Querpass, VfB
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Pirates of the Neckaribbean

Stürmische Zeiten in Cannstatt. Der Stuttgarter Schoner mit dem prägnanten roten Ring um den Rumpf hat Schiffbruch erlitten und muss schnellstens wieder flott gemacht werden, damit man durch die kabbeligen Zweitligagewässer sicher in den reichen Hafen namens Bundesliga einfahren kann.  Aber von wem?

Nachdem das Robin Dutt kielgeholt wurde, Bernd Wahler über die Planke geschickt wurde und man Jürgen Kramny fürs erste auf einer einsamen Regionalliga-Insel ausgesetzt hat, herrscht große Unklarheit darüber, wer nun das Sagen hat. Immerhin ist bereits ein neuer Steuermann gefunden: Der niederländische Freibeuter Schnauzer-Jos soll das angeschlagene Schiff wieder auf Kurs bringen. Dass er die Gewässer mit all seinen Gefahren wie den Kaiserslauterner Klippen, den Fürther Felsen und dem Sandhäuser Strudel kennt wie seine Westentasche, steht außer Zweifel.

Die große Frage: Wer rekrutiert die neue Crew? Wer hat das Kommando?

Doch noch fehlt ihm eine verlässliche Crew für das große Abenteuer. Viele, die in der Vergangenheit als erfahrene Seemänner angeheuert wurden, stellten sich schnell als Leichtmatrosen heraus. Und schon jetzt vermisst man den ersten Maat mit den benineschen Wurzeln, der sich als der gefährlichste Mann der gesamten Crew herausgestellt hat, nun aber in Wolfsburg fette Beute machen will – trotz seines Holzbeins.  Auch den serbischen Wirbelwind Filip wird man in Zukunft wohl kaum noch an Bord antreffen. Offenbar geht er bald vor der Küste Valencias auf Punktebeutezug. Dass Schiffs-Zimmermann Schorsch nicht mehr dabei ist, dürfte hingegen nicht kriegsentscheidend sein. Trotzdem muss der VfB achtern seine Lecks stopfen. Mindestens zwei Innenverteidiger müssen verpflichtet werden. Wollen das die Herren aus dem Aufsichtsrat machen?

In ihren luxuriösen Kabinen unter Deck scheint das Triumpirat, sorry, das Triumvirat Jenner, Porth und Schäfer Pläne zu schmieden. Eine Aufgabe, die eigentlich dem Vorstand zukommt, der aktuell aus Fachkräften für Finanzen, Verwaltung und Operations sowie Kommunikation und Marketing und Vertrieb besteht. Heute wurde bekannt gegeben, dass die Offiziere Kienle und Hitzlsperger angeheuert wurden. Gerade letzteren wünschen sich viele schon lange an Bord des Schwaben-Schoners. Sein Name ist eng mit vergangenen Erfolgen verbunden. Aber viel wichtiger: Er kennt sich aus auf den Weltmeeren und kann die Kenntnisse für den VfB nutzen. Sein Horizont geht weit über das Fußballfeld hinaus. Wird er so etwas wie der Rudi Völler des VfB?

Trotzdem müssen Jenner, Porth und Schäfer aufpassen, dass sie sich nicht zum Depp machen, wenn sie den sportlich Gesamtverantwortlichen ganz zum Schluss holen. Denn in der Regel bestimmt der Kapitän seine Mannschaft gerne selbst.

Viel Zeit bleibt nicht mehr, einen Kapitän zu finden, der das Schiff flott bekommt und mit einer schlagkräftigen Crew bestückt. Im deutschen Profi-Fußball-Revier hat mit 1860 München nur noch ein weiterer Verein so extreme Schlagseite wie der VfB. Auf der Bavaria gibt es zwar einen Sportdirektor, aber dafür keinen Trainer.

Das einzige, das derzeit auf dem Neckar schon heiß läuft, ist die Gerüchtekombüse an Bord. Ein Name nach dem anderen wird angespült. Doch noch herrscht absolute Flaute, was Transfers betrifft. Dabei ist klar, dass die Vorbereitungen für das große Abenteuer bereits in gut zwei Wochen beginnen. Und, ob sie wollen oder nicht: Am 2. August wird das Schiff in See stechen müssen – egal, wer dann an Deck ist.

Trotz gutem Dauerkartenverkauf ist eine Meuterei der Fans spätestens bei der Mitgliederversammlung zu befürchten. Vor allem, wenn der Kurs dann noch nicht klar Richtung Bundesliga geht.

Mit dem neuen Personal segelt der Aufsichtsrat hart am Wind und geht damit ins Risiko. Denn Marc Kienles Trainerkarriere hatte zuletzt keinen Rückenwind: Nach der Zeit in Stuttgart, wo er die U17 und U19 betreute, war er für eine Saison für die U19 der Bayern verantwortlich, ging dann zu Wehen Wiesbaden und coachte die Profimannschaft bis er vor einem guten Jahr freigestellt wurde. Thomas Hitzlspergers Engagement ist ein positives Signal. Aber Erfahrung im operativen Arbeiten in einem Fußballverein hat er nicht. Hoffentlich ist sein Aufgabenfeld intern klarer definiert als sein Titel es vermuten lässt: „Beauftragter des Vorstandes in der Schnittstelle zwischen der Vereinsführung und dem Lizenzspielerbereich“ – das passt doch auf keine Visitenkarte.

