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The Big Mislinbowski

Sven Mislintat ist kein cooler, dauerkiffender Althippie, wie Jeff Bridges in „The Big Lebowski“. Aber schlurfender Gang, Haare, Bart und Kleidungsstil erinnern definitiv ein bisschen an die Hauptfigur aus dem Kinofilm der Coen-Brüder. Und lässig wirkt das VfB-Diamantenauge auf jeden Fall. Mislintat ist ein nicer Dude, der im Moment abliefert like Hell. Zuletzt mit den Neuzugängen Nathaniel Philips, Wataru Endo und Silas Wamangituka. Mislinbowski hat den VfB-Kader ohne Kompromisse einmal auf links gedreht. Das Ergebnis ist eine Truppe, die dem Trainer Tim Walter große Möglichkeiten bietet.

31 Spieler umfasst die Gruppe, mitgezählt der vierte Keeper Sebastian Hornung, die Verletzten Marcin Kaminski und Sasa Kalajdzic, die Nachwuchskräfte Antonis Aidonis, David Grözinger und Luca Mack sowie den muffigen und abwanderungswilligen Tassos Donis. So ein nicer Dude ist Mislintat also doch nicht, denn es wird Härtefälle geben, wenn es Spieler nicht einmal mehr in den Spieltagskader schaffen. Die Konkurrenz im Kader ist also groß, keiner kann sich sicher sein und genau das bezweckte Mislintat. Um den Sprung ins Team zu schaffen, müssen die Spieler permanent online sein, Nico Willig gefällt das. Spielern wie Christian Gentner, