Spielbericht, VfB
Kommentare 15

Verein für Belanglosigkeit

Die Champions League Ambitionen von Holger Badstuber: interessieren mich nicht. Die immer gleichen Aufstellungen und vorhersehbaren (Nicht-)Wechsel von Tayfun Korkut: ermüden mich. Dennis Aogos Aufzugs-Selfies: ringen mir nicht mal mehr ein Lächeln ab. Michael Reschkes Play-off-Phantasien: regen mich nicht mal mehr auf. Die fehlende Konsequenz, ein Spiel einmal mit einem zweiten Tor zuzumachen: nervt mich immer noch. Immerhin.

Denn es gibt im Moment wirklich wenig, was mich rund um den VfB Stuttgart überhaupt noch aus dem Sattel holt. Zu langweilig, zu bieder, zu graumäusig ist alles geworden. Der VfB ist ein bisschen zum VfL Bochum der 80er Jahre geworden. Da fühlen sich drei Spiele ohne Sieg auch nicht so viel anders an als sieben Spiele ohne Niederlage. Da ertappt man sich bei Frage, ob man einen herrlichen Samstag Nachmittag wirklich für ein Heimspiel opfern soll.

Und immer mehr verfestigt sich aktuell Eindruck, die Spieler sind – bis auf wenige Ausnahmen – am Spiel des VfBs ähnlich uninteressiert wie ich derzeit. Die Luft ist raus. Die Luft ist sogar so raus, dass auch das späte 1:1 von Niclas Füllkrug kaum mehr weh tut. Weder den Spielern noch den Zuschauern. Nur Tayfun Korkut ärgerte es ein bisschen. Den meisten ist es egal, sowas von egal. Der VfB Stuttgart hat das Kunststück vollbracht, sich mit einer sportlich erfolgreichen Rückrunde in die emotionale Belanglosigkeit zu spielen.

Dass die Spannung abfällt, wenn man den Klassenerhalt so gut wie geschafft hat: nachvollziehbar. Aber worum geht’s denn dann noch? Ja, der brutale Druck ist weg. Aber es ist die Aufgabe von Trainer und Clubführung, den Spielern zu vermitteln, dass es sich immer noch lohnt, sich für die letzten Spiele zusammenzureißen. Und ganz nebenbei bekommen die Spieler ihr Gehalt für genau das. Vielleicht sollte Michael Reschke mal die alten Buddys in München anrufen oder mit Uli Hoeneß frühstücken gehen. Dort weiß man offensichtlich, wie das funktioniert. Dass das schwierig ist, wenn fast immer die gleichen elf Spieler in der Startelf stehen, steht dabei auf einem anderem Blatt.

Aber es geht um die Tabellenposition, von der die Höhe der Fernseheinnahmen abhängt. Es geht aber vor allem darum, den Zuschauern zu zeigen, dass es sich lohnt, ins Stadion zu gehen. Es geht darum, den vielen tausenden VfB-Fans am Wochenende so etwas wie Freude und Ablenkung vom Alltag zu vermitteln. Und es geht vor allem darum, dass man nicht zerstört, was in der Saison in der zweiten Liga entstanden ist: Den Schulterschluss zwischen Anhängern und Mannschaft. Der hat erstaunlicherweise sowohl die Ausgliederung wie auch die Entlassungen von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf überstanden, ist jetzt aber in ernsthafter Gefahr.

Schon klar, das sind alles abstrakte, gefühlige Dinge, die sich nur in Standard-Aussagen bei Interviews („Wir sind unseren Fans total dankbar!“) und Propaganda-Formaten wie „VfB im Dialog“ („Wir wollen unseren Fans auch etwas zurück geben!“) finden. Aber es wäre schön, das auch auf dem Platz zu sehen. Weniger Belanglosigkeit, mehr Leidenschaft.

Tayfun Korkut sagt immer, der Moment sei derzeit noch wichtiger als die Zukunft. Sein Motto: „Meine Zukunft ist die Gegenwart“ (by the way kein schlechtes Unterarm-Tattoo). Davon ist in den letzten drei Spielen zu wenig zu sehen. Der VfB Stuttgart lässt seine Saison ganz offensichtlich auslaufen. Und das haben die Fans und Supporter nicht verdient.

Und apropos Zukunft: Die Vorfreude auf die kommende Spielzeit wird so auch nicht wirklich größer.

