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Der Märchen-Präsident

Baron Hieronymus Wolfgang Freiherr von Dietrich ist ein deutscher Sport-Funktionär und Finanzinvestor. Im Moment ist er noch Präsident des VfB Stuttgart e.V., Aufsichtsratsvorsitzender der VfB 1893 AG und war beteiligt an verschiedenen Unternehmen (u.a. der Quattrex Finance GmbH), die sich in der Finanzierung von Profi-Fußball-Clubs engagieren.

Freiherr von Dietrich ist ein spannender Geschichtenerzähler, der gerne Freunde, Untergebene und Medien mit gebeugten Wahrheiten und sehr selbstbezogenen Einschätzungen unterhält, das Ganze an einer opulenten Tafel sitzend, die gedeckt ist mit Ausreden, Phrasen und Märchen. So hören sich seine Ausführungen zu seinen Finanzbeteiligungen ganz harmlos an und die schlechteste Saison seines Vereins trotz der höchsten Investitionen ist für ihn nur eine kleine sportliche Delle. In Wirklichkeit hat er den VfB auf einer Kanonenkugel reitend in die zweite Liga katapultiert. Aber das macht Dietrich nichts, denn seine größte Stärke ist, dass er unbeirr- und unbelehrbar ist und seine tollkühnen Geschichten selbst glaubt. Dietrich interpretiert das „Ehrenamt“ des VfB-Präsidenten auf seine ganz eigene Art. Das Amt ist ihm wichtig, es mit Ehre auszufüllen dagegen anscheinend weniger.

Manche seiner Zuhörer bekommen bei seinen Erzählungen allerdings Kopfschmerzen. Es sind die sogenannten „Mitglieder“ seines Vereins. Bevor die ihn mit knapper Mehrheit zu ihrem Oberhaupt gewählt haben, hat er die eine oder andere Geschichte zu seinen Beteiligungen an Finanzierungsgeschäften für Fußballvereine geflissentlich verschwiegen. Jetzt erzählt er, alle hätten alles gewusst und schmückt seine Stories aus mit Ehrenerklärungen, vielen Firmennamen, fehlenden Handesregistereinträgen und Bilanzen, verwirrenden Verflechtungen und Beteiligungen. Damit schickt er seine Mitglieder in ein Labyrinth, in dem sie sich immer verlaufen. Freiherr von Dietrich hat auch eine ganz eigene Zeitrechnung. Als er 2016 zum Präsident wurde, kündigte er vollmundig an, sich sofort von allen Beteiligungen zu trennen. Zweieinhalb Jahre später, am 14. Mai 2019 wurde dies offiziell vollzogen. Gerade noch rechtzeitig vor dem Relegationsduell mit Union Berlin, denen er mit seiner Firma Quattrex Geld geliehen hat und an deren Erfolg sein Sohn Christoph Albert Wilhelm Dietrich partizipiert.

Seine Abenteuer sind in dem erfolgreichen Werk „Wunderbare Reisen in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga – Feldzüge und fabelhafte Geschichten des Freiherrn von Dietrich“ verarbeitet worden. Auf seiner Reise fand er fünf neue Freunde, die ihn seitdem begleiten:

Aus dem Freistaat Bayern sein großes Vorbild Uli Hoeneß, dem er eifrig nachzueifern versucht. In punkto Sympathiewerte hat er es schnell geschafft.

Der windige Perlentaucher Michael Reschke, der sich mit den finanziellen Zuwendungen Dietrichs eine luxuriöse Stuttyacht gekauft hat.

Der lustige SWR-Moderator Michael Antwerpes, der keine Wirtschaftssendung moderieren möchte und ein wohlfeiler Zuhörer seiner fantastischen Geschichten ist.

Wilfried Porth vom Adelsgeschlecht Mercedes, der genau so einen Präsidenten wie Dietrich wollte und der an seiner Seite mit allen Mitteln gegen Kritiker kämpft.

Die sympathische Identifikationsfigur Thomas Hitzlsperger, dessen Beliebtheit bei den Fans er als stabiles Schutzschild benutzt.

Der 70-jährige Freiherr von Dietrich hat angesichts des Abstiegs seines Vereins schon bessere Tage gesehen. Aber man darf ihn nie abschreiben, er ist ein gerissener und gewissenloser Taktiker. Ihm sind überraschende Husarenstücke jederzeit zuzutrauen. So darf man Winkelzüge wie aus heiterem Himmel von ihm erwarten, wenn es am 14. Juli zur Mitgliederversammlung seiner Gefolgschaft kommt.

