Allgemein, Mini-Feature, Querpass
Kommentare 1

Tor in Maribor! Eine Ode an die Konferenz

Seit 2006 bin ich Kunde bei Premiere. Für die Jüngeren: Das ist der Sender, der mittlerweile Sky heißt. Grund dafür war damals ein spektakuläres WM-Paket. Alle Spiele, alle Tore eben. Seitdem bin ich also Abonnent. Entweder, weil ich verlängert habe oder weil ich vergaß, rechtzeitig zu kündigen. Wer sich mit den Gepflogenheiten des Münchener Senders nicht auskennt: Gute Konditionen bekommen nur Neukunden; als Bestandskunde sollte man jährlich kündigen, die ersten drei Briefe und 30 Anrufe von Sky ignorieren und dann auf den letzten Drücker ein attraktives Bleib-bei-uns-Angebot akzeptieren. Diese Praxis ist so gängig, dass es sogar extra Foren dafür gibt. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Jedenfalls gucke ich gerne Fußball bei Sky. Sehr gerne. Das beste an den Übertragungen sind aber weder die schicken Anzüge der Moderatoren noch die illustren Experten oder die Kommentatoren, die tatsächlich etwas von Fußball verstehen. Das Killer-Feature schlechthin für mich ist die Konferenz.

Die Konferenz. Das klingt wichtig. Denn Konferenzen sind immer wichtig. Die Konferenz von Jalta, die Solvay-Konferenz, die Klima-Konferenz  und natürlich die WDR Schlusskonferenz, mit der ich aufgewachsen bin. Da war immer was los. Da wurde am Samstag Nachmittag wild durch die gesamte Republik konferiert. Manni Breuckmann, Günther Koch, Sabine Töpperwien. Unvergessene Momente. Ich habe die Konferenz sozusagen im Blut.

Bei Sky gibt es die Konferenz nicht nur in den Schlussminuten jeder Halbzeit, sondern immer. Mit Bild und animierten Schaltungen. Und so bin ich in den acht Jahren am Sky-Tropf zum Fußball-Fast-Food-Junkie geworden. Für 90 Minuten mit nur zwei Teams ist meine verkümmerte Aufmerksamkeitsspanne mittlerweile zu kurz. So ein WM-Finale mit deutscher Beteiligung ist gerade noch drin. Ansonsten brauche ich Spiele, Spiele, Spiele. Je mehr desto besser. Und bitte nicht länger als ein Musikvideo. Was interessieren mich Taktik und Strategie? Ich will Action!

Nie wieder Fernsehen mit Bildung;
Reportagen auf Arte
Nur noch Comicbuch-Verfilmungen
mit ordentlich Karate

– Kraftklub

Zwei Spiele sind für mich keine echte Konferenz, die fünf Bundesligapartien am Samstag Nachmittag das Minimum. Die erste Runde des DFB-Pokals hingegen ein echter Fußball-Feiertag. Unzählige Partien mit sich überschneidenden Anstoßzeiten, damit bloß kein Leerlauf entsteht. Das Paradies für jeden Konferenz-Fan. Das jagt das „Tor in Illertissen“ den „Platzverweis in Rathenow“. Und während zum Ort des Geschehens geschaltet wird, überlege ich mir, wer zum Teufel überhaupt gegen Illertissen spielt.

Noch aufregender wird es in der Europa League. Da reist man in wenigen Minuten über den gesamten Kontinent: Von Polen nach Portugal und von Belgien an den Bosporus. Dank der Konferenz werde ich zum Groundhopper ohne das Sofa verlassen zu müssen! Mein Highlight in der letzten Saison war übrigens ganz klar die Partien von Elfsborg gegen Esbjerg – auch, wenn ich mittlerweile vergessen habe, welches Team aus Schweden und welches aus Dänemark stammte. Ein Fall für echte Konferenz-Profis. Kompliziert kann es auch dann werden, wenn mehrere Teams aus einer Stadt gleichzeitig spielen. „Tor in London!“ Aber für wen? Arsenal, Chelsea oder doch Tottenham? Ach nee, die spielen ja auswärts.

Als erfahrener Konferenzgucker habe ich mittlerweile die Fähigkeit entwickelt, schon am Tonfall des Kommentators zu erkennen, was ich Sekunden später sehen werde. Denn ein „Tor in München“ kann völlig unterschiedlich klingen. Abhängig davon, ob gerade das 2:0 der Bayern gefallen ist oder der unerwartete Ausgleich für den Außenseiter. Ein „Tor in Stuttgart“ nach  der 80. Minute war in der letzten Saison allerdings unabhängig vom Tonfall stets ein Gegentor für den VfB. Wobei ich glaubte, immer einen leicht mitleidigen Unterton gehört zu haben.

Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Konferenz-Formate im deutschen TV. Warum nicht mal drei Tatorte gleichzeitig ausstrahlen? Entweder einzeln über die Optionskanäle oder in der großen Konferenz: „Leiche in Hamburg!“, „Witz in Münster!“, „Stadtaufnahme in Stuttgart!“.  Wie gut das wäre!

Ende November endet mein Sky-Abo. Der erste Brief kam auch schon.

Foto: Paolo Bona / Shutterstock.com

Darf gerne geteilt werden:

1 Kommentare

  1. Pingback: #Link11: Struktureller Antipaderbornismus | Fokus Fussball

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.