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Okay, ich bin schwierig.

Ja, ich gehöre ganz offensichtlich zu dem berüchtigten „schwierigen Umfeld“ des VfB Stuttgart. Weil ich mehr als zwei Punkte nach vier Bundesligaspielen gegen Mainz, Bayern, Freiburg und Düsseldorf erwartet habe in dieser Saison. Und mehr als planlosen Angsthasen-Fußball. Weil ich vom Trainer und dem Team eine Spielidee erwarte – mit einem Kader, der mit 30 Millionen aufgerüstet wurde und der mehr Möglichkeiten bietet als in der zurückliegenden Runde.

Okay, ich bin schwierig.
Weil ich mir mehr vorgestellt habe als in der Offensive auf das Prinzip Zufall zu setzen und auf mehr gehofft habe als auf lange, hohe Bälle in die Nähe von Mario Gomez . Wahrscheinlich bin ich sogar extrem schwierig, weil ich mir tatsächlich erhofft hatte, dass Tayfun Korkut seinen Underdog-Fußball nicht auch noch gegen Gegner auf Augenhöhe wie Mainz, Freiburg und Düsseldorf spielen lässt. Weil ich erwartet habe, dass er nicht immer  die gleichen Spieler aufstellt, sondern die Optionen nutzt, die ihm Michael Reschke mit den frühen Sommertransfers gegeben hat. Zumal in der Vorbereitung genug Zeit vorhanden war, mit dem nahezu kompletten Kader verschiedene Möglichkeiten einzuüben und die sogenannten „Automatismen“ herzustellen.

Ich bin schwierig. Aber ich erwarte keinen begeisterten Fußball, ich habe vor der Saison nicht mit einem Champions League- oder Euro League- Platz geliebäugelt. Eine stabile Saison ist mein nicht unrealistischer Wunsch gewesen. Aber meine Erwartungen an Gonzalo Castro sind höher, als Quer-, Rück- und Fehlpässe zu spielen. Bin ich schwierig, weil ich es unterirdisch finde, in vier von fünf Spielen ohne eigenes Tor zu bleiben, wenn ich mit einem Eckballverhältnis von 2:9 in einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger nicht zufrieden bin und ich es bedenklich finde, dass es nur dem überragenden Ron-Robert Zieler geschuldet ist, dass der VfB einen Punkt aus der Partie gegen Düsseldorf mitnimmt. Ist es überkritisch, wenn ich frage, warum Korkut die Geschwindigkeit mit Erik Thommy und Tassos Donis immer erst frühestens ab der 60. Minute auf den Platz bringt?

Das Bemühen, den ersten Sieg der Saison gegen Düsseldorf zu holen, kann man weder Korkut noch seinen Spielern absprechen. Aber „stets bemüht“ ist zu wenig, das war vielfach engagiert, aber überwiegend einfallslos. Man hat den Eindruck, die Mannschaft versteht den Trainer nicht (mehr).

Die große Frage: Warum spielt der VfB so planlos?
Antwort 1: Der Trainer kann es nicht besser.
Antwort 2: Der Kader kann es nicht besser.
Antwort 3: beides.

Im Moment neige ich zu Antwort 3. Trotzdem sind zwei Punkte gegen Mainz, Freiburg und Düsseldorf einfach zu wenig. Die nächsten zwei Spiele gegen Leipzig und Bremen werden entscheidend sein für den weiteren Saisonverlauf – und für Tayfun Korkut.

Und der weiß das natürlich auch. Anders sind die Durchhalte-Parolen nachdem vierten(!) Spieltag nicht zu erklären. Michael Reschke hingegen ist nach wie vor komplett von sich überzeugt. Und da fragt man sich, ob es dem VfB Stuttgart nicht gut tun würde, wenn nicht nur das Umfeld schwierig ist, sondern auch die Verantwortlichen …

Quelle: spox.com

Das „VertikalGIF“ zu #VfBF95 gibt’s hier.

