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Ratlos

Am Freitag schrieb Benni Hofmann im Kicker: „Castro ist ein feiner Fußballer und absoluter Teamplayer, aber salopp gesagt ist er keiner, der einen Krieg gewinnt.“ Leider hätte er das auch über Aogo, Beck, Insua, Gentner, Gomez schreiben können – nur dass sie keine feinen Fußballer sind.

Wer gesehen hat, wie der VfB Stuttgart in Leverkusen verloren hat (zum achten Mal im zwölften Saisonspiel), der fragt sich ernsthaft, wie diese Mannschaft den Klassenerhalt schaffen will. Denn beim VfB ist aktuell einfach zu viel los. In Leverkusen agierten die Stuttgarter unter anderem:

– erfolglos
– harmlos
– hoffnungslos
– ambitionslos
– emotionslos
– energielos
– freudlos
– lustlos
– leblos
– kampflos
– teilnahmslos
– ideenlos
– kraftlos
– hilflos
– ziellos

Jetzt mögen manche einwenden, dass das Spiel komplett anders verlaufen wäre, wenn die Kölner Keller-Schiedsrichter dem VfB nicht nach sieben Minuten den Elfmeter verweigert hätten. Allerdings muss man dann auch die Frage stellen, wer ihn hätte verwandeln sollen. Man kann auch der Meinung sein, dass Leverkusen mit seinem Top-Kader nicht der Maßstab für den VfB ist. Wie es auch Frankfurt, Hoffenheim und Dortmund nicht waren. Und Leipzig und die Bayern (die daheim weder gegen Augsburg, Freiburg oder gegen Düsseldorf gewinnen konnten). Nur ist es so, dass die Leverkusener vor der Partie am Freitag erst ein einziges Heimspiel hatten gewinnen können. Hätte der VfB die Partie für sich entschieden, wäre Heiko Herrlich seinen Job wohl los gewesen.

Doch anstatt mit dem Rückenwind des ersten Auswärtssiegs in die Partie zu gehen, war der VfB nach guter Anfangsphase schnell im Schadensbegrenzungsmodus. Es hat aktuell den Anschein, als sei man bereits damit zufrieden, nicht zu verlieren. Das spiegelt sich auch in den Aussagen der Akteure wider.

Wenn Ron-Robert Zieler nach dem Spiel sagt: „Der Knackpunkt war das 0:1, denn ein 0:0 wäre insgesamt akzeptabel gewesen. Es ist bitter, dass wir so ein bitteres Gegentor bekommen haben, zumal wir uns in der Offensive sehr schwer tun.“, dann fragt man sich ernsthaft, wie der VfB Stuttgart je wieder ein Spiel gewinnen will. Denn das wird definitiv nicht passieren, wenn man auf ein 0:0 spielt. Und ohne Gegentor bleibt der VfB Stuttgart sowieso nur selten.

Sind wir doch mal ehrlich: Wir sind verzweifelt. Eigentlich nichts neues im Herbst. Aber im Jahr 2018 haben wir den Trainerwechsel bereits hinter uns. Und wir waren uns alle (ja auch auch wir) ziemlich schnell einig, dass Tayfun Korkut den größten Verdienst an der aktuellen Misere hat. Aber nach vier Niederlagen in fünf Spielen unter Markus Weinzierl fragt man sich, ob das denn wirklich so ist? Das mangelnde Tempo – psychisch wie physisch – und die generelle Einstellung scheinen ebenso große Faktoren zu sein. Wie anders könnte es sein, dass auch in Leverkusen niemand mehr lief als Santiago Ascacibar, der noch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Übersee für Argentinien spielte?

Quelle. Mein VfB App

Doch Alternativen bietet der Kader aktuell nicht. Die vermeintlichen Hoffnungsträger wie Didavi und Donis stehen weiterhin nicht zur Verfügung und Newcomer wie Marc-Oliver Kempf – in Leverkuse noch ein Lichtblick – werden in Rekordzeit in den Abwärtsstrudel hineingezogen. Mario Gomez, mittlerweile seit knapp 500 Minuten ohne Tor, sieht sich mittlerweile sogar gezwungen, seine Immunität eigenhändig aufzuheben.

