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Drecksspiel! Dreckssieg!

Arbeitssieg. Glück gehabt. Mund abputzen, weitermachen. Die Tabellenführung bekommst du nicht mit einem Schönheitspreis. Ein gutes Pferdle springt nicht höher als nötig. Wer solche Spiele gewinnt, steigt am Ende auf. Floskeln gibts genug für den unansehnlichen Sieg des VfB gegen Fürth. Oder „Typisch zweite Liga“, wie Kollege Christian Prechtl meinte, dem ich kurz nach Spielende über den Weg lief.

Der VfB zählt am Ende drei Verletzte und ebenso viele Aluminiumtreffern gegen sich, gewinnt aber dank höherer individueller Klasse und den Treffern von Daniel Didavi und Philipp Förster. Spiel erzählt. Danke, tschau. Doch den vierten Heimsieg der Saison nur auf nackte Zahlen (zum Beispiel nur 50 Prozent Ballbesitz) zu reduzieren, wäre fahrlässig. Das Spiel gegen Fürth war nämlich das schlechteste in der Ära Walter. Aber woran lags?

Zum Beispiel daran, dass sich der bisherige Spielaufbaukönig Pascal Stenzel unerklärlich viele Abspielfehler leistete. Daran, dass Marc-Oliver Kempf öfter unsicher wirkte, mehrfach überspielt und überlaufen wurde. Auch Orel Mangala – in der Vorwoche noch sehr überzeugend – fehlten Präsenz, Sicherheit und Dominanz. Daniel Didavi, eigentlich ein Supertechniker, schien mit Krampf im linken Fußgelenk aufgelaufen zu sein. Anders ist seine Leistung nicht zu erklären. Philipp Klement war in fast allen Spielsituationen gedanklich einfach nicht schnell genug, was zu Ballverlusten führte und einige vielversprechende Umschaltmomente verpuffen ließ. Zu unentschlossen spielt er nach wie vor. Wo ist der Klement, der letzte Saison bei Paderborn 22 Scorerpunkte (16 Tore, 6 Assists) verbuchte? Klement spielt, als ob er sich ständig die Frage stellt „Soll ich’s wirklich machen oder lass‘ ich’s lieber sein?“ und seine Antwort ist stets die gleiche: „Jein!“ Und vor dem gegnerischen Tor wirkt er aktuell leider so unglücklich wie Nicolas Gonzalez in der letzten Saison. Apropos: Die argentinische Sturmhoffnung präsentierte sich wie gewohnt lebhaft, versuchte aber oft einen Haken zu viel und hatte Pech beim Abschluss. Das gilt auch für Silas Wamangituka, der äußerst ineffektiv agierte. Manchmal schien es, als sei er zu sehr verliebt in seine eigenen Tricks. Aber warum sollte es dem 19-jährigen auch anders ergehen als uns?

Wer fiel positiv auf? Der immer ungeduldige und schlecht gelaunte Holger Badstuber, über den sich lustig gemacht wird (auch wir!): Slowstuber, Worststuber, Arroganzstuber, Schnarchstuber. Forget it! Gut, besser, Beststuber: mal wieder bester Mann beim VfB, ohne jede Diskussion! Ruhig, souverän, auch in brenzligen Situationen. In der Viererkette ist Badstuber der Mann, auf den man sich verlassen kann. Gefährlich wird es nur dann, wenn er sich aus der Abwehrmitte rauslocken lässt. Sein Signature move im Spiel gegen Fürth: Das Kopfschütteln. Positiv ist auch der überraschende Einsatz von Fabian Bredlow. Im Aufbauspiel vielleicht nicht ganz so ambitioniert wie Gregor Kobel, aber wie schon im Pokal gegen Rostock eine sehr solide Performance.

Und der Gegner? Fürth agierte nach dem Motto „Macht kaputt, was Euch kaputt macht.“ Darunter zu leiden hatten Gregor Kobel (verletzt raus nach hoffentlich unabsichtlichem Foul von Havard Nielsen), Nicolas Gonzalez (verletzt raus nach einem üblen Tritt von Paul Seguin), Badstuber (von Rauhbein Nielsen im eigenen Strafraum gefällt), Didavi, Emiliano Insua und wiederholt Philipp Klement. Gefühlt war jeder Zweikampf ein Foulspiel. Das war mehr als „gesunde“ Härte und Aggressivität. Es wäre jedoch zu einfach, das bescheidene Stuttgarter Spiel auf die harte Gangart des Gegners zurückzuführen, aber was die Fürther da abzogen, hatte mit Fußball wenig zu tun. Es sah oft schon schwer nach purer Absicht aus, wie die VfB-Spieler gefoult wurden, und dabei eine Verletzung des Gegenspielers in Kauf genommen wurde.

