Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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Menschen, Tore, Sensationen!

Kinder, freut euch: Der weiß-rote Zirkus ist in der Stadt! Magische Momente in der Offensive mit Solonummern zum Zungeschnalzen und Toren wie aus einem Youtube-Highlight-Clip. Aber leider auch immer wieder mit spaßbefreiten Horroclown-Momenten in der Defensive. Das will doch keiner sehen!

Ja, so ein VfB-Spiel macht eine Menge Spaß – wenn man nicht gerade mit dem Team bangt und zittert. Es gibt viel zu viele Spiele der Kategorie “Wer so eine Partie gewinnt, steigt auf” und zu wenige mit dem Prädikat “Wie langweilig, aber so spielt ein Spitzenreiter”. Na klar, so eine Partie wie gegen Bielefeld ist leider geil, aber ein Spiel wie z.B. gegen Düsseldorf oder K’lautern würde vor allem meinen Nerven gut tun. Denn, wenn die restlichen Partien alle so spannend sind, werde ich den Aufstieg vermutlich nicht erleben.

Aber warum ist es immer so spannend? Ist es vielleicht eine Self Fulfilling Prophecy, weil Hannes Wolf in bester Pep-Manier jeden Gegner stark redet? Laut Guardiola war ja auch Darmstadt überragend – und der Zorniger-VfB sowieso. Natürlich kann sich der Trainer nicht hinstellen und sagen: “Bye, bye Bielefeld”, aber muss es nicht das Selbstverständnis des Aufstiegskandidaten Nummer 1 sein, den Tabellensiebzehnten zu schlagen – vielleicht sogar souverän? Ich habe jedenfalls manchmal das Gefühl, dass bei aller Demut und Bescheidenheit dem VfB eine klitzekleine Prise gesunde Arroganz ganz zu Gesicht stünde.

Okay, Bielefeld ist unter Jeff “le Chef” Saibene stärker geworden. Aber zwei Tore gegen den VfB kann die Arminia trotzdem nur erzielen, wenn ihr sauber zugearbeitet wird. So wie gestern von Insua und Langerak. Dafür, dass die Stuttgarter keine Fehler machen wollen, ist das ziemlich beachtlich.

Auf der anderen Seite reichen der Stuttgarter Offensive fünf starke Minuten, um drei Tore zu erzielen. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der VfB mal 60 Minuten so spielt. 36 Tore sagt mein Milchmädchen gerade. Apropos Getränke. Im Breitscheidstüble, wo wir das Spiel verfolgten, wird übrigens ganz anders gerechnet: Zwei Tore in drei Minuten = ein Slivowitz.

Doch wieder zur nüchternen Analyse: Die übrigen 85 Minuten geht es wieder mal viel quer und zurück in der Bielefelder Manege. Es ist die gleiche Vorstellung wie gegen 1860 und den KSC. Nach wie vor spielt das Team einfach zu drucklos. Dabei hat die zweite Hälfte gegen Dresden doch gezeigt, dass die Mannschaft ihre Gegner an die Wand spielen kann. Nicht durch Finesse, sondern durch frühes Pressing und jede Menge Druck.

Passend zu Ostern gibt es trotzdem die große Wiederauferstehung des VfBs. Weil sie einen Alexandru Maxim im Team haben, der nicht nur richtig Bock hat, sondern auch aus 40 Metern Tore schießen kann. Und dazu einen Simon Terodde, der auch nach 89 Minuten und einigen versemmelten Großchancen die Bälle noch so schön chipt, dass er vermutlich bald im grünen Jacket aufläuft.

Vielleicht müssen wir uns einfach dran gewöhnen, dass die restlichen Spiele so ablaufen. Solange am Ende mit den Clowns nicht die Tränen kommen, sondern der Aufstieg, soll es mir recht sein.

7 Kommentare

  1. Das veryoutubte VfB-Tor war imho noch das unspektakulärste …

    Zweite Liga ist doch geil – trotz Schwächephasen nicht nur vorn dabei, sondern Erster … Da hat man ja schon fast Angst vor Erstligatristesse …

  2. MPH sagt

    Also ich hätte nix gegen 1 Jahr „Platz-10-Erstligatristesse“. Endlich mal nicht jede Woche dieser nervliche Stress mit den notwendigen Ergebnissen. Einfach mal Fussball schauen und nicht immer diese essentielle Bedeutung … so wie nächste Woche auch wieder. Gegen Union MUSS der VfB gewinnen.

    Ich habe gestern viel verpasst, da ich auf der Osterrückreise im Stau stand. Um mich nicht zu sehr zu stressen/abzulenken, habe ich auch keinen Ticker laufen lassen. Mitte der 1. Halbzeit doch mal schnell geschaut … 1:0 Bielefeld … so eine Sch… – habe mir die nächsten 45 Minuten bis nach Hause versucht einzureden, dass alles nicht so schlimm ist und 2. Liga doch auch ganz nett und wir auch nächstes Jahr eine Chance haben. Zu Hause angekommen – 2:1 YEAH! Auto ausgepackt – 2:2, ja geht es noch??!!! Die letzten 10 Minuten habe ich dann noch live gesehen. Ganz ehrlich – die gesamte 2. HZ hätte ich das nervlich nicht ausgehalten.

    So gesehen, kann ich den Tenor des Artikels voll nachvollziehen. Und auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Sollten wir wirklich aufsteigen, sollte mal jemand den Simon fragen, was er gerne in seinem Vertrag stehen haben möchte – Laufzeit, Gehalt, sonstige Extras – mir egal, gebt es ihm!

  3. Thomas sagt

    Die Menschen strömen wieder in Scharen ins Stadion und sitzen gebannt am Montagabend im Familienkreis vor den Fernseher oder mit Freunden in der Kneipe.
    Der Zweitligist VfB steht fußballerisch in der Region wieder im Fokus, auch wenn sportlich noch nicht alles läuft, wie es sollte und könnte.
    Die Fans spüren wieder Begeisterung, Leidenschaft, Emotion und vor allem Spannung. Deshalb sind wir Fußballfans. Wer will da schon mit Bayernjedesjahrmeistertristes tauschen?

    PS: Okay, alle zwei Jahre eine Meisterschaft und im Zwischenjahr den Pokal oder die Champions League…wäre schon auch mal wieder nicht schlecht. Traummodus aus .

  4. drausvomLande sagt

    (Noch) nicht heulen, ging ja gut bisher, die Gegner kommen doch erst, das war doch nur Sparring, jetzt machen wir Ernst ..

    • @buzze sagt

      Das sind aber ungewohnt optimistische Worte aus Deinem Mund. ;-) Hoffen wir, dass Du richtig liegst.

  5. Elmar Amendinger sagt

    also ich bin nach dem 2:2 raus in Wald, zu nervenaufreibend, hat aber auch was, hatte ich zuletzt gemacht 2015 als das Spiel in Paderborn lief. Wir sind auf einem guten Weg, zweite Liga ist richtig hartes Brot. Lebe im Pott, sehe hier öfter Bochum. Die haben letztes Jahr den SC Freiburg so was von versohlt hier. Und wo steht Freiburg heute ? Vor 10 Jahren mit unserem Verein auch hier in Bochum. Was für ein unvergessliches Spiel. Montag in Bielefeld hat mich stark daran erinnert, Geschichte wiederholt sich, aktuell nur eine Etage tiefer.

    • @buzze sagt

      Und ich befürchte fast, es war nicht das letzte Mal in dieser Saison, dass wir so zittern müssen. Aber dafür ist dann umso schöner, wenn es klappt. :-)

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