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11 Kommentare

  1. Nein, du bist nicht schwierig. Unser VfB ist schwierig.

    Und manchmal frag ich mich, ob ich außerdem die richtigen charakterlichen Eigenschaften mitbringe, um ein Fan unseres VfB zu sein. Vielleicht bin ich nicht hart genug im Nehmen, wenn ich nach einem 0:0 gegen einen Aufsteiger (sehr) enttäuscht nach Hause gehe und auch noch den nächsten Tag nicht auf meinen Stadionbesuch angesprochen werden möchte. Und wahrscheinlich auch nicht demütig genug, da ich kein Gefallen an einem Angsthasenfußball gegen Bayern München finden kann. Außerdem bin ich zu gierig, da ich gegen Freiburg nach zweimaliger Führung mehr als einen Punkt erwartet habe.
    Auch kommt dazu, dass ich die Äußerungen zu den aktuellen Ergebnissen und Entwicklungen als Kakophonie empfinde und daraus ableite, dass ich zu wenig Fußballschachverstand habe, da ich DEN Plan der Verantwortlichen im Verein noch immer nicht verstehe.
    Ich habe nach dem Spiel gegen Düsseldorf nicht gepfiffen, aber während des Spiels war mein persönlicher Support deutlich weniger als sonst, so sehr war mein Verstand damit beschäftigt zu verstehen, was läuft denn da und vor allem, was und warum läuft es den nicht.
    Mit Skepsis habe ich die Verpflichtung von Herr Korkut aufgenommen. Und auch nach der überaus erfolgreichen Rückrunde war Herr Korkut für mich noch kein Erfolgstrainer, da für meine Bewertung auch noch die anstehende Hinrunde mit in die Betrachtung gehört…..wenn er sie denn als Trainer vom VfB überhaupt noch erleben darf. Wenn es denn schief gehen sollte (meine Hoffnung stirbt zuletzt), dann ist vielleicht nicht nur eine weitere Saison in der Entwicklung unseres Vereins verloren, sondern auch nachhaltig einiges von der sehr guten Stimmung rund um den VfB.

    PS
    Mir fehlt Hannes Wolf noch immer. Mein Therapeut meint, da kann er mir auch nicht mehr helfen :-)

  2. Sehr viel schlimmer ist die Erkentniss, dass das systemisch viel tiefer sitztende Problem noch immer nicht behoben ist. Nach so vielen Neubesetzungen, strukturellen Maßnahmen und Zukäufen habe ich gehofft, dass der Verein aus der Spirale der jährlichen Trainerentlassung in der Hinrunde ausbrechen kann. Is aber nich.
    Obwohl ich Mitglied bin, fehlt mir der Einblick um Lösungen vorschlagen zu können. JS & HW hatte ich es zugetraut jeden Stein umzudrehen.
    Ich kann nur spekulieren, aber Ihr Vorgehen hat gewissen Personen im Verein nicht gefallen und IMO mussten sie aus politischen Gründen gehen. Erst wenn diese Personen den Verein verlassen haben, können neue Konzepte verwirklicht werden. Davor bleibt alles wie es ist.

  3. als fan sieht man immer auf die eigene mannschaft und zu wenig auf die gegner. die haben auch transfers, die haben auch neue leute und die wollen auch punkten, die spieler wollen karriere machen und alle haben maximale motivation. beim vfb denken wohl viele wir haben eine super rückrunde gehabt, dann haben wir noch super eingekauft, dann haben wir gomez und pavard und und und jetzt muss es doch laufen. aber die automatismen und ausrechenbarkeit von ergebnissen wie vor zwanzig jahren gibt es nicht mehr, guckt euch mal schalke an, wer auf 0 punkte nach vier spielen gewettet hätte wäre jetzt millionär. neue saison neue karten neue einsätze neues glück. nach der rückrunde zwanzig+ punkte und alle sind wieder im freudentaumel der letzten saison. die roulettkugel hat kein gedächtnis. bon voyage VFB!

    • @abiszet sagt

      @Fahne
      „Vielleicht bin ich nicht hart genug im Nehmen“ – ist er zu stark, bist Du zu schwach, wäre dann in Anlehnung an Fisherman’s die Headline ;-)

      Christof Kneer schreibt in der Süddeutschen Zeitung, der VfB „wäre im Sommer schon arg stolz auf sich gewesen“ und das wird wohl der Kern sein: Reschke ist sehr überzeugt von seinem Kader (was er ja gestern auch dem kicker sagte) und Korkut kann mit einigen Akteuren schlicht nichts anfangen. Entweder weil er andere Vorstellungen hat oder weil er keine Ahnung hat.
      Hannes Wolf – den ich auch gut fand – sollten wir nicht glorifizieren. Auch bei ihm waren viele Spiele einfach unansehnlich, er schaffte gerade mal einen Auswärtspunkt in seiner Amtszeit. Wolf sollte nicht immer als Pendant zu Korkut dargestellt werden. Denn die Kritik an Korkut wird so zur „Schwärmerei“ für Wolf :-)

      @Roman
      Die wiederkehrende Misere im Herbst bzw. zu Saisonbeginn und der dann folgenden Trainerentlassung hat die StZ/StN am Freitag ganz gut aufgearbeitet: Einer guten bis sehr guten Rückrunde folgt dann meist eine Euphorie unter den Fans und einem Nachlassen unter Spielern/Trainern, die meinen, sie wüssten wie es geht, es geht automatisch so weiter und könnten es mal langsamer angehen lassen (so etwas hatte ja Mario Gomez auch nach dem Mainz-Spiel angedeutet).

