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Klement Clearwater Revival

Ich weiß, no Jokes with Names, aber: 5 Tore, 3 Sosa-Assists, 2 Tore von Kempf – aber 1 Treffer und 1 Super-Spiel von Philipp Klement. Er erlebt ein echtes Revival in seinem dritten Jahr beim VfB.

Aber viel wichtiger: Mo Sankoh. Verdammter Scheiss. Ausser mir haben ihn viele wahrscheinlich ebenfalls ins Herz geschlossen. Wie er wenige Minuten nach seiner Einwechslung alleine aufs Tor zulief. Dann der Abschluss. Sascha Burchert kommt raus. Zusammenprall. Eine Szene, die beim Zuschauen unheimlich schmerzt. Mo weiss sofort, dass es eine schlimme Verletzung ist, winkt nach ärztlicher Versorgung. Daniel Didavi hält ihm die Hand. Dinos Mavropanos tröstet ihn. Er macht es für uns alle, wir wollen bei Mo sein, wollen ihm beistehen, wollen ihm sagen „Alles wird gut“. Und wir wissen, dass es nicht so ist. Es ist eine schwere Verletzung, Sven Mislintat spricht nach dem Spiel von sechs Monaten Verletzungspause. Tragisch. Nicht nur, dass er sich immer näher an den Profi-Kader heranspielte und er der heisse Scheiss beim VfB war, sondern weil er als 17-jähriger jetzt in ein emotionales Loch fällt. Mislintat meint, er wäre „klar im Kopf“ und es ist Mo Sankoh zu wünschen, dass ihm weitere Personen zu Seite stehen und ihn unterstützen wie Didavi und Mavropanos auf dem Spielfeld. Es sind Szenen wie diese, die zeigen, dass es im Team des VfB zu stimmen scheint.

In einem Loch befand sich Philipp Klement. Top-Scorer bei Paderborn, zweite Reihe beim VfB, maximal. In der neunten Minute für den verletzten Ata Karazor gekommen, wird er neben Beckham-Double Borna Sosa und Doppelpacker Marc-Oliver Kempf zum Matchwinner. Und das hat er sich verdient: Auf die Zunge gespielte Pässe, kluge Spielverlagerungen, zum richtigen Zeitpunkt das Spiel schnell machend. Er hat ein Auge für freie Räume (müsste aber ein bisschen schneller passen) und besitzt einen unglaublich feinen linken Fuß und stellte sogar den herausragenden Wataru Endo in den Schatten, der mit dem 1:0 den Dosenöffner machte. Endo, muss über ihn noch was gesagt werden? Keine Vorbereitung mit der Mannschaft, Olympia in den Beinen und mit einigen unfassbaren Moves in höchst bedrängten Situationen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt davon, dass dies für Endo nur eine Trainingseinheit gewesen wäre.

Was noch? Teto Klimowicz mit einer erstaunlichen Lässigkeit und einem eleganten Castro-Außenristpass auf Klement und zum 2:0, Hamadi Al Ghaddoui weinte nach dem 4:0 und seinem seinem ersten Bundesligator, Borna Sosa lachte und es ist ein Lachen, das wir immer sehen wollen, denn dann ist er in Spiellaune. Erstaunlich, wie aus einem unsicheren und unreifen Spieler ein Unterschiedspieler wurde. Eigentlich kann man bei einer Flanke von ihm schon die Arme zum Torjubel heben.

Der ganze Auftritt des VfB gegen einen naiv verteidigenden Aufsteiger ist reif, gewachsen, selbstbewusst, selbstsicher, stabil. Auffällig nur, dass Keeper Florian Müller noch nicht richtig ins Aufbauspiel integriert ist, er lieber den Ball weit nach vorne spielt, als den Kurzpass zum Mitspieler zu suchen.

Es ist natürlich zunächst nur das erste Spiel der Saison, aber es ist immerhin der erste Auftaktsieg nach zehn Jahren und die drei Punkte geben Sicherheit für die nächsten schweren Spiele gegen Leipzig, Freiburg, Frankfurt und Leverkusen.

Fazit:
Der VfB macht dort weiter, wo er in der letzten Saison aufgehört hat. Es macht Spaß, der Mannschaft zuzuschauen. Auch Roberto Massimo mit einem inspirierenden Auftritt, es fehlt nur noch sein erstes Bundesligator. Es scheint so, als ob sich alle Spieler unter Pellegrino Matarazzo verbessern würden. Wie Mavropanos, der eine beängstigende Präsenz an den Tag legt, die selbst im Oberrang und vor dem Fernseher zu spüren ist.

Eine positive Entwicklung, die fast schon Angst macht.

Warum wir mit unserer Saisonprognose genau richtig liegen, steht hier.

Hier geht’s lang zum vertikalGIF.

