Spielbericht, VfB
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Endlich wieder Drama, Baby!

Den Aufstieg können wir abhaken. In der Winterpause muss ein neuer Keeper her. Maxim und Gentner sollten kein Spiel mehr für den VfB Stuttgart machen und ob Hannes Wolf überhaupt der richtige Trainer ist?

Ernsthaft?
Klar hat der VfB dumm und unnötig gegen Hannover 96 verloren. Erst waren sie schlechter als Hannover und dann dämlicher. Und zu allem Überfluss traf auch noch Martin Harnik. Das nervt. Das nervt sehr! Fans, Spieler und Trainer gleichermaßen. Trotzdem ist das gestrige 1:2 nicht der erneute Anfang vom Ende, sondern vielmehr ein kurzer Flashback der vergangenen Saison, als es im Februar ebenfalls eine 1:2 Niederlage gegen Hannover gab. Denn die beiden Hannover-Spiele lassen sich einfach nicht miteinander vergleichen:

Im Frühjahr hat der VfB aus purer Überheblichkeit verloren, jetzt wegen eines individuellen Fehlers von Mitch Langerak. In der Bundesliga-Partie war der VfB haushoch überlegen, erspielte sich viele Chancen und verdaddelte großkotzig eine nach der anderen. Im Zweitliga-Spiel ist Hannover lange Zeit das bessere Team, wackelt erst in der Schlussphase, als der VfB den Sieg erzwingen wollte.

Jetzt sind noch 18 Spiele zu absolvieren, der VfB steht zwar auf Platz zwei, hat aber noch nichts erreicht und steht extrem unter Druck. In der Bundesliga war es bereits der 23. Spieltag, der VfB schien gerettet, alle atmeten durch, denn der VfB war müde vom ewigen Abstiegskampf und ließ sich dann bereitwillig in die Abwärtsspirale ziehen.

Viele Spieler waren vor zehn Monaten gedanklich bereits weg vom VfB: Daniel Didavi, Martin Harnik, Filip Kostic fühlten sich zu Höhrerem berufen, Daniel Schwaab, Georg Niedermeier und Christian Gentner kotzte es an, immer verantwortlich für den Misserfolg zu sein. Aktuell ist das anders: Es sind junge, motivierte Spieler im Kader wie Takuma Asano, Carlos Mané und Benjamin Pavard, die sich zeigen wollen, die den VfB als Sprungbrett für eine internationale Karriere sehen. Dafür müssen und wollen sie liefern. Simon Terodde will beweisen, dass er auch Bundesliga kann und Christian Gentner will allen Kritikern demonstrieren: Ich kann führen!

Der alles entscheidende Unterschied jedoch ist: Heute hat der VfB einen Trainer auf der Bank. Den Lauf mit acht ungeschlagegenen Spielen in Folge schaffte die Mannschaft nicht wegen Jürgen Kramny, sondern trotz Jürgen Kramny. Er hatte nie ein Gefühl für die Mannschaft, wurde vom Team nie ernst genommen, weil er in allen Bereichen ein Leichtgewicht ist: taktisch, kommunikativ, führungstechnisch. Ganz anders Wolf, der vom ersten Tag an und mit jeder Maßnahme aufzeigt: Ich weiß, wie es geht. Er verfügt über eine Vielzahl taktischer, kommunikativer und gruppendynamischer Instrumente, von denen Kramny noch nie gehört hat. Wolf ist ernsthaft und forsch, fordernd und emphatisch, analytisch und mutig, kommunikativ und interessiert, bodenständig und ernsthaft, mitreißend und draufgängerisch.

Es wird keinen Absturz wie im Endspurt der letzten Bundesligasaison geben!

Keiner sollte also sentimental werden und an das 1:2 aus dem Frühjahr zurückdenken, keiner sollte jetzt den Aufstieg abschreiben. Wir brauchen keine Pussys, keine Romantiker und keine Pessimisten, absolut niemanden, der sich mit Lust in die Niederlage reinwirft und die Wirkung dadurch noch verstärkt. Aber es müssen folgende Fragen geklärt werden:

Hat sich Hannes Wolf verzockt oder war sein Team – im speziellen Christian Gentner und Matthias Zimmermann – mit seiner Idee überfordert? Hat der VfB ein Problem im Mittelfeld? Woher kommt die merkwürdige Ideenlosigkeit und woher die hohen Bälle aus der Luhukay-Zeit? Kommt der VfB mit dieser extremen Vorwärtsverteidigung des Gegners nicht zurecht? Warum verhält sich Langerak wie ein C-Jugendlicher ohne Spielpraxis?

Und hat die VfB-Reha-Welt eigentlich eine Kooperation mit der Tattoo-Akademie gestartet, so wie Daniel Ginczek bei seiner Einwechslung aussah?

Die totale Gegenthese zu diesem Artikel findet Ihr hier: Ade Aufstieg 2016/2017.

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4 Kommentare

  1. Chuck sagt

    Das Spiel gestern und auch das Spiel gegen Aue hat denke ich gezeigt, dass uns die ein oder andere Verstärkung im Winter noch gut zu Gesicht stehen würde. Gestern und auch in Aue hat es etwas am ruhigen Spielaufbau gefehlt. Das Mittelfeld ist nicht wirklich präsent.
    Trotz allem stehen wir sehr gut da, ein Sieg hätte mich aber noch besser schlafen lassen :-)

  2. Fahne sagt

    Danke für diesen textlichen Tritt in den Allerwertesten. Manche scheinen das hin und wieder zu brauchen, mich eingeschlossen. Ich fühl mich jetzt schon wieder besser. Die Gegenthese spar ich mir jetzt, sonst komme ich nur wieder auf blöde Gedanken.

  3. 1) dieses Gejammer geht mir auch auf die Nerven. Platz 2., man ist im Soll, das ist grundsätzlich ok.

    2) das Spiel gestern war nix. Meiner Meinung nach war man ab der 60. Minute etwas unsicher: Punkt mitnehmen? Auf drei Punkte gehen? So hat man dann auch gespielt. Nach vorne wäre mehr gegangen (Maxim auf Ginczek) und hinten hätte man sich auch noch einen fangen können.
    Dass es dann so blöd läuft: passiert. Von Maxim unglücklich. Von Mitch dumm. Wobei das auch ne blöde Situation ist, so an der 16er-Grenze. Kommt er schneller raus, darf er mit den Händen nicht ran, dann ists eigentlich 11er und er verpennt. Dazu rutscht noch Kaminski aus. Ein Tor wie aus der letzten Saison.

    3) allgemein: ich freue mich über einen Trainer, der mal was probiert und taktische Anpassungen macht. Allerdings habe ich aktuell das Gefühl, dass die 3er/5er-Kette nicht passt. Die offensiven Außen sind nicht gut eingebunden und dazu gibt man das zentrale Mittelfeld fast auf. Das passt irgendwie (noch?) nicht. In der zweiten Halbzeit im 4141/4231 lief es dann ja auch besser (bzw.: Warum spielt Hosogai eigentlich nicht?).

    Aber: jetzt muss man eben noch drei Punkte holen, dann ist Pause und dann hat man noch Zeit, mal eine ganze Vorbereitung zu machen. Nach dem Chaos Trainerwechsel, Sportdirektorsuche, Präsidentenwahl,… ist Platz 2 doch eine sehr gute Ausgangssituation für die Rückrunde. Kein Grund zur Panik

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