Allgemein, Mini-Feature, VfB
Kommentare 3

Die Untrainierbaren.

Der VfB ist wie das Einkaufszentrum „Das Gerber“: mit großen Ambitionen gestartet, aber nach kurzer Zeit gescheitert. Beide wollten einfach zu viel auf einmal. Der VfB hatte sich mit Alexander Zorniger einem einheitlichen Spielkonzept verschrieben, gleichzeitig sollten vorhandene Strukturen in der Mannschaft aufgebrochen werden. Zorni wurde beim VfB zu viel zugemutet und er ist sich selbst im Weg gestanden, ständig grätschte ihn sein Mundwerk um.

Er verlor Spiele, weil seine Spieler vorne nicht trafen und hinten Fehler machten, wie sie sonst nur C-Jugendlichen unterlaufen. Und er verlor sein Team, das mit seiner Art der Menschen- und Mannschaftsführung offensichtlich nicht zurecht kam. Er verlor es aber auch deshalb, weil es mit seinem Spielsystem überfordert war. Der wilde Pressing-Fussball passt weder zur Mentalität noch zur Qualität der Spieler. Zorniger wollte ein Leistungsklima schaffen, die Spieler dauerhaft aus der Komfortzone holen, die sie sonst nur verlassen, wenn es wirklich eng wird. Geschaffen hat er ein Reizklima – und zwar auf allen Ebenen. Darauf hatten die Spieler wohl keinen Bock mehr, für was auch, wenn nicht mal Spiele gewonnen werden.

Endlich ist jetzt wieder Ruhe in Bad Cannstatt. Furchtbare 13 Spieltage hat es gedauert bis man diesen Laptop-Trainer wieder los geworden ist. Der von alternativlosem Offensivfußball sprach und der sein Feedback unverhohlen und unverblümt adressierte. Doch das Schlimmste: Er kritisierte die Spieler – öffentlich! Kannte der Mann denn gar keine Grenzen?

Dem Vernehmen nach bat das Präsidium auch um die Meinung der Spieler. Wie muss man sich das vorstellen?
Bernd Wahler: „Sag’ mal, Gente: Was hält die Mannschaft denn vom Zorni?“
Christian Gentner: „Herr Präsident, außer mir und zwei, drei anderen hört dem keiner mehr zu!“
Bernd Wahler: „Und Sie, Herr Schwaab, Sie können doch auch immer so klug daher reden!“
Daniel Schwaab: „Der Trainer ist nie zufrieden, das frustriert uns. Und dann redet er immer so schnell und verlangt, dass wir immer alles sofort begreifen und umsetzen!“
(im Hintergrund nickt Georg Niedermeier heftig)

Beim VfB entscheiden also die Spieler über die Trainer-Entlassung. Die Mannschaft hat beim 0:4 alles getan, was sie konnte – um den eigenen Trainer abzusägen. Das Team hat allen gezeigt, dass es nicht mehr mit diesem Trainer arbeiten will. Gegen Augsburg hat Zorni nicht nur ein Spiel verloren, er hat den Machtkampf mit der Mannschaft verloren. Der Trainer hat es nicht geschafft, eine neue Führung im Team zu etablieren. Einstweilen hat sich der Kreis um die sogenannten Führungsspieler Gentner, Schwaab, Niedermeier, Klein und Harnik durchgesetzt. Man darf gespannt sein, wie das nächste Opfer heißt.

Das Machtgefüge innerhalb des Teams hat Robin Dutt ganz offensichtlich unterschätzt, neben Teilen der Kaderplanung sein großer Fehler im Sommer. Dabei hätte er nur Thomas Schneider oder Armin Veh fragen müssen.

Bild: VfB Stuttgart

Darf gerne geteilt werden:

3 Kommentare

  1. 23.11.2009: Vor 6 Jahren übernimmt Markus Babbel die Mannschaft von Veh, der in 2,5 Jahren doch Erfolge vorweisen konnte.

    Zusammengefasst:
    Babbel
    Gross
    Keller
    Labbadia
    Schneider
    Stevens
    Veh
    Stevens
    Zorniger
    Kramny

    Genau 10 Trainer in 6 Jahren. Alle 7,2 Monate ein Trainerwechsel. Aber Labbadia war dank Fredi (der hätte heute dem Zorniger 5 Jahre verlängert…) knapp 3 Jahre Trainer. Klammert man den Labbadia aus der Rechnung aus, dann sind es 9 Trainer in 40 Monaten. Alle 4,4 Monate ein Trainerwechsel.
    Und ob jemand folgen wird? Spätestens in 4,5 Monaten – Anfang April – wissen wir mehr.

  2. Pingback: #Link11: Beckendaum, Blattini & Pep Jobs | Fokus Fussball

  3. Pingback: VfB-Lektüre am Mittwoch, 25. November 2015 | Rund um den Brustring

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.