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Captain Korks letzte Mission

Es kommt nicht unerwartet: Captain Kork ist nicht mehr Kommandant der VfB 1893 AG. Die Summe der personellen Fehlentscheidungen, die Ideenlosigkeit seiner Missionstaktik und die fehlende Entwicklung machten diesen Schritt unumgänglich. Michael „Schrotty“ Reschke wollte anscheinend noch eine Weile an seinem installierten Mann festhalten, doch Chef-Intendant Wolfgang Dietrich drängte offensichtlich auf eine sofortige Trennung und senkte den Daumen nach unten: Eingestellt. Abgesetzt! Er ist ungeduldig und es ist erstaunlich genug, dass er so lange gewartet hat. Schließlich macht es sich nicht gut, wenn man als Präsident des Tabellenletzten bei potenziellen Investoren durchklingelt.

Beim Publikum war Captain Kork hingegen schon längst durchgefallen. Bereits bei seiner Verpflichtung brachte ein Großteil der Fans ihr Unverständnis – teils zu harsch und unter der Gürtellinie formuliert – gegenüber der Entscheidung zum Ausdruck, dass Korkut zum Nachfolger vom beliebten Commander Wolf wurde. Wohlgemerkt: Es war Kritik an der Entscheidung und nicht an Korkut selbst. Es war das Unbehagen, dass ein Mann, der bei allen anderen Kommandos früher oder später Schiffbruch erlitt, den VfB Stuttgart retten sollte. Was soll man sagen: Kork rettete den VfB. Fulminant, mit einem 1:4 in München als grandiosem Schlusspunkt und brachte die VfB 1893 in Tabellenregionen, in die schon lange kein Stuttgarter Trainer mehr vorgedrungen war. Was für ein sensationeller Plot-Twist!

Dank der guten Quoten konnte man sogar darüber hinwegsehen, dass Korkut den VfB mit der immer gleichen Aufstellung rettete – und mit jeder Menge Spielglück. Deshalb blieb trotz allem Erfolgs stets eine gewisse Distanz zu Korkut, denn schlussendlich konnte sich keiner erklären, wie er die Spiele gewann und eine nachhaltige Entwicklung der Mannschaft trauten ihm viele nicht zu. Nur Schrotty schien fest daran zu glauben. Erst feierte er sich selbst für die „kluge Entscheidung“, Korkut verpflichtet zu haben. Dann verlängerte er dessen Vertrag ohne Not bis 2020 und stellte ihm schließlich frühzeitig einen Kader hin, der auf den Blick hervorragend aussieht, aber zumindest schwierig zu moderieren ist.

Und genau daran scheiterte Korkut letztlich: Er schaffte es einfach nicht, die ganzen selbsternannten Stammspieler wie Gentner, Badstuber, Beck, Castro und Aogo mit den hochtalentierten Jungen zu kombinieren. In der neuen Staffel steuerte Captain Kork die VfB 1893 AG in einen kontinuierlichen Sinkflug, er verlor sichtbar den Zugriff auf seine Crew, stellte verkorkst auf und war am Ende völlig überfordert, das sah man seinen Aufstellungen an. Reschke hätte früher einschreiten müssen, denn wenn alle von außen die Inkompetenz sehen, warum dann nicht er, den alle als Superfachmann feiern?

So wiederholt sich die Story des VfB einmal mehr: Am Anfang ist eine Trainerverpflichtung meistens ein großer Quotenerfolg. Mit der langfristigen Verlängerung des Kommandanten kommt dann schleichend der Misserfolg und die Publikumskritik, schließlich führt eine Niederlagenserie zur Absetzung des Mannes auf der Brücke. Wann lernt der VfB, dass dieser Plot nicht in eine erfolgreiche Zukunft führt und vor allem unendlich anstrengend und ermüdend ist? Die Besetzung der Hauptrolle auf der Trainerbank sollte deshalb dieses Mal nicht ein geradezu verzweifelter Schnellschuss sein wie im Januar(!) bei Captain Kork. Aber ein ausgewiesener Fachmann wie Schrotty Reschke hat garantiert schon einen Plan B in der Schublade. Ganz bestimmt!

Mit der Entlassung von Kork muss auch die Frage nach Christian „Gentman“ Genter gestellt werden. Captain Kork hat auf ihn als Nummer 1 gesetzt – und sie sind gemeinsam untergegangen. Nicht mit fliegenden Fahnen, sondern still und leise. LeGente hat es nicht geschafft, die VfB 1893 auf Kurs zu halten. Vielleicht war das auch eine Mission Impossible. Aber man hatte auch nicht den Eindruck, er hätte sich vehement gegen den Absturz gewehrt. Im wesentlichen tat dies nur Mario Gomez, der selbst mit blutigem Schädel noch Tore schießt. Er wäre die bessere Besetzung für das Amt des Spielführers.

So endet die zweite Staffel von „Schrotty & Kork“ bereits nach sieben Episoden. Auch, wenn das Format gegen Ende immer ermüdender wurde, sagen wir Danke für die vielen schönen Momente in der ersten Staffel. Hoffentlich findet Captain Kork ein neues Kommando. Auf der VfB 1893 hat es einfach nicht mehr gepasst. Wie es jetzt weitergeht? Es ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen einsehen, dass es mit einem neuen Trainer (mal wieder) nicht getan ist. Nicht nur auf der Brücke, sondern auch im Maschinenraum muss sich etwas ändern. Festgefahrene Hierarchien müssen hinterfragt und aufgebrochen werden. Das Format VfB braucht wieder, was ihr Captain Kork nie geben konnte: Idee und Esprit.

In diesem Sinne: Lebe lang und in Frieden, Captain Kork!

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4 Kommentare

  1. Thomas sagt

    Ich habe es hier schon vor längerer Zeit geschrieben. Beim VfB ist seit 2008 oder so, also seit 10 Jahren, im Schnitt irgendwo bei 8 Monaten immer ein neuer Trainer gekommen.
    Das hat sich die letzen 2-3 Jahre auch nicht wesentlich verbessert. Müsste man gerade nochmals nachrechnen.
    Aber mit so einem hinterf×××igen Spalter wie Dietrich an der Spitze ist der Verein sowieso uninteressant geworden. Was der bei S21 verzapft hat war alles Lug und Betrug. Und so einem Luggebeitel vertraut man. lel.

  2. Ich stimme in allem zu – auch und gerade, dass der VfB sich über seine echten Führungssspieler Gedanken machen sollte. Mario Gomez wäre in jeder Hinsicht der passende Kapitän für diesse Mannschaft.

    Wenn der VfB sich erneuern will, darf ein neuer Trainer nicht auf Christian Gentner als Kapitän setzen – und schon gar nicht sollte man mit ihm verlängern. Nur da liegt ein Problem: Gerade Dietrich, der im Fall Korkut erfreulicherweise die Reissleine gezogen hat, ist ein explizieter Gentner-Fan.

    Das alles schließt ja nicht aus, dass ein Gentner situativ wertvoll sein kann. Aber bitte nicht als vermeintlicher Leader. Nie hatte ein solch durchschnittlicher Fußballer im Club ein solches Standing.

    Man darf sehr gespannt sein, was am Ende der Trainersondierung passiert. Um neue Hierarchien aufzubauen, müsste ein echtes Kraftpaket mit Standing her.

  3. Barry sagt

    Gratulatulion an vertikalpass zu dem gut durchdachten Kommentar!

    Und vielen anderen darf man im selben Atemzug Opportunismus vorwerfen, denn in der Rückrunde haben viele den VfB teils unkritisch hochgejubelt. Wie zB nach dem Auswärtssieg gegen Ende der Saison in Köln, als der VfB spielerisch unterirdische Leistungen gezeigt hatte und nur dank Unvermögen des Gegners, viel (erkämpftes) Glück und einer stabilen Defensive einige Punkte zusätzlich geholt hat (sog. „Lauf“). Das hat aber auch zu dem Zeitpunkt schon nicht über die argen, argen spielerischen Defizite hinweg getäuscht. Jedenfalls dann nicht, wenn man mit halbwegs fachmännischen Blick auf die Art & Weise, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind, geschaut hat. Da muss man aber auch sagen, mit Thommy alleine im Mittelfeld, dem einzigen der was am Ball (in der Rückrunde) konnte und dann so Dorf-/ Kreisklasse-Verteidiger wie Andi Beck, der absolut größten Möchtegern-Verteidiger-Gurke mit dem Fußball-Vermögen eines Jürgen Kohlers anno 1986, der nicht einen einzigen Ball halbwegs vernünftig kontrollieren, geschweige denn weiter spielen kann, wie sollte da auch „Fußball spielen“ wirklich möglich sein. Das war für mich der einzige „Excuse“ für Korkut. Aber gefühlt ist man weit und breit der einzige gewesen, der schon nach 2/3 der letzten Saison gefordert hat, dass nie und nimmer die Spielweise der Rückrunde auch die Blaupause für die neue Saison sein darf. Und was macht Korkut? Der macht ganz genau das!! Den selben, uninspirierten, Anti-Fußball-Defensiv-Dreck weiter kicken lassen, mit einer Mannschaft die sehr viel mehr Potential hat, aber ihre eigene mangelhafte Einstellung und Leistungen bisher hinter dem Trainer-Alibi versteckte.

    Einerseits nachvollziehbar, Korkut nach der – punktemäßig – erfolgreichen Rückrunde die Chance in der neuen Saison zu geben. Andererseits absehbar, das er die Chance (mutlos und kläglich) vergeben würde.

    Der VfB und allem voran Reschke, der sich mit Korkut schlussendlich die erste grobe Fehlentscheidung geleistet hat, muss nun eine Lösung präsentieren, die nachhaltig (!) und nicht nur kurzfristig den VfB entwickelt. Lieber Platz 14 am Ende dieser Saison mit einem
    vernünftigen Fußball und dem Ausblick auf stete Steigerung in der Zukunft, wie schnellen Erfolg aber rückwärtsgerichteten Fußball ala Korkut. Der VfB hat ein halbes Jahr verloren, die Zeit lässt sich nicht zurück drehen, aber lernen muss man daraus.

  4. drausvomLande sagt

    Sehr geehrter Herr Robin Reschke,
    ich wende mich heute an Sie mit der Bitte, mich doch wieder in die Realität zu entlassen.
    Wissen Sie, lieber Herr Reschke, vor kurzem bin ich aufgewacht und hatte so ein Gefühl eines Deja-Vu, also als ob alles, was ich im letzten Augenblick meines Traums erlebt habe (und es war beileibe kein schöner Traum, der VfB ist darin abgestiegen) sich so in Wirklichkeit schon einmal zugetragen hätte und ich auch noch dabei gewesen wäre. Ich habe geträumt von verdienten Spielern und Co-Trainern wie Andreas Kramny und Jürgen Hinkel und zerrissenen Jeans, einer Serie von x Spielen ohne Niederlage, Vertragsverlängerungen, Sportvorständen mit so exotischen Namen wie Michael Dutt, die alles anders und besser und vor allem professioneller machen und von anderen, die den Druck haben und von Momentaufnahmen, die beim VfB aber auch am 34. Spieltag noch unverändert aussehen, zumindest was das Saisonergebnis betrifft, aber auch von Hoffnungsschimmern zwischendurch wie Hannes Schindelmeiser und Jan Wolf und jungen talentierten erfolgshungrigen Spielern, oder waren das doch ältere erfahrenere Haudegen, also ich bin auf jeden Fall vollkommen durcheinander.
    Aber dann habe ich mich erinnert (und auch gleich vergewissert):
    Dies ist das Logbuch des VfB Stuttgart. Wir schreiben das Jahr 2018. Dies sind die Abenteuer der Aktiengesellschaft, die mit dem Kapital des Vereins und vielen Millionen von Daimler Chrysler (hmmm?) 34 Spieltage lang unterwegs ist, um sich von bekannten Stadien zu verabschieden und sich auf neues Leben in anderen Stadien vorzubereiten. Viele Alpträume von der Realität entfernt dringt der VfB-Fan in Emotionen vor, die nie ein Mensch zuvor durchlitten hat.
    Möge …

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