Mini-Feature, VfB
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Pannenclub oder mit Vollgas zum Aufstieg?

Nur noch eine Woche Saisonstart der zweiten Liga! Wie läuft’s beim VfB? Nach dem Abstieg war der Akku leer, gleichzeitig mussten und müssen viele Teile des Teams ausgetauscht werden. Doch nur mit einer großen Inspektion ist es beim VfB nicht getan, es ist vielmehr eine Generalüberholung notwendig – auf allen Ebenen. Keiner passt besser als der neue Sportvorstand Jan Schindelmeiser, der in den letzten sechs Jahren in erster Linie an alten 911ern rumgeschraubt hat.

Er weiß also, wie man alte Kisten wieder flott bekommt. Nicht mit „Geiz ist geil“, sondern eher mit „das Beste oder nichts“. Das muss auch das Motto für Schindelmeiser sein. Der Kader muss dringend getunt werden, sonst wird es nichts mit dem Aufstieg in die erste Liga. Denn noch knirscht es ziemlich im schwäbischen Getriebe. Wie sieht es unter der Haube beim VfB aus?

Tor & Abwehr
Im Tor hat der VfB am wenigsten Probleme: Mitch Langerak kann sich wie ein Airbag vor dem Kasten aufblasen, er ist die das Sicherheitssystem des VfB. Ob Jens Grahl oder Benjamin Uphoff – die Jungs auf der Bank sind so zuverlässig wie ein VW Golf. Hoffentlich.

Die Innenverteidigung war letzte Saison ein Totalschaden. Es ist zu hoffen, dass das neue Setup mit Marcin Kaminski, Toni Sunjic, Timo Baumgartl und Stephen Sama zuverlässiger funktioniert. Nüchtern betrachtet hat man sich mit einem Spieler verstärkt, der in die vierte Liga abgestiegen ist sowie einem ehemaligen polnischen Nationalspieler, dem nachgesagt wird, nicht der zweikampfstärkste zu sein. Als professionelles Facelifting kann man das nicht gerade bezeichnen. Eher als eilig eingeschweißte Reparaturbleche.

Die Außenverteidigung macht ebenfalls keinen stabilen Eindruck: Florian Klein ist alles andere als zufrieden mit seiner Situation, besonders motiviert scheint er nicht zu sein. Fraglich, ob er seine mentale Handbremse lösen kann. Der ehemalige Lauterer Publikumsliebling Jean Zimmer ist noch nicht einzuschätzen. Dass er ein Giftzwerg sein kann, hat er aber bereits gezeigt. Links ist Philip Heise seit einem Jahr so gut wie ohne Spielpraxis und Emiliano Insua will weg, egal wohin. Und so wie wir den VfB kennen, wird er einen Transfer zulassen, um Geld mitzunehmen. Kurz vor knapp wird das passieren und der VfB hat dann selbst kaum noch Zeit zu reagieren, weil er (obviously) nicht vorbereitet ist.

Defensives Mittelfeld
Hajime Hosogai ist der neue japanische Diesel in der Mannschaft: Modell gebrauchter Honda Civic. Nicht mehr ganz modern, aber zuverlässig, lauffreudig, attraktiv im Verbrauch des Transferbudgets. Er ist keine Ein-Mann-Büffelherde wie Serey Dié, sondern ein Ein-Mann-Bienenschwarm. Mit ihm brummt es überall auf dem Spielfeld, er ist flexibler und flinker. Was auch wichtig ist, muss er doch auch den Offensiv-Defensiv-Hybriden Lukas Rupp ersetzen. Oder schlüpft Anto Grgic in Rupps ehemalige Rolle? Oldtimer Christian Gentner, nicht nur Dienstältester und nach dem Abstieg auch Gesichtsältester, soll unter Luhukay mit seinen bald 31 Jahren zum Youngtimer werden: Wertvoll und viel beachtet auf dem Feld. Mal schauen, ob der neue Trainer ihm taktische Disziplin beibringen kann. Statt eines H-Kennzeichens wird er auf jeden Fall mit der Kapitänsbinde auflaufen.

Offensives Mittelfeld
Das Offensiv-Spiel steht und fällt mit Alexandru Maxim. Mal schauen, wie er sich – der gerne Schleifen und Kurven dreht und auch mal falsch abbiegt – in der zweiten Liga zurecht findet. Vielleicht spendieren Schindelmeiser und Luhukay ihm ein Navi. Wenn Maxim jedoch als Viertaktgeber im Mittelfeld ausfällt, dann stottert der Offensiv-Motor gewaltig: Stellvertreter Marvin Wanitzek scheint nicht genug PS aufs Spielfeld zu bringen. Spannende Frage: Startet U19-Nationalspieler Max Besuschkow durch oder ist er nur das fünfte Rad am Wagen?