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34 Kommentare

  1. Pessimist sagt

    Bitte um Vorschläge – wenn der Märchen-Präsident nun wohl nicht mehr weitermachen soll – wer ist der ihm folgende Märchenprinz ?

      • @abiszet sagt

        Wir sind nicht in der Position, Vorschläge zu machen. Ich hätte Jürgen Klinsmann gut gefunden, weiss aber nicht, ob das nur an der Verklärung liegt, weil er mal mein Jugendidol war. Aber das würde mit den Sponsoren-Vertretern im AR nie gehen (denke an die Aussagen Porths zu Klinsmann), die wollen einen der ihren, also einen Wirtschaftsmann, ohne jegliche Sportkompetenz.

        • Pessimist sagt

          Irgendwie ist „der Karren im Dreck“ festgefahren.
          WD hätte es sicherlich geholfen, sich da direkt mit den Fans mal zu beschäftigen, in eine offenere Kommunikation zu treten. Auch die Meinungen und Fragen ernst zu nehmen und belastbare Antworten zu geben.
          Das alles ist nicht passiert und jetzt ist seine Glaubwürdigkeit für viele dahin. Ich befürchte da ein Pulverfass unter dem Thron des Baronen – an dem die Lunte bereits brennt.
          Ich tu mich halt recht schwer an dieser reinen Anti-WD-Haltung. Ich denke ziemlich viele der Leute, die das rausposaunen sind auch Mitglieder, sind auch der Verein. D.h. sind in diesem Moment auch dazu aufgerufen sich konstruktiv mit der Situation zu beschäftigen. Das vermisse ich.
          Und um da auch mal was zu bringen – in den Kommentaren weiter unten habe ich den Namen SAMMER gelesen, kann man drüber nachdenken.
          Ich will auch mal den Namen STAUDT setzen, warum nicht diesen Ruhepol fragen für eine Übergangszeit?

  2. Pingback: Baron Freiherr von Dietrich – der märchenhafte Präsident – ploggo

  3. Pierre sagt

    Lach, wer soll ihn ersetzen, Porth? Wieder ein Wirtschaftsmann? Hitz war sein bester Schachzug bislang, denn wenn nicht viel gut war, das war ein Volltreffer, denn so wie Hitz arbeitet, merkt man ihm den Sachverstand an, der den Wirtschaftsleuten im Präsidium fehlt …. Wenn nun ein neuer Präsident kommen sollte, kann ich nur hoffen dass er Hitz und Mislintat arbeiten lässt und lieber einen Karl Allgöwer oder einen Karl Heinz Förster als Präsident als nochmals einen, der aus der Wirtschaft kommt, denn ein Verein muss man anders führen als ein börsennotiertes Unternehmen.

    Ihr Pierre Leschek

    • @abiszet sagt

      Hi Pierre, Thomas Berthold hat sich ja heute selbst ins Spiel gebracht. Aber im Ernst: Berthold auf keinen Fall, Förster ebenso nicht, ihm haben wir die Mega-Transfers von Didavi und Esswein zu „verdanken“ …

  4. jp399 sagt

    Dieses lemminghafte Dietrich-Raus ist doch wirklich langsam ausgelutscht. Diese Personalifizierung des Untergangs haben wir doch schon immer/ seit Jahren. Sei es Hundt, der als AR Chef gekickt werden soll, sei es ein Mäuser, Wahler , Bobic, Labbadia… man könnte hier Namen an Namen reihen.

    Was sind denn die Aufgaben eines Präsidenten ?
    1.) Vernetzung in der Wirtschaft
    2.) Einbindung in s Kontrollgremium

    Was interessieren mich seine Beteiligungen an Quattrex, ich bezweifle, dass Dietrich, dass Relegationsspiel im Sommer so geplant hatte mit Union . Wenn wir auf die oben beidigen Punkte zu sprechen kommen, muss man sagen, dass die Ausgliederung mit einer sehr guten Unternehmensbewertung des VfB abgeschlossen wurde. Punkt erfüllt.

    Der zweite Punkt ging natürlich schief, wobei ich glaube, dass die Trennung von JS eine Entscheidung war, die zwar diskussionswürdig aber nachvollziehbar ist. MR als Nachfolger war offensichtlich überfordert. Das hätte intern früher auffallen müsssen und sollen. Aber man hat sich von der Öffentlichkeit blenden lassen.

    Den ganzen anderen Firlefanz, tut mir leid, aber ich sehe es auch nicht ein vor dem Relegationshinspiel bei einer „Karawane“ mitzulaufen, die in einem immens wichtigen Spiel sich immernoch selbst als das Wichtigste sieht, und das Spiel instrumentalisiert um eigene Ansichten durchzudrücken.

    • @abiszet sagt

      Hi JP,

      wenn Du nach der schlechtesten Saison ever, verbrannten Ausgliederungsmillionen, 2 Jahren hintereinander jeweils Millionenverluste, nach vielen fatalen personellen Fehlentscheidungen, Lügen und Selbstüberschätzung in der Öffentlichkeit „weiter so“ machen willst, dann sind wir anderer Meinung. Fair enough. Es geht nicht darum, einen Kopf zu fordern, es geht darum, Verantwortung zu zeigen und weiteren Schaden für den VfB zu verhindern. Ich sehe überdies noch weit mehr Aufgaben für den Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden: Die würdige Vertretung des VfB in der Öffentlichkeit, nach innen die Vermittlung einer (Leistungs-)Kultur, das Einhalten von Versprechungen, das ambitionierte aber überlegte Formulieren von Zielen und so weiter und so fort.

      Es geht auch nicht darum, dass WD das Relegationsspiel gegen Union „geplant hatte“ (welch absurder Gedanke), es geht darum, dass er Mitglieder und Fans über seine Beteiligung bei Quattrex getäuscht hat und sie zweieinhalb Jahre nach seiner Wahl (!) beendet hat.

  5. drhuey sagt

    Integrität ist vielleicht neben zahlreicher anderer Anforderungen an einen Präsidenten eines Fussballclubs, die wichtigste. Integrität bedeutet, all sein Wirken darauf auszurichten, um Schaden vom Verein fernzuhalten und im besten Fall auf die positive Entwicklung des Vereins auszurichten. Das alles auch, und vor allem dann, wenn niemand hinschaut. Und spätestens an der Stelle hat WD die Mitglieder, Fans, Öffentlichkeit getäuscht und ist dieser Anforderung nicht gerecht geworden. Aber auch im operativen Bereich, in dem er sich grundsätzlich gar nicht bewegen sollte, sieht es nicht besser aus: Sein folgenschweres Versagen bei der Personalie Reschke, den man bei Bayern gerne gehen ließ, und das ausschlaggebend für den Abstieg war, würde unter normalen Umständen reichen, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Reschkes Geltungssucht machte ihn für WD und den ganzen Klüngel zum perfekten biegsamen Protagonisten. Nur der VfB blieb auf der Strecke. Ich befürchte jedoch, dass WD unter Mithilfe von Daimler den Kopf aus der Schlinge zieht und mit einem Investorenscheck wedelt. Möglicherweise sogar von einem Co-Investor bei seinen anderen Projekten (könnte fast wetten es ist ein Fonds). Ich würde mir für meinen VfB wünschen, dass Leute an maßgeblichen Stellen am Werk sind, die dem Verein dienen und nicht den Verein für ihre Eigeninteressen missbrauchen. Hitzelsperger und Mislintat sind gute Besetzungen, die jetzt alle Argumente auf ihrer Seite haben, um den um sie herumschleichenden Klüngel und Einflüsterern zu widerstehen und ihren Weg durchzuziehen. Der Präsident hingegen sollte sich schleunigst vom Hof machen. Aber Ehre ist für Narzissten nun mal kein Wert an sich. Klinsmann oder Sammer wären für mich geeignete Kandidaten mit dem netten Nebeneffekt, dass deren TV-Kommentatorenrollen zukünftig von Schönrednerei in einem Fall und pseudo-vergeistigter Irrlichterien auf der Meta-Ebene im anderen, befreit werden könnten.

  6. Fan Fi sagt

    Die ganzen Geschichten um Quattrex würden mich normal auch eher peripher interessieren.
    Aber die ganzen Reaktionen, die offensichtlichen Lügen, das scheinbare Vertuschen, das Aussitzen…

    Das hat für mich weit mehr als ein Gschmäckle. Und ist weit mehr als widerlich.

    Vielleicht würde ich sonst ja für eine weitere Chance plädieren, für Kontinuität, verbunden mit der ewig naiven Hoffnung, die Entscheider bei meinem Herzensverein wären irgendwie doch Spitzenkräfte, würden aus ihren Fehlern lernen und beim nächsten Mal alles besser machen.

    So aber: leider no!

  7. MM sagt

    Wie die SZ schreibt aus „Satisfactiongründen“ muss jetzt halt ein Sündenbock her und das ist dann halt der ohnehin unbeliebte Dietrich. Dass es den Verein wohl (und auch mangels wirklicher Alternativen) nicht weiterbringt, ist den „Dietrich raus“ Schreiern doch egal.

    Dass man das Ganze so oder so ähnlich schon erfolglos hinter sich hat – egal, Hauptsache weg der Mann.

    Ja, man muss ihn nicht mögen und ja, er hat Fehler gemacht, die in diesem Geschäft teilweise vielleicht aber auch nicht zu vermeiden sind, aber er ist sicher nicht der „Hauptverantwortliche“ für einzelne konkrete Fehler, zu dem viele ihn jetzt machen wollen. Wer fand den Reschke Deal damals nicht gut (abgesehen von den verblendeten ewigen Schindelmeiser Jüngern) und dachte der Mann bringt uns weiter ? Wer fand die Einkäufe nicht gut ? Hätte es Dietrich besser wissen müssen, als die gesamte deutsche Fußballwelt ?

    Eigentlich zwar egal, denn richtig ist, dass er schon kraft Amtes die Gesamtverantwortung trägt. Diese Verantwortung und die Folgen muss man aber anders einordnen und bewerten, als es bei den „Dietrich raus“ Schreiern der Fall ist.

    Er ist demokratisch gewählt und seine Amtszeit ist eben noch nicht zu Ende. Es gibt demokratische Wege ihn vorab aus seinem Amt zu drängen, diese sollte man einhalten und gehen, wenn man meint, man muss das tun.

    Das sinnlose und dümmlich platte „Dietrich raus“ sollte man sich sparen und einen Weg gehen, wie man ihn zB bei H96 zuletzt gegangen ist. Aber dazu scheinen die Schreier offenbar nicht in der Lage.

    Stattdessen fällt den Schreiern offenbar nichts besseres ein, als die totale Verweigerung gegenüber dem gesamten Verein anzukündigen. Toll ! Das auf eine Person projezierte Feinbild führt zur Totalverweigerung zu Lasten des kompletten Vereins – Dietrich ist nicht der Verein ! Das wäre der Weg, auf dem der VfB in den nächsten Jahren sicher nicht mehr hochkommt. Erbärmlich.

    • @abiszet sagt

      Ja MM, während der Saison hast Du immer wieder geschrieben (auch auf Twitter), dass es jetzt nichts bringt, Dietrich in Frage zu stellen. Alle sollten zusammen halten und schließlich schieße WD keine Tore. Die Saison ist vorbei und natürlich trägt WD aus Deiner Sicht keine Verantwortung an der beispiellos schlechten Saison des VfB. Ja, is klar, Du hast den Durchblick. Deine Agenda ist durchschaubar. Und, mit Verlaub, einfältig

  8. MM sagt

    Ich habe vor Stunden einen Post hier abgegeben. Komisch, er erscheint hier nicht. Komisch auch, dass die Posts hier vorher offenbar geprüft werden. Hat er Euch nicht gepasst und erschien deshalb nicht ?

    • @abiszet sagt

      Du nimmst Dich wahnsinnig wichtig. Wir haben zwischendrin auch was anderes zu tun, als Deine klugen Kommentare frei zu schalten. Aber vielen Dank für Deine wertvollen Beiträge!

      • MM sagt

        Naja, ich muss meine subjektive Meinung nicht ständig über Blogs und in Podcasts (mit dem immer und immer gleichen „Dietrich raus“) verbreiten und ich halte meine Meinung auch nicht – anders als die vielen Blogger – für DIE Meinung DER FANS. Soviel zum wichtig nehmen.

        Ich kenne andererseits keine Blogs in denen der Beitrag sich zunächst in die Moderation begeben muss. Man könnte das Zensur nennen, aber egal. Beispielhaft ist für mich anders.

        Pankow hat ein, zwei sehr gute Beiträge im VfB Forum gepostet, die es auf den Punkt bringen. Der Verein ist nicht Dienstleister der Fans (oder solche, die meinen sie seien DIE FANS). Keiner ist gezwungen, ins Stadion zu gehen. Aber Anstand und Respekt sollte man vor Leuten walten lassen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen. Und er sich engagiert macht Fehler, Der der nur im anonymen Internet (hinterher) alles besser weiß, macht keine Fehler.

        Auch habe ich nicht gesagt, dass WD im Amt bleiben muss. Mir ist das egal, wenn er nach einem demokratischen Prinzip abgewählt wird, dann ist es eben so und man hat es zu akzeptieren, so wie man seine derzeitige Stellung zu akzeptieren hat. Ob es dann aber besser wird, bezweifle ich aber, denn bei aller Kritik ist diese doch meist nicht konstruktiv, dh auch einen geeigneteren Kandidaten hat noch keiner an der Hand.

