Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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Super, Mario!

Wir VfB-Fans sind leicht zu emotionalisieren: Nach fünf Niederlagen in der Hinrunde kann man den Aufstieg vergessen, beim ersten Rückpass auf den Torwart wird gepfiffen und wenn Mario Gomez fünf Tore schießt (vier durch VAR annulliert), dann wird sofort von „Fußball-Gott“ gesprochen. Oder eher geschrien, wie die beiden Jungs hinter mir, die bei jeder Ballberührung von Gomez brüllten (erst der eine, dann der andere): „Mariooooo Fußballgott!!!“ Als er ausgewechselt wurde, flüsterten sie: „Hoffentlich verlieren wir das nicht noch!“ Ja, wir kennen nur schwarz oder weiss, grenzenlose Euphorie oder bodenloses Gebruddel. Vor einigen Wochen war Mario Gomez noch der Stolper-Hannes seiner Anfangszeit, nur mittlerweile zu alt, zu langsam, zu satt, zu teuer, zu irgendwas. Jetzt ist er der Mann, der den VfB mit einem Tor (und einem aberkannten) sowie einem genialen Assist wieder in die Spur bringt.

Trainer Tim Walter hat begriffen, dass Gomez das emotionale Herz der derzeitigen VfB-Mannschaft ist bzw. sein kann. Er muss bei Laune gehalten werden und er muss spielen. Walter braucht die Gomez-Tore. Denn ohne positive Resultate heißt es auch für den Trainer schnell: Game over. Okay, Gomez ist nicht mehr so spritzig wie vor ein paar Jahren und von Handlungsschnelligkeit kann man auch nicht mehr sprechen. Aber er kann immer noch Spiele entscheiden. Mit Toren, mit Ehrgeiz und mit Mentalität. Wenn er spielt, muss er eingesetzt werden, dann braucht er auch Flanken und passende Zuspiele. Nicht die Halbfeldflanken von Borna Sosa und Pascal Stenzel, die gegen Nürnberg entweder zu weit, zu hoch oder auf Sackhöhe gespielt wurden. Es braucht auch keinen Santi Ascacibar, der auf dem Flügel das Spiel breit machen soll. Und auch keinen Philipp Förster, der entweder am Gegenspieler hängen bleibt oder gleich quer oder zurück spielt. Und auch keinen Daniel Didavi, der plötzlich neben Gomez in der Spitze auftaucht anstatt das Spiel zu bestimmen. Gomez braucht einen Nebenmann, der für ihn auch einmal Räume generiert, und er braucht Zuspiele, bei denen er mit einem Kontakt abschließen kann. Eine Rolle, die eventuell Nicolas Gonzalez einnehmen kann, der gegen Nürnberg 90 Minuten auf der Bank saß.

Gereift und gelassener ist er geworden. Vielleicht sogar etwas zu sehr. In den letzten Wochen wirkte es gar so, als ob er nur noch das Maskottchen beim VfB sei. Sein üppiges Gnadenbrot genießend und ansonsten für die jungen Spieler den Elder Statesman mimend. Aber wenn ihm drei Tore in einem Spiel aberkannt werden, dann er ist er wieder da: der frühe Gomez. Der Gomez, der geil auf Tore ist. Der es hasst, wenn ihm Tore geklaut werden. Als er im Winter 2017 zum VfB zurückkehrte, da sagte er noch: „Solange ich spiele, will ich ein entscheidender Spieler sein“. Und der damalige Coach Hannes Wolf meinte: „Es geht darum, dass wir ihm die Möglichkeit geben, seine Qualität auszuschöpfen“. Unter Tim Walter hatte er bisher kaum Chancen zu zeigen, dass er es noch kann. Das 2:1 gegen Nürnberg war erst sein zweiter Treffer in dieser Saison (der erste am ersten Spieltag!). Oskar Beck schrieb einmal über Gomez in der Nationalmannschaft: „Er ist das Gegengift für die brotlose Zauberei“. Aber es stimmt noch heute beim VfB: Anstatt immer wieder hinten rum zu spielen, klein-klein, quer und zurück, braucht es Entschlossenheit im Abschluss. Beim VfB gibt es keinen, der das mehr verkörpert als Gomez. Aber man darf ihn da vorne nicht alleine lassen. Dann verliert Gomez nicht nur die Lust, auch seine Abschlussqualitäten kommen kaum zur Geltung.