Offensive Außenbahn
Hier braucht es definitiv mehr Power. Im Moment ist Kevin Großkreutz die einzige Option – und er hat dort lange nicht mehr gespielt. Bei den offensiven Außenpositionen sorgt im Moment keiner für einen Vorsprung durch Technik. Oder soll dort Jan Kliment auflaufen? Hier muss der Kader dringend getunt werden! Da fehlt rund eine Woche vor Saisonstart (!) ein Turbo wie Filip Kostic. Es scheint wieder Zeit für Last-Minute-Transfers a là Bobic zu sein. Die besten Transfers macht man bekanntlich kurz vor knapp. Siehe Camoranesi.


Knipser

Simon Terodde ist der Offroader im Sturm. Der Zweitliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison kennt das Terrain wie kein zweiter und geht dahin, wo es weh tut. Das ist gut, aber zu wenig. Denn Daniel Ginczek wird vermutlich die komplette Hinrunde auf der Hebebühne verbringen und ob Borys Tashchy durch den Zweitliga-TÜV kommt, muss man erst noch abwarten.

Es wird also spannend. Vor allem, weil die Teams von Jos Luhukay traditionell einen Stotterstart hinlegen. Die Fans erwarten vom VfB aber nicht weniger als einen Kavaliersstart und dann Höchstgeschwindigkeit in Richtung Aufstieg. Auf der linken Überholspur mit Lichthupe und Dauerblinker links. Wir sind gespannt, ob Jan Schindelmeiser und Jos Luhukay erfolgreich an den kleinen und großen Stellschrauben gedreht haben.

Und einen Wunsch haben wir noch: Bitte Frustschutz nachfüllen. Jede Menge Frustschutz!

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11 Kommentare

  1. Tom sagt

    Ich hab den Artikel gar nicht ganz gelesen. Ich lass mich überraschen, stelle keine Ansprüche und versuche wieder Spaß am Fußball schauen zu haben. Auch bei Bayern wird es hoffentlich wieder ansehlicher und nicht so stinklangweilig.
    Letztes Jahr habe ich mich mitreißen lassen bei dieser Zornigermanie… Dieses Jahr freue ich mich einfach auf die Spiele :)

    • @buzze sagt

      Sich endlich mal wieder auf VfB-Spiele freuen: Das wünschen wir uns alle, glaube ich.

  2. Björn sagt

    Danke. Eine gute Mischung aus (Galgen-) Humor und Expertise. Lese den Blog wirklich gerne!!

  3. Marc sagt

    Also ganz ehrlich, ich glaub eher an den Pannenklub. Diese Antwort gibt der Text für mich schon von selbst. Ich bezweifel zudem, ob der VfB weiß, wie Aufstieg überhaupt „geht“. Ist schon traurig genug, dass – nicht nur mir – die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, als lebende Zeitzeugen des 2. Abstiegs in der Vereinshistorie zu gelten. Darauf hatte ich eigentlich keine Lust. Nur danach fragt ja keiner, auch nicht der VfB.
    Es ändert sich so einiges. Die Spieler, die zu uns möchten, stehen wohl nicht gerade Schlange. Einige Fangruppierungen werden unser schmuckes Stadion erst einmal zweitligatauglich umgestalten.
    Meine große Befürchtung ist und bleibt, dass der VfB den direkten Wiederaufstieg nicht schaffen wird, was ich dann eben mit der obrigen Fragestellung verknüpft habe. Was danach kommt, daran mag ich gar nicht denken.

    • @buzze sagt

      Diese Sorge teilen wir uns. Ein verpasster direkter Wiederaufstieg wäre wahrscheinlich genauso dramatisch wie der Abstieg. Ein kleiner Trost: Auch die Konkurrenten in Liga zwei machen einem nicht wirklich Angst. Denn dort läuft es ähnlich unrund wie beim VfB.

  4. Marc sagt

    Das einzig Positive in diesem Zusammenhang könnte sein, dass der VfB jetzt wieder ein klares Ziel formulieren kann bzw. vor Augen hat, was eben direkter Wiederaufstieg heißt oder besser gesagt heißen muss. Nicht wegen dem sportlichen, nein wegen des wirtschaftlichen Aspekts. Auch das find ich ein wenig trauig, dass man nach diesen Kriterien gehen muss, weil so unattraktiv, also rein von den Mannschaften, die sich da so in Liga 2 tummeln, ist das gar nicht. Zumindest ist es dort spannender als in der Buli.

