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Der Bodenständige: Silvio Meißner

Otto Baric und Bernd Förster haben wir euch schon ins Nest gelegt. Heute steigen wir in die Zeitmaschine und jetten zwei Jahrzehnte in die Zukunft, die aber auch schon wieder zwanzig Jahre in der Vergangenheit liegt. Aber egal! Reden wir über das Jahr 1999. Reden wir über Silvio Meißner.

Und das nicht (nur), weil der ehemalige defensive Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart aktuell in aller Munde ist. Kein Wunder, schließlich geht er einen ganz anderen Weg als viele seiner ehemaligen Kollegen: Meißner ist und beschäftigt mittlerweile “Alltagshelfer”: Menschen, die anderen Menschen helfen. Die Einkäufe erledigen, im Haushalt helfen, und schlicht und ergreifend andere im Alltag begleiten. Und das nicht erst seit der „Corona-Krise“.

Geboren im Jahr 1973 in Halle an der Saale war Meißner ein so called “Kind der DDR”. Über den FC Halle landete er beim Chemnitzer FC und nach drei guten Spielzeiten in der zweiten Liga wechselte er 1996 schließlich zu Arminia Bielefeld. Und hier komme ich ins Spiel – irgendwie jedenfalls. Denn im Gegensatz zu @abiszet habe ich meine Jugend nicht im VfB-Umfeld verbracht, sondern in Ostwestfalen. Regelmäßige Ausflüge auf die Alm waren deswegen die Regel. Später vor allem deswegen, weil das Stadion der Arminia in unmittelbarer Nähe der Uni Bielefeld liegt, die ich besuchte, als Silvio Meißner unter Trainer Thomas von Heesen für die Ostwestfalen kickte.

Unvergessen bleibt für mich das damalige Spitzenspiel an einem Montag Abend gegen Tennis Borussia Berlin. 10.507 Zuschauer, Trainer der Berliner: Herman Gerland, auf dem Platz für die Arminia: Georg Koch im Tor, Jörg Böhme im Mittelfeld, Bruno Labbadia im Sturm – und Silvio Meißner als Linksverteidiger. Schon damals war er einer dieser Spieler, den die Fans lieben: hart zu den Gegnern und sich selbst, stets unprätentiös und immer 100% dabei. Er passte einfach perfekt in die starke Bielefelder Truppe, die am Saison-Ende auch souverän aufstieg.

In der kommenden Saison kam es also zum Aufeinandertreffen der Teams aus Bielefeld und Stuttgart. Und der Spielplan wollte es, dass dies ausgerechnet am 17. und 34. Spieltag geschah. Die Ausgangsposition am 20. Mai 2000 war deswegen auch glasklar: Die Arminia stand als Absteiger fest, der VfB hatte als Tabellen-Achter noch die realistische Chance, sich für den UEFA-Cup zu qualifizieren – einen Sieg gegen die Bielefelder vorausgesetzt versteht sich.

Nach 38 Minute führte der VfB standesgemäß mit 3:0. Doch dann erzielte ausgerechnet Meißner kurz vor der Halbzeit den Anschlusstreffer. Nach Toren von Labbadia und Weißenberger endete die Partie 3:3. Oder anders gesagt: Meißner hatte mit seinem Tor sein Debüt auf internationalem Parkett verhindert. Denn zwei Punkte mehr hätten die Stuttgarter auf Platz 5 katapultiert und Meißner wechselte nach der Saison zum VfB und folgte damit Heiko Gerber, der diesen Schritt bereits ein Jahr zuvor gemacht hatte. Geschichten, die nur der Fußball schreibt, würden manche sagen.

Statt mit dem VfB erneut um die UEFA-Cup-Plätze zu spielen, kämpfte Meißner in Stuttgart allerdings erneut gegen den Abstieg. Platz 15 stand am Ende einer Katastrophensaison mit Trainerwechseln und Geldmangel zu Buche, die aber rückblickend auch die Geburtsstunde der “Jungen Wilden” sein sollte. Stets an der Seite von Hildebrand, Hinkel, Wenzel, Tiffert, Kuranyi, Kauf & Co.: Silvio Meißner, der zwar nicht immer unumstrittener Stammspieler war, aber dennoch in fast jedem Spiel auf dem Rasen stand. So auch beim epochalen 2:1 Sieg gegen Manchester United 2003, bei dem er spät eingewechselt wurde. Sogar deutscher Meister darf sich Meißner nennen, auch wenn er in der Hinrunde ganze vier Minuten für den VfB spielte und in der Rückrunde nach Kaiserslautern ausgeliehen war, wo er nach seiner aktiven Karriere auch heimisch wurde.

Warum ich Euch Silvio Meißner in Nest gelegt habe?
Ich wechselte vor 20 Jahren quasi mit ihm von Ostwestfalen ins Schwabenland. Geht es um die jungen Wilden und die goldenen Jahre des VfB Stuttgart in den Nuller-Jahren, denke ich auch immer an den torgefährlichen defensiven Mittelfeldspieler, der nie groß glänzte, aber auf den man sich immer verlassen konnte. Ein Spieler, dem man es ansah, dass er es hasste, ein Spiel zu verlieren.

Von 2000 bis 2008 spielte Meißner beim VfB Stuttgart. Er hätte sich keine bessere Zeit aussuchen können. Auf 232 Spiele und beachtliche 31 Tore kam der zur Defensivkraft umgeschulte Mittelstürmer während dieser Zeit. Dazu kommen 24 UEFA-Cup-, 13 UI-Cup- und 10 Champions League-Begegnungen. Außerdem steht ein ganz besonderer Moment in seiner Vita: Am 3. August 2003 wurde Meißner im Spiel des VfB Stuttgart gegen Hansa Rostock in der 76. Minute ausgewechselt. Ersetzt wurde er durch einen Bundesliga-Debütanten. Sein Name: Philipp Lahm.

Teil 1 unserer kleinen Oster-Serie findet Ihr hier:
Otto Baric – die maximale Witzfigur.

Teil 2 haben wir Euch hier ins Nest gelegt:
Bernd Förster – der Schattenmann.

Teil 4 ist
Cristian Molinaro – das Teilzeitgenie

Titelbild: Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images

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1 Kommentare

  1. Uwe sagt

    Nicht zu vergessen, sein Beinbruch in Gladbach. Juskowiak hat ihm das Schienbein gebrochen. Das Knacken hat man bis auf die Tribüne gehört. Wenn ich in mich reinhöre, ich höre es immer noch.

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