„Ich bin nicht gekommen, um den Gute-Laune-Bär zu spielen oder um Fritzle zwei zu machen!“, auch das sagte Gomez als er 2017 heim kam. Wenn er die Gelegenheit bekommt, regelmäßig zu spielen und er entsprechend eingesetzt wird, dann ist er nicht Fritzle, sondern kann wieder zum Super-Mario werden und dem VfB Stuttgart dabei helfen, das nächste Level zu erreichen: die Bundesliga. Der Schurke VARio scheint besiegt – vorerst …

Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Unsere vertikalen Rückblick in GIFs auf das letzte Heimspiel des Jahres findet ihr hier.

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  1. Richard K. sagt

    (rk) Eine Achterbahnfahrt, ein Spiel mit zwei sehr unterscheidenden Halbzeiten erlebten die Zuschauer beim Heimspiel unseres VfB gegen die Gäste aus Nürnberg. Dass das Spiel vor allem in der ersten Hälfte eine eklatante Leistung des VfB aufwies, mag sicherlich beim einen oder anderen Fan aufgrund des letztlich sehr verdienten Heimerfolg in Vergessenheit geraten, bei mir blieb das allerdings fast genauso stark hängen, wie die sehr große Freude über das erzielte positive Ergebnis. Gleich von Beginn an zeigte sich, dass sich die negativen Erlebnisse, welche die Mannschaft die letzten Spiele gegen vermeintlich schlagbare (vermeintlich!) Gegner erreichte, noch omnipräsent in den Köpfen unserer Jungs befand und sich dies dann natürlich auch auf die Spielweise auswirkte. Die Mannschaft zeigte sich anfangs sehr gewillt, jedoch auch gehemmt. Fehlendes bzw. zu geringes Laufspiel ohne Ball machten es für den Ballführenden extrem schwer, ein brauchbares Anspiel zu tätigen. So kam es nach einer gewissen Ungeduld desjenigen, der gerade im Besitz des Balles war, zu einem langen, meist diagonal geschlagenen Balles, welcher an diesem Abend nur selten sein anvisiertes Ziel fand. Apropos Ungeduld. Was bitte war das denn für ein Auftritt der Zuschauer. Ich nenne Euch jetzt bewusst Zuschauer, denn die Bezeichnung „Fans“ habt ihr am Montag nicht verdient. Nur weil die Mannschaft verunsichert ist oder war und nicht nach 20 Minuten schon „Budenzauber mit Hacke-Spitze-Trallala“ aufgeführt habt, pfeift ihr sie aus?! Sagt mal, geht´s noch?! Habt ihr selber denn nie einen Ball am Fuß gehabt? Habt ihr Euch nie in einer unsicheren Situation befunden? Wenn doch, was hilft dann am allerwenigsten?! Tzzzz…unglaublich. Wo sich die wirklich Fans im Stadion befinden, das war am Montag wieder deutlich zu erkennen. Nun aber wieder zurück zum Spiel: Der Gegentreffer, welchem drei gravierende Fehler vorausgingen, führte dann natürlich nicht dazu, dass unsere Mannschaft, unser VfB, an Sicherheit gewann. Fehler 1: Castro wurde beim Angriff in der Hälfte des Clubs attackiert, wollte dann aber den Angriff zu Ende bringen, dieser endete jedoch im ballbesitz für die Franken. Cleverer wäre „vielleicht* gewesen, den Freistoß auf der Habenseite zu verbuchen. Fehler 2: Badstuber rückt viel zu unnötig übermotiviert aus der Viererkette heraus und ermöglicht so dem Club einen freien Raum in einer gefährlichen Zone. Fehler 3: Hätte Castro gegen Geis das Kopfballduell nicht mit einem hohen Bein bestreiten wollen, hätte dieser entscheidende Zweikampf, welcher verloren ging, ausgereicht, das letztliche Tor für Nürnberg vermutlich verhindern können. So ging der VfB, welcher sich auch nach dem Führungstreffer der Gäste weiter bemüht, aber ideenlos gezeigt hatte, in die Halbzeitpause. Begleitet wiederum mit (nicht akzeptablen!) Pfiffen. Trotz des „nicht so ganz tollen“ Auftritts in der 1.halbzeit waren doch einige Fans (Cannstatter Kurve) guten Mutes, das Spiel am Schluss doch als Sieger verlassen zu werden. Vielleicht war es nur Hoffnung, vielleicht aber auch der Glaube an unsere Mannschaft. Keine Ahnung, Letztlich zählt