für mindestens den Ausgleich zu generieren, die hätte man halt nutzen müssen. Nee, das war eine Niederlage der Mentalität, weil viele Spieler es nicht geschafft haben, sich gegen den Tabellenletzten ausreichend zu motivieren. Ist auch kein exklusives Problem von uns, Dortmund hat beispielsweise auch regelmäßig mit solchen Aussetzern zu kämpfen.

      Grundsätzlich denke ich aber, dass unter Walter diese VfB-typische Mentalitätsschwäche besser geworden ist. Dass die Spieler die Liga angenommen haben und bisher ganz ordentlich geliefert haben, hätte ja so nicht zwingend eintreten müssen. Denke, dass da die Methoden von Walter schon ganz gehörigen Anteil haben.

      Eine andere Frage ist, wie man längerfristig mit der Problematik umgeht. Die Aussagen von Hitzlintat, in Zukunft mehr auf Mentalität und Bock auf den VfB zu setzen, gehen ja schonmal in die richtige Richtung. Ob Spieler wie Sosa da auch noch die Kurve kriegen, muss man sehen. Wenn das unter Walter nicht klappt, dann wird das wahrscheinlich eh nix mehr bei denen.

  5. Barry sagt

    Es gibt den Kommentaren kaum etwas hinzuzufügen, selbst dem meines Stammtisch-Kollegen J. Leuze ausnahmsweise nicht ;)

    Nur eines, bedenkenswerter wie die Daueraufstellung von Karazor, der entweder einen schlechten Lauf hat oder einfach (qualitativ) überfordert ist – was näher liegt, finde ich die Aufstellung von Ascacibar auf rechts/ halb rechts. Als würde man auf einen Porsche ein Traktor-Reifen aufziehen. Was um alles in der Welt denkt sich der Trainer dabei? Ascacibar kann weder ein Spiel schnell machen, noch ein Spiel offensiv nach vorne tragen und schon gar keinen Gegner aussteigen lassen, um eine Flanke zu schlagen (noch etwas, das er nicht vernünftig kann). Und dann ins Mittelfeld stellen? Bitte was?? Einfach nur total daneben. Und zu Gomez: was der abliefert ist selbst für die 2. Liga bedingt tauglich. Ein Luftloch (zum Glück) und aus 5m vollkommen frei stehend den Ball nicht im Tor untergebracht. Seine Zeit ist rum, das weiß er, dass weiß der VfB, das wissen die Fans. Er taugt höchstens als Joker oder (noch) dazu dem Gegner etwas Angst einzujagen. Schade, aber Tatsache.

    Man sieht unter dem Strich nach wie vor kein wirklich funktionierendes System. Ängstliches Ballgeschiebe von abwechselnd 3-4 Mann in der eigenen Hälfte (toll für die Passquote) und dann irgendwie den Ball nach vorne gebracht (wenn Old Badstuber nicht spielt). Wenige vernünftige Spielzüge sind die Ausnahme davon. Da passt nach wie vor noch ziemlich viel nicht beim VfB.

  6. Holger ConzelmannVc83 sagt

    Ballbesitz….. scheiss drauf….. das ding raus auf den flügel…. flanke in den strafraum wenn da 2 solche stürmer sind….. was sieht man aber wirklich …. ballgeschiebe …. wieder nach hinten gern auch mal zum torwart …. schlafwagengekicke …. und bis auf gestern auch mit viel glück an der tabellensputze…. gut die letzten minuten da ging es auf einmal…. dieses mal eben pech…. nur wenn einer da keine 5 meter an den mann bringt … SCH…..

  7. fluke sagt

    Prognose: Tim Walter wird nächstes Jahr um diese Zeit nicht mehr Trainer in Stuttgart sein…

    An dieser Stelle möchte ich „Trainer Ludwig“ rezitieren im Bezug auf die Aufstellung von Karazor gestern … „Schiri mir wechslad.. mir spielad lieber in Unterzahl weider .weil des geht garned mit dem… der Kerle taugt gar gar nix, scho immer, die ganze Familie ned

    Wenn man so eine desolate Leistung abliefert… ist es besser man bleibt in der 2. Liga… da kann man hin und wieder noch nen Blumentopf damit gewinnen… Falls man aufsteigt… werden mit Sicherheit neue Rekorde aufgestellt…

    Tim Walter ist an seiner (In)-kompetenz nicht zu übertreffen… und wenn man halt so scheisse stur seine Meinung und Ideologien behält… und nicht aus Fehlern lernt… Fehler hat man ja schon genug diese Saison gemacht… nur halt mit viel Dusel Punkte mitgenommen… Dann sollte man zurück in den Jugendbereich gehen… Da kann man Harakiri und Kamikaze machen…

    Walter RAUS! und nimm Deinen drecks Wunschspieler gleich mit

  8. drausvomLande sagt

    Also Walter RAUS und Drecksspieler geht gar nicht.
    Klar macht dieser Trainer Fehler, aber eigentlich müsste das schon vor der Saison jedem klargewesen sein, denn wenn man sein Ding so durchziehen will, dann geht das schief und ebenso eigentlich ist es doch egal, wer Trainer und was „das Ding“ ist, wir haben Neu-Aufbau und das geht nicht reibungslos.
    Klar wird auch der Trainer das Jahr nicht durchstehen, wäre ja nicht Stuttgart, wenn doch.
    Pfeifen soll nicht gehen? Warum? Wir sind doch das schwierige Umfeld, wer, wenn nicht wir, und wann, wenn nicht während des Spiels?
    Oder kriegen wir das dieses Jahr doch hin?
    Naja, mein Bauch sagt schon lange, dass wir nicht aufstehen und mein Bauch ist groß(artig).
    ABER bitte: Drecksspieler kenne ich nur in einer Mannschaft und die ist nicht aus Stuttgart.

    • @abiszet sagt

      Danke, dvL, ich hatte vergessen, auf unser hohes Niveau bei vp hinzuweisen und dass sich dies doch bitte auch sprachlich in den Kommentaren fortsetzen sollte ;-) Wie immer bin ich optimistischer, es sei denn, es folgt eine geradezu unheimliche Und unwahrscheinliche) Niederlagenserie, die bei Wiesbaden begann, gegen Kiel weiter geht und bis nach Hamburg und zurück führt …

  9. Bernd R. sagt

    Eine Schlussfolgerung fehlt mir noch bei den sonst stimmigen Kritiken. Zum ersten Mal reicht die Mentalität nicht, um das Ding zu wuppen und der Badstuber steht nicht auf dem Platz. Er fehlt also möglicherweise nicht nur im Passspiel sondern die Mannschaft braucht ihn auch als Anführer. Die Jungen können noch nicht so vorangehen und die älteren Einkäufe machen einen eher wechselnden bis schwachen Eindruck, was dieses Thema betrifft.

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