Spielbericht
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Langweilig ist das neue aufregend.

Herrliches Wetter, der VfB Stuttgart seit sieben Spielen ungeschlagen. Zu Gast: der Tabellenletzte. Laien fragten: Was soll da noch schief gehen? Leidgeprüfte Fans ahnten schon, was vermutlich auf sie zukommen würde: Ein bisschen weniger laufen würde schon nicht schaden. Und, was sollte schon passieren, wenn man den fehlerhaften HSV ein wenig kombinieren lässt? Die spielten mit Waldschmidt im Sturm (mit Waldschmidt!), mit einem gewissen Gouaida, einem Debütanten namens Ambrosius und mit Kostic auf rechts, wie sollten die je ein Tor schießen? Fast hatte man den Eindruck, die Spieler des VfB wollten diese vermeintlich letzte Tour durch den Jurassic Park nochmal in aller Konsequenz genießen. Es wurde viel zugeschaut, aber wenig gekämpft. Den unbedingten Siegeswillen, den Tayfun Korkut bei seinem Team gesehen haben wollte, suchten die 60.000 im Stadion jedenfalls vergebens. Das Spiel gegen des HSV war das erste unter Tayfun Korkut, das die Bissigkeit und Konsequenz vermissen ließ, die wir mal als die „Darmstadtisierung des VfB“ bezeichnet haben. Ob es ein Ausrutscher war oder richtungsweisend für die restliche Saison, wird sich zeigen.

Im Hinspiel in Hamburg hatten wir noch den typischen Hinrunden-VfB erlebt: Drama, Action und Comedy – und das alles in 90 Minuten. Der Rückrunden-VfB hingegen ist eher eine Telenovela: Vorhersehbar, aber durchaus erfolgreich – und so aufregend wie ein Testbild.

Aber warum sollten wir uns überhaupt am Osterwochenende mit der Rückbetrachtung eines der langweiligsten Spiele der letzten Wochen aufhalten? Schauen wir lieber auf die Gesamtsitaution: Mit 38 Punkten und Platz acht in der Tabelle hat der VfB Stuttgart den Klassenerhalt quasi in der Tasche – und das bereits sechs Spieltage vor Schluss. Und war nicht genau das unser Wunsch für diese Saison? Dass wir frühzeitig die Punkte beisammen haben, bevor mit Leverkusen, Hoffenheim und den Bayern drei Spiele kommen, aus denen man nicht mit Punkten rechnen darf?

Die erste ruhige Saison seit … seit wann eigentlich? Seit 2013? Jetzt ist es also so weit: Früh mit dem Abstieg nix zu tun haben und dem Saisonende lässig entgegen stolpern! Haben wir jetzt alles und jetzt es ist auch wieder nicht recht! Anscheinend fällt uns der Spannungsabfall deutlich schwerer als den Spielern.

Dass es diese zwei Aufreger nach dem blutleeren, emotions- und engagementlosen Auftritt gibt, ist bezeichnend:
In der zweiten Halbzeit spielt Christian Gentner das erste (oder zweite?) Mal in seiner Karriere rechter Verteidiger. Es zeigt einmal mehr schonungslos die Lücke in diesem Kader, in der außer Andi Beck keiner diese Position ausfüllen kann. Und bei Beck sind sich da manche auch nicht sicher. Gentner jedenfalls zeigt ein paar defensive Defizite gegen den wuseligen Ito, spielt das aber solide, „was ich auch von ihm erwarten darf“, so Korkut auf der Pressekonferenz. Der Kapitän spielte damit in dieser Saison außer Rechtsverteidiger bereits als Sechser, Achter, Zehner, agierte links und rechts offensiv und wer erinnert sich noch – unter Christian Gross spielte er 2010 sogar einmal Innenverteidiger. Lucien Favre wäre stolz auf Gentner, mehr Polyvalenz geht nicht. Seit er die Maske trägt, kann „Gentman“ offenbar alles spielen.

Und dann gibt es da noch diesen Torjubel von Daniel Ginczek: Inspiriert vom Onlinespiel Fortnite und von Gideon Jung irrtümlich für eine Schmähung in Richtung Nicolai Müller interpretiert, der sich am ersten Spieltag bei einem vage ähnlichen Torjubel das Kreuzband riss. Da schließen wir uns ausnahmsweise mal gerne Michael Reschke an: „Der Witz in Tüten.“

Überhaupt: ein hervorragendes Fazit für die gesamte Partie.

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2 Kommentare

  1. s'Äffle sagt

    Für mich völlig unverständlich war der blutleere Auftritt vor allem in der ersten Halbzeit. Keine Laufbereitschaft, kein Zweikampfverhalten, keine Bewegung im Spiel, die Sprints wurden nicht angezogen, selbst bei Einwürfen bot sich niemand an. Kurz: das 1×1 des Fußballs fand nicht statt. Und das, liebe Herren Profis aus Cannstatt , ist Einstellungssache! Von Kreativität, genialen Spielzügen oder Dribblings rede ich hier nicht. Die viel zitierten Grundtugenden fehlten. Das reicht dann halt nicht einmal gegen einen tief verunsicherten Gegner. Jetzt hat der einst glorreiche HSV von seinen kümmerlichen 19 Punkten vier gegen den VfB gesammelt, also rund 21 Prozent. An uns liegt’s also nicht, wenn die Buli-Uhr (hoffentlich bald) auf RESET gestellt wird. Täte im Übrigen auch der „ewigen Tabelle“ gut (HSV: 4.; VfB: 5.).

  2. Bernd sagt

    Und da isser wieder, der alte VfB, der durch selbstzufriedene und unmotivierte Auftritte Punkte verschenkt. Man kann nur hoffen, dass die Mannschaft das in Dortmund mit einer anderen Einstellung angeht.

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