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Korkut: „Mein Plan ging auf!“

Ungläubiges Staunen bei vielen VfB-Fans, als sie die Aufstellung von Tayfun Korkut für das Auswärtsspiel in Freiburg sahen: Beck statt Maffeo? Gonzales statt Donis? Gentner und Castro als Flügelzange? Auch wir fragten uns: „Was denkt er sich dabei?“ Und da wir ihm die Fragen nicht selbst stellen können, haben wir uns „seine Antworten“ gleich selbst gegeben.

Ein Interview, das nie stattfand:

Herr Korkut, was haben Sie sich dabei gedacht?
„Ich wusste, dass man Freiburg nur mit einer ganz ausgeklügelten Taktik schlagen kann. Meine Aufstellung zwang  die Freiburger und sogar unsere eigenen Fans zum Kopfschütteln und genau das wollte ich. Die Startelf sollte den Gegner verunsichern, was mir super gelang. Nur ganz am Anfang ging meine Idee nicht auf, als ausgerechnet die jungen Nic Gonzales und Santi Ascacibar den Konter ermöglichen und Freiburg mit Tempo auf unser Tor zuging. Aber noch mehr Erfahrung konnte ich beim besten Willen nicht auf den Platz bringen.

Emiliano Insua ist der Mann für die entscheidenden psychologischen Momente, das sieht man schon an seiner Frisur. Ich bin froh, dass er meine Idee mit dem späten Tor vor der Halbzeit so perfekt umgesetzt hat. Dann wusste ich, mein Plan geht auf und ich musste nur noch Chadrac Akolo bringen, um Mario Gomez mehr Raum zu verschaffen. Ich habe der Mannschaft auch in der Kabine gesagt, dass Mario jetzt zuschlagen wird. Er hat noch nicht die Luft für 90 Minuten, deshalb habe ich so umgestellt, dass er sich in der ersten Halbzeit schonen konnte und in der zweiten Hälfte noch die Kraft hat, zu knipsen.“


Was sagen Sie zur Leistung von Ron-Robert Zieler?

„Dass Ron-Robert so mitmacht, ist einmalig. Die Mauer so zu stellen, dass wir die Spannung hoch halten können, das ist ganz großer Sport. Ich denke, jeder hat gesehen, wie wichtig Zieler für die Mannschaft ist“


Sie scheinen mit dem Punkt zufrieden zu sein. Wäre ein Dreier nicht wichtig gewesen?

„Ich hatte klare Ideen, wie wir das Spiel angehen wollten, ich denke, das war für jeden ersichtlich. Wir müssen jetzt mit diesem Punkt leben und schauen, dass wir im Heimspiel gegen Düsseldorf unseren ersten Saisonsieg einfahren. In Freiburg ist es immer brutal schwierig, da müssen wir auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.“


Hatten Sie nicht auch den Eindruck, dass Ihre Mannschaft mit dem Tempo der Freiburger Probleme hatte?

„Unstrittig ist, dass meine Mannschaft funktioniert. Vor allem die erfahrenen Spieler haben es sehr gut gemacht. Dass mal der eine oder andere Gegenspieler wegläuft, ist normal, da darf man sich nicht wundern, wenn Castro, Gentner oder Aogo nicht hinterherkommen. Ich kann nicht alles aufbieten: Erfahrung oder Tempo, da muss ich mich für etwas entscheiden. Und es müsste spätestens seit heute jedem klar sein, wie wichtig Erfahrung ist. Probleme müssen wir im Kollektiv auffangen, dann müssen Gonzales und Acacibar eben ein bisschen für die anderen mitlaufen.“

Indem Sie Gentner und Castro auf außen einsetzen, verzichteten Sie freiwillig auf Tempo und Dynamik?
„Und genau das wollte ich. Sehen Sie, ich wollte die Zentrale verdichten, indem Castro und Gentner immer nach innen rücken. Zusammen mit Dennis Aogo sollten sie das Spiel lenken. Wir haben mit der Achse Castro-Aogo-Gentner ein Trio, um das uns die gesamte Bundesliga beneidet. Außer vielleicht Bayern, Dortmund, Hoffenheim, Schalke, Leipzig, Frankfurt, Leverkusen, …“

… und Gladbach, Wolfsburg, Berlin, Hannover, Augsburg, Mainz, Nürnberg, Freiburg, Düsseldorf und Bremen.
„Genau!“

Aber war Ihre Aufstellung nicht ein bisschen mutlos?
„Entscheidend ist doch die Mentalität!“

… und die hat gestimmt?
„Sie haben es selbst gesehen: Wer nach 51 Sekunden in Rückstand gerät und dann so zurückkommt, bei dem stimmt es im Team. Wie wir bei diesem wilden Spiel den Kopf oben behalten haben – vor allem meine erfahrenen Spieler – das hat mich beeindruckt.“

Zurück zur Aufstellung: Uns kam das reichlich defensiv vor.
„Es gibt nicht defensiv und offensiv, es gibt nicht jung und alt. Ich schaue vor jedem Spiel, was gut für die Mannschaft ist und zum Gegner passt.“

Dafür spielen aber meistens immer die gleichen.
„Was soll ich tun? Ich habe Spieler, auf die ich nicht verzichten kann: Das sind Zieler, Pavard, Gomez, Gentner, Aogo, Castro, Beck und eigentlich auch Badstuber. Um die herum muss ich dann schauen, wen ich aufbiete.“

Eine offensive Idee ist aber nicht zu erkennen.
„Dann müssen Sie besser hinschauen. Mario Gomez zum Beispiel braucht Futter, er braucht Flanken und Vorlagen.“

Aber ausser Insua hat keiner Flanken geschlagen.
„Genau das war der Plan.“

Danke für die Inspiration, Bjoern ;-)

Das „VertikalGIF“ zur Partie in Freiburg gibt es hier.