        Im Übrigen sieht Deine Reaktion ein bisschen nach „getroffene Hunde bellen“ aus.

  9. Michael sagt

    So ganz wertlos finde ich den Beitrag vom MM nicht. Wenn man mal zwei Schritte zurück geht und die Polemik außen vor lässt, dann steckt da schon ein großes Korn wahrheit drin.
    Um nicht falsch verstanden zu werden, auch ich denke, dass Dietrich die Konsequenzen ziehen und sein Amt zur Verfügung stellen sollte. Aber der Teufel in Person, so wie ihn hier manche darstellen, das ist er nicht.
    Sein Job war es in erster Linie Kohle beizuschaffen, das hat er mit der Ausgliederung (die ich nach wie vor gut finde) gemacht. Was genau im Innenverhältnis mit JS gelaufen ist kann keiner von uns genau sagen, aber der Tenor im letztem Sommer war doch größtenteils „schade, dass JS weg ist aber mit dem Reschke hat er wenigstens den bestmöglichen Nachfolger verpflichtet“ und nahezu jeder hatte große Hoffnungen in den besten Kaderplaner der letzten Jahre. Ebenso wurden die Transfers zum größten Teil mehr als positiv gesehen, wie wurde Reschke gelobt ein Talent wie Maffeo zum VfB geholt zu haben (ja, es gab auch Kritik an Aogo und Beck, aber letztendlich muss man auch sehen, dass es ohne ein paar ältere nicht geht).
    Was ich damit sagen will ist, dass die ersten Entscheidungen die Dietrich getroffen hat erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erkennbar waren. Keiner hat vorhersehen können, dass Reschke so eine Pfeife ist, dass er den ganzen Verein zu Grunde richtet. Die meisten hatten große Hoffnungen in ihn gesetzt.
    Was Dietrich mit seinen Quattrex Beteiligungen macht, ist mir völlig egal. Glaubt ihr denn allen ernstes er tröstet sich mit dem Union Aufstieg über den VfB Abstieg hinweg?
    Dietrich ist sicher kein Sympathieträger, dass muss er aber auch nicht sein. Er hat Fehlentscheidungen getroffen, die letztendlich zum Abstieg geführt haben, dafür sollte er seinen Job zur Verfügung stellen. Hauptschuld an der Misere trägt aber immer noch Reschke und die von ihm ausgesuchten Trainer Korkut und Weinzierl.

    • MM sagt

      Endlich mal ein vernünftiger Beitrag ohne Schaum vor dem Mund (und nicht deshalb, weil er meinen Beitrag nicht substanzlos angreift).

  10. Silvia sagt

    Unfassbar diese „Dietrich-Jünger“ (träumt weiter). Aber ganz ehrlich die Hauptschuld trägt seit Jahren der AR, insbesondere Mercedes, die uns immer wieder unglaubliche Präsidenten vorsetzen. Kann durchaus verstehen, dass die nicht interessiert sind, dass z.B. Porsche oder andere ihr Logo an das Stadion hängen, aber dafür den Verein über die Klippe springen lassen geht gar nicht. Solange dieser AR regiert, kann der Verein nur verlieren. Ja auch wir Fans haben Schuld, weil unsere „Dietrich-raus-Rufe“ zu wenig waren (erinnere an frühere effizientere Aktionen). Um nun konstruktive Vorschläge zu machen: Klinsmann als Präsident finde ich einen hervorragenden Motivator und glaubwürdig (sollte es so kommen helfe ich sehr gerne beim Aufstellen der Buddhas Hauptsache es hilft und Glaube versetzt Berge). Im AR könnte ich mir u.a. Buchwald vorstellen, auf gar keinen Fall nur Wirtschaftsleute. Was wir jetzt ganz dringend benötigen ist eine starke Opposition mit konstruktiven Vorschlägen und effiziente Aktionen.

    • Michael sagt

      @ Silvia – Buchwald war im AR und er hat alles abgenickt. Der Vorschlag nützt also nichts. Zudem braucht es im AR keinen Sportverstand, wenn die entscheidenden Positionen (Sportvorstand, Kaderplaner und Trainer) mit guten Leuten besetzt sind. Schau Dir doch mal den AR vom FC Bayern an – außer Hoeness nur Wirtschaftsleute – sind die abgestiegen?