Darf gerne geteilt werden:

15 Kommentare

  1. Nils sagt

    Ihr sprecht mit mit euren Texten irgendwie immer aus der Seele. So richtig tief raus. So tief, dass ich über das präsentierte Thema eigentlich gar nicht nachdenke. Sei es die fehlende Leidenschaft im Moment, die durch den sicheren Klassenerhalt zustanden kommt.

    Einerseits hätte man viele spielerische Gründe sich aufzuregen und seinem Unmut Platz zu schenken. Andererseits denkt man sich doch -irgendwie auch Mal schön- „weißte was, sei es ihnen verziehen“ Das Ziel ist erreicht.

    Ob das, was im Moment von Mannschaft und Verein insgesamt vorgelebt wird aber so nachhaltig ist, da zweifel ich doch dran.
    Wenn auch nur tief in mir drin. ZB wenn ich schlafe. xD

  2. frank wildermuth sagt

    der vergleich mit dem vfl bochum passt! der VfB ist ne graue maus geworden. dies fing nach der letzten meisterschaft an und zieht sich seit vielen jahren wie ein roter faden durch den ganzen verein. MV würde sich im grabe rumdrehen!!!

  3. Simon sagt

    „Vielleicht sollte Michael Reschke mal die alten Buddys in München anrufen oder mit Uli Hoeneß frühstücken gehen. Dort weiß man offensichtlich, wie das funktioniert.“

    Naja, soooo lange ist es noch nicht her, dass im Olymp an der Säberner Straße, damals noch unter Guardiola als Obergott, das Triple durch eine ähnliche Ferieneinstellung verspaßt wurde.

    Und das hier: „Die Luft ist sogar so raus, dass auch das späte 1:1 von Niclas Füllkrug kaum mehr weh tut. Weder den Spielern noch den Zuschauern.“ kann man für die Zuschauer glaube ich auch nicht durchweg so generell behaupten.

    Als Momentaufnahme stimmt der Text wirklich. Hoffen wir, dass es nicht noch 5 Spiele so weiter geht – das Risiko ist klar greifbar.

    Aber was nächste Saison ist, sehen wir erst dann. Da halte ich alles für möglich, vom Mitspielen um EL-Plätze (nicht wahrscheinlich, aber möglich) bis zur sofortigen Rückkehr auf die Abstiegsränge schon ab September (da traue ich mir gar nicht, über die Wahrscheinlichkeit nachzudenken. Wenn das so kommt und man sich um drei Jahre zurückversetzt fühlt, krieg ich eine Saison lang schlechte Laune.)

    Bei dieser Truppe, und der Führungsmannschaft? Alles möglich. Wenn sogar Korkut so eine Serie hingelegt hat zwischenzeitlich

  4. wrdlbrmft sagt

    Also mich hat das 1:1 schon aufgeregt … wobei das anschliessende Fluchen eine willkommene Abwechslung zum Kopfschütteln und zum Gesicht-in-die-Hande-vergraben der vorangegangenen 90 Minuten war. Und mir war dann auch nicht alles egal, sondern ich stellte mir folgende Fragen:

    – Warum muss immer Thommy gehen?
    – Warum muss Ginczek 90 Min „spielen“? Wieso hat ihn (und uns) niemand erlöst?
    – Warum wird nicht mal versucht, mit z.B. Donis ein Alternativsturmduo auszuprobieren?
    – Warum spielen alle so gern zurück?
    – Warum habe ich nach jedem Spieltag das Gefühl, immer das gleiche Spiel zu sehen?
    – Warum …

  5. Frank Teufel sagt

    Ich habe die Stadionbesuche für diese Saison schon nach dem HSV Heimspiel eingestellt, da verbringe ich die Zeit lieber mit der Familie im Garten.
    Aber genau das ist schon seit Jahren das Problem mit dieser Mannschaft, die letzte Konsequenz fehlt schon immer.
    Wenn man böse und gehässig wäre, könnte man es den Beteiligten auch anders auslegen: das Ziel, Hannes Wolf als Trainer loszuwerden, hat man ja schon erreicht, die Mannschaft hat unter Korkut schnell den Klassenerhalt gesichert (Über die aktuelle Spielweise & Kaderplanung können wir in der langen Sommerpause diskutieren).
    Ich habe noch nicht einmal von einem der Beteiligten bisher die Floskel „Ein einstelliger Tabellenplatz am Ende als Aufsteiger wäre schon geil! Dafür lohnt es sich, nochmal alles zu geben.“ oder ähnliches gehört.