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5 Kommentare

  1. Der VfB hat in Freiburg beim Anpfiff exakt dort weiter gemacht, wo er in Rostock begonnen und gegen Bayern aufgehört hat: mutlos, ideenlos, planlos, mit einer halbherzigen Einstellung und mit soviel defensiven Spielern bestückt, dass ein Offensivspiel praktisch unmöglich war.

    Es gibt nichts zu beschönigen in den ersten 45 Minuten, darum klammere ich das schöne, mutige und mit viel Willen reingehämmerte Insua-Tor aus, was jedoch aus dem nichts fiel und insgesamt auch zum sehr schmeichelhaften 1:1 Pausenstand führte: der selbe Defensiv-Schrott mit der vermutlich ältesteten Rentnertruppe, die die 1. Bundesliga aufzubieten hatte. Dann aber, die totale Wandlung mit Wiederanpfiff – und man fragt sich, ob Reschke in der Kabine eine Ansprache gehalten hat? Oder wars Meyer-Vorfelder, der wutentbrannt aus der Gruft gestiegen ist? Oder wars doch Captain Kork himself, der die richtigen Worte gefunden hat? Oder wie ich etwas vermute, vielleicht die Auswechlung von Castro (!) gegen Akolo – hat das zum plötzlichen Mentalitätswechsel in der Mannschaft geführt??

    Wie dem auch sei, jeder Zweikampf wurde von allen Feldspielern deutlich entschlossener, giftiger, zielstrebiger geführt. Und selbst Super-Mario ging deutlich wilder in die Zweikämpfe, offensiv und auch am eigenen Strafraum (und nach seinen beiden Toren mit einer extra-Portion Motivation). Der VfB wie ausgewechselt. So wie man ihn aus der Rückrund kannte. Wie man ihn in schon in Rostock, gegen Mainz, gegen Bayern erwartet hatte. Mit einer Mentalität, die vorher weder zum Pokalaus und sicher auch zum ein oder anderen Pünktchen in der Liga geführt hätte. Bleibt die Frage, warum man 3,5 Spiele darauf warten musste!? Und man fragt sich weiterhin, warum Korkut 3,5 Spiele benötigt hat, um endlich früher (Halbzeit) offensiver zu spielen und nicht erst nach 80 Min. einen weiteren offensiven aufs Feld zu führen.

    Summa sumarum: Ein Anfang ist gemacht. Das Team zeigte in Hz 2 eine ansprechende Leistung (und dennoch weiterhein kein kompaktes Auftreten in der Defensive) und der Trainer zeigt ebenfalls eine wenn auch nur langsam, aber dafür ansteigende Lernkurve.

    • @abiszet sagt

      Hi Barry, eine schöne Vorstellung, dass Mayer-Vorfelder dem Team den Marsch geblasen hat. Sind wir ehrlich: Der Fußball hat viele Zufallsmomente, in denen plötzlich ein Treffer gelingt. Und so ein Moment war die Insua-Peitsche. Das hat der Mannschaft plötzlich einen Schub gegeben. Trotzdem ist es eine interessante Frage, warum Captain Kork 3,5 Spiele benötigt, um festzustellen, dass sein „System“ so nicht funktioniert. Er müsste harte Entscheidungen treffen, zB etablierte Kräfte wie Gentner oder Castro oder Aogo auf die Bank zu setzen. Bei Badstuber „traut“ er es sich ja auch.

  2. Sehr amüsant geschrieben hier. Tatsächlich kann auch ich nicht verstehen, warum man ausgerechnet mit Gentner, Aogo und Castro drei eher defensive Mittelfeldspieler aufstellt und Perlen wie Donis und Thommy auf der Bank schmoren lässt… Dann wurde es zwar besser in HZ 2 mit der Hereinnahme von Akolo und man hätte den Sack zu machen können, aber nein, lieber noch Didavi rein, um Tempo rauszunehmen!!! Bin ich eigentlich der einzige, der nicht versteht, warum man den gegen Ginzcek getauscht hat. Ginni hat mit seinen Toren in Wolfsburg echte Punkte geholt, nicht nur ein maues Unentschieden in 3 BL Spielen…

    • @abiszet sagt

      Hallo Mozy, vielen Dank für Deinen Kommentar. Die Verpflichtung von Didavi sehe ich auch kritisch, siehe Text vom 1.7.: https://vertikalpass.de/warum-die-dida-rueckkehr-keine-gute-idee-ist/ Aber Dida war verletzungsbedingt gar nicht in Freiburg dabei ;-)

      Trotzdem bleibt es ein Rätsel, warum Korkut auf Außen mit Gentner/Castro spielt, da er nach eigener Aussage „über die Flügel kommen und Gomez mit Flanken füttern“ wollte (und diese Aussage tätigte er wirklich im Gespräch mit der StN7StZ).

  3. Ups; habe wohl meine Brille beim Schauen nicht auf gehabt;-) Meinte die Hereinnahme von Badstuber und die Umstellung auf 5er Kette…

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