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Auswärtssieg!

Konstantin_Rausch

(Eine eingesprungene Ecke von Konstantin Rausch)

Ich war auf dem Betzenberg, in der Allianz Arena und in Camp Nou. Nie gab es einen Auswärtssieg. In Schwaikheim erlebte ich dieses seltene Hochgefühl.   

Der VfB Stuttgart hatte kurzfristig ein Testspiel in der Länderspielpause vereinbart, Daniel Ginczek sollte nach seinem Kreuzbandriss Spielpraxis bekommen. Vor zwei Jahren wurde der Bezirksligist TSV Schwaikheim mit 16:0 geschlagen, dann sollte also ein Auswärtssieg durchaus drin sein. Schwoiga, wie die Einheimischen es nennen, ist eine Reise wert. Unbedingt. Hier bäckt der Bäcker noch selbst und der Metzger Bölle schlachtet und wurstet noch, zwei Döner-Läden im Flecken teilen sich den Markt, kein Handy-Shop, dafür mehrere Modeboutiquen für die Frau ab 50. Alle waren auf den Beinen als der VfB kam: minderjährige Mädchen hatten sich aufgetakelt und träumten von einem Leben als Spielerfrau („Der Ginczek ist aber süß!“), Möchtegern-Kicker hatten sich in VfB-Trikots gezwängt, ihre Fussballerfrisur in Form gebracht und jonglierten mit Kaugummis („I war amol B2 beim VfB!“), Rentner, die schon alles gesehen hatten, standen in der Sonne auf ihren Stammplätzen und tranken Bier. Ja, das Bier, es kostet 2 Euro, die Rote 2,50. Die Kommentare der Zuschauer: unbezahlbar.

Der VfB präsentierte sich mit einer B-Elf (unter anderem Raphael Holzhauser als Rechtsverteidiger) als ob er bereits im baldigen Herbstwetter spielen würde: Die Konturen einer Mannschaft sind im Nebel nur mit viel Phantasie erkennbar, Spielaufbau und Spielidee bleiben diffus und schwammig. So hielten die Schwaikheimer gut mit, liefen und kämpfen und zeigten wenig Respekt, den die Zuschauer sowieso an der Abendkasse (8 Euro) abgelegt hatten. Christian Gentner sprintete in einer 4-zu-3-Überzahl-Situation auf die Schwaikheimer Abwehr zu, da rief neben mir ein etwa 70-jähriger Bart- und Kappen-Träger („Ich bin Bankier bei der Volksbank Stuttgart“), seine Bierflasche schwenkend, dem Schwaikheimer Verteidiger aufmunternd zu „Der Gentner, der kannix!“ Beim Versuch eines Tempo-Dribblings gegen Georg Niedermeier rief der Kumpel des Bartträgers, mit farbigen Nike-Tretern deutlich progressiver, „Schorsch, Dei Olde goht fremd!“

Die Schwaikheimer also hochmotiviert, der VfB lustlos, Daniel Didavi schmollte sichtlich, als ob er sich zu fein wäre für so ein Spiel. Daniel Ginczek dagegen sprühte vor Ehrgeiz, lief viel (meist ins Abseits) und traf in der ersten Halbzeit zweimal zum 2:0-Zwischenstand. Beide Tore nach Standardsituationen, das muss man sich mal vorstellen: Keine spielerische Lösung gegen einen Siebtligisten. Für die zweite Hälfte wechselte Schwaikheim komplett sein Team, es sollten alle etwas davon haben, wenn schon der große VfB kommt. So liefen auch Spieler auf, denen man deutlich ansah, das sie nicht regelmäßig Sport machen und es würde mich nicht wundern, wenn der leicht adipöse Innenverteidiger der Schwipp-Schwager des Co-Trainers war. Der spielte zwar clever und stand (stand!) gut im Raum, trotzdem fielen sechs Tore. Bemerkenswert: Ginczek traf nach schöner Flanke von Adam Hlousek zum dritten Mal, aber es stimmt schon, was Trainer Armin Veh vor dem Spiel sagte: „Schauen Sie Daniel auf dem Platz an, der läuft doch völlig unrund. Der hinkt, aber das merkt er gar nicht.“ Aber ganz ehrlich: Hinkend hat Ginczek einen besseren Eindruck hinterlassen als zuletzt Vedad Ibisevic. Aber das ist nur meine Meinung.

Für das Spiel gegen Bayern München wird Ginczek noch nicht in Frage kommen. Aber wenn er den Ehrgeiz und den Torriecher (ausser den drei Toren schoß er noch 2 Abseitstore) mit in die Bundesliga nimmt, dann wird er nicht nur die Schwaikheimer Rentner überzeugen. „Der Ginczek isch n’Guter, aber der soll bloß‘ zrück nach Stuttgart, der macht ja onsre Fraua‘ älle verrückt!“

Adam_Hlousek

(Adam Hlousek bei seiner zweitbesten Aktion nach seiner Torvorlage zum dritten Treffer von Daniel Ginczek)

Für die Statistiker:
Thorsten Kirschbaum – Adam Hlousek, Karim Haggui, Georg Niedermeier (1 Tor), Raphael Holzhauser (ab 46. Arianit Ferati) – Konstantin Rausch (1 Tor, ab 74. Mete Celik), Christian Gentner, Oriol Romeu (1 Tor/FE), Daniel Didavi (1 Tor) – Sercan Sararer (ab 69. Max Besuschkow), Daniel Ginczek (3 Tore, ab 74. Prince Osei Owusu)

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