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Khediras Signale gehen ins Leere*

Stuttgart im Aufruhr. Facebookgruppen werden gegründet, Petitionen gestartet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Demos auf dem Schlossplatz stattfinden und die Daimler-Arbeiter aus Protest streiken. Wutbürger war gestern, jetzt sind die Protest-Fans am Zug. Der Grund für das alles: Trainertalent Thomas Tuchel will zum VfB Stuttgart. Aber dort will man ihn nicht. So schreibt es zumindest Marko Schumacher in der Stuttgarter Zeitung.

Während in Stuttgart also die Fanseele kocht und man im Pressehaus mit einem Piccolöchen auf das bundesweite Medienecho anstößt, übersieht man eine viel entscheidendere Personalie. Denn, mal ehrlich: Was hat Thomas Tuchel denn schon geleistet? Okay, er isst mit Pep Guardiola zu Mittag und war quasi der Dieter Bohlen der Bruchweg Boys. Was ist aus denen eigentlich geworden? Ach ja: Schürrle spielt nicht in Wolfsburg, Szalai nicht in Hoffenheim und Holtby nicht in Hamburg.

Wir hingegen reden über einen Mann, der nicht nur deutscher und spanischer Meister war, sondern auch amtierender Weltmeister ist: Wir reden von Sami Khedira, der im Sommer ablösefrei zu haben ist. Unverständlich also, dass die Personalie Tuchel so stark im Fokus steht, während sich viel dramatischere Dinge abspielen. Wir fragen: Warum hat der VfB Stuttgart kein Interesse an Sami Khedira? Nach Informationen von vertikalpass hat er entsprechende und eindeutige Signale ausgesandt. Bislang sind sie ins Leere gegangen. Warum?

Khediras Vorliebe für den VfB hat mehrere Gründe.
Zum einen ist es schlicht so, dass er wieder in die Bundesliga möchte, die in Frage kommenden Plätze aber begrenzt sind. Bei den Topteams aus München und Dortmund sind die Plätze im defensiven Mittelfeld belegt. Gleiches gilt für Gladbach und die Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg, die für ihn, genau wie die neureichen Emporkömmlinge aus Hoffenheim und Leipzig, aufgrund fehlender emotionaler Bindung ohnehin kaum in Betracht kämen.

Bleiben also zwei bevorzugte Optionen: Schalke 04 und der VfB. Die Knappen rechnen sich sehr gute Chancen aus – dort wird in den Foren sehr lebhaft diskutiert, warum Schalke die besseren Chancen haben sollte. Viel mehr spricht eigentlich für den VfB. Das hängt damit zusammen, dass für Khedira bei der Jobwahl auch die weichen Standortfaktoren eine Rolle spielen. Sehr eng ist seine emotionale Beziehung zur Stadt und zum Verein – wichtige Voraussetzungen für ihn, eine Stelle anzutreten. Khedira, geboren in Oeffingen – wo ein Stadion nach ihm benannt ist – ist in der Jugend des VfB groß geworden, ist mit ihm Meister geworden und pflegt noch immer Freundschaften, sein karitatives „Spiel des Jahres“ findet in Degerloch statt.

Selbst ein Abstieg, so heißt es, sei nicht automatisch ein K.o.-Kriterium
Dass der VfB für ihn ein ganz besonderer Club ist, daraus hat Khedira auch in früheren Gesprächen kein Geheimnis gemacht. Selbst ein Abstieg, so heißt es, sei nicht automatisch ein K.o.-Kriterium. Als reizvoll könnte es Khedira empfinden, den VfB wieder nach oben zu führen.

Fragt sich nur: Warum bloß setzt die Stuttgarter Vereinsführung nicht alle Hebel in Bewegung, um jenen Mann zu gewinnen, der ein solch große Stahlkraft hat, dass ihm zuzutrauen ist, eine regelrechte Euphorie in Stuttgart zu entfachen?

Vor einiger Zeit soll sich Khedira mehrmals in geheimer Mission mit VfB-Verantwortlichen getroffen und seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt haben. Im Moment aber gibt es keinen Kontakt mehr. Inzwischen hat sich der VfB mit dem Ivorer Serey Dié verstärkt, zweifellos ein starker Mann, durchaus mit Führungsanspruch, dass er jedoch auch über eine ähnlich starke Persönlichkeit wie Khedira verfügt, bezweifeln viele Fachleute und halten ihn für die deutlich billigere Lösung.

Der VfB will die Vorgänge auf Anfrage nicht kommentieren. „Wir fokussieren uns allein auf den Klassenverbleib und stärken unserer Mannschaft weiter den Rücken“, sagt Robin Dutt. Doch kann man sich gut vorstellen, dass der Manager kein gesteigertes Interesse daran hat, mit Khedira zusammen­zuarbeiten. Als Sportvorstand begreift er sich als der neue starke Mann beim VfB. Dutt will die Zukunft selbst gestalten – und müsste Kompromisse ­eingehen und auch Khediras sportliche Forderungen erfüllen, sollte er den Weltmeister verpflichten. Denn wenn Khedira kommt, dann nur zu seinen Bedingungen, dass er in einer starken Mannschaft spielt, in der er der Kopf ist. Khedira würde zum Gesicht des neuenVfB werden, eine Rolle die Dutt für sich beansprucht.

