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Immer auf die 12!

Mir ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit eine unerklärliche das-dass-Schwäche habe, obwohl mir der Unterschied durchaus geläufig ist. Ich kann nicht Konjunktion und Pronomen und so sprachliche Spitzfindigkeiten benennen, aber intuitiv richtig gemacht habe ich es immer meistens. Ein Flüchtigkeitsfehler also. Ich komme mir ein bisschen vor wie Adam Hlousek. Der kann auch Fußball spielen, ihm unterlaufen aber immer wieder geradezu lächerliche Fehler.

Was ich in meinen Texten zuletzt ebenfalls feststellen musste, ist – gerade in der Vergangenheitsform – der vermehrte und alleinige Einsatz von Hilfsverben anstatt auf Verben ohne ihrer Helfershelfer zu setzen, was die Formulierungen insgesamt aktiver und bildhafter macht. Stattdessen liest es sich nicht so flüssig und abwechslungsreich, ich möchte es an manchen Stellen sogar monoton und uninspiriert nennen. Bei diesen beiden Adjektiven fällt mir auch wieder Hlousek ein. Ich hege wohl wegen meiner persönlichen Fehlerquote im tiefsten Innern eine gewissen Sympathie für ihn. Gut, ich mag es generell nicht, wenn Spieler der eigenen Mannschaft ausgepfiffen werden, da kommt gleich mein Helfersyndrom raus. Selbst wenn die sportliche Leistung mal nicht stimmen sollte, mit Absicht spielt keiner schlecht. „Hlousek kann es nicht besser!“, werden mir jetzt vielleicht einige entgegnen. Das ist kein Grund, dass sich Hlousek zum Punchingball entwickelte, mir fällt im Moment kein Spieler ein, der von VfB-Fans so zum Prügelknabe gemacht wurde. Nun entdeckt Alexander Zorniger in Hlousek Fähigkeiten, die selbst ich, der ihm menschlich wohlwollend gegenüber steht, kaum für möglich gehalten hätte.

Es ist nicht unüblich, wenn es in Unternehmen an der einen Stelle zu viel und an der anderen Stelle zu wenig Mitarbeiter gibt und aus arbeitsrechtlicher Sicht keine akzeptable Lösung vorhanden ist, dass umgeschult wird beziehungsweise Weiterbildungsmaßnahmen angeordnet werden. Als „Neuorientierung“ wird das ganz gerne verkauft, als Chance, sich neu zu beweisen. So findet sich Hlousek, der sich in seiner ersten Saison ernsthaft im Niveau-Limbo versuchte, plötzlich in der Innenverteidigung wieder, etwas, was ich als Schnapsidee von Zorniger bezeichnet habe. Geeignet für Jux- und Vorbereitungsspiele, aber doch bitte nicht für den Ernstfall. Ich wüsste nicht, wieso absurde Stellungsfehler und naives Zweikampfverhalten in der Innenverteidgung verschwinden sollten bei Hlousek. Aber Zorniger versteht da keinen Spaß, er meint „Adam tut unserem Spiel richtig gut“ genau so, wie er es gesagt hat. Der VfB hat durch die Versetzung Hlouseks quasi einen weiteren Neuzugang und folgt damit anderen Beispielen von Bundesligisten in der näheren Vergangenheit:

– Erik Durm wird vom Stürmer zum Außenverteidiger
– Tony Jantschke rückt von der Außen- in die Innenverteidigung
– Benedikt Höwedes und Jerome Boateng sind Mitglieder im edlen Club der „Ochsenabwehr“, bei der WM 2014 auf die Außenverteidiger-Positionen versetzt
– Markus Feulner ging von der 10 auf die 8 auf die 6 bis zum linken Verteidiger und wird bald Balljunge
– Alexander Meier wurde Stoßstürmer unter Schaaf und damit 2014/2015 trotz einiger Verletzungen Torschützenkönig

Aber es gibt auch einige Beispiele aus der VfB-Vergangenheit:
– Hermann Ohlicher fing als Stürmer an und spielte sich so in seiner ersten Saison in die damalige B-Nationalmannschaft, wurde dann ins Mittelfeld versetzt, wobei ich ihn stets als eine Mischung aus Vorstopper, Spielmacher und Mittelstürmer sah. Ja, eine krude Zusammenstellung, aber so war er der Hermann. Überall auf dem Platz zu finden, so ein bisschen wie Christian Gentner heute, nur dass Ohlicher torgefährlicher war.
– Roberto Hilbert begann als rechter Außenstürmer oder Mittelfeldspieler beim VfB und entwickelte sich zum rechten Verteidiger bei Besiktas und Leverkusen.
– Christian Tiffert, auf den viel zu wenig Hymnen gesungen wurden, weniger wegen seiner sportlichen Erfolge, als vielmehr wegen seiner Personality und seinem Ruf als Chef-Styler, begann als Außenstürmer oder gar Stoßstürmer, wollte dann Fummler werden, war dann Achter und Sechser bei Lautern und absoluter Standard- bzw. Vorlagenkönig. Wo spielt er in Aue? In der Außenverteidigung? Seine Rückkehr nach Stuttgart bei den Spielen gegen VfB II und die Kickers sollte jedenfalls abgefeiert werden.

Nachdem Alexander Zorniger offensichtlich alles gelingt und er für Hlousek eine neue Aufgabe gefunden hat, gibt es vielleicht auch noch Hoffnung für Vedad Ibisevic. Welche Rolle könnte der einstige Torgarant spielen? Denn wenn man der Stuttgarter Zeitung glauben darf, wird es nichts werden mit einem Wechsel. Die Beharrlichkeit, die Ibisevic an den Tag legt, wenn er sich gegen die Auflösung seines Vertrages sträubt, prädestiniert ihn für eine Rolle als Backup für Serey Dié, der leider mindestens fürs Pokalspiel ausfällt. Oder auch für die Innenverteidigung? Dort kommt es dann allerdings fast zu einem Überangebot. Aber auch das sollte kein Problem sein, wenn Zorniger Georg Niedermeier endgültig vom Nieder- zum Vollstrecker umschult und ihn bei Rückständen regelmäßig für die letzten zehn Minuten als Kopfballungeheuer mit eingebauter Brechstange nach vorne schickt, um dem gegnerischen Keeper Angst zu machen.

Zorniger ändert also nicht nur das System, sondern die Spieler gleich mit. Oder leidet er wie ich einfach nur unter dem Helfersyndrom?

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  1. Pingback: Zwischen Pokalspiel und Bundesliga-Auftakt – Rund um den Brustring am Mittwoch, 12. August 2015 | Rund um den Brustring

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