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Eine Schande

Ich wusste schon vor dem Spiel: Der VfB kann mir nix an diesem Wochenende. Vier Tage frei, Hero-Wetter, Family-Business, Grillen und den Höhepunkt der Woche bildete am Mittwoch bereits das Treffen mit den Kult-Bloggern von kessel.tv. „So nice Dudes“, würde Gentleman sagen.

Auch dieses sogenannte Entscheidungsspiel in Augsburg, das der VfB kampflos mit 0:6 verlor, änderte daran nichts. Ich mache es wie die Spieler auf dem Feld gegen Augsburg: Mir ist der VfB egal. Mir ist auch egal, dass der Präsident den VfB seit 2016 systematisch zugrunde richtet und den Nachweis seiner Integrität seit seiner Wahl vermissen lässt. Mir ist der Trainer egal, der seit seinem Amtsantritt eine solch jämmerliche Figur beim VfB abgibt wie noch nie ein Trainer vor ihm. Da ist es fast schon erstaunlich, dass Thomas Hitzlsperger den schlechtesten Trainer der VfB-Geschichte nicht bereits in der Pause entlassen hat. Zusammen mit Emiliano Insua, verdient hätten eine Entlassung beide.

Was dachte Markus Weinzierl in der 29. Minute wohl: „Bin ich etwa schuld, dass wir schon das dritte einfache Tor bekommen?“ Ganz ehrlich, Trainer: ja, dafür sind Sie verantwortlich. Auch für die mangelhafte Einstellung des gesamten Teams und für die Schnapsidee, Ozan Kabak auf die Sechs zu stellen. Aber wie will man der Mannschaft Ehre beibringen, wenn dem Club kein Ehrenmann vorsteht. Dieser VfB ist so kaputt, dass wohl nichts mehr den Abstieg verhindern kann. Auch die letzte Volte, mit dem U19-Trainer Nico Willig nicht. Er ist ein absolutes Trainer-Talent, wie es übrigens auch Thomas Schneider war, aber es ist zu befürchten, dass er ebenso verbrannt wird.

Denn wie soll dieses Team erst die Relegation erreichen und diese dann noch gewinnen? Dafür sind Wille und Teamspirit notwendig, wenn schon die Qualität nicht vorhanden ist. Wenn alle so aggressiv auftreten wie Markus Weinzierl auf der Pressekonferenz, dann wäre das ein Anfang. Anstatt dessen macht sich der VfB auf allen Ebenen lächerlich: An der Spitze ein Mann, der sich Lügenvorwürfe gefallen lassen muss, eine Abwehr, die sich nicht gegenseitig hilft, ein nicht existierendes Mittelfeld und ein Angriff, der diesen Namen nicht verdient hat. Man hat manchmal den Eindruck, der ExOne-Bus wäre beweglicher als Mario Gomez.

Durch die Entlassung von Markus Weinzierl konzentriert sich alles auf ihn. Gut, er war von Anfang an ein Griesgram, es wirkte nie so, als ob er beim VfB angekommen wäre. Offensichtlich hat er nie ein offensives Konzept entwickelt und starrsinnig an formschwachen Spielern festgehalten. Aber die Mannschaft hat ihn böse im Stich gelassen, auch wenn er durch seinen Führungsstil viele Spieler verloren hat. Aber selbst wenn die Mannschaft nicht so eine verdammter Sauhaufen wäre, ist sie aber von Anfang an sowohl taktisch als auch personell inhomogen und stümperhaft zusammen gestellt worden. Der Ex-Sportvorstand Michael Reschke hat es in seinen knapp 19 Monaten beim VfB geschafft, die Mannschaft kaputt zu kaufen und über 50 Millionen in den Sand zu setzen. Das Ergebnis: Ein Team, das sich in der Bundesliga regelmäßig lächerlich macht. Ein Team, das den Abstieg verdient hat.

Es ist soweit gekommen, dass man sich schämen muss, VfB-Fan zu sein. Das wird leider auch nach diesem so herrlichen verlängerten Wochenende so sein. Vielleicht schämen sich auch alle Sportverantwortlichen beim VfB für ihr Auftreten auf und neben dem Platz. Ein Anfang wäre es.

Titelbild: imago images / Pressefoto Baumann

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8 Kommentare

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  2. drhuey sagt

    Mir ging es ganz ähnlich: bisschen Skifahren, Weizenbier öffnen, das 6-Punkte-Spiel schauen und abends noch grillen… ein Traumsamstag stand bevor. Aber es hat etwas gefehlt: ich war nullkommanull nervös. Angesichts der misslichen Lage ein Wunder. Mein 10jähriger Sohn (BVB-Fan: einer meiner größten Erziehungserfolge, er soll es schließlich mal besser haben als ich und Bayern galt es zu verhindern) fragte mich mehrfach, ob ich aufgeregt sei, aber da war nichts. Ich erwartete nichts mehr und so kam es auch. Weinzierl hat auf die Frage, ob er sich von der Mannschaft im Stich gelassen fühlt, mit Nein geantwortet. Das kann ich gut nachvollziehen, denn das würde bedeuten sie hätten die Option es besser zu machen. Aber wenn selbst so Möchtegern-Legenden wie Gomez nur noch Samstagnachmittag-Spaziergänge machen, anstatt vorneweg zu gehen, dann fehlt trotz des in dem Fall offenkundigen miserablen körperlichen Zustandes, auch jeglicher Berufsethos. Auf dem Platz kommuniziert auch niemand. Das habe ich in der Form in der F-Jugend das letzte Mal gesehen. Im Wirtschaftsleben ist meine Definition von Integrität alles zu geben auch, wenn niemand schaut. Bei uns findet die Leistungsverweigerung in aller Öffentlichkeit statt. Und sind wir ehrlich: das hatten wir in den letzten Jahren schon oft. Klar, Reschke hat einen unterirdischen Job gemacht, Weinzierl hatte zum Teil groteske Ideen und hat es nicht geschafft, eine Mannschaft zu formen. Aber die Idee, dass ich mit dem Verein einen Vertraggeschlossen habe, der aus Rechten und Pflichten besteht, scheint bei diesen Anti-Kickern keine Rolle zu spielen. Ist ja auch bequemer auf die Führung sauer zu sein und Leistung einfach einzustellen. Nehmen wir die Bayern: so ein Spiel machen die genau einmal, dann gibt es Ansagen, Einläufe und die Erinnerung was Grundlage der Zusammenarbeit ist. Ich sehe diesen Verein leider auf dem falschen Weg und mir fehlt jegliche Phantasie, dass sich dies nachhaltig ändern könnte.