Khedira hat seinen eigenen Kopf
Keine Frage: Sami Khedira hat seinen eigenen Kopf und seine eigenen Vorstellungen. Er lotet ganz genau aus, wo er die beste Perspektive hat. Soll er der Romantik nachgeben und in Stuttgart etwas aufbauen oder in London, Paris, Liverpool, Turin oder Manchester nationale und internationale Titel anstreben?

Klar ist daher auch: wer Khedira holt, der muss auch dessen Bedingungen akzeptieren. Im Falle des VfB würde das bedeuten, dass Khedira alles anders machen würde als bisher. Doch kann nach den Jahren der Dauerkrise niemand behaupten, dass dies nicht auch dringend nötig wäre.

Der Präsident Bernd Wahler selbst ist es, der gerne von weitreichenden Veränderungen spricht und harte Entscheidungen ankündigt. Der Beweis aber, es wirklich ernst zu meinen, der steht aus. Ein Spieler mit Gestaltungskraft und dem unbedingten Willen Großes zu erreichen, fehlt dem VfB. Und es fehlt der Mut, ihn intern durchzusetzen.

„Für mich ist nicht der Name des Vereins relevant und auch nicht der Kontostand, sondern der Plan für die nächsten Jahre. Ich möchte einen Weg gehen, in dem ich mitgestalten und junge Spieler führen kann.“

– Sami Khedira, 2015

Vor ein paar Jahren hatte der VfB die Möglichkeit, Klaas-Jan Huntelaar zu engagieren. Doch der VfB zögerte und zauderte, bis Huntelaar erst zu AC Mailand ging und dann auf Schalke landete. Der Rest ist bekannt. Der VfB verpflichtete den Rumpel Russen Pavel Pogrebnyak, der Anfang vom Ende.

Das liest sich alles vollkommen absurd? Kann sein. Ist aber der identische Text wie der von der Stuttgarter Zeitung zu Thomas Tuchel, nur enttuchelt und an den entsprechenden Stellen mit Khedira gewürzt. So geht das also mit dem Journalismus. Wenn es jetzt keine Facebook-Gruppen „Khedira zum VfB“ gibt, dann kann das nur heißen: Alle mögen Tuchel lieber als Khedira. So weit ist es gekommen. Danke StZ!

Und was sagen Deichkind dazu?
„Ich geb‘ Ihnen einen Tipp: Denken Sie groß!
Was zweifeln Sie so? Übernehmen Sie die Show!
Mit dem richtigen Riecher sind Sie der Leader
Und spielen schon bald in der obersten Liga.“

*Achtung: Dieser Artikel kann Spuren von Tatsachen beinhalten.

Bild: Celso Pupo / Shutterstock.com

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4 Kommentare

  1. Andreas sagt

    Und jetzt geht es euch hoffentlich wieder besser, weil ihr es der Stuttgarter Presse einmal so richtig gezeigt habt :)

    • abiszet sagt

      Hi Andreas, Danke für Deinen Kommentar, aber es geht uns mitnichten darum, es der „Stuttgarter Presse zu zeigen“, wie Du das nennst, wofür wir by the way auch zu unbedeutend sind. Wir wollten nur aufzeigen, wie beliebig der Tuchel-Text ist. Das kannst Du mit jeder beliebigen Person wiederholen. Der Tuchel-Text ist effektheischend, strotzt nur so vor Konjunktiven und: Wenn was dran ist, warum dann nicht Ross und Reiter nennen? Dass der neue Trainer, wie auch immer er heissen mag, damit beschädigt wird, ist überdies ein negativer Nebeneffekt.

  2. Daniel sagt

    Der Artikel enthält tatsächlich Spuren von Tatsachen. Was allerdings KEINE Tatsache ist, ist die Aussage, der VfB habe Huntelaar damals nicht bekommen, weil er zu lange gezögert habe. Huntelaar hat damals klar und deutlich gesagt, dass er „zu einem großen Verein“ wolle – was den VfB implizit ausgeschlossen hat. Er hat sich deshalb dafür entschieden, zum großen AC Mailand zu gehen. Erst nachdem er auch dort (wie zuvor bei Real) nicht wirklich zum Zuge kam, war er bereit, es eine Nummer kleiner zu versuchen und ist nach Schalke gegangen. Hier ist dem VfB – ausnahmesweise (!) – kein Vorwurf zu machen. Was von Porgrebnyak natürlich nicht sagen kann.

  3. Stefan sagt

    Sami wäre auf jeden Fall der richtige für den VfB!!! Verpflichten wenn es geht!!!

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