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Mané for nothing

Eigentlich ist man ja blöd, wenn man ins Stadion geht: Schlangen an der Einlasskontrolle, schlechte Sicht, Sitznachbarn, die man sich nicht aussuchen kann, viel zu teures Bier und noch längere Schlangen an der Toilette nach dem Spiel. Das Schlimmste aber ist: man muss sich selbst eine Meinung bilden. Es gib keinen Kommentator, der das Spiel einordnet. Keine Twitter-Timeline, die die eigene Einschätzung einordnet.

Die Einleitung lässt es erahnen: Ich war am Freitag Abend im Stadion. Die Karten hatte ein Freund besorgt. Es war das erste Mal, dass ich erst kurz vor dem Anpfiff wusste, wo ich sitze. Es war Block 78A. Untertürkheimer Kurve, ganz oben. Blick ziemlich gut, aber vielleicht etwas nah am Gästeblock. Doch einer geschenkten Karte guckst du schließlich nicht auf den Block. Höchstens auf den Preis, um zu sehen, wie viel du gespart hast.

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Und was ich im Block 78A sah, deckte sich kaum mit dem, was ich auf der Rückfahrt nach Hause im Netz las. So sah beispielsweise der kicker-Reporter das Spiel folgendermaßen:

„Die Mannschaft von Hannes Wolf legte einen Blitzstart hin und führte nach etwas mehr als einer halben Stunde bereits mit 2:0, ehe die ansonsten harmlosen Münchner aus dem Nichts heraus verkürzten. Im zweiten Durchgang ließ der Bundesliga-Absteiger nichts anbrennen, vergab dafür aber eigene Chancen en masse.“

Der VfB ließ also nichts mehr anbrennen. Also, aus Block 78A sah es eher so aus, als hätten die 60er aus München kurz vor Schluss den Ausgleich erzielt, aber gut: von da oben siehst du ja auch nix. Aber apropos München: Wir alle zitieren ja gerne die Aussage von Christian Gentner, dass der VfB nicht der FC Bayern München der zweiten Liga sei. Warum wir das machen? Weil wir uns insgeheim genau das wünschen.

Ich hätte mir am Freitag gewünscht, dass Mitch Langerak den Freistoß von Aycicek hält und der VfB mit 2:0 in die Halbzeit geht. Zumindest aus Block 78A sah der nämlich nicht ganz unhaltbar aus. Ich hätte mir auch gewünscht, dass das Duell auf der rechten Stuttgarter Defensivseite (Ein Weltmeister gegen einen Spieler, dessen Name ich bis Freitag nicht kannte) etwas mehr zu Stuttgarter Gunsten ausgegangen wäre. Ich hätte mir gewünscht, dass sich das Team zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht hinten rein drängen lässt und sich von der hitzigen Stimmung nicht anstecken läßt. Und ich hätte mir gewünscht, dass der VfB genauso emotionslos und kühl wie der FC Bayern gewesen wäre und in Person von Mané mit dem 3:0 (meinetwegen auch 3:1) den Sack zugemacht hätte. Mané for the win? Mané for nothing!

Aber die zweite Liga ist kein Wunschkonzert und Carlos Mané kein Sultan of Swing. Nach dem Spiel in Dresden fragte man sich leise, ob die Partie nicht einen ganz anderen Verlauf genommen hätte, wenn der gute Carlos die hundertprozentige Chance zum Führungstreffer genutzt hätte. Und nachdem er am Freitag 2,75 hundertprozentige vergeigt hat, würde es mich nicht wundern, wenn er am Montag mit einem purpurfarbenen 911er zum Training kommt.

Man sieht: Meine Sicht der Dinge aus Block 78A schäumt nicht gerade über vor Euphorie. Von dort sah es nämlich so aus, dass es mehr der mangelnden Qualität der Münchner (und des Schiedsrichter-Teams) geschuldet war als der Darbietung der Stuttgarter, dass die Partie mit einem Heimsieg endete. Und, nein: Von dort oben habe ich keinen vermeintlichen Handelfer für den VfB gesehen. Und in der Zusammenfassung bei Sky hatte man sich die besagte Szene offenbar gespart.

