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It’s a kind of Mittelfinger

Es muss schon einiges gegeben haben, was Christian Gentner beim VfB Stuttgart auf den Sack gegangen ist. Natürlich, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Aber es muss noch mehr sein. Denn was Andreas Beck und Dennis Aogo geschafft haben, gelang Gentner nicht: Sich ordentlich zu verabschieden. Ein paar Worte, die seine Verbundenheit mit dem VfB unterstreichen, schließlich war er ja auch ein paar Jahre hier, schließlich ist der VfB „sein Verein“– oder war es. Denn stattdessen: Schweigen. Beleidigtes Schweigen.

Dass Gentner jetzt zu Union Berlin wechselt, gegen die der VfB die Relegation versemmelt hat, empfinden viele als Verrat. Ein „ausgerechnet“-Move. Aber ganz klar: Nachdem die Zeit beim VfB für den ehemaligen Kapitän zu Ende ging, kann er überall hin wechseln. Okay, vielleicht nicht zum KSC, das wäre dann doch etwas zu viel. Trotzdem wirkt es ein bisschen wie Nachtreten und wie den Mittelfinger zeigen gegenüber dem VfB und den Entscheidern Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat. Darüber hinaus ist es schon paradox, dass Gentner, der so etwas wie das Gesicht der Dauerkrise des VfB und auch einer der Gründe für den Abstieg war, im Gegensatz zum VfB weiterhin in der Bundesliga spielt.

„Christian Gentner hat in seiner Karriere bewiesen, dass er ein absoluter Leader ist und eine Mannschaft mitreißen kann“. Diese Aussage von Unions Sportdirektor Oliver Ruhnert überrascht dann am meisten. Denn das sind ausgerechnet die Eigenschaften, die viele in Stuttgart dem 33-jährigen abgesprochen haben. „Mitreißen“ und „Leader“ sind Worte, die man in Stuttgart überhaupt nicht mit Gentner verbindet. Ruhnert weiter: „Mit seinem Siegeswillen wird er die Mannschaft auf und neben dem Platz weiterbringen“. Was darf Satire? Genau diesem Siegeswillen hat man bei Gentner vermisst. Schließlich blieb er stets unsichtbar, wenn es schlecht lief. Es sah von außen nie so aus, als ob er aufrütteln und mitreissen könnte.

Womöglich ergeht es Gentner wie anderen Spielern, die den VfB verlassen: Er wird an neuer Wirkungsstelle besser und entwickelt sein „wahres“ Leistungspotential. Ich habe daran allerdings meine Zweifel. Ein Gutes allerdings hat es: Wir müssen Gentner im Neckarstadion nicht als Gegner wiedersehen. Ob wir Gentner eines Tages allerdings in anderer Funktion beim VfB sehen werden, wage ich nach diesem Abgang zu bezweifeln.

Trotz allem: Viel Erfolg LeGente.

Einen weiteren Text zum „Ende von LeGente“ findet Ihr hier.

Bild: getty Images / Bongarts

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5 Kommentare

  1. drhuey sagt

    Auch im Abschied zeigt sich wes Geistes Kind dieser Möchtegernleader ist. Die Erwartung war wohl, dass die Verlängerung seines Vertrages ein Selbstläufer sei. Und es ist Sven Mislintat und Hitz zu verdanken, dass sie ihm mal den Spiegel vorgehalten haben….endlich ! Ich würde auch vorschlagen, dass er nach seiner Karriere bei Union Berlin eine tragende Rolle spielt und nicht beim VfB. Denn der ist wirklich größer als jeder einzelne Spieler und er ist auf einem Weg, auf dem Opportunisten mit Stallgeruch eher hinderlich sind.

  2. Thomas Obermüller sagt

    Der Artikel und auch was drhuey schreibt spricht mir aus der Seele. Ich hätte es nicht so gut ausdrücken können. Gestern schrieb ich in einem VfB Forum: „Leader, Mannschaft mitreißen, Siegeswillen, Zweikampfstärke. Wen meint Urs Fischer?“

  3. Sebastian sagt

    Der Artikel spiegelt genau wider, warum es eine vollkommen nachvollziehbare Entscheidung ist, dass er nach Berlin geht.
    Natürlich gab es sportlich auch bei Gente letztes Jahr Defizite – genau wie beim Rest des Kaders und den ganzen Verantwortlichen im Verein. Einen Großteil der Kritik bekam aber immer wieder er ab, gerade auch von Fanseite. Dass nun auch von Vereinsseite keine Wertschätzung mehr da war, obwohl Gentner zweifelsohne ein absoluter Vorbildcharakter auf und neben dem Platz war, kann einen ja wohl nur enttäuscht zurück lassen.
    Gentner hat alles richtig gemacht, er kann weiter 1. Liga spielen, Union ist ein Verein mit einer einzigartigen Fankultur und er erfährt ganz offensichtlich auch von Seiten der Offiziellen die Wertschätzung die ihm gebührt.
    Und lieber, sehr geschätzter Vertikalpass – ihm vorzuwerfen, dass er sich bislang nicht tränendrüsenrührend auf Social Media verabschiedet hat, der hat einfach nach Jahren nicht verstanden wer unser geschätzter Kapitän eigentlich war und ist. Definitiv ist er nämlich kein Instaboy, der jedes zweite Schnitzel mit seinen Fans teilt. Mir ist es lieber er geht genau so, ohne versöhnliche Worte, so kann ich mir zumindest ein Stück weit einreden, dass er ähnlich enttäuscht ist wie ich, von diesem vorerst letzten VfB Kapitel seiner Karriere.

    • Wrdl sagt

      Ganz deiner Meinung … v.a. bezüglich dem schlechten Standing bei den Fans. Wenn die Mannschaft mal wieder einen richtig derben Stiefel spielte, wurde um uns herum immer nur der Gentner verbal und mit Schaum vor dem Mund angegangen. Dabei war er meistens der „Einäugige unter den Blinden“. Keine Ahnung, warum er so ne Zielscheibe war …

      Machen Sie es gut, Herr Gentner

  4. Gärtner, Andreas sagt

    dem ist wohl nichts hinzuzufügen, absolut den Nagel auf den Kopf getroffen!! Trotz allem wünsche ich Gente viel Glück 🍀 in Ostberlin, eines ist sicher die Fans werden ihn herzlich aufnehmen, wenn er die Leistungen nicht bringt genauso herzlich kritisieren!!👍😊

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