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Präsident mit Probezeit

„Hey, alles glänzt, so schön neu. Hey, wenn’s Dir nicht gefällt, mach’ neu!“

Der VfB muss Fan von Peter Fox sein, denn alles neu zu machen und Neuanfänge auszurufen, darin ist der Club gut. Nach der bleiernen Zeit unter Gerd E. Mäuser, die triumphale Wahl von Bernd Wahler. Nach dem deprimierenden Abstieg die Installation des „Machers“ Wolfgang Dietrich. Von Sport-Vorständen einmal ganz abgesehen: Fredi Bobic, Robin Dutt, Jan Schindelmeiser, Michael Reschke, Thomas Hitzlsperger. Immer wenn der Neue kam, sollte alles besser werden. Aber der VfB spielt in der zweiten Liga und das nicht einmal besonders gut, auch wenn er in der Spitzengruppe der Tabelle steht.

Jetzt also der neue VfB-Präsident Claus Vogt, unter dem alles besser werden soll. Die Fallhöhe nach dem ungeliebten Wolfgang Dietrich ist nicht sehr hoch, die Erwartungen allerdings schon. Vogt hat nicht gerade gesagt, „Ich seh‘ besser aus als Bono und bin ’nen Mann des Volkes. Bereit die Welt zu retten, auch wenn das zu viel gewollt ist!“ (Peter Fox), aber er hat die VfB-Mitglieder mit seiner präsidialen, aber auch leicht pomadigen und floskelhaften Rede überzeugt und ließ Christian Riethmüller knapp hinter sich. Der legte einen kämpferischen, emotionalen, fast mitreissenden Auftritt hin und es ist zu hoffen, dass er dem VfB auf irgendeine Weise erhalten bleibt. Er scheint ein unbequemer und kantiger Geist zu sein, so einen könnte der VfB brauchen.

Sportlich gab es schon zu Saisonbeginn einen Neuanfang, eben mit Hitzlsperger, Sven Mislintat und Tim Walter und einem runderneuerten Kader. Auf administrativer Ebene sind seit vielen Jahren die Gesichter gleich, die Positionen in Vorstand und Aufsichtsrat in ihrer Zusammensetzung nahezu unverändert. In sofern ist es eher ein Neuanfängle und Vogt muss erst einmal schauen, wie seine Einflussmöglichkeiten sind. Und wer weiss: Womöglich hat er bis dato auch noch keinen Einblick in Satzung und Geschäftsordnung von AG und Aufsichtsrat erhalten, weil der VfB in der Zwischenzeit Änderungen genau dort vorgenommen hat? Bisher war alles auf die Herren Wolfgang Dietrich und Wilfried Porth zugeschnitten, der Präsident und der Vertreter des Ankerinvestors konnten unter anderem mittels des Präsidialrats (mit Hermann Ohlicher) schnell und zügig und immer einstimmig entscheiden.

Claus Vogt hat rund zehn Monate, seine Duftmarke beim VfB zu hinterlassen, dann ist die nächste Mitgliederversammlung. Insofern agiert er mit einer leicht verlängerten Probezeit. In der muss er die angedeutete Idee der Mittelstands-Investorengemeinschaft mit Leben erfüllen, Fan-Nähe auch ausserhalb des Wahlkampfs zeigen, den Stadionumbau moderieren und die Supporter beteiligen mit der von ihm angedachten „Fan-Abteilung“. Vogt kommt aus der Mitte des Clubs, kennt alle handelnden Figuren aus seiner Zeit als er dem Mitgliederausschusses angehörte. Er ist also kein Neueinsteiger wie es Riethmüller gewesen wäre. Das kann ein Vorteil sein, weil er die Strukturen und Befindlichkeiten beim VfB schon kennt.

„Mir platzt der Kopf, alles muss sich ändern!“, es wäre nicht überraschend, würde Vogt diesen Satz von Peter Fox in seiner Präsidenten-Probezeit sagen. Es wird darauf ankommen, welchen Gestaltungs- und Veränderungswillen der neue Präsident an Tag legt. Dass er ein integrer Mann mit Haltung ist, dass es ihm um den VfB geht, das ist unstrittig. Wie viel er konkret bewirken kann, darauf wird es ankommen. Vogt ist das genaue Gegenteil seines Vorgängers Dietrich: kein Egozentriker, sondern Teamplayer. Nicht stur und ignorant, sondern interessiert an Menschen und an deren Meinungen. Er wird ein Präsident sein, der nicht sich, sondern den VfB in den Mittelpunkt stellt. Ein großer Schritt für den VfB. Hoffentlich auch ein erfolgreicher. Doch bei aller Wertschätzung für Vogt muss er nun zeigen, dass er schönen Worten auch Taten folgen lässt, dass er sich meinungs- und durchsetzungsstark innerhalb der Gremien des VfB zeigt. Dann wäre seine Wahl wirklich so etwas wie ein Neuanfang für den VfB.

Bild: imago images / Sportfoto Rudel

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8 Kommentare

  1. Hulkster sagt

    Eigentlich gehört der neue Präsident ja schon lange zum alten Netzwerk in der Mercedesstrasse.
    Warum sollte sich hier jetzt überhaupt etwas ändern?
    Es wäre mir nicht bekannt das er in sich in den bisherigen Gremien in welchen er aktiv war kritisch gegenüber dem Vereinsvorstand geäußert hätte.
    Im Wahlkampf hat er keinerlei Kanten gezeigt nur den Cem Özdemir für die Sportkompetenz mit auf die Agenda genommen? Da wünsch ich mir einen MV zumindest mal als Kandidaten zurück.
    Seht es mir nach, ich bin ein alter, weisser Mann jenseits der 40 und interessiere mich im Kontext mit dem VFB mehr für den Profifussball als für den Gendertalk der hier im Wahlkampf im Vordergrund stand.

    • @abiszet sagt

      Hi Hulkster, dem Vernehmen nach hat sich Vogt durchaus im Mitgliederauschuss kritisch geäußert. Im Wahlkampf agierte er cleverer als Riethmüller und für die Sportkompetenz hat er eher Rainer Adrion angekündigt. Schaun mer mal. Klar geht es in erster Linie um Profifußball (wohl auch bei allen unter und über 40 ;-), aber wir haben ja gesehen, welchen Einfluss das Präsidentenamt in der Vergangenheit hatte. Warten wir es ab.

  2. Vogt ist ein Schwätzer, der mit den Namen Adrion, Özdemir und Hofbräu die Mitglieder für sich willig gemacht hat. Schade, wenn es so einfach ist beim VfB Präsident zu werden!

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