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Spielbetrieb aussetzen!

Paris, Valencia, Gladbach: Bei den Spielen der Champions League und dem Bundesliga-Nachholspiel wurde deutlich, da fehlte etwas. Die Emotion. Fußball ist mehr als das Ausspielen eines Ergebnisses, ist mehr als Sieg und Niederlage, mehr als Aufstieg und Abstieg. Es ist Kultur. Und das Publikum in den Stadien macht das Spiel dazu. Zu einem Ereignis, zu einem Gemeinschaftserlebnis. Denn das Publikum interagiert mit den Spielern, in nicht wenigen Spielen beeinflusst es die Partie. Es fehlen das Singen, das Stöhnen, das Schreien, das Jubeln, das Ärgern. „Without fans, football is nothing.“, sagte der berühmte schottische Trainer Jock Stein. Die Zuschauer sind die Seele des Spiels, ohne sie wird Fußball auf seinen Kern reduziert: auf ein Millionenbusiness. Gianni Infantino gefällt das, aber womöglich gibt es etwas, was größer ist als die FIFA.

Das Corona-Virus bringt alles in Gefahr, natürlich auch dieses Millionenbusiness. Deshalb gibt es bis auf weiteres Spiele ohne Publikum, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, denn für DFL-Geschäftsführer Christian Seifert steht es „außer Frage, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss“. Neben dem Business ist der Grund die anstehende EM, die auf den Spielkalender drückt. Realistisch betrachtet darf es diese Europameisterschaft nicht geben. Tausende Menschen reisen durch ganz Europa, treffen sich in großen Mengen auf engstem Raum in Fußballstadien, ein idealer Nährboden für Corona.

Auch und gerade unter dem Eindruck, dass es einen ersten Corona-Fall im deutschen Profi-Fußball gibt (Aktualisierung: kompletter Kader von Hannover 96 14 Tage in Quarantäne!), kann es nur eine Entscheidung der DFL und des DFB geben: Den Spielbetrieb komplett aussetzen! Die Saison sollte zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende gespielt werden. Im Mai, Juni, Juli oder August, wann auch immer. Denn: Ein Derby zwischen Dortmund und Schalke ohne Zuschauer? Sinnlos. Der Abstiegskampf von Werder Bremen ohne Support? Herzlos. Die leidenschaftlichen Spiele von Eintracht Frankfurt vor leeren Rängen? Absurd. Der Kampf von Leipzig um die Meisterschaft ohne die Unterstützung der Fans? Ähem, …

Wenn sich die Lage um das Corona-Virus weiter zuspitzt, ist es auch nicht unrealistisch, dass die Saison komplett und ohne Ergebnis beendet wird. Sportliche Fragen – wer wird Meister, wer steigt auf, wer steigt ab – lassen sich lösen, da kann man sich auf die Kreativität der Fußballverbände verlassen. Aber selbst die schlimmste mögliche Entscheidung, die Saison ergebnislos zu beenden, ist immer noch besser als Spiele ohne Zuschauer!

Hier noch ein lesenswerter Kommentar von Peter Ahrens (Spiegel Online). Die ZEIT schreibt, „wer Geisterspiele veranstaltet, hat das Spiel nicht verstanden“ und „Wenn die Welt ein Virus verkraften will, muss sie auch mal eine Saison ohne Meister aushalten.“

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5 Kommentare

  1. Marcel sagt

    Hinsichtlich die Saison in den Sommermonaten ausspielen: Was passiert mit den Spielern, dessen Verträge im Juni auslaufen?

    • @abiszet sagt

      Gute Frage. Sind ja alle davon betroffen (zB sollte Stenzel zu Freiburg zurückkehren). Dann muss es so Kurzzeitverträge geben, ähnlich wie bei Nat Philipps im Januar bei Liverpool.

  2. Bernd sagt

    Denke dass wir uns noch auf ein weiteres Jahr 2. Liga einstellen dürfen, weil der VfB das größere Zugpferd als Bremen ist und die anderen Zweitligisten deswegen für eine Annullierung der Saison stimmen werden.

    • @abiszet sagt

      Da unterschätzt Du Werder Bremen, die haben Stahlkraft. Was aber für Deine Argumentation sprechen würde: Das Szenario, dass die ersten 3 (oder 4) aus der zweiten Liga aufsteigen und die letzten 3 in der ersten Liga bleiben, ist eher unwahrscheinlich.

      • Bernd sagt

        Die UEFA-Lösung wäre eine 1. Liga mit 20 Vereinen bestehend aus den ersten 17 der abgebrochenen Saison und drei Aufsteigern. Wenn man dann noch den Abstieg aus Liga 2 aussetzt, könnte das vielleicht sogar mehrheitsfähig sein.

        Lustiges Detail am Rande: Die Tübinger Firma CureVac, die im Rennen um den ersten Corona-Impfstoff ist, gehört mehrheitlich einem gewissen D. Hopp. Wäre ja ein Ding, wenn ausgerechnet seine verhassten Millionen den Ultras ihren geliebten Fußball zurückbringen. Ob es dann „Du Heilsbringer“-Transparente in den Stadien gibt?

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