  3. Marcelo Nicolás Cozzolino sagt

    Ich werde bestimmt nicht Holz aus gefallene Bäumen machen, aber sollten wir uns mal wieder retten und den klassenerhalt schaffen, dann muss man auch den ganzen Vorstand entlassen..

  4. Tobias Deppler sagt

    Es hat beim VfB eine Atomisierung stattgefunden, die man selten zuvor in einem Bundesligaverein so drastisch beobachten konnte. Die einzelnen Spieler wirken wie Atome, die einfach keine Lust mehr darauf haben, sich zu sinnvollen Molekülketten zu verbinden. Es scheint so als hat die Natur ein neues Experiment gewagt und sich gefragt, wie sie es schaffen könnte auch noch den treuesten und edelsten Fan eines Fußballvereines in die Desillusion und Verzweiflung zu treiben. Die einzelnen Schritte wurden dann sauber und schnörkellos vollzogen und wir sollten den aktuellen VfB als fast-vollendetes Resultat dieses höchst kreativen Desillusionierungsexperimentes betrachten. Dann wird aus Scham plötzlich Stolz, aus Wut plötzlich Bewunderung und aus Verzweiflung ergibt sich ein höherer Sinn, der heimlich nur auf ein Ziel hinarbeitet: Dietrich raus!

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  6. Manfred Hurtig sagt

    Wer war auf dem Spielfeld – Dietrich?
    Wer hat die neuen Spieler verpflichtet – Dietrich ?
    Ihr macht es euch zu einfach immer auf den selben drauf zu Hauen und jeden scheiss von Bild und abgeschrieben von Kicker zu glauben
    MV ging es ähnlich und er stand immer für den Verein
    Natürlich ist der Trainer und der Sportvorstand verantwortlich das die Spieler nicht funktionieren das ist nicht der Job des Präsidenten-immer die gleiche Leier !!
    Es geht jetzt darum das wir uns vor dem Abstieg retten und nach der Saison ist Zeit für Gespräche !!!!

    • @buzze sagt

      Das haben wir doch von Markus Weinzierl gehört: Der Trainer ist auch nicht schuld, wenn die Mannschaft keine Tore schießt. Es geht doch aber dar nicht darum, wer (alleine) die Schuld trägt. Es geht darum, zu analysieren, warum der VfB die schlimmste Saison seiner Vereinsgeschichte spielt. Und, ob es Dir gefällt oder nicht: da muss sich auch Wolfgang Dietrich als Präsident des e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender der AG der Kritik stellen. Schließlich war er es, der federführend war als Michael Reschke geholt wurde. Eine Entscheidung, die damals nachvollziehbar war, aber dennoch ein kompletter Fehlschlag.

  7. Tobias Deppler sagt

    @ Manfred Hurtig: Die Medien haben sehr verspätet reagiert und lange Zeit mit einer Kritik an Dietrich gespart, jetzt kommt sie nur umso heftiger und es ist mir prinzipiell egal ob Bild oder Kicker oder wer auch immer kommentiert, insofern es stimmig und für mich nachvollziehbar analysiert worden ist. Und ja, manchmal ist es auch so einfach, dass der Verein vom Kopf her stinkt und das eine lange Tradition beim VfB hat. Ist es nicht im Gegenteil sehr vereinfacht, und nebenbei gesagt völlig daneben, einen MV mit dem heutigen Präsident Dietrich zu vergleichen? Eine ganz andere Persönlichkeit, eine andere Zeit und andere Gesetze. Hier zum Beispiel ein Kommentar von sky von heute, das man nicht besser auf den Punkt bringen kann:

    „Offenbar hat der VfB Stuttgart einen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus, der trotz vieler Chancen jegliche Form von Entwicklung behindert. Womöglich ist gerade die Chance, eine äußerst wirtschaftsstarke Region mit Strahlkraft zu sein, auch das Problem: Streben nach Prestige, Führung nach Gutsherrenart und „Hire-and-Fire-Mentalität“ mögen in der Wirtschaft funktionieren, nicht aber unbedingt in einem Fußballverein.

    Die obersten Gremien des VfB, Aufsichtsrat und Präsident, sind der rote Faden im Niedergang des VfB und gleichsam offenbar kulturell geprägt durch das Selbstverständnis der schwäbischen Unternehmer-Elite. Wenn der Daimler-Mann Wilfried Porth den Weltmeister Guido Buchwald aus dem Verein heraus beleidigt, spricht das Bände. Wenn der frisch gewählte Präsident Dietrich direkt nach der Wahl einem Kritiker den Handschlag verweigert und ihn als „Drecksack“ beschimpft, auch.“ (Sky-Kommentar 22.04)

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