    Um mal eben noch eines anzusprechen: ich weiß nicht, was der VfB den ganzen Firmen bei uns in der Region erzählt hat bzw. ob die überhaupt mal mit denen gesprochen haben. Ich hab zwar von der ganzen Materie so gar keine Ahnung, aber für mich als Außenstehender sieht das so aus, als ob wir im Sponsoring-Bereich irgendwie gar nichts gebacken bekommen. Wenn ich mir überlege, in welchem wirtschaftlichen Umfeld wir uns befinden (Baden-Württemberg zählt zu den wirtschaftsstärksten Bundesländern in Deutschland) und was – die Betonung liegt auch genau auf diesem Wort – für Firmen hier ansäßig sind, könnt ich heulen. Das sind ja nicht irgendwelche Firmen. Die sind doch weltweit bekannt und haben entsprechend Standing. Ich würd ja am liebsten selbst mit dem Opferkässle zu den Firmen gehen und betteln …

  5. drausvomLande sagt

    Sehr geehrte Verantwortliche von vertikalpass,
    mit Nachdruck weisen wir darauf hin, dass weder der Verband Deutscher Nobelkarossenbauer noch die Servicevereinigung des deutschen Kfz-Gewerbes derzeit mit dem VfB Stuttgart in irgendeiner Art in Verbindung gebracht werden möchten. Eine derart unseriöse und desaströse Geschäftsführung, wie sie beim VfB Stuttgart seit Jahren gehandhabt wird, sehen wir für unsere Mitglieder als provokative Rufschädigung und fordern Sie dringend auf, dieses ab sofort zu unterlassen.
    Jedoch schlägt auch in Teilen unserer Mitglieder ein „schwäbisches“ Herz, daher möchten wir Ihnen auf diesem Weg den Rat zukommen lassen, sich doch an in der Region vorhandenen Unternehmen aus den Bereichen Schraubenhandel und Reinigungsgeräte anzulehnen, hier bestehen durchaus gute Chancen, lockere oder verlorengegangene Schrauben zu ersetzen und verkrustete Strukturen und verstopfte Kommunikations- und Wahrnehmungskanäle zu reinigen. Auch wäre eine Hinwendung an bekannte Automobilisten-Clubs durchaus sinnvoll, hier könnte man lernen, wie man passende Ergebnisse erzeugen und kommunizieren kann.
    Mit Unmut unterschrieben …

    • @abiszet sagt

      @Tom
      Wie? Nicht zu Ende gelesen? Skandal! :-)) Spaß am Fußball, ja, das wäre gut. Ich bin nach wie vor skeptisch, halte den Kader für nicht aufstiegstauglich. Und des isch ernscht!

      @Marc
      Sehe ich genau so: Ein klares Ziel (und nicht so diffuse Vorgaben wie „sorglose Saison spielen“ wie letztes Jahr) hilft und gibt den Spielern auch etwas an die Hand. Ansonsten ist der VfB der Krösus in der zweiten Liga und hat zusammen mit H96 den höchsten Etat. Nicht nur wegen der Transfereinnahmen, auch die Sponsoren halten ja weitgehend ihr Engagement in derselben Höhe aufrecht. Die Frage ist nur: Verkauft sich der VfB unter Wert?

      @drausvomLande
      :-)))))))

  6. Marc sagt

    Ich meinte jetzt eher so wie bei der Brause-Klub. Über den kann man denken wie man möchte, aber die machens doch – zumindest meiner Meinung nach – richtiger. Die werden doch mit Geld auch mehr oder weniger zugesch*ssen.
    Das muss doch bei uns auch möglich sein. Hatte ja die Firmen bereits aufgezählt. Mir kann doch kein Mensch erzählen, dass man da nicht was locker machen könnte. Zumal es denen – und da bin ich mir sicher – nicht weh tun würde. Man müsste halt mal mit denen reden und sagen, wie toll Fußball ist und was dann Firma XYZ davon hat, wenn sie dem „armen“ VfB bisschen Geld geben würden. Langfristig sollte das im Idealfall so aussehen, wenn der VfB bei Spieler XYZ anfragt, dann möchten die auch alle zu einem gewissen Prozentsatz (sagen wir mal > 80 – 85%) zu uns kommen. Wir brauchen diesen Rückhalt der Sponsoren, um entsprechend auch mal die Eier rausbaumeln zu lassen. Selbstbewußtsein ist halt auch sexy. Und wir dürfen auch bis zu einem gewissen Grat selbstbewußtsein, auch wenn das Selbstbewußtsein momentan etwas angekratzt ist.
    Ich finde halt, dass man aus dem Sponsoring-Bereich mehr rausholen muss, weil es schlichtweg möglich ist.

    • drausvomLande sagt

      Aufwachen bitte.
      Wer zahlt, bestimmt die Musik.
      Beim „Brauseklub“ oder in Wolfsburg oder in Hamburg oder auch anderswo buttern Aussenstehende Geld in Menge in die Klubs und sind dann halt so schlau, dort entsprechende Fachleute zu installieren, die mit dem Geld umgehen können.
      Um den VfB herum herrscht der Grundsatz: Wer zahlt, bestimmt die Musik. Und damit haben wir den Aufsichtsrat in der Machtfülle und nachgewiesenen Fussball- und Personalkompetenz, wie wir ihn nunmal haben und ohne Satzungsänderung immer haben werden. Wie lautet der andere Spruch in BW:
      Das Amt kommt zum Mann ??? Denk mal drüber nach.

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