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Ausgerechnet!

Hartnäckig hält sich der Mythos, dass die Geschichten, die nur der Fußball schreibt, auch in jeder anderen Sportart geschrieben werden. Aber das ist natürlich nicht richtig. Schließlich heißt es ja „nur der Fußball“. Und wie diese Geschichten gleich im Akkord geschrieben werden, haben VfB-Fans am Samstag wieder eindrücklich erleben dürfen.

Erst trifft Andreas Beck, seines Zeichens mit 216 Einsätzen Rekord-Bundesliga-Spieler Hoffenheims gegen seinen alten Arbeitgeber nur den Pfosten, dann bereitet er den schmeichelhaften Ausgleich vor. Und wer erzielt ihn? Steven Zuber! Ausgerechnet! Darüber, dass der Schweizer Nationalspieler dann ausgerechnet vor dem Gästeblock jubelte und mit Fritzle kuschelte, kann man sich natürlich aufregen. Vielleicht war ihm wirklich nicht bewusst, wo er gerade stand. Aber andererseits: Warum sollte er sich nicht ausgiebig freuen? Nach etwas holperigem Start läuft es für Zuber in Stuttgart mittlerweile wie ein Schweizer Uhrwerk. Mit fünf Treffern in neun Spielen ist er inzwischen nach Mario Gomez (6) zweitbester Torjäger des VfB. Für die TSG aus Hoffenheim hat er seit 2014 in 82 Partien übrigens nur sieben Treffer erzielt. Dazu dürfte kommen, dass sich ein Spieler sicher lieber von 56.000 als von 27.000 Fans für einen Treffer feiern lässt. VfB-Fans und -verantwortliche dürften die atmosphärischen Störungen zwischen Zuber und seinem Arbeitgeber interessiert zur Kenntnis genommen haben. Vielleicht muss das Kapitel Zuber in Stuttgart doch nicht bereits im Sommer enden.

Doch so z(a)uberhaft die Entwicklung des Schweizers auch ist, sollte man nicht vergessen, dass die Performance des VfB Stuttgart auch am Samstag wenig überzeugend war. Trotzdem sind alle irgendwie zufrieden. Weil das Team jetzt zumindest die Grundtugenden zeigt, die man die ersten zwanzig Spieltagen viel zu oft vermisst hat: Einsatz, Teamwork, Leidenschaft. Da feiert Jens Grahl die Monstergrätsche von Santi Ascacibar in der ersten Halbzeit wie den direkten Klassenerhalt und in der Nachspielzeit steht die komplette Ersatzbank inkl. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger (okay, sonst hätte er auch nichts mehr gesehen). Der Fighting spirit ist zurück. Der VfB ist endlich wieder ein unangenehmer Gegner. Und war in der Hinrunde nach beiden 0:4 Klatschen gegen Dortmund und Hoffenheim der sportliche und emotionale Tiefpunkt der Saison erreicht, ist das Stimmungsbild 18 Spieltage später eindeutig besser. Auf dem Platz und auf den Rängen.

Aber zurück zum „ausgerechnet“. Ausgerechnet haben dürften sich mittlerweile die meisten, dass von Hannover kaum noch Schützenhilfe zu erwarten ist: Nach 1:0 verlor die dolle Trümmertruppe noch 1:3 in Augsburg und empfängt nach der Länderspielpause jetzt Huub huub Schalke, die gegen Leipzig zwar verloren, aber schon froh waren, dass es keine Packung gab. Dennoch: der VfB muss und kann es wohl selber richten. Und das in den beiden Spielen gegen die ehemaligen Arbeitgeber des aktuellen Trainers – ausgerechnet! Drei Punkte Rückstand sind es auf Schalke, fünf auf Augsburg – und in Wirklichkeit noch einer mehr wegen des unterirdischen Stuttgarter Torverhältnisses. Sollte es wirklich zu großen Finale am 34. Spieltag in Gelsenkirchen kommen? Markus Weinzierl gegen seinen Ex-Club und der VfB Stuttgart gegen den Trainer, der Stuttgart 2015 am letzten Spieltag vor dem Abstieg rettete? Solche Geschichten … ihr wisst schon!

Bild: Imago

Es ist also nicht unmöglich, Platz 16 noch zu verlassen – aber es wird verdammt schwer. Ob die Rechnung aufgeht? VfB-Fans tun vermutlich gut daran, sich die letzte Woche im Mai freizuhalten. Denn dann stehen die Relegationsspiele an. Aktuell hieße der Gegner Union Berlin mit Carlos Mané – ausgerechnet. Doch rechtzeitig zum Saisonfinale schwächelt auch der einstige Tabellenführer. Platz 1 haben die Hamburger bereits an Köln abtreten müssen und nach der 2:3 Heimniederlage gegen Darmstadt droht das Wolf-Team sogar auf Platz drei abzurutschen. Man stelle sich vor, Hannes Wolf, Orel Mangala und Berkay Özcan würden zurück ins Neckarstadion kehren. Ausgerechnet!

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1 Kommentare

  1. Findet ihr das richtig Ausgerechnet Wortspiele mit einem Schweizer Uhrwerk zu machen?

    Ausgerechnet nach so einem Spiel? Wo Ausgerechnet Zuber vor den Ausgerechnet 300 mitgereisten Fans jubelt?

    Ausgerechnet als Beck wohl euren Beck for Good text gelesen hat und sich erinnert hat der er ausgerechnet auch etwas Technik hat wenn er will??

    Ausgerechnet nach dem euch Facebook sperrt??

    Ich finde das ausgezeichnet!

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