nur der weitere Spielverlauf, welchen wir ja inzwischen alle kennen. Dass sich dieser dann in eine positive bahn verschoben hat, dafür zeigten sich für mich am Montag mit ihrer Körpersprache Marion Gomez sowie Santiago Ascacibar verantwortlich. Beiden war anzumerken, dass sie sich gegen eine drohende Niederlage wehren, sich gegen eine solche stemmten. Positiv in Erscheinung trat auch wieder Endo, dem es immer wieder gelang, durch gewonnene Zweikämpfe bereits die Ansätze des Gegners, welcher wie viele Mannschaften zuvor in dieser Saison als Taktik nur das Abwarten auf Fehler des VfB aufboten, schon zunichtemachen konnte. Unglücklich war auch am Montag wieder, wie eine Woche zuvor in Sandhausen ebenfalls geschehen, das permanente Eingreifen des Videoschiedsrichters. Ich möchte mich in keinem Fall einer Diskussion anschließen, ob dieser wieder abgeschafft werden soll. Ich bin absolut der Überzeugung, dass durch dessen Einführung der Fußball deutlich weniger Fehlentscheidungen aufzeigt und somit gerechter wurde. Ich prangere allerdings an, dass durch diese gefühlte Ewigkeit, bis letztlich eine finale Entscheidung getroffen wird, eines verloren geht, was beim Fußball, was für uns Fans unabdingbar ist: Emotionen. Wenn Du als Fan nicht mehr weißt, wenn Du Dir unsicher bist, ob Du bei einem erzielten Treffer Deiner Mannschaft jubeln darfst bzw. sollst, dann läuft etwas gravierend schief. Hier ist eine Überarbeitung des Zusammenspiels der spielleitenden Personen zwingend und dringend erforderlich. Dank einer VAR-Entscheidung kamen wir durch einen völlig berechtigten Elfmeter, welchen der zur Halbzeit eingewechselte Silas Wamangituka sicher verwandelte. Kurze Zeit später hörte man im Stadion neben einem ausschweifenden Jubel auch ca. 44.000 Steine vom Herzen fallen. „Marion Gomez“ – „Mario Gomez“ – „Mario Gomez“ erzielte einen sowohl regulären, als auch entscheidenden Treffer. Jeder, der sich dem roten Brustring verschreiben hatte, vergönnte ihm das Tor. Jeder hatte die letzten Spiele mit ihm, der sich die ganze Saison schon über vorbildlich der Mannschaft, dem Verein gegenüber fair verhalten und immens viel unberechtigte Kritik einstecken musste, mitgelitten. „Tor durch Mario Gomez“ – geil! Spätestens nach dem Doppelschlag legte der VfB spielerisch und mental ein anderes Gesicht an den Tag. Es kam ab dann, trotz weiterer spielerischer und technischer Unzulänglichkeiten, kaum noch Zweifel daran, wer mit stolzer Brust und als Sieger das Spiel beenden wird. Als dann Philipp Förster ca. 20 Minuten vor Spielende das dritte Tor erzielte, war das „Wiesle gemäht“, war „der Deckel drauf“ und Nürnberg hatte, wie fast den ganzen Abend lang, nichts mehr entgegen zu setzen. Nun, was bleibt vom Montag hängen: Anfängliche Unsicherheit gepaart mit fehlenden Ideen, eine Schar fragwürdiger VfB-Stadionbesucher und dosierte Emotionen aufgrund des Videoschiedsrichters. Dagegen stehen aber auch ein hochverdienter Sieg, eine tolle Moral in Halbzeit 2, ärmelhochkrempelnde Spieler die auch an der Eckfahne gallig Zweikämpfe gewinnen wollten und dies taten sowie der entscheidende Treffer von wem? Richtig, von „Marion Gomez“. Vielleicht gelingt es uns nun, die positiven Aspekte aus dem Spiel am kommenden Montag nach Darmstadt zu transportieren und die definitiv erforderlichen, wie in Spielabschnitt 2 aufgezeigten Grundtugenden zu wiederholen und die Rückreise mit 3 Punkten im Gepäck zu bestreiten. Dafür wird es aber nötig sein, den Schalter der am Montag offenbarten spielerischen Mängel auf Ideen und Klarheit, auf Mut, Tempo und Zielstrebigkeit umzulegen. Dann, vermutlich aber nur dann, kann und wird der Sieger VfB Stuttgart heißen. Daran habe ich keinerlei Zweifel #vfbcannstatterkurve

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