Real Talk: Stand jetzt ist der Klassenerhalt nicht zu schaffen. Es ist nicht abzusehen, dass mit diesem Kader noch rund 30 Punkte geholt werden. Stand jetzt ist nicht mal abzusehen, wie man die Hinrunde mit mehr als zehn Punkte beenden soll. Und sage keiner, wenn Donis und Didavi zurückkommen, wird alles besser! Es stimmt hinten und vorne nicht, oben und unten nicht.

Und wer glaubt,  es lag bisher an den übermächtigen Gegnern, der schaue sich einfach das Restprogramm in der Hinrunde an:

Augsburg (Angstgegner)
M’gladbach (Tabellen-Dritter)
Hertha BSC (Tabellen-Achter)
Wolfsburg (Tabellen-Neunter)
Schalke (Schoss gerade 5 Buden gegen Nürnberg)

Wir sind ratlos.

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5 Kommentare

  1. TomTom sagt

    „Und wir waren uns alle (ja auch auch wir) ziemlich schnell einig, dass Tayfun Korkut den größten Verdienst an der aktuellen Misere hat.“

    Oh nein wir waren uns da gar nicht einig. Einige Leute, die von Fußball nicht viel Ahnung haben, waren sich ziemlich einig, dass der Korkout kommen muss. Aber auch ich habe mich von Reschke blenden lassen und die nichtbundealiganiveau Transfers voller Hoffnung erwartet, aber dann stellte sich heraus, dass die wichtigste Achse der Mannschaft, und zwar die über Ginczek, wohl nicht mehr zu ersetzen war. Bei Korkut dürfen sich jetzt einige entschuldigen.

    • @abiszet sagt

      Hallo TomTom, Korkut hat seinen Teil dazu beigetragen, dass der VfB dort steht, wo er steht. Aber lange hielt man nur den Trainer für das Problem. Nur, dass es der Kader ist, wollten viele nicht wahrhaben, ist er doch eine „gelungene Mischung aus Erfahrenen und Talenten“. Der Shice is: die Mischung ist nicht gelungen. Es am Abgang Ginczeks festzumachen, finde ich zu eindimensional. Natürlich ist der Gomcek-Angriff ein gutes Stilmittel gewesen, aber insgesamt wurde die Rückrunde völlig überhöht und deren gute Ergebnisse überschätzt. Leider auch von Reschke. Dazu kommt: bei seinen Transfers funktioniert im Moment überhaupt keiner (mit Abstrichen Kempf). Trotzdem ist das alles kein Grund auf Platz 18 zu stehen und sich nach einem Gegentor völlig aufzugeben.

    • Also wer den Korkut für einen Superdupertrainer hält, der eigentlich alles richtig gemacht hat und mit dem wir nicht mehr da unten stehen würden, den halte ich auch nicht unbedingt für sehr kompetent in Sachen Fussball. Dass er kaum mehr als eine taktische Variante drauf hat, verlässlich spät auf ein schlechtes Spiel reagiert und auch mal wirre Aufstellungen aus dem Hut zaubert, dürfte doch eigentlich jedem aufgefallen sein.
      Der Reschke hat mich aber auch geblendet. Auf dem Papier klang es bockstark, was sich da so alles unserem Verein anschliessen wird. „Na mit den neuen Spielern werden dann auch taktische Fehler des Trainers aufgefangen werden“, dachte ich so bei mir … Pustekuchen! Sprachlos stand ich am letzten Freitag vor der Plasmaröhre und konnte es wieder einmal nicht fassen, dass z.B. kaum ein Spieler einen genauen Pass spielen, einen Pass sauber annehmen und mit dem Ball am Fuss rennen konnte. Hier scheint es ausser am Willen und der Kondition, auch an basalem Fussballkönnen zu fehlen.
      Es gibt beim VfB aktuell so viele Baustellen, das Ergebnis wird wohl wie bei S21, eine Bauruine bzw etwas hässliches und unbrauchbares werden.