Immerhin scheinen die Herren im Aufsichtsrat verstanden zu haben, dass die Sportkompetenz auf mehrere Schultern verteilt werden muss, um unkontrollierte Egotrips wie zuletzt von Robin Dutt zu verhindern.

Doch all diese Maßnahmen sind wertlos, wenn am 1. Spieltag nicht eine eingespielte Crew auf dem Rasen steht. Und aktuell ist niemand da, um diese zusammenzustellen. In Sachen Transfers scheint der VfB nach wie nicht handlungsfähig – von der Verpflichtung von Nachwuchsspielern mal abgesehen. Höchste Zeit also, einen kompetenten Sportdirektor an Bord zu holen, damit es dann heißt: Klarmachen zum Ändern!

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5 Kommentare

    • @abiszet sagt

      Scheint eine Spezialität der „Traditionsvereine“ zu sein ;-)
      Immerhin handlungsfähig scheint der VfB zu sein, wie die Verpflichtung von Marcin Kaminsky zeigt. Ob er dem VfB in der zweiten Liga weiter hilft, werden wir in ein paar Wochen sehen.

  1. drausvomLande sagt

    Sind das Panik-Reaktionen?
    1 neuer Trainer, 2 Co-Trainer, 3 Kaderplaner, 1 Beauftragter des Vorstandes für Sport in der Schnittstelle zwischen der Vereinsführung aus Vorstand und Aufsichtsrat sowie der Lizenzspielermannschaft, 1Verantworlicher für Kaderplanung und Verzahnung von Nachwuchsausbildung, Scouting und dem Lizenzspielerbereich = 8 Neue
    und 1 Sportvorstand und 1 Präsident fehlen noch

    In Großkonzernen hat man früher einfach eine weitere Führungsebene eingezogen, wenn von unten zu viele schlechte und immer schlechtere Nachrichten nach oben berichtet wurden. Jede Ebene hat kumuliert und gefiltert und irgendwann kam dann oben nur an: „im Westen nichts neues“ oder so. Lästige Kleinigkeiten haben so die gute Laune oben nicht weiter getrübt. Will das der Aufsichtsrat jetzt auch einführen?
    Vielleicht sollten die Herren mal nach „Bullshit Castle“ googeln …
    Aber vielleicht haben die Herren auch nur erkannt, dass die Devise „und wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann gründ ich einen Arbeitskreis“ nur umsetzbar ist, wenn man genügend Personal hat.
    Nicht falsch verstehen: ich kritisiere nicht die neuen Personen und auch nicht die Ordnung und Verteilung von Zuständigkeiten, aber das in diesem Umfang ist mir zu viel.
    Ob das dauerhaft und dauerhaft finanzierbar ist?

    • @abiszet sagt

      Da wird seit Jahren danach gerufen, dass sich sportliche Kompetenz nicht auf einen Kopf (Held, Bobic, Dutt) beschränken sollte – nun wird beim VfB versucht, ein Team zusammen zu stellen und was passiert? Die neuen Leute werden vorab und pauschal gleich mal kritisch gesehen. Fällt mir nichts dazu ein. Der VfB wird im Moment umgebaut – die Mannschaft wie auch die sportliche Führung – und man kann sehr wohl die Reihenfolge (Gesamtverantwortlicher zuletzt) als suboptimal bezeichnen, aber gibt es so etwas wie „zu viel Sportkompetenz“? Bei Leverkusen arbeitet auch nur Rudi Völler und bei Gladbach nur Max Eberl und bei Augsburg nur Stefan Reuter – is‘ klar. Den neuen Leuten sollte niemand unterstellen, sich ein Pöstchen zu sichern, das hat insbesondere Thomas Hitzlsperger überhaupt nicht nötig.

  2. drausvomLande sagt

    @abiszet
    Das ist doch nicht der Kern meines Kommentars. Ich stelle weder eine Neu-Ordnung noch irgendwelche der neuen Personen in Frage, bzw. kritisiere vorab, schon mal gar nicht bei the hammer. Ich sehe aber ganz deutlich den Versuch des Aufsichtsrats, mit Management- und Controlling-Methoden aus der Wirtschaft aus der Schusslinie zu kommen und die Anwendung solcher Methoden haben uns ja erst in die Bredouille gebracht.
    Da wird einem noch nicht einmal ernannten Sportvorstand schon vorab einmal ein Kontrolleur zur Seite gestellt, seine Untergebenen eingestellt und hierarchiert, Aufgaben und Tätigkeiten seiner Mitarbeiter zurechtgeschnitten und eingestellt, ohne entsprechenden Spielraum für diesen neuen noch nicht ernannten aber in Zukunft starken Mann zu lassen.
    Wenn wir wirklich einen starken Sportvorstand bekommen, wird und kann das nicht dauerhaft sein.
    Dass wir mehr Kompetenzen brauchen, steht ausser Frage, bei Gladbach sind alleine im Scouting-Bereich z.B. 19 ! Personen auf der Homepage gelistet, aber das ist gewachsen und nicht von (in meinen Augen sportlich hilflosen) Aufsichtsräten von oben verordnet. Gas weg.
    Wollen wir wetten, dass Thomas in Kürze „übergangsweise“ das Amt des Sportvorstandes kommissarisch ausübt, weil keiner der richtig guten sich täglich auf die Finger gucken lassen will?
    Wenn ich so dran denke, kann ich’s manchmal kaum erwarten.

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