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Moderner Dreikampf

Der Klassenerhalt wird ausgespielt vom VfB Stuttgart, von Arminia Bielefeld und Hertha BSC. Der FC Augsburg wie auch der VfL Wolfburg werden mit dem Abstieg und dem Relegationsplatz nicht zu tun haben, auch wenn wir das gerne hätten und Fürth ist eben Fürth. Aber mal ehrlich: Das Ganze ist natürlich spannender als die Meisterschaft, der Kampf um die internationalen Plätze ist ein Dreck dagegen. Denn beim VfB, der Hertha und Bielefeld geht es um alles und um nicht weniger als die Zukunft der drei Clubs.

Für den VfB sprechen die bessere Form, die besseren Spieler und der Brustring. Bielefeld ist im Vorteil, weil Stadt und Verein sich im Abstiegs- und Existenzkampf auskennen. Für die Hertha könnte das Restprogramm sprechen. Die Berliner spielen nacheinander gegen Augsburg, Stuttgart und Bielefeld, am Ende noch gegen Mainz und Dortmund.

Die drei fechten einen modernen Dreikampf aus, eine Vielseitigkeits-Prüfung, bei der diese Einzelaspekte entscheiden werden:

Form & Qualität der Spieler
Nimmt man die letzten Spiele, so scheint der VfB hier die Nase vorn zu haben. Acht Punkte aus fünf Spielen, begeisternde Spiele gegen Gladbach und Augsburg, ein spätes Comeback gegen Union, ordentliche Leistung gegen Dortmund, wenn nur die Torchancen mal genutzt werden. Hertha hat das 1:4 im Derby in den Knochen und im Kopf, das Team scheint auseinander zu fallen und den Abstiegskampf regelrecht zu verweigern. Bei Bielefeld beschäftigen sich Leistungsträger wie Stefan Ortega, Amos Pieper und Joakim Nilsson mit Vereinswechseln, sie scheinen nicht mehr ganz bei der Sache zu sein. Zudem haben die Ostwestfalen massive Probleme, ein Tor zu schießen, weil in der Offensive die Qualität fehlt.

Frustrationstoleranz
Der VfB weiß, dass er jederzeit zurück kommen kann. Erst befreiten sich die Stuttgarter aus einer neun Spiele langen Misserfolgsserie und kommen dann in drei Spielen nach Rückständen beeindruckend zurück. Hertha befindet sich in einer emotionalen Abwärtsspirale und zieht sich selbst immer wieder runter. Bielefeld scheint aus der Ergebniskrise nicht herauszukommen, dazu kommen die schweren Verletzungen von Fabian Klos und Cedric Brunner, die die Mannschaft sichtlich mitgenommen haben.

Nerven
Sasa Kalajdzic und Borna Sosa wollen sich ordentlich verabschieden. Wer gegen Dortmund gesehen hat, wie sich Sosa geärgert hat, wie er immer wieder das Gespräch mit Trainer Pellegrino Matarazzo gesucht hat, der weiß: Der junge Kroate brennt, für den VfB den Klassenerhalt zu schaffen. Gedanken an die Zukunft oder an ein mögliches Versagen scheinen bei ihnen keine Rolle zu spielen. Auch Tiago Tomás, Chris Führich und Omar Marmoush treten unbekümmert auf, die ganze Mannschaft spielt nicht so, als ob sie nur einen Punkt Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz hat. In Berlin liegen die Nerven blank, bei Fans und der Mannschaft, den Spielern unterlaufen unerklärliche Fehler, so dass Marcel Lotka, eigentlich der fünfte Torhüter, im Moment – trotz Fehlern – der beste Mann ist. Die Hertha schwimmt im Abstiegskampf und scheint unterzugehen. Bielefeld wirkt verunsichert, hat scheinbar die Geschlossenheit und Überzeugung verloren.

Verletzungen/Ausfälle
Bei Bielefeld sind es die schrecklichen Verletzungen von Klos und Brunner, der VfB hat bei den Unterschiedspielern Sasa Kalajdzic und Wataru Endo mit Corona-Infektionen zu kämpfen, zuletzt fielen bei Hertha unter anderem Alexander Schwollow, Niklas Stark und Marvin Plattenhardt aus, das Team muss überdies mit den eigenartigen Ideen von Felix Magath zurecht kommen. Bei keinem der drei Teams lassen sich Ausfälle ohne weiteres kompensieren. In Berlin spielte plötzlich ein 18-Jähriger, beim VfB kommt es in Mainz womöglich auf Enzo Millot an. Auf einen 19-Jährigen, der in dieser Saison noch keine Rolle spielte, der 32 Bundesligaminuten in den Beinen hat. Hier scheint keines der Teams einen Vorteil zu haben.