      Zu Ginczek: In meinem Sitzblock, hatten im letzten Drittel der Saison, die grosse Mehrheit der Zuschauer regelmässig einen dicken Hals wegen ihm. Konnte kaum einen Ball behaupten oder liess ihn sich leicht wieder abjagen, setzte nicht nach und traf immer wieder falsche Entscheidungen. Ja, er netzte auch manchmal ein, aber der Grossteil der Bundesligastürmer hätte aus seinen Chancen mehr gemacht … meine Meinung. Mit ihm wären wir genau da, wo wir jetzt sind.

  2. Drei Namen tragen den Misserfolg des VfB Stutttgart: Dietrich, Reschke und der „Stuttgarter Klüngel“. So lange die bzw. das vorherrscht kann beim VfB nichts gelingen. Jetzt wollen sie – so erscheint es mir – mit aller Macht erzwingen, dass der VfB erstklassig bleibt. Und wenn man die kolportierten Namen so liest, dann sind es wieder einmal ausgediente Fußballer, die in ihrem Stammverein keine Zukunft mehr sehen. Nun, der VfB hat seinen angestammte Weg durch die ominöse Entlassung von Schindelmeiser und durch die Inthronisierung Reschke längst verlassen. Das war der Ursprung aller Fehler. Jetzt sitzt man tief im Schlamassel und es hat den Anschein, dass man da nicht mehr herauskommt. Es wurden Fehler über Fehler gemacht…! Ich habe sie jedes Mal angesprochen und was wurde ich dafür hier angegiftet? Man hat die Rückrunde letzter Saison nicht richtig aufgearbeitet, denn das machen in den Regel kompetente Fußball-Fachleute. Stattdessen hat man die Mannschaft noch mehr überaltert oder einen Dauerverletzten (Didavi) verpflichtet. Für mein Dafürhalten ist Reschke nicht mehr tragbar für den VfB und dennoch wird an ihm festgehalten. Warum? Weil Dietrich ihn mit einer infamen Intrige und Lüge zum Manager-König erklärt hatte.
    Frage mich, weshalb der Cannstatter Blog sowie die Ultras kein Aufstand gegen diese Herren planen?

  3. wojtek sagt

    Wie überrascht war ich, als 2 Tage nach dem letzten Bundesligaspiel neue Spieler präsentiert wurden. Und kurz darauf weitere Neuzugänge. Vorbei waren die Zeiten, in denen man auf den letzten Drücker die Hannoversche Ersatzbank leergekauft hat. Nun hat sich jemand im Vorfeld Gedanken gemacht, es wurde analysiert und dann die bestmöglichen Spieler verpflichtet. So schien es, so dachte ich auch.
    Die neue Saison konnte kommen. Wir haben frühzeitig die Mannschaft beisammen, wir werden gut vorbereitet sein. Nicht für das obere Drittel. Aber Platz 8 – 12 wird es schon reichen.
    Nach zwölf Spieltagen sind wir endgültig auf dem harten Boden der Realität gelandet. Es fehlt vorne und hinten an Qualität, Schnelligkeit, Bereitschaft, Esprit.
    Wie kam es, dass schnelle Spieler wie Lukebakio in Düsseldorf spielen, Trainer wie Adi Hütter in Frankfurt landen, … (ich könnte die Liste noch lange fortführen).
    Ich möchte hier nicht nur allein auf Reschke draufhauen. Dem VfB fehlt eindeutig die Fußball-Kompetenz im Verein. Es fehlen Leute mit Fußballverstand, die auch mal einen anderen Blickwinkel haben, mit denen sich der Sportvorstand (intern!) kritisch auseinander setzten muss, die mal auch den Finger in die Wunde legen. Die die letzte Rückrunde ehrlicher eingeschätzt hätten, als nur nach der Punktezahl. Die die Qualität der Spieler nicht nur an dem was diese in der Vergangenheit geleistet haben beurteilen. Die die Qualität der Trainer, der Neuzugänge, der Mannschaft insgesamt noch mal zu hinterfragen um sich dann mit dem Sportvorstand auszutauschen.
    Ich ärgere mich Woche für Woche nicht nur über unsere Mannschaft, sondern auch über die verpasste Chance, hier etwas Nachhaltigen aufbauen zu können.
    Als ehemaliger Unterhemer sollte Hr. Dietrich viel Wert darauf legen, möglichst viel Kompetenz um sich zu scharren. Leider ist dem nicht so.

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