Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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Korkuts Super-G

Ein kölsches Sprichwort sagt: „Mer muss och jünne künne!“. Der VfB hat einen 1:0 Arbeitssieg gegen Gladbach geholt und dieser Sieg in seinem Heimdebüt ist Tayfun Korkut zu gönnen. Er wurde seit seiner Verpflichtung mit reichlich Shit beworfen, wofür er absolut nichts konnte. Er muss sich nicht rechtfertigen, warum er den Job beim VfB angenommen hat. Das muss die Abteilung direkt über ihm machen. Er muss ihn nur bestmöglich erledigen. Und danach sieht es nach vier Punkten aus zwei Spielen aus.

Korkut lässt von Beginn mit Doppel-G spielen: Mario Gomez und Daniel Ginczek. Die beiden machen dann auch den Unterschied aus, nachdem im besten Spielzug der Saison fast sowas wie One-touch-Fußball gespielt wird: Ballgewinn Emiliano Insua, Direktspiel von Christian Gentner auf Gomez, der durchsteckt auf Ginczek. Ein goldverdächtiger Spielzug.

Gentner. Gomez. Ginczek. 1:0. Das ist für Korkut Poesie, für Gegner Dieter Hecking wohl eher ein Schüttelreim. Bei aller Freude über das Tor und den Sieg ist unübersehbar: Der Fußball, den der VfB spielt, ist derselbe wie unter Hannes Wolf. Nur dass statt den As und Os (Akolo, Donis, Asano, Brekalo) jetzt die Gs im Mittelpunkt stehen. Defensiv weitgehend stabil, offensiv uninspiriert und mit wenig Durchschlagskraft. Es gibt wirklich keinen einzigen Spieler, der eine vernünftige Flanke schlagen kann. Eine Flanke, die Spieler wie Gomez und Ginczek dringend brauchen. Was jedoch auffällt ist das frühe Anlaufen der Gegner, das die Gladbach Defensive immer wieder zu ungenauen Pässen nötigt, die nicht selten im Aus landen.

Wir müssen uns nicht wundern, dass der Fußball immer noch derselbe ist. Die mangelnde Qualität wird gerne mit „Das ist Abstiegskampf“ entschuldigt. Aber, dass in manchen Mannschaftsteilen Qualität fehlt, war auch schon vor dem Trainerwechsel für jeden ersichtlich – außer für Sportvorstand Michael Reschke vielleicht. Als Neuerung führt Korkut deshalb ein Außenseiter-Stilmittel ein: lange und hohe Bälle auf Gomez und Ginczek. In der Hoffnung, dass die den Ball irgendwie festmachen oder ein zweiter Ball von Christian Gentner oder Erik Thommy verarbeitet wird. Das klappt leidlich, nimmt zumindest Druck von den Aufbauspielern, die damit ohne schlechtes Gewissen den Ball einfach weit schlagen können. Vor allem Andi Beck macht gerne Gebrauch davon. So wie ich Tayfun Korkut wünsche, dass er seinen 2,0 Punkte-pro-Spiel Schnitt beim VfB hält, so sehr wünsche ich mir, dass Andi Beck mal wieder das Selbstvertrauen bekommt, um das zu spielen, was er kann. Aber gegen Gladbach ist seine Verunsicherung nach der ersten misslungenen Aktion fast greifbar. Er will den Ball eigentlich gar nicht haben und ist froh, wenn er ihn schnellstmöglich wieder los wird. Das ist schade, denn er kann das besser. Viel besser.

Vier Punkte nach dem Trainerwechsel, alles richtig gemacht?
Ja, dafür können sich die VfB-Verantwortlichen feiern lassen. Aber gefeiert wird trotzdem nicht im Neckarstadion: Es herrscht eine merkwürdige Stimmung. Laut und frenetisch wie am Anfang der Saison ist es nicht, aber auch keine Wut und keine Pfiffe, wenn man von denen gegen Beck absieht. Die letzten Wochen mit der Entlassung Wolfs, der Verpflichtung Korkuts und den ganzen kommunikativen Begleiterscheinungen („Jeder VfB-Fan steht in der Pflicht, das Team zu unterstützen“, „Insgesamt bekommen wir mehr Zuspruch als Gegenwind“) haben ganz offensichtlich ihre Spuren hinterlassen. Wo mal Euphorie herrschte, scheint sich nun Pragmatismus breit zu machen: Die drei Punkte werden bejubelt; mehr aber auch nicht. Ein Stimmungslage, die für den VfB im Abstiegskampf nicht förderlich ist, die der VfB sich aber selbst eingebrockt hat. Nicht nur das Management, sondern auch die Spieler mit einigen blutleeren Auftritten. Es schien fast so, als sei ihr Motto „Dabei sein ist alles“ gewesen und nicht „Höher, schneller, weiter“.

Aber das wollen wir nicht vergessen: Richtig gut coacht allerdings Korkut in der zweiten Hälfte sein Team. Er reagiert mit der Einwechslung von Holger Badstuber und der Umstellung auf 5er-Kette auf die Gladbacher Drangperiode und zieht den Fohlen damit den Zahn. Der VfB schafft es tatsächlich, nicht einzufädeln und zu straucheln wie so oft, wenn er eine Führung verwalten will und kommt als erster ins Ziel. Warum Korkut dabei Ginczek 90 Minuten durchspielen lässt und nicht durch einen Konterspieler wie Akolo oder Donis ersetzt: Er wird seine Gründe haben.

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3 Kommentare

    • @buzze sagt

      Ginczek hat die letzten 15 Minuten im rechten Mittelfeld gespielt. Da hat er doch ohnehin keinen Innenverteidiger mehr gebunden.

  1. AlexU sagt

    Zum Thema Flanken: Meine Hoffnung ist, dass mit Thommy wieder mehr Gefahr vor das gegnerische Tor kommt. Vor allem bei Standards. In Wolfsburg gab‘s endlich wieder gute Ecken, von rechts. Erst mal die Basics verbessern, danach gerne wieder zaubern…

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