      Die Sache mit Mercedes ist ein zweiseitiges Schwert. Die haben in den letzten Jahren abermillionen in den Verein gepumpt, dass sie dann gerne etwas mitreden wollen ist verständlich. Eine Einbindung von Klinsmann oder Sammer als sportliches korrektiv in die Führungsriege finde ich generell gut – ich weiß nur nicht so genau wo. Als Präsident kommen sie für mich nicht in Frage, denn genau auf diesem Posten brauchen wir jemand der sich in der Wirtschaft auskennt und Geld beischaffen kann. Das traue ich denen nicht zu.

    • MM sagt

      Woher man die Weisheit nimmt, dass „Mercedes immer wieder unglaubliche Präsidenten“ vorgesetzt hat, würde mich interessieren. Aber egal, unbestritten dürfte der (zu) starke Einfluss von Daimler sein.

      Den Guido zu fordern, des Wendehals sicher locker 180 Grad schafft, erscheint doch bezeichnend. War es nicht der Guido mit all seiner „Fußballsachkompetenz“, die ihn zu Beginn der Saison zur überschwänglichen Lobeshymnen getrieben hat ?

      Ansonsten ist der Ansatz mit der „Opposition“ und „konstruktiven Vorschlägen“ ja schonmal richtig. Aber namedropping bringt wenig, wenn die gehandelten Namen den Job gar nicht wollen, wie zB Klinsmann. Wobei, wer will sich das schon antun (und womöglich auch noch „ehrenamtlich“) ? Zu gewinnen gibts mit dem Job keinen Blumentopf. Wobei wir wieder bei all den „unglaublichen Mercedes Präsidenten“ wären…

  11. drhuey sagt

    Alle, die WDs Leistungsnachweis verheerend finden als Schreier zu bezeichnen zeugt von einer seltsam einseitigen Wahrnehmung.
    Die gestrige Kommunikation, die sicher aus Porths Abteilung kommt (typische Konzern-Tonalität) zeigt deutlich wie die Machtverhältnisse gelegen sind und welchen Stellenwert die Fans mittlerweile in diesem Verein haben. WD ist Daimlers Mann und eine Absetzung wäre ein Eingeständnis gewesen. Daher lässt man ihn trotz dem Super-GAU im Amt. Unser Fussball-Sachverstands-Quotenmann Hermann Ohlicher wird dann noch mit einem geschliffen formulierten Bekenntnis „zitiert“ und, wenn der Ohlicher pro WD ist, ja dann sollte es der Fan doch auch sein. Eine schonungslose Analyse geht jedenfalls anders und ich frage mich aufgrund welcher harten Fakten WD zum Entschluss gekommen ist Schindelmeiser zu entlassen und welche harten Fakten (Konzept ?) für Reschke Sprachen. Daimler/WD hätte dem Verein viel Schaden ersparen können, denn schlimmer als die mieseste Saison ever wäre es auch mit Schindelmeiser/Wolf nicht gekommen. Und u.a. dafür gehört WD weg ! Selbstverständlich trifft diese Verantwortung auch den AR. Reflexartig sehnt man sich an den guten alten MV, aber wir erinnern uns: er konnte auch nicht mit Geld umgehen und sein Führungsstil war auch sehr fragwürdig. Was mich sehr nachdenklich macht, ist, dass der Verein immer wieder gute Ansätze hatte (Dieter Hoeness, Rolf Rüssmann seien erwähnt), die aber immer schnell verpufften. Insofern muss man bei den Ursachen für die anhaltende Erfolglosigkeit tiefer graben und da sind wir schnell beim AR und Daimler und dem systemimmanenten Klüngel. Dieser hatte immer wieder große Auswirkungen auf den Kader. Es gibt jedoch zarte Hoffnungsschimmer. Zum einen scheint die Phalanx Gentner endlich durchbrochen und der zukünftige Kader muss nicht um ihn herum gebaut werden, sondern wird, wie es aussieht, modernes Spiel erlauben. Zum anderen haben wir Sven Mislintat; die klügste Personalentscheidung seit Jahren ! Ich weiss immer noch nicht wie er verkraftet von der PL in die zweite deutsche Liga versetzt worden zu sein, aber in Sven we trust! Und WD empfehle ich sehr schnell mit einer großen Schubkarre Geld aufzutauchen.

    • Stefan sagt

      Chapeau, drhuey – ’schöner‘ hätte man die ganze Misere nicht auf den Punkt bringen können!

