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„Maik Franz ist ein Arschloch“

Mario Gomez-Voice, gesagt am 23. Februar 2008, nach dem 3:1-Sieg gegen den KSC. „Es ist die Realität, eine Tatsache, die Wahrheit“. Treffsicher war der Mario damals, nicht nur auf dem Feld, sondern auch in Interviews. Mit gutem Gespür vor dem Tor und vor dem Mikrofon. Es war vor elf Jahren ein besonders hitziges Duell zweier einander durch herzliche Abneigung verbundener Spieler. Franz spielte immer das Ugly Game mit Trashtalk, Provokationen, Fouls und vielen sonstigen Unappetitlichkeiten. Dass Mario Gomez natürlich absolut recht hatte, ist völlig unstrittig. Spätestens nach einem Interview, dass „Iron Maik“ 2015 gab; mit der Aussage „Das Schönste wäre, wenn der KSC aufsteigt und der VfB Stuttgart absteigt.“ Sich auf dem Platz bekämpfen ist völlig legitim. Alle Möglichkeiten zu nutzen, um selbst zu gewinnen, ist absolut okay. Dem Gegner dagegen etwas Schlechtes wünschen, ist hingegen respektlos und hat mit Fairplay nichts zu tun – oder?

Beim anstehenden Derby gibt es – zumindest bei den Anhängern – Tendenzen, die in eine ähnliche Richtung gehen. Da wird mal wieder von Krieg gesprochen. Kann man machen, aber ist halt Blödsinn. Vor allem, wenn man sich die Zustände in wirklichen Kriegsgebieten anschaut. Das hat mit Niveau nichts mehr zu tun, da werden Grenzen überschritten, ein bisschen mehr Besonnenheit würde allen gut tun. Das muss nicht damit enden, dass einem der Gegner gleichgültig ist, wie es VfB-Trainer Tim Walter behauptet. Ich verliere nicht gerne, besonders ungern gegen den KSC und Bayern, gegen Hoffenheim und Freiburg. Und gegen Leipzig, Schalke, Dortmund, Wolfsburg, Mainz, Augsburg, Bremen, Gladbach, Frankfurt, Leverkusen, Köln, Berlin, Wiesbaden, Hamburg und so weiter.

Eine gesunde Rivalität gehört zur Folklore und natürlich muss das gepflegt werden, denn es ist ganz und gar nicht ein völlig normales Spiel. Selbst unscheinbare Spieler wie Takuma Asano und Elson haben ihren festen Platz in der VfB-Geschichte, weil sie im Derby gegen den KSC trafen. Graffitis, Schmähgesänge, den KSC verarschen. Alles gut. Aber es bleibt ein Spiel. Und es hilft der Mannschaft sicher mehr, wenn es Aktionen und Gesänge für sie gibt, anstatt Aktivitäten und gar Hassparolen gegen den KSC.

 

Aber natürlich muss man sich auch fragen: Wie viel Derby steckt eigentlich noch in #VfBKSC2019? Nur Emiliano Insua und Marcin Kaminski sind aus dem Kader vom Frühjahr 2017 übrig geblieben, als der VfB das letzte Aufeinandertreffen der Teams mit 2:0 gewann. Können der Bruchsaler Tim Walter und KSC-Urgestein Rainer Ulrich das Team heiß machen? Sie dazu bringen, Gras zu fressen, alles rauszuhauen, das Stadion brennen zu lassen? Können sie Spielern wie Gonzalez, Castro, Klement oder Karazor vermitteln, dass es für viele Fans um mehr geht als drei Punkte? Falls nicht, muss diesen Job wohl Mario Gomez übernehmen. Denn der hat nicht nur bewiesen, dass er über die nötige Derby-Galligkeit verfügt, sondern er weiß auch, wie schlecht sich so eine Derbyniederlage anfühlt. Schließlich war er am 2. September 2007 dabei, als der VfB als amtierender Meister in Karlsruhe verlor – und er war nicht der einzige, der jetzt noch in der Mercedesstraße tätig ist.

Doch, ganz egal, wer am Sonntag auf dem Platz steht: Das Derby wird nicht nur ein emotionaler Höhepunkt der Saison, sondern sicherlich auch ein sportlicher Wegweiser: Denn das Ergebnis wird mehr als nur ein Fingerzeig, wo es in dieser Saison hingeht. Während ein Sieg den Hinrunden-Endspurt einläuten könnte, würde bei der ersten Derbyheimniederlage seit 1965(!) der Baum ordentlich brennen. Und darauf können wir vermutlich alle verzichten.

 

Einen ausführlichen und sehr lesenswerten Rückblick auf das Derby am 23.02.2008 und den Beef zwischen Mario Gomez und Maik Franz gibt’s drüben bei VfBHistory.

(Foto Thomas Niedermueller/Bongarts/Getty Images)

Wer sich mit noch mehr VfB-Historie beschäftigen möchte, dem sei unser „Vertikalbuch“ empfohlen! Darin arbeiten wir uns anhand des 19. Mai 2007 durch die VfB-Geschichte

Alle Infos zur VfB Stuttgart Fußballfibel findet ihr auch hier.

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