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Warum es eine schwierige Saison wird

Jung und wild: schön und gut. Aber kann das wirklich gut gehen? Mit Castro, Kaminski, Gonzalez und Kobel verließ die Erfahrung aus 559 Bundesligaspielen den VfB Stuttgart. Sollte Marc-Oliver Kempf noch wechseln, kämen weitere 98 dazu. Auf der Gegenseite ist Florian Müller der einzige Neuzugang mit Bundesligaerfahrung. Der neue Keeper hat immerhin schon 73 mal für Mainz und Freiburg gespielt.

Der Altersdurchschnitt im Kader ist noch einmal gesunken. Natürlich. Daniel Didavi und Hamadi Al Ghaddioui sind die einzigen Spieler über 30, außer Fabian Bredlow, Philipp Förster, Marc-Oliver Kempf, Erik Thommy und Philipp Klement ist kein Spieler mehr über 25.

Abgesehen von Wataru Endo natürlich. Der 28-jährige muss in der kommenden Saison nicht nur den Gegner kontrollieren, sondern auch noch die Stuttgarter Rasselbande bändigen. Ein schweres Erbe, das er antreten muss. Vor allem, weil Orel Mangala, sein Partner im defensiven Mittelfeld, vorerst noch ausfällt.

In der vergangenen Saison stand der VfB nie schlechter als auf Platz 13. Eine komfortable Situation, die den jungen Spielern Raum für Fehler und Entwicklung gab. Doch wie schlagen sich die Newcomer, wenn der Saisonstart schief läuft? Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass die Punkteausbeute an den ersten fünf Spieltagen dürftig sein wird: Nach dem Auftakt gegen Fürth folgen Spiele gegen den Zweiten, Fünften und Sechsten der vergangenen Saison und dazwischen das Derbyle gegen Freiburg, das man in der letzten Saison beide Male verlor.

Und das Ganze auch noch ohne wichtige Spieler wie Sasa Kalajdzic, der noch wechseln könnte, Chris Führich, der als Gonzalez-Ersatz fest eingeplant war, Silas, der frühestens Ende des Jahres ein Faktor sein kann, und den bereits erwähnten Orel Mangala, der seit mittlerweile fünf Monaten kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. Die große Frage, die sich stellt: Wie stressresistent ist der VfB nach einer Wohlfühl-Saison, in der die großen Probleme ausnahmslos abseits des Platzes lagen?

Denn neben der Erfahrung, die man im Kollektiv zu ersetzen versucht, fehlt noch etwas viel wichtigeres: Tore! Durch die Abgänge von Castro und Gonzalez sowie den Hinrunden-Ausfall von Silas fehlen 15 Tore aus der Vorsaison. Und das auch nur, wenn Sasa Kalajdzic erneut 16 Tore erzielt. Und deswegen muss man sich die gleiche Frage stellen wie vor einem Jahr: Wer soll die Tore schießen?

Das letzte Mal, dass sich Mannschaft, Matarazzo und Mislintat großem Druck ausgesetzt sahen, war in der der Schlussphase der Zweitliga-Saison. Wer erinnert sich nicht an die miese Stimmung und den unsouveränen Auftritt vom Sportdirektor bei SWR Sport nach der Derbyniederlage? Können wir so etwas erneut erleben, wenn es mal nicht so läuft?

Ein weiterer Faktor: In der vergangenen Saison konnte sich die Mannschaft wortwörtlich in Ruhe entwickeln, denn mit Ausnahme der ersten beiden Heimspiele kickte man vor leeren Rängen. Gegen Fürth werden bis zu 25.000 Fans im Neckarstadion sein und die Mannschaft anfeuern. Doch was passiert, wenn es mal nicht so läuft? Wie wird das Team damit umgehen, wenn es auch mal Pfiffe geben wird?

Klar ist auch: Die Erwartungen sind größer geworden. Sicherlich nicht bei allen, aber bei vielen Fans. Sie erwarten den gleichen attraktiven Fußball wie in der Vorsaison, sie erwarten einen Stürmer, der 16 Treffer macht, sie erwarten Spieler, die sich in den Fokus spielen, so wie der “Rookie der Saison” Silas vor seiner Verletzung. Auf der anderen Seite konnte der VfB die Transfereinnahmen nicht reinvestieren, sondern musste damit Löcher stopfen, die Corona verursacht hatte. Und sie erwarten, dass man Teams wie Fürth, Bochum und Bielefeld in der Tabelle hinter sich lässt – mindestens.

Auch die Erwartungshaltung gegenüber einzelnen Spieler ist gewachsen. Mittlerweile wird fast schon fest damit gerechnet, dass Spieler wie Sankoh und Beyaz sofort durch die Decke gehen. Kein Wunder: Die Durchlässigkeit zwischen U21 ist groß und die Spieler hochtalentiert. Dennoch sollte man nicht vergessen: Beide sind nicht einmal 18 Jahre alt und werden in ihrer Entwicklung noch viele Täler durchlaufen müssen. Das gilt natürlich auch für Spieler wie Roberto Massimo und Teto Klimowicz, deren Welpenschutz in der zweiten Saison so langsam abläuft.

Ob sich Wataru Endo neben dem defensiven Mittelfeld, den Deutsch-Stunden, die er nimmt, der japanischen Nationalmannschaft und seiner Familie mit vier Kindern daheim auch noch um alle Sorgenkinder beim VfB Stuttgart kümmern kann?

Fraglich. Aber nicht ausgeschlossen, schließlich reden wir von Wataru Endo!

Zu pessimistisch? Hier haben wir aufgeschrieben, warum die M&M’s es regeln und die Saison auch ganz gut werden könnte!

Zum Weiterhören:
Rund um den Brustring hat bei seiner großen Saisonvorschau und Kaderanalyse den legendären kicker-Redakteur George Moissidis zu Gast.

Der Rasenfunk sieht den VfB zwischen Platz 8 (Publikums-Umfrage) und Platz 15 (Rasenfunk-Host Max-Jacob Ost).

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1 Kommentare

  1. Bernd sagt

    Packe das mal hier rein, weil das auch eine eher pessimistische Sicht ist. Was mich bei immer jüngeren Talenten wie Beyaz oder Sankoh etwas stört, ist dass die uns gar nicht mal groß weiterhelfen müssen, um bei den Top-16-Klubs als Transferziele aufzutauchen. Selbst wenn die mit 18 am Ende der Saison bei uns Stammspieler sind, dann sind die alleine aufgrund ihres Alters und damit verbundenen weiteren Entwicklungspotentials für die großen Fische interessant. Klar, dann würde man vielleicht 40 Mio. für beide bekommen, aber die würde man bei älteren Spielern, die uns auch eine Zeit lang sportlich vorangebracht haben ebenfalls erlösen können.

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