  12. diewonedveraschtwerdawellet sagt

    Nur lose Gedanken/ Fragen zu den Finanzen und falls dass ich das mglw. falsch verstehe:
    Der sog. Ankerinvestor Mercedes investiert die unfassbare Summe von (richtig?) 40 Millionen €?
    Dafür sitzt quasi im Gegenzug der Herr Porth im Aufsichtsrat.
    Ich gehe davon aus, dass es sich mit Kärcher/ Würth ähnlich verhält? – d.h. als Gegenleistung zur Investition erhält ein Mitarbeiter dieser Unternehmen jew. einen Platz im Aufsichtsrat. Ist das in etwa so?
    Javi Martinez kam 2012 für die Ablöse-Summe von -auch- 40 Millionen € zum FCB.
    Sollte die Summe, die ein sog. Ankerinvestor (ich vermute dieser ist quasi das Alpha/Omega) investiert, nicht ein Vielfaches dessen sein, was Martinez vor bereits 7 Jahren „gekostet“ hat?

    Anders ausgedrückt: sind 40 Millionen € nicht ein Nasenwasser für den Umstand, dass damit (durch Aufsichtsratsamt) Kontrolle über den Vorstand gewonnen wird?

    Ich stehe -falls mir diesen Umstand niemand auseinander setzen kann- an der Seite derer, die vermuten, dass der „Daimler“ quasi zum Strassenpreis (und vor jeder Unternehmenskonkurrenz deutschlandweit [aber auch ländleweit]) Brot und Spiele vor der Haustüre veranstaltet, egal was sportlich dabei rum kommt, Hauptsache kein anderer Investor kommt da hinein.

    • Bernd sagt

      Daimler hält 11% der Anteile, dass die einen von ursprünglich 9 AR-Mitgliedern entsenden dürfen, ist jetzt erstmal nicht ungewöhnlich. Allerdings war Porth ja schon vorher im AR des eV, von daher hat sich für Daimler wenig geändert, außer dass sie vermutlich durch die AG-Satzung (wäre sicher interessant die mal zu sehen) diesen einen Sitz zugesichert bekommen. Das ist bei Kärcher und Würth anders, da diese AR-Mitglieder vom eV entsendet wurden und daher auch vom eV ausgetauscht werden können. Zumindest theoretisch.

      Du siehst also, das Problem hat wenig mit der Ausgliederung zu tun. Sondern dass die VfB-Führung (sowohl eV als auch AG) ein geschlossener Kreis ist, dessen Zusammensetzung durch diesen selbst festgelegt wird. Die Mitglieder kriegen nur das Ergebnis zum Abnicken vorgesetzt, und sollten sie mal nein sagen, passiert laut eV-Satzung auch nicht viel.

      Das sind leider völlig kaputte Strukturen, die der VfB da hat. Und weil es heut so gut passt: in der SPD ist das beispielsweise ähnlich, und ich denke es ist kein Zufall dass beide heute da stehen wo sie stehen. Wäre ich Sporthistoriker, würde ich mal eine Masterarbeit vergeben, wie diese Strukturen beim VfB im Detail entstanden sind. Ich habe den leisen Verdacht, dass das was mit Gerhard „Deutschland in den Grenzen von 1937“ Mayer-Vorfelder zu tun hat.

  13. Peter Schäuble sagt

    Mich wundert das Geschrei um Dietrich nicht. Ich habe ihn damals nicht gewählt, war gar nicht erst bei der entsprechenden JHV; weil es keine Alternative zu ihm gab (das fand ich schon …. na ja !!). Inzwischen weiß ich, dass ich mit meiner Einschätzung des Dietrich-Charakters (gewonnen weit im Vorfeld der damaligen JHV) richtig lag und liege. Er ist und bleibt ein Spalter. Gleichwohl – seine wirtschaftliche „Leistung“ für unseren VfB ist ok. Aber am sportlichen Misserfolg trägt er einen Haufen Mitschuld. Und sein „Gehabe“ in den letzten Monaten ist … sagen wir mal …. anrüchig, vor allem moralisch. Ich würde jederzeit eine Abwahl Dietrichs mittragen, aber nur, wenn es eine überzeugende Alternativ gibt (wobei die Frage ist, ob sie vom derzeitigen Management mitgetragen würde). Bis dahin höre ich mir die Dietrich-raus-Rufe an, und habe Verständnis dafür.

  14. Skyhawk172 sagt

    Hallo Vertikalpass,

    danke für den klasse Artikel! Aber glaubt ihr wirklich ein Rausschmiss Dietrichs würde etwas ändern? Solange die Daimler AG den Präsident bestimmt? Seid ihr euch sicher, wir würden nicht einen weiteren Macher mit wirtschaftlicher Kernkompetenz vor die Nase gesetzt bekommen, nicht noch einen Mini-Donald-Trump mit Hang zur Hire-and-Fire-Mentalität?