Umfeld
Sven Mislintat sagte nach dem Dortmund-Spiel, dass es eine große Leistung sei, auch in der schwierigsten Situation ruhig geblieben und geschlossen aufgetreten zu sein. Das würde jetzt auch für die letzten fünf Spiele helfen. Der Support der Fans ist ungebrochen, die Zuversicht ebenfalls. Ganz anders in Berlin, wo die Fans nach der Derby-Klatsche die Nerven verloren haben. Selbst in Bielefeld baten Fans nach der 0:4 Niederlage gegen Wolfsburg die Spieler zu Rapport. “Die haben uns zurecht ausgepfiffen”, erklärte Prietl. Verabschiedet wurden sie von den Fans mit der lauten Forderung: “Wir wollen euch kämpfen sehen.“

Das gilt nicht nur für Bielefeld. Denn nur mit Einsatz und Widerstandskraft kann man beim modernen Dreikampf im Tabellenkeller erfolgreich sein. Der VfB scheint nach trostlosen Start in die Rückrunde jetzt das Team mit dem besten Momentum zu sein. Aber wichtig ist auf’m Platz. Und in Mainz hat der VfB die Chance, den nächsten Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen. Einfach wird es nicht beim Vierten der Heimtabelle.

Zum Weiterlesen:
Rund um den Brustring mit seiner tendenziell optimistischen Vorschau auf Mainz.

Zum Weiterschauen:
STR mit einem ausführlichen Blick auf das Mainz-Spiel.

Foto:
Alexander Hassenstein/Getty Images

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4 Kommentare

  1. Bacardihardy sagt

    Relegationsplatz kann der Vfb erreichen bei seinem Restprogramm. Wenn sie bei Hertha gewinnen ist auch mehr drin.
    Nach der Runde sollte mal die Transferstrategie auf den Prüfstand. Jungs wie Massimo, Millot, Beyaz sind vielleicht technisch gut und jung, aber körperlich, vom Durchsetzungsvermögen einfach nicht geeignet für die Bundesliga. Für solche Spieler Millionen zu investieren macht keinen Sinn.

  2. Konrad sagt

    Keiner schreibt was 🤔

    Ich war heute meinem Kind verpflichtet und hab daher nur die erste Hälfte gesehen.

    Genervt hat mich neben Herthas gewonnenem 20 Punkte Spiel frei nach A. Wehrle (wiedermal) unsere Chancenverwertung.

    Das hat nun auch nix mit Kritik zu tun, sondern ist nur die nüchterne Feststellung, dass ich uns heute irgendwie mal eine Überraschung von drei Punkten zugetraut hätte. Hertha nach letzter Woche so gar nicht.

    Jetzt ist es andersrum und nächsten Sonntag müssen wir gewinnen, dazu noch auf Bielefeld hoffen 😬 die kommen leider am Ende der Saison meist wie Kai aus der Kiste. Hoffentlich machen die nicht Villareal 2.0

    Wird eng der Dreikampf, vor allem stand jetzt für uns. War das doch ein Traum im letzten Jahr… da waren wir schon save 😢

  3. fritzo62 sagt

    War auch gestern in Mainz. Gestern hatten wir nach ATA’s und Endo‘s Ausfall nur noch 11 Spieler. Mit jeder der 5 Auswechslungen wurde es noch unwahrscheinlicher etwas zu holen. Unverständlich die ersten Minuten von Sosa, 90 Minuten von Führich. Anton überragend und die Frage warum er nicht schon immer vor der Abwehr spielt.
    Der Kader ist viel zu dünn für die 1.BL, und es wird ein kleines Wunder benötigen die Klasse zu halten.
    Egal ob 1. oder 2.BL – wir brauchen dringend eine wettbewerbsfähige Auswechselbank, und keine new kids on the block.
    Ach ja – und gestern mal ein kämpferischer Auftritt, und nicht nur der Ansatz spielerisch gewinnen zu wollen.

  4. Clemens sagt

    Ja, Konrad, man weiß heute noch einmal ein Stück mehr, wie hoch der frühzeitige Klassenerhalt der zurückliegenden Saison zu bewerten ist. Heute fehlt uns diese Aufstiegs-Euphorie (personifiziert in einem Silas) und auch das berühmt-berüchtigte Momentum, den positiven Schwung zu konservieren und weitere Erfolgserlebnisse zu generieren.

    Wie gefährlich es ist, auf die Inkompetenz der Konkurrenz zu vertrauen, haben wir gestern bei Hertha’s Auswärtssieg in Augsburg gesehen. Es würde mich nicht wundern, wenn Bielefeld nachher gegen den großen FCB auch noch irgendwie ein unverhofftes Unentschieden holt. Hier macht die unerträgliche Phrase leider Sinn, “Wir sollten einfach nur auf uns schauen”. Denn genau darum geht es: Endlich wieder selbst dreifach punkten und nicht darauf vertrauen, dass es die anderen auch irgendwie nicht gebacken bekommen!

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