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Wolfgang Dietrich in der Höhle der Löwen

Der VfB ist „leicht hinter dem Zeitplan“, schrieb kürzlich Heiko Hinrichsen von der StZ/StN in Bezug auf die Pläne, neben Daimler einen weiteren Kapitalgeber zu finden. Der zweite Investor sollte ursprünglich im Herbst 2017, spätestens nach der Sommerpause 2018 vorgestellt werden. Wolfgang Dietrich hat sich die Suche nach Investoren nach eigener Aussage nicht so schwierig vorgestellt, wie er im März bei „Talk im Turm“ des Marketingclub Stuttgart/Heilbronn sagte. Woran liegt es, dass sich der VfB in Person des Präsidenten so schwer tut?

Da ist zum einen der sportliche Misserfolg. Mit einem Tabellenletzten oder zumindest Abstiegskandidaten schmückt sich keiner gerne. Zum anderen ist die öffentliche Wahrnehmung des VfB auch nicht die Beste, man denke nur an die „Wahrheitsbeugung“ und die kolportierte Einmischung von Michael Reschke in die Entscheidungen des Trainers Tayfun Korkut. Und das mal alles beiseite gelegt – warum sollte sich überhaupt ein Investor in der VfB Stuttgart 1893 finanziell engagieren?

Bei Daimler ist es einfach beantwortet: Das Clubheim ist ein Steinwurf vom großen Stern entfernt und mit einer Beteiligung verhindert „der Daimler“, dass sich womöglich namhafte Konkurrenten direkt gegenüber einnisten. Es ist also eine Mischung aus Goodwill und Verteidigung. Die gerne genannten regional verwurzelten Unternehmen wie Bosch, Würth, Kärcher, EnBW, BW-Bank, Mahle, Dürr, Bosch usw. stehen dem VfB sicher ebenfalls wohlwollend gegenüber, aber es gibt anscheinend keinen Grund, sich (weiter) zu beteiligen. Welchen auch?

Deswegen sucht Wolfgang Dietrich mittlerweile nicht mehr nur in der Region, sondern weltweit nach Investoren. Aber was passiert, wenn auch chinesische Kühlschrankhersteller, katarische Milliardäre und russische Oligarchen absagen? Eine innovative Lösung muss her!

Deshalb ging der Präsident einen völlig neuen Weg, er ist ja bekannt, ungewöhnlich zu denken und zu handeln. Außerdem erinnerte er sich an ein Zitat von Jan Schindelmeiser: „Der VfB muss wie ein Start-up denken.

Gesagt, getan: Dietrich präsentierte sich und den VfB Stuttgart in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Wer’s nicht kennt: In der Sendung des Senders VOX werben Erfinder und Unternehmensgründer um Risikokapital, um mit ihren Unternehmen zu wachsen. Sie stellen ihre innovativen Geschäftskonzepte den „Löwen“ vor und bieten ihnen Geschäftsanteile in Relation zum ermittelten Unternehmenswert an. Die „Löwen“ sind „prominente“ Investoren, die eigenes Geld in Unternehmen und Projekte ihrer Wahl investieren und diese mit ihrer Erfahrung fachlich begleiten.

Lange sah es nicht so aus, als ob Dietrich und sein Vorstandskollege Stefan Heim mit ihrem Pitch bei „Die Höhle der Löwen“ erfolgreich sein würde. Dabei war ihre Präsentation unter dem Motto „Ja zu noch mehr Erfolg“ durchaus überzeugend. Vor allem die Erklärvideos kamen gut an.

Frank Thelen, Spezialist für Start-Ups, reagierte so:

„Wenn ich Investoren suche, sollte ich in drei bis vier Sätzen glasklar sagen können, was mein Konzept ist. Sorry, Herr Dietrich, von mir bekommen Sie ein Nein!“

Judith Williams startete 1999 als Verkäuferin bei einem Teleshopping-Sender, singt mit ihrem Vater Opern und ist Unternehmerin. Sie konnten Dietrich und Heim ebenfalls nicht überzeugen:

„So geht das nicht, man muss doch ehrlich sein mit den Leuten!“

Auch Ralf Dümmel, ein international erfolgreicher Unternehmer, stieg nicht beim VfB ein:

„Erfolg kann man nur im Team haben, da sehe ich hier große Defizite. Von mir gibt es ein Nein!“

Georg Kofler, einstiger Pro-Sieben-Chef, der jetzt irgendwas mit Social Media macht, hatte ebenfalls andere Pläne:

„Mit Fußball fange ich nichts an. Die Zukunft liegt in Social Media und Influencer Marketing. Aber melden Sie sich, wenn Sie spielerfrauen.tv richtig groß aufziehen wollen!“

Als letzter kam Carsten Maschmeyer an die Reihe, der ein riesiges Vermögen mit dubiosen Methoden im Vertrieb von Anlagemodellen verdient hat.

„Genau mein Ding!“

Er knüpfte seinen Einstieg mit 51 Millionen aber an Bedingungen: Einen Sitz imAufsichtsrat UND im Vorstand der VfB AG. Und für seine Frau Veronica Ferres  einen Stammplatz in der Sansibar und eine Platin Card beim Breuninger.

Dass Maschmeyer ein enger Vertrauter von Hannovers Präsident Martin Kind ist, sorgte zwar für Irritationen unter den VfB-Fans, stand dem Deal jedoch nicht im Weg. Zum Glück. Denn mit Maschmeyer fand der VfB nicht nur seinen zweiten Investor, sondern auch den Mehrwert, nach dem man lange suchte. Denn Maschmeyers Kontakte in die Finanzwelt können wichtig werden, wenn man weitere finanzielle Unterstützung benötigt. Und nach seinem Umzug von Hannover nach München ist er ja fast schon so etwas wie ein regionaler Partner.

Die Zitate sind so oder so ähnlich in der Show „Höhle des Löwen“ gefallen, allerdings sagte keiner der „Löwen“ dies zu Herrn Dietrich ;-)

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(Titelbild: VOX/Benno Kraehahn)

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1 Kommentare

  1. Lukas Ellerbrok sagt

    Sehr gut geschrieben, hätte glatt so ablaufen können. Ich bin erst bei spielerfrauen.tv stutzig geworden :D

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