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der vermeintliche Underdog dem Favoriten mit physischer Härte den Schneid abkaufen möchte. Schließlich gibt es ja die Schiedsrichter, die die Spieler schützen und die Unfairness und Foulspiel sanktionieren. Leider tat Sören Storks weder das eine noch das andere. Und über die Brotpausen in Köln wurde auch schon genügend diskutiert: Was war eigentlich mit dem Handspiel im Strafraum der Fürther? Nicht gesehen, nicht geahndet. Aber eine starke Parade von Mavraj, muss man schon so sagen!

Dass Greuther Fürth mehr sein kann als eine unsympathische Tretertruppe und einen gepflegten Ball spielen kann, zeigten einerseits die 50 Prozent Ballbesitz. Andererseits die gute Raumaufteilung und das flüssige Passspiel. Was ihnen am Samstag zum Erfolg fehlte, war individuelle Klasse und Glück (siehe drei Aluminiumtreffer). Aber ganz ehrlich: nach ihrer Klopperei hatten sie es nicht wirklich verdient. Karma!

Habt Ihr Euch auch gefragt, warum es so lange dauerte, bis der herzzerreißend humpelnde Nico Gonzalez endlich vom Platz „gehen“ durfte? Reagierte Tim Walter hier nicht schnell genug oder suchte der zur Einwechslung vorgesehene Borna Sosa lange nach seinem Haarband, um seine Günter-Netzer-Gedächtnisfrisur zu bändigen? Immerhin hatte der junge Kroate mit seinem Ballgewinn einen entscheidenden Anteil am beruhigenden 2:0 durch den unauffälligen Förster. Überhaupt: Emiliano Insua konnte sich auch gegen Fürth nicht unbedingt für weitere Startelfeinsätze empfehlen.

Das Spiel in Bielefeld am nächste Freitag wird ein anderes Kaliber als Fürth. Ähnlich unangenehm zu spielen, aber mit 19 Treffern die torhungrigste Mannschaft, mit dem Sturmduo Klos/Vogelsammer stellt die Arminia den gefährlichsten Angriff der zweiten Liga. Zusammen schossen die beiden mehr Tore (14) als beim VfB die gesamte Mannschaft (13). Zweimeterfünfzig-Mann Klos wird nicht nur bei Standards schwer zu verteidigen sein. So sorg- und spannungslos wie gegen Fürth darf der VfB da nicht auftreten. Das wird gegen Bielefeld nicht zu einem Dreckssieg reichen. Die älteren unter euch werden sich noch an den spektakulären 3:2 Auswärtssieg auf der Alm in der letzten Zweitligasaison erinnern. Auf Messi-Momente von Simon Terodde und einen 40 Meter-Treffer von Alexandru Maxim können wir dieses Mal allerdings nicht hoffen.

Unseren Rückblick auf das Spiel mit GIFs findet ihr hier.

(Titelbild: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

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7 Kommentare

  1. Puh, war auch im Stadion und fand es spannend, dass der VfB gegen 12 Fürther bestehen musste, die sich wirklich vorgenommen hatten alles und jeden umzuholzen – teilweise ja mit Erfolg. Beim 12. Mann muss wohl (beabsichtigt) die Verbindung zum Kölner Party-Keller ausgefallen sein. Anders kann man sich seine Passivität in bestimmten Situationen nicht erklären. Schade nur, dass er sein grünes Trikot nicht gefunden hat für den Tag. Jetzt mal Spaß beiseite: So langsam kommt in mir das Gefühl auf, dass bisher alle Schiedsrichter (+ Partykeller) irgendwie ein Problem mit Stuttgart haben – in Aue war es ja besonders witzig (fand ja auch Herr Walter;-)

  2. Peter Schäuble sagt

    Danke, alles prima und treffend erklärt. Der/die Schiedsrichter im Stadion und im „Keller“: eine Katastrophe. Ich kann Didavi verstehen, der nach einem üblen Foul dem gegnerischen Spieler hinterhergewetzt ist und ihm beinahe an den Kragen gegangen ist. Walter hat recht: viele Freunde hat der VfB nicht. Ich frage mich nur, warum ?!
    Allerdings nützt es nix, sich jetzt in die Märtyrerrolle zu flüchten (was ja für Tim Walter untypisch wäre). Es gilt: dagegenhalten. Und seine qualitativen Vorteile zur Geltung zu bringen. Was ich gut finde: dass der VfB dieses Sch…Spiel gewonnen hat, sogar ohne Gegentor

  3. Ich war auch im Stadion in der Untertürkheimer Kurve. Und das was Fabian Bredlow alles gehalten hat unter anderem den Ball an den Pfosten gelenkt, war schon richtig geil. Für mich war er ganz klar Man of the Match und ihm blieb teilweise gar keine Anspielstation über, da im Mittelfeld kaum Bewegung war.
    Und wir sollten uns auch mal über 3 dreckige Punkte freuen. Die Moral stimmt in der Truppe. Im letzten Aufstiegsjahr haben wir oft in solchen Spielen Punkte liegen lassen.
    In diesem Sinne auf die nächsten Drei….

