Mini-Feature, VfB
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Die neue Lässigkeit?

Es sieht nicht gut aus zum Saisonstart für den VfB Stuttgart.

Sasa Kalajdzic ist zunächst corona-bedingt raus und hat bei seinem Wiedereinstieg gerade mal eine einwöchige Vorbereitung in den Beinen. Neu-Kapitän Wataru Endo stößt nach dem strapaziösen olympischen Turnier erst kurz vor dem ersten Spieltag zur Mannschaft, der neue Keeper Florian Müller kam zwar ein paar Tage früher aus Tokio zurück, konnte sich aber mit seiner Abwehr noch nicht wirklich einspielen. Orel Mangala ist ebenso verletzt wie Neuzugang Chris Führich und natürlich Silas, der vor November nicht zurückerwartet wird. Dazu gibt es zwei weitere Corona-Fälle (Tanguy Coulibaly und Nikolas Nartey) beim VfB, Trainer Pellegrino Matarazzo muss zum Saisonstart also stark improvisieren. Und muss vielleicht sogar Jungspund Jordan Meyer und Altrocker Hamadi Al Ghaddoui gleichzeitig reinwerfen. Bei beiden spielt die Hoffnung mit, dass sie sofort performen. Auf anderen Schultern, wie beispielsweise denen von Roberto Massimo, Teto Klimowicz, Philipp Förster, Atakan Karazor und Borna Sosa liegt deutlich mehr Verantwortung als noch in der vergangenen Saison. Kein Wunder, schließlich muss man im Kollektiv auch noch den Abgang von Gonzalo Castro kompensieren.

Es sieht zum Saisonstart beim VfB allerdings nicht anders aus als bei den meisten anderen Bundesligateams. Viele Mannschaften haben eine Woche vor Saisonstart nicht einmal ihren Kader vollständig im Training. Zurückzuführen ist das auf Einsätze in den Nationalteams, wie auch auf Verletzungen und Coronainfektionen. Bayern München gewann kein einziges Testspiel und musste wie auch Borussia Dortmund mit Spielern aus der zweiten und dritten Reihe agieren, die den Fans ebenso wenig etwas sagten wie den Zuschauern am Samstag im Neckarstadion, die sich fragten, wer denn Polster, Nothnagel, Wolf, Weil und Bazzoli sind.

So sind eben die Bedingungen, wenn die Sommer“pause“ vollgepackt ist mit U21-Europameisterschaft, der Europameisterchaft, einer Copa America, einem Olympia-Turnier und natürlich einer immer neue Virusvarianten raushauenden Pandemie. Immerhin hat der VfB den großen Vorteil, mit demselben Trainer in die neue Runde zu gehen wie in der Vorsaison (was an sich schon eine Sensation ist). Sieben der ersten neun Mannschaften dagegen müssen erst einmal den neuen Trainer und seine Vorstellungen kennen lernen.

Kein Wunder, dass das Stuttgarter Publikum erstaunlich gelassen in die Mercedesstraße schaut. Das Vertrauen in Sven Mislintat, Thomas Hitzlsperger und Matarazzo ist so groß, dass man sich mit den Eintritts- und Wasserpreisen, mit der neuen Stadionwurst und der drohenden Frankopholie beschäftigen kann, weil Mislintat angeblich eine zwanghafte Vorliebe für französische Talente hat. Hat The Great Mislinbowoski eine Zweitwohnung in Paris, vis-a-vis dem Trainingsgelände von PSG?

Der kicker schreibt in seiner Vorschau: „Sollten nicht kurzfristig Leistungsträger von Bord gehen und die Talente wie gewünscht wachsen, ist das Team in der Lage, die Darbietungen des Vorjahres zu wiederholen und sich aus dem Abstiegskampf herauszuhalten.“ Ein bisschen viel Konjunktiv und genau das ist das Problem: Es sind zwar Leistungsträger noch nicht von Bord gegangen, aber sie sind im Moment nicht spielfähig: Kalajdzic und Endo quasi ohne Vorbereitung,  Silas, Orel Mangala und Führich verletzt.

Doch die VfB-Fans vertrauen Diamantauge Mislintat und Mutmacher Matarazzo und fragen sich schon jetzt, wer uns in der kommenden Saison überraschen wird. Vielleicht der erst 17-jährige Mo Sankoh? Oder doch Ahamada, der sein Potenzial in der vergangenen Saison schon zeigte, aber aktuell ebenfalls verletzt ist. Gleiches gilt für Clinton Mola und Nicolas Nartey, auf die man sich freuen darf. Und natürlich auch für Ömer Beyaz und Jordan Meyer. Aber, auch wenn die Durchlässigkeit zwischen U21 und Profis so groß ist wie noch nie, brauchen die jungen Spieler Zeit. Manche von den Talenten werden sich auch gar nicht durchsetzen können. Denn nicht mal ein Sven Mislintat schürft nur Hochkaräter. Diamanten entstehen zwar unter hohem Druck, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass zu großer sportlicher Druck nicht unbedingt förderlich ist, wenn es um die Entwicklung junger Spieler geht.

Deswegen ist ein smoother Start in die Liga so wichtig. Das Pokalspiel gegen Dynamo Berlin wird trotz viertklassigem Gegner kein Selbstläufer. Anschließend warten Fürth, Leipzig und Freiburg auf den VfB Stuttgart. Grund genug, gleich gegen den Aufsteiger dreifach zu Punkten, um dann weiterhin ganz gelassen durch die Liga zu cruisen bis alle wieder an Bord sind.

Titelbild: imago Images

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