      @Necip
      Völlig richtig, vor 20 (eher 30) Jahren hätte der VfB locker gegen Düdorf gewonnen, Normalform vorausgesetzt. Allgöwer, Klinsmann oder Nushöhr ;-) hätten die Tore geschossen und fertig. Diese Spiele gibt es heute nicht mehr. Von daher wird – zumindest von mir – stets der Gegner respektiert und nicht arrogant als „Zirkusmannschaft“ oder „Fallobst“ abgestempelt. Wenn Du allerdings siehst, dass der Aufsteiger Düsseldorf eine deutlich bessere Spielanlage hatte, dass sie ein strukturiertes Spiel nach vorne (1. Halbzeit mehr Ballbesitz!) zeigten, dann muss ich mich fragen, was Herr Korkut in der Vorbereitung alles (nicht) machte. Wieder Kneer in der SZ: „Der Trainer muss beweisen, dass er mehr kann als ein Team im Abstiegskampf zu festigen, noch hat er keine Idee für seine aufgemotzte Offensive entwickelt“. Noch? Ja, wie lange sollen wir darauf warten? Düsseldorf war das Vorrunden-Endspiel, jetzt steckt der VfB auf längere Zeit im unteren Bereich der Tabelle fest. Oder glaubt jemand ernsthaft, der VfB holt gegen Leipzig und Bremen Punkte? Man sieht mE eindeutig, Korkut ist kein Entwickler und die Mannschaft weiss mit seinen „Ideen“ nichts anzufangen.

      • @abiszet
        Es ist doch Wurscht welche Ausreden Jahr für Jahr gefunden werden. Warum ist am Anfang der Saison keine Spannung vorhanden? Warum werden fast alle Spieler schlechter als besser? Warum erreicht ein Trainer schon nach 2-3 Niederlagen die Spieler nicht mehr? Warum Verlängert man unnötig Verträge? Warum stellt man Trainer ein, bei denen die Wahrscheinlichkeit weit über 50% liegt, dass sie im folgenden Herbst wieder entlassen werden?
        Zu jeder Spielzeit erscheint ein solcher Zeitungsartikel mit ähnlichen Analysen.
        Die viel wichtigere Frage lautet, warum lernt der VfB nicht aus den gemachten Fehlern in den letzten 10 Jahren? Was blockiert den Lernprozess?

        Wie in meinem ersten Kommentar erwähnt, fehlt mir der Einblick ins System. Aber die Mischung aus Vereinsstruktur, Seilschaften, Vetterleswirtschaft, Unprofessionalität und Umfeld hemmt den Fortschritt. Da hilft auch kein Geld der Welt. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber ich bin überzeugt, dass die jetzigen Führungspersonen es auch nicht schaffen werden aus der Abwärtsspirale auszubrechen.

        Ohne es belegen zu können, glaube ich, dass JS Missstände erkannt und beheben wollte, daran aber politisch gescheitert ist (z.B. gab es in der StN einen Artikel, dass die Hausberater (war es Rogon?) not so amused waren, weil sie nicht mehr beachtet wurden).

        • @abiszet sagt

          Guter Punkt, Roman. Stimme ich Dir voll zu.
          Ob Slim Shindy es hinbekommen hätte, ist ebenso fraglich. Aber er machte einen „unabhängigen“ Eindruck ;-)

  4. Pingback: Von (fast) allem zu wenig

  5. Thomas sagt

    Hallo
    ich verstehe die Welt nicht mehr. Der Kader ist meiner Meinung nach für ein 433 zusammengestellt je nach Gegner Mittelfeld Ascacibar Gentner Castro oder eben offensiver mit DiDa
    Sturm Gomez und über aussen Doniz, Thommy, Akolo oder Gonzales
    So viele Möglichkeiten so wenig Mut

  6. Chris3003 sagt

    Na ja, ich bin auch schwierig. Manchmal vielleicht sogar überkritisch. Aber – ich persönlich – halte das in Bezug auf den VfB durchaus für angebracht, denn in meinen Augen liegt das Problem des mangelnden Erfolgs am Trainer. Korkut hat offensichtlich die Merkel’schen Kanzleringene verinnerlicht: Er ist beratungsresitent, macht Fehler, ohne diese einzusehen, hält an den alten Herren fest – und dazu zähle ich auch Gomez – und vertraut auf sein Glück der letzten Rückrunde. Das ist zuwenig, Herr Korkut. Ich gebe Ihnen noch zwei Spiele, dann ist Schluss mit lustig!

    • @abiszet sagt

      Jetzt hat er noch ein Spiel :-)
      Aber Korkut hat jetzt weitgehend alles versucht (ausser Gomez und Gentner mal draußen zu lassen), ich bin mir nicht sooooo sicher, dass der Kader so ne Bombe ist, wie alle glauben.

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