  4. Achja, das 3:2 auf der Alm, das waren noch Zeiten! Befürchte nur irgendwie, dass wir diesmal keinen Siegtreffer in doppelter Unterzahl hinkriegen würden.

  5. Clemens Stork sagt

    Zunächst mal doppelte Copyright-Verletzung, meiner lieber abiszet. Fettes Brot möchte seine Lied Zeile aus „Jein“ zurück und ich möchte für den geklauten „Karma-Vergleich“ aus meinem SPOX Kommentar zum Spiel („SchwabenHH“) …, ja was eigentlich?

    Egal, das Spiel mal wieder treffend beschrieben. Auch die allgemeine Schiri-Schelte kann ich in jedem Fall mitgehen. Übrigens hat selbst der kicker den Herren Brych (Note 5 gegen H96), Zwayer (Note 5,5 gegen Aue) und auch jetzt Herrn Storks (Note 5 gegen Fürth) ausgesprochen schlechte Leistungen attestiert, so dass man zumindest darauf verweisen kann, dass hier nicht ausschließlich rote Brustringe die Sicht der VfB-Sympathisanten getrübt haben.

    Doppelt teuer könnten die Folgen dieser Treterei den VfB zu stehen kommen, sollten tatsächlich Gonzalez und Kobel gegen die Arminia ausfallen. Auch wenn Bredlow seine Sache gut gemacht hat, habe ich bei Kobel ein besseres Gefühl, da dieser einfach der bessere „Feldspieler“ ist. Und auf Gonzalez (ich hätte niemals geglaubt, dass ich das einmal sage) kann der VfB derzeit kaum verzichten.

    Hoffentlich schaut man beim DFB aufgrund der zuletzt gezeigten Schiedsrichterleistungen ein wenig genauer hin. Ich erwarte nicht, dass der VfB in irgendeiner Weise bevorzugt, aber eben auch nicht benachteiligt wird. Aber es geht hier um die Gesundheit der Akteure und daher müssen die Schiedsrichter die Spieler (und natürlich nicht nur die des VfB) vor solchen Tretern wie Seguin besser schützen oder eben aus dem Verkehr ziehen. Leider ist hier die Abstimmung mit Köln eher, sagen wir mal, zweitklassig.

    Aufgrund der zuletzt gezeigten (Abwehr-) Leistungen wird es am Freitag vermutlich erstmalig eine Niederlage geben, sofern sich nicht überraschend die Effektivität steigern lässt und Spieler wie Klement endlich aus ihrem Schatten treten und die Leistung zeigen, die man sich seit Wochen von ihnen erhofft (gleiches gilt in Teilen auch für Gomez, Castro und Klimowicz).

    • @abiszet sagt

      Hi Clemens, die Liedzeile ist deutlich und imin Anführungszeichen gesetzt, dass mE sonnenklar ist, dass ich eben die fetten Brote zitiere (muss ich aufpassen, weil Du Anwalt bist? ;-). Sorry, dass ich es sagen muss, auf Karma ist Sebastian gekommen als er meinen Text redigierte und ich denke, er kennt Deinen Spox-Kommentar nicht …

      Dass der DFB in Sachen Schiri bei VfB-Ansetzungen genauer hinschaut? Kann ich mir nicht vorstellen. Dazu müsste der VfB ordentlich Krawall machen und Mislintat und Walter äußern ihre Kritik zwar, aber noch nicht laut genug ;-)

      Eine Niederlage in Bielefeld? Möglich, es ist aber auch möglich, dass Bielefeld gegen Wehen Wiesbaden gut aussieht gegen den VfB aber nicht. Auf alle Fälle gilt es Klos/Vogelsammer auszuschalten.

      • Clemens sagt

        Keine Angst, der Hinweis auf das Copyright erfolgte selbstverständlich ohne ernsten Hintergrund. Und interessanter Weise haben dann Sebastian und ich beim Stichwort Karma scheinbar dieselbe Assoziation gehabt: 3 Alu-Treffer und null Punkte als ausgleichende Gerechtigkeit für vorheriges rohes Spiel.

        Walter wird beim DFB aufgrund seiner Schiri-Kritik gegen Aue bereits im roten Büchlein geführt. Und seine ersten 5.000 EUR Geldstrafe durfte er ja auch bereits zahlen. Du hast leider Recht, so richtige Lautsprecher haben wir außer Walter beim VfB Stuttgart derzeit nicht. Andererseits, wer will einen Hoeneß im Schwabenland? Ich ganz sicher nicht!

        Ich werde am Freitag nach Ost-Westfalen fahren und mir mit Bielefelder Freunden das Spiel live vor Ort anschauen. Ich kann dann worst case auch gut mit einer Niederlage leben, Hauptsache der VfB war über 90 Min. mutig, war nicht so passiv wie gegen Holzbein-Fürth und hat sich gewehrt.

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