  6. Marcomania sagt

    …neben dem Verprellen der Zuschauer, verpasst man auch die Chance auf eine Weichenstellung für die kommende Saison.
    Wer aber nur in der Gegenwart lebt, verpasst evtl. die richtige Richtung für die Zukunft. Oder verlassen wir uns auch nächste Saison auf das Anfangsglück unter Korkut (oder unter wem auch immer dann ab Oktober).
    Warum auch immer spätestens seit dem HSV-Spiel nicht das Fussball-Spielen aufgenommen wurde, wird sich der Trainer fragen lassen müssen oder vielleicht irgendwann in Selbsterkenntnis sich selbst fragen.
    All diese Spiele im einigermaßen gesicherten Modus initiativlos zu verwalten (und sich über ein spätes Gegentor aufzuregen anstatt ein ganzes Spiel Engagement und Mut zu zeigen), sind vertane Chancen sich auf die kommende Saison hin spielerisch weiterzuentwickeln und vorzubereiten.
    Und wie im Nachgang der HSV gelobt wurde und das Spiel und Ergebnis schön geredet wurde, ist unerträglich wenn man für seine Familie Karten erworben hat und dann so was geboten kriegt; gegen einen HSV, der unter Druck gesetzt noch mehr Fehler gemacht hätte; statt dessen aber eingeladen und durch eine zurückhaltende Spielweise des VfB aufgebaut wurde.

  7. drausvomLande sagt

    Sportbuzzer Hannover:

    „Eigentlich das gleiche Spiel wie in der Regionalliga“
    Zitat Timo Hübers, 21-jähriger Innenverteidiger von Hannover bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Stuttgart (mit den Stürmern Gomez und Ginzcek).

    Was will man denn mehr?

  8. Kotlettschorsch sagt

    Hauptsache gemeckert! Euch kann man es auch nie recht machen, für euch ist das Glas immer halb leer. Ich jedenfalls freue mich, dass ich nicht bis zum vorletzten oder letzten Spieltag zittern muss…

    • @abiszet sagt

      Darüber freue ich mich übrigens auch, lieber Kotlettschorsch. Ist aber kein Grund, dass die Spannung nachlässt …

    • Marcomania sagt

      Wenn ich Fußball spiele, will ich gewinnen!
      Wenn ich Tennis spiele, will ich gewinnen!
      Minigolf – auch!!
      Immer. Und ich mach das nicht mal professionell…
      Und jetzt kommt’s. Ich ärger mich sogar wenn ich nicht gut gespielt habe… unfassbar…

  9. Martin Tangl sagt

    Leider ist das der Negativtrend in der Bundesliga, dem auch der VfB verfallen ist. Auf Dauer will man solche Kicks nicht mehr sehen. Anstatt sich bei schönem Wetter im Stadion vom Fußball begeistern zu lassen, gibt es dort meist Magerkost, eben auch beim VfB. Mal sehn, ob es gegen Werder besser wird. Beide Teams sind doch alle Sorgen los, können befreit aufspielen und den Fans ein Spektakel bieten! Schön wär‘s!

    • @abiszet sagt

      Ja, ein Spektakel wie damals beim 4:4. Bordon schoss, glaube ich, 3 Freistosstore.

  10. Pingback: Lockeres Auslaufen

  11. drausvomLande sagt

    Liebe Nicht-Meckerer,
    ich bin voll und ganz Eurer Meinung, es wird einfach zu viel gemeckert. Wir alle wissen doch, wie das ist, und vor allem: wie man sich zu benehmen hat.
    Letzten Freitag beispielsweise, als der Typ von der Essensausgabe in der Kantine meinte, dass wir ja die ganze Woche schon komplett versorgt worden seien und deswegen ja gut über den Tag kommen könnten und uns trotz bezahlter Essensmarke die Ausgabe verweigerte, da ist er uns beim Dankeskuss ja nur aus Versehen über den Tresen und gegen die Faust gerutscht. Oder am Montag, als der Chef meinte, dass er ja den ganzen Tag bezahlt und deswegen auch darauf bestehen würde, dass wir auch morgens kommen, da galten unsere Kraftausdrücke ja nicht dem Chef, sondern dem Weckerhersteller, Ampelprogrammierer und Stauforscher …
    Ne Ne, wir wissen ja gut, dass wir gegen vollen Preis noch lange nicht die volle Leistung verlangen oder geben können, wo kämen wir denn da hin …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.