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Die maximale Witzfigur: Otto Baric

Otto Baric war eine Witzfigur. Jetzt könnten Spötter sagen, dass das bei nicht gerade wenigen VfB-Trainer der Fall war, aber Baric war es im wahrsten Wortsinne: Eine Figur, die ständig Witze machte. Meist allerdings unfreiwillig. Er wollte einst beim Mercedes-Stern auf dem Dach des Stuttgarter Hauptbahnhofs das Licht abschalten, damit ihm der VfB mit dem eingesparten Geld einen neuen Stürmer kaufen kann. Er hatte viele solcher Ideen, weshalb ihn so wenig Leute ernst nahmen, die Worte sprudelten aus ihm ununterbrochen heraus und das hörte auch nachts nicht auf, wie seine Frau einmal Stuttgarter Journalisten berichtete. Sein Lieblingswort war „maximal“ („Die Spieler müssen maximalen Einsatz zeigen“, „Ich bin maximal optimistisch“), das er „maximale“ aussprach und ihm den Spitznamen „Otto Maximale“ einbrachte.

Der Kroate konnte zuvorkommend, unterhaltsam und witzig sein, pflegte allerdings einen fragwürdigen Umgang mit seinen Spielern und mit seiner ständigen Forderung nach mehr Geld ging er Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mächtig auf die Nerven. Aufgrund seines arrogant wirkenden Auftretens war Baric in Cannstatt nicht beliebt. Er wusste immer alles besser, doch eines gelang ihm zumindest beim VfB nicht: die Spieler besser zu machen. Er trainierte in der Saison 1985/86 eine spektakuläre Mannschaft: Karlheinz Förster, Günther Schäfer, Karl Allgöwer, Guido Buchwald, Asgeir Sigurvinsson, Jürgen Klinsmann, Pedrag Pasic. Ein Team, mit dem er mindestens den internationalen Wettbewerb erreichen musste, wenn nicht mehr. In erster Linie aber lobte sich Baric selbst, reklamierte Erfolge für sich, an denen er so gut wie keinen Anteil hatte. Zu was für Leistungen die damalige Mannschaft im Stande war, zeigen exemplarisch zwei Spiele:

Viertelfinale DFB Pokal, der VfB lag nach 40 Minuten 0:2 im Neckarstadion zurück. Das Spiel endete nach einer furiosen zweiten Halbzeit mit 6:2. Karl Allgöwer (3), Rainer Zietsch, Predrag Pasic und Jürgen Klinsmann schossen die Tore vor der übrigens trostlosen Kulisse von 17.200 Zuschauern. Das 7:0 gegen Hannover fiel ebenfalls in die Ära Baric, als Michael Nusöhr das Kunststück vollbrachte, drei Elfmeter zu verwandeln, Klinsmann (2), Allgöwer und Andreas Müller trafen ebenfalls.

In erster Linie bleibt Baric in Erinnerung wegen seines Spruchs „Kommt Friehling, kommt VfB“, mit dem er den berühmten Rückrundenlauf des VfB herbeireden wollte. Das ist wenig und noch nichtmal witzig. Der tiefste Tiefpunkt war das 0:6 bei Werder Bremen am 17. Spieltag, bei dem Frank Ordenewitz, Michael Kutzop und Manni Burgsmüller je zwei Mal einnetzten. Baric wies natürlich jede Schuld von sich, auch wenn er auf die wahn-witzige Idee kam, statt Klinsmann einen gewissen Dirk Schlegel (nicht zu verwechseln mit Wayne Schlegel) spielen zu lassen.

Nach einem trostlosen 1:1 in Saarbrücken wurde „Otto Maximale“ im März 1986 entlassen. Sein Nachfolger Willi Entenmann führte den VfB auf Platz 5 und ins Pokalfinale. Höhepunkt der Restrunde (Copyright Philipp Maisel) unter Entenmann war der 7:0 Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf, bei dem Klinsmann fünf Tore schoß.

Otto Baric bleibt beim VfB als maximale Witzfigur in Erinnerung, einer der viel redete und wenig bewirkte. Alle Vereine und Länder aufzuzählen, die Baric trainierte, würde hier den Rahmen sprengen, deswegen hier der Link auf seinen Wikipedia-Eintrag.

Über Ostern blicken wir ein bisschen in die VfB-Vergangenheit.
An jedem Tag erscheint hierzu ein neuer Text.

Hier gehts lang zu Teil 2 unserer Ostern-Serie:
Bernd Förster – der Schattenmann

In Teil 3 geht es um Silvio Meißner:
Der Bodenständige

Titelbild: imago images / WEREK

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