Wer fragte nochmal, „wer soll beim VfB die Tore schießen?“

Foto:
Imago

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7 Kommentare

  1. Joachim Leuze sagt

    Haltet mich für verrückt, aber ich hatte gestern mit einem Freund € 100,– gewettet, dass der VfB unter die ersten Fünf kommt. Ich bin jetzt sehr, sehr lange dabei und VfB Fan und Mitglied, aber was ein Herr Mislintat da zusammengestellt hat, das war noch nie zuvor da. So eine mörderische, junge und hungrige Mannschaft habe ich selten erlebt. Und ich bin seit dem Aufstieg in den 70er Jahren dabei. Wenn man gestern noch die „Corona-Kranken“, die Verletztenliste anschaut, dann konstatierte ich gestern: „Wie spielen denn die dann Fußball, wenn alle wieder an Bord sind?“ Das muss man sich auf der Zunge vergehen lassen, da fehlten gestern ein Mangala, Kalajdzic, Coullibaly, Ahamada, Bayaz, Silas und da zaubert Mislintat noch ein hochtalentierter Spieler (Millot) aus Monaco kommend aus dem Hut. Ja, wenn die derzeit zweite Garde (wenn man es überhaupt so bezeichnen kann?) so einen attraktiven und erfrischenden Fußball spielt, wohin soll das führen, wenn die erste Garnitur da ist? Ich für mein Dafürhalten bin mir sicher, dass der VfB nichts, aber auch gar nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Im Gegenteil, der VfB wird oben angreifen.

    • @abiszet sagt

      Moin Joachim, ja, da kann die Euphorie mit einem durchgehen. Aber es war der erste Spieltag und ein 5:1 gegen einen Aufsteiger, der teilweise das Verteidigen vergaß. Die Einordnung des Ergebnisses und der Form erfolgt gegen Leipzig, Freiburg, Frankfurt und Leverkusen., Dann schauen wir mal, was von der Euphorie noch da ist.

      • Bernd sagt

        Fürth ist mehr schlecht als recht in die 1. Liga gestolpert und hat neben ihrem mit Abstand besten Spieler Raum auch noch zwei weitere Leistungsträger (Stach, Jaeckel) verloren, ohne annäherend adäquaten Ersatz zu verpflichten. Das ist auf dem Papier eine der schlechtesten Bundesliga-Mannschaften der letzten Jahre, die sind nochmal schlechter aufgestellt als so mancher aktuelle Zweitligist. Wenn die auch doch auf die Idee kommen, gegen uns Fußball spielen zu wollen anstatt den Bus zu parken, dann ist so ein Ergebnis zwar nicht zwangsläufig, aber auch nicht völlig überraschend. Wie schon im Pokal die Pflichtaufgabe souverän gelöst, jetzt kommen wie du schon sagst die echten Gradmesser.

  2. drhuey sagt

    Das war ein klasse Start ohne Zweifel, aber eben auch gegen einen Gegner, der von Anfang an gegen den Abstieg kä.pfen wird und daher nicht als Gradmesser taugt. Wenn Räume da sind können viele gut Fussball spielen. Ich hasse den Tag, an dem Mislintat seinen Abschied verkündet und sich einem anderen Projekt widmet schon heute. Dennoch gibt es in dieser Mannschaft noch viele Fragezeichen was die weitere Entwicklung angeht. Ich sehe Coulibaly noch nicht auf absolut sicherem Bundesliganiveau, Klimowicz muss dieses Jahr konstant sein Riesentalent auf den Platz bringen und seine Abtaucher reduzieren, wann kann Mola, den ich sehr hoch einschätze, eingreifen und sich nachhaltig zum Starter entwickeln, die Tauglichkeit von Beyaz und Sankoh ist aufgrund ihrer Jugend auch noch nicht sicher geklärt. Ich finde den Weg hochspannend, aber Euphorie wäre fehl am Platz. Fakt ist: Diese Mannschaft kann einen Abstiegskandidaten an die Wand spielen und das ist eine tolle Sache und eine Entwicklung an sich.

  3. Sascha sagt

    Es war ein guter Auftakt gegen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt! Bei aller Euphorie das Ziel bleiben die 40 Punkte!

  4. Clemens sagt

    Beeindruckend, wie Endo in Chuck Norris Manier der anfänglichen Härte der Fürther mit ebensolcher Zweikampf Härte begegnete und um dann noch den Brustlöser in Form des 1:0 nachzulegen. Auch Kempf und Klimowicz haben dem Gegner mit dessen robuster Zweikampfführung durch ihr resolutes Einsteigen gezeigt, wer Herr im Haus ist. Dass an diesem ersten Spieltag im Grunde genommen nur eine B-Elf auf dem Platz stand fiel unter anderem auch deshalb kaum auf, weil Klement mit seinem Erfolgserlebnis zum 2:0 die Sicherheit für sein Spiel gefunden hat, die ihn für Paderborn so wertvoll gemacht hat und auch Al Ghaddioui seinen ersten Treffer im Oberhaus feiern durfte.

    Es zahlt sich vermutlich oder hoffentlich auch im Hinblick auf die kommenden Gegner gerade aus, dass die Mannschaft von Matarazzo eingespielt wirkt und viele Automatismen greifen. Leipzig, Leverkusen und Frankfurt haben hier zumindest nach den Eindrücken der 1. Runde im DFB-Pokal bzw. nach dem 1. Spieltag mit ihren neuen Trainern noch Defizite. Vorteil (hoffentlich) VfB!

    Einen Schatten auf den guten Saisonstart wirft natürlich die schwere Verletzung von Mo Sankoh. Auch Gonzalez musste in der 2. Liga in einem Spiel gegen Fürth verletzt vom Platz. Spiele gegen das Kleeblatt müssen scheinbar weh tun.

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