    Ich bin sicher kein Fan von Dietrich. Aber um ehrlich zu sein, hat er bisher auch nichts gemacht, was mich in irgendeiner Weise überrascht hätte. Sportliche Entscheidungen reine Glücksache – bisher eine Saison Glück, eine Saison Pech. Darüberhinaus hat er halt zwei Ellbogen, die intensiv im Einsatz sind, macht das Amt, sorry Ehrenamt, aus Machtinteressen, weil er gerne seinen Namen in der Zeitung liest und wahrscheinlich auch mit der Absicht sich auf seine alten Tage ein Denkmal zu setzen.

    Das alles wurde von gewissen Kreisen bereits vor seiner Wahl so befürchtet. Nicht von mir, ich bin nur VfB-Fan und keine Vereinsmitglied, aber ich wurden von seinen Amtshandlungen wie gesagt auch nicht überrascht. Überrascht bin ich lediglich von dieser kurzsichtigen Schlussfolgerungen der meisten Fans. Hätte das Motto „Stuttgart kämpfen – Daimler raus“ geheißen, wäre Dietrich vermutlich bereits jetzt das erste Bauernopfer.

    Evtl. wäre so was aber auch nach hinten los gegangen. Hier im Remstal hat der Daimler einen deutlich höheren Stellenwert als der VfB, so jedenfalls mein subjektiver Eindruck. Und auch bei den Ultras werden viele berufsbedingt nicht unbefangen sein.

    Wie unbefangen ihr in der Sache sein könnt, kann ich natürlich nicht wissen aber ein Artikel mit eurer Einschätzung zum „Adelsgeschlecht Mercedes“ würde mich extrem freuen!

    Ich persönlich habe bereits Konsequenzen gezogen und bin seit Daimlers Machtübernahme (=Ausgliederung) zufriedener BMW-Fahrer (davor immer nur Mercedes).

    Gruß und weiter so!

    • @abiszet sagt

      Hallo Skyhawk172, vielen Dank 😊
      Niemand weiss, ob es zB mit Schindelmeiser besser gelaufen oder mit Wolf oder mit Korkut. Oder mit wem auch immer. Problem waren die Strukturen (die so toll sein sollen), die es ermöglicht haben, dass sehr sehr viele Millionen falsch ausgegeben wurden. Der Präsident verfährt nach dem Motto „(kleine) Erfolge personifizieren (Dietrich selbst), Misserfolge sozialisieren (Schuld sind immer die anderen, zB Reschke)“ und das ist zusammen mit den Lügen, ignorierten Tatsachen („eine Delle“) und der Selbstüberschätzung für mich kein Rezept für Erfolg. Ja, der einfältige Hinweis darauf, dass WD keine Tore schießt und keine Mannschaft aufstellt, wird immer wieder ins Feld geführt. Ein Herr Winterkorn hat auch weder Autos gebaut, noch die illegale Software eingebaut, die Verantwortung dafür muss(te) er aber auch tragen. Der Einfluss des Ankerinvestors ist natürlich enorm, aber dass er einen Präsidenten schützt, der den VfB und die Marke Mercedes beschädigt, erstaunt schon.

      • Skyhawk172 sagt

        Alles völlig richtig! Vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt – ich bin definitiv nicht für einen Verbleib von Dietrich. Ich glaube lediglich, dass es nichts bringt die Marionette auszutauschen, solange das Schmierentheater das selbe bleibt.

        Aber so weit wird es gar nicht kommen. Rückendeckung von Seiten Mercedes im Fall eines sportlichen Rückschlags war sicher eine Hauptbedingung Dietrichs für seine Kandidatur. Kam ja auch prompt. Tja, wir sind wohl jetzt so eine Art Werkself. Für mich noch schlimmer als der Abstieg!

  15. drausvomLande sagt

    Könnt Ihr Euch das vorstellen, ein auf Jahre zweitklassiger Daimler?

  16. Pingback: Abstiegsschmerz, der

  17. Stefan sagt

    Der Präsident eines Fußballvereins sollte eine Integrationsfigur sein und integer.
    Beides ist Dietrich nicht. Punkt. Damit kann ich mir den Verweis auf seine Mitverantwortung für die sportliche Misere sparen.
    Viele schreiben, sie würden Dietrich nur abwählen, wenn die Kritiker eine wählbare Alternative präsentierten. Dabei ist es die Aufgabe des Aufsichtsrats, im Falle einer Abwahl des Präsidenten einen Nachfolger zu suchen. Das sollte nicht so schwer sein.

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