Mini-Feature, Querpass
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Wäre Guardiola beim VfB erfolgreich?

Dass Alexander Zorniger seinen Dreijahres-Vertrag nicht erfüllen würde, dazu musste man angesichts der letzten Wochen kein Prophet sein. Die Trennung vor dem Dortmund-Spiel kam dann doch überraschend. Während schon Namen für die Zorni-Nachfolge genannt werden, wird noch nach Gründen für das Scheitern Zornigers gesucht. Eine Übersicht:

Zorni als Person
Der ehemalige Leipziger Trainer war schon sehr von sich überzeugt. Und ließ an dieser Überzeugung alle und zu jeder Zeit teilhaben. Damit machte er sich nicht unbedingt Freunde. Bei den Mitarbeitern in der VfB-Geschäftsstelle nicht, bei den Journalisten nicht und auch bei den Spielern nicht. Gut, ein Trainer ist nicht dazu da, sich Freunde zu machen. Aber wenn man weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Erfolge vorzuweisen hat, dann macht man sich angreifbar und fordert Kritik und Häme geradezu heraus.

Die Fans
Zorniger hat das Fan-Lager gespalten. Die einen hielten ihn für einen Maulhelden, der noch nichts in seiner Karriere erreicht hat. Die anderen für den einzigen, der in Cannstatt aufräumen könnte. Auch nach dem desaströsen 0:4 gegen Augsburg gab es keine „Zorniger raus!“-Rufe. Womöglich hatte das Publikum aber schon resigniert. Den Verein treibt die massive Angst um, die Unterstützung seiner Fans zu verlieren – in erster Linie wegen der geplanten Ausgliederung.

Die Mannschaft
Zu Beginn von Zornigers Amtszeit schaute sich die Mannschaft den Trainer und seine Spielweise interessiert an. Kapitän Gentner und die Silberrücken fragten sich belustigt „Was will der denn?“ Nach kurzer Zeit stellten sie fest: Zornis Spielkonzept ist anstrengend, kann aber auch Spaß machen – und sogar Erfolg bringen. Sie ließen sich darauf an, mußten aber persönliche Nachteile in Kauf nehmen und gaben nach fünf Spieltagen auf.

Die Kaderzusammenstellung
Robin Dutt hat Zorniger einen Kader hingestellt, der es in sich hat. Da gibt es die Silberrücken um Kapitän Gentner mit Harnik, Klein, Niedermeier und Schwaab, die man als Trainer gewinnen muss, um beim VfB etwas zu erreichen. Da gibt es die Jungen und Unerfahrenen wie Baumgartl, Werner, Heise und Ferati, die Orientierung und Halt suchen. Beides konnte ihnen Zorniger nicht geben. Dann sind da die Unzufriedenen Kostic und Didavi, die höhere Ambitionen haben und nur noch genervt sind vom erneuten Abwärtstrend. Die Enttäuschten um Maxim, Lord Hlousek, Gruezo, Vlachodimos haben wegen ihrer Chancenlosigkeit bereits resigniert. Die Neuen schließlich um Tyton, Insua, Rupp, Sunjic und Kliment fragen sich „Wo bin ich hier nur hingeraten?“. Und da ist dann noch der willige Serey Dié, dem man deutlich ansieht, dass er die Welt nicht mehr versteht. Diesen Kader zu moderieren und zu motivieren, würde auch Pep Guardiola schwer gefallen.

Die Spielweise
Den Münchener Trainer bringt der hochgeschätzte Oli Fritsch in seinem Kommentar in der ZEIT (hier lang) ins Spiel. Fritsch hält das Spielsystem Zornigers, das auch das von Roger Schmidt, Markus Gisdol und Jürgen Klopp ist, für einen Irrweg im Fußball. “ Diese Trainer setzen auf Physis, Tempo, Balleroberung, nicht auf Spielwitz, Offensive, Initiative“, was das Gegenteil vom schönen Fußball, dem Ballbesitz-Fußball von Guardiola sei. Fritsch stellt die steile These auf, daß Zorniger vielleicht nicht erkennt, „ob ein Spieler gut, sehr gut oder eben mittelmäßig ist.“ und gesteht dies gleichzeitig Scholl (der Bayerns Zweite erfolglos trainierte), Babbel (der in Hoffenheim krachend scheiterte) und Effenberg (der seine erste Trainerstation gerade in Paderborn antrat) zu.

Einen Trainer für seinen Underdog-Fußball zu kritisieren, dessen Team zwei Jahre knapp dem Abstieg entgangen ist, geht an der Realität vorbei. Den Ballbesitz-Fußball Guardiolas mit Gentner, Harnik, Rupp oder Insua spielen zu wollen, die zuweilen Schwierigkeiten mit Tempo, Taktik und Technik haben, ist illusorisch. Es ist eine spannende Frage, welchen Fußball Guardiola in Stuttgart spielen lassen würde. Wie er mit dem eingeschränkten Spielermaterial umgehen würde. Ich wage die Prognose, dass es ein anderer Fußball als in Barcelona und München wäre. Im Gegensatz zu Zorniger würde er viel flexibler spielen lassen, wäre nicht auf eine Spielausrichtung festgelegt und würde vielleicht den einen oder anderen Spieler wirklich besser machen. Aber wir werden es nie erfahren. Guardiola wird nach den Bayern eine weitere gute Mannschaft noch besser machen. Wobei ein Engagement beim VfB für den Katalanen eine echte Herausforderung wäre.

Warum Zorniger mit dieser Mannschaft scheiterte, wird hier ausführlich behandelt.

Bild:
Kostas Koutsaftikis / Shutterstock.com

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