Ganz oben in der Untertürkheimer Kurve verbuchten wir das 2:1 als eines dieser „Hauptsache gewonnen“ Spiele. Zu unpräzise und inkonsequent waren die Stuttgarter und, sorry, einfach zu schlecht die Münchener, um dieses Spiel als Rehabilitation für das Dresden-Debakel gelten zu lassen. Aber das sah Hannes Wolf ja genau so. Aber spätestens beim emotionalen Höhepunkt des Spiels, der Einwechslung von Daniel Ginczek, waren auch wir in Block 78A wieder Brothers in arms.

Darf gerne geteilt werden:

8 Kommentare

  1. Das Handspiel hab ich auch erst gesehen, als ich mir das Spiel nochmal bei VfBtv angeschaut hab. Kann man aber durchaus geben. Er nimmt den Ball mit der Brust an und hält ihn dann mit den ausgestreckten Armen unter Kontrolle und verhindert, dass er wegspringt.

    Die Harnik-Analogie kam mir auch in den Sinn. Hoffen wir, dass es Manés Alter geschuldet ist. Der Winkel war schon sehr spitz, beim Kopfball kam die Flanke auch nicht optimal. Ich kann mir vorstellen, dass er sich nach seinen beiden Fürth-Toren zu viel vornimmt.

    Ich find es eher bedenklich, dass wir uns in der Innenverteidigung wohl auf ein Wechselspiel zwischen Pavard und Sunjic einstellen müssen….

    • @abiszet sagt

      Mané wird rocken, um in @buzzes Analogie zu bleiben. Geschwindigkeit, Technik, Spielverständnis – alles passt bei ihm. Er muss „nur“ im Kopf klar bleiben.

      Wechselspiel Pavard/Sunjic? Wenn Sunjic immer so spielt wie gegen 1860, habe ich kein Problem damit. Wie im Ticker der StZ/StN geschrieben: Er hat ein absolut fehlerfreies Spiel gemacht. Wolf hat wohl gegnerorientiert aufgestellt: Mit Sunjic einen Ochsen gegen den Ochsen Mölders aufgeboten. Rechnung ging auf. Gegen schnelle Spieler wie jetzt gegen Gladbach mit Hahn, Traore (ggfs. Hazard) wird evtl. wieder Pavard besser geeignet sein.

  2. Barry sagt

    Die Sicht aus Block 78A ist tatsächlich nicht die beste. Kann das zumindest aus gelegentlichen Besuchen (trotz eigener DK in Block 36D) auf spiegelverkehrter Seite in der Cannstatter Kurve bestätigen. Was mich aber ebenfalls zur Erkenntnis kommen lässt, dass die Sicht aus dem Oberrang Block 78A eher suboptimal ist, sind die im Blog oben erwähnten Einschätzungen zu…

    …dem Freistoss von Aycicek: der insbesondere deshalb im unteren linken Eck eingeschlagen hat, weil er einerseits einfach gut geschossen war und andererseits 1860 Lücken in der Mauer gerissen hat. Und ein Langerak sowie andere ordentliche Keeper so einen Ball tendenziell nur an guten Tagen noch um den Pfosten lenken. Kritik an Langerak ist aber unbedingt dahingehend angebracht, als das er das Ballspiel mit dem Fuss ungefähr so gut beherrscht, wie ein blutiger Fahranfänger das Spiel mit der Kupplung. Grausam. Hat man das aus Block 78A nicht auch beobachten können??

    …unerwähnt bleibt, dass der VfB die gesamte 2. HZ dominiert und nur eine einzige Torchance in Min 92 von 1860 zugelassen hat (die zugegebenermassen zum eigentlich regulären, aber nicht gegebenen Ausgleich führte).

    …Carlos Mané zwar 3 Chancen kläglich bis miserabel vergeben, aber das gesamte Spiel über nahezu die komplette Defensive von 1860 beschäftigt hat, also ein ständiger Unruheherd gewesen ist (genauso wie übrigens der nicht fassbare Unruheherd auf der anderen Seite namens Andrade).

    …das Handspiel ein Elfmeter gewesen ist (was jedoch aus ca. 100m Entfernung in Block 78A sicher nur sehr schwer zu erkennen gewesen ist)

    Man sieht, es zahlt sich gelegentlich doch aus, vielleicht ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen und sich das Spiel anstatt Oberrang vielleicht mal vom Unterrang und damit sehr viel besserer Sicht anzutun. Es schreibt hier jemand, der wie erwähnt alle Sichten kennt und sich daher nur zum Zweck des gelegentlichen Meinungsaustausches mit Freunden und Bekannten in den Oberrang verirrt. Im Übrigen, eigene Meinungsbildung ist höchstes Gut, weshalb ich vollkommen damit übereinstimme auch den Kicker und seine Urteile zu hinterfragen, aber genauso zu hinterfragen weshalb Sky diese oder jene Szene nicht einblendet.

    • @buzze sagt

      Danke für Deinen Kommentar. In der Tat halte ich das Spiel gegen 1860 für eines der schwächsten von Mitch Langerak im VfB-Trikot. Nahezu jeder Abschlag/Abstoß in der zweiten Hälfte landete im Aus und am vermeintlichen 2:2 hatte er auch Aktien (so sah es aus Block 78A jedenfalls aus). Aber ich wollte es im Text mit der Bruddlerei auch nicht übertrieben. Dass der VfB die letzte halbe Stunde das Spiel dominierte (den Beginn der zweiten Hälfte sah ich das allerdings nicht so) ist wahr. Aber das ist aus meiner Sicht wertlos, wenn der dritte Treffer nicht fällt. Mané habe ich trotz der drei vergebenen Großchancen auch stark gesehen. Die erste Chance kann er schließlich nur vergeben, weil er komplett bis zur Grundlinie durchgesprintet war. Der wird seine Buden noch machen.

  3. Thomas sagt

    Habe das Spiel vor dem Fernseher verfolgt und kann die Einschätzung nicht teilen. Wir haben in 90 Minuten eine einzige Chance zugelassen (das war das nicht gegebene 2:2), dazu gab es nur noch den Freistoß zum Tor aus über 20 Metern – der nicht mal einer war.

    Auf der anderen Seite haben wir 7, 8 richtig gute Torchancen gehabt. Weiß nicht wie man dominanter sein kann um die Fans zufrieden zu stellen.

    Ende der ersten Hälfte und die ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit nicht komplett beherrscht das stimmt, von „uns hinten rein drängen lassen“ kann aber keine Rede sein. Einen gefährlichen Abschluss hat 60 (s.o.) in der Phase nämlich nicht zustande bekommen.

    Das einzige wo ich zustimme waren die Kräfteverhältnisse auf unserer rechten Abwehrseite, wo man von Großkreutz und später auch Klein sicherlich mehr Souveränität verlangen kann. Einen gefährlichen Abschluss oder eine gute Vorlage für einen Mitspieler hat Andrade bei allem Eifer aber auch nicht hinbekommen.

    • @buzze sagt

      Mein Eindruck Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Hälfte war, dass sich der VfB von der Hektik und Unruhe, die auf und neben dem Platz entstand, aus dem Konzept hat bringen lassen. Und ich bin relativ einfach zufrieden zu stellen: Ich möchte einfach nicht bis zum Ende des Spiels um die drei Punkte zittern müssen. :-) Und das muss doch auch der Anspruch der Mannschaft sein. Gerade wenn man im Gegensatz zum Dresdenspiel so viele Gelegenheiten hat, das Ding einzutüten. Aber das sind für Stuttgarter Verhältnisse ja fast schon Luxusprobleme. :-)

  4. Zuschauer-Frust aus 78A? Aus der Cannstatter Kurve sah alles genial aus.
    Artikel fiel wohl lästig wie der Stadionbesuch?
    Mehr Optimismus! Hoch zu Ross, furchtlos und treu!
    Titel auch falsch. von wegen Mané for nothing.
    Wir werden noch alles versilbern und zusammenkratzen, um die 15Mio für Mané zusammenzubekommen.

    • @buzze sagt

      Ja, alles furchtbar lästig. Aber was macht man nicht alles, um Geld zu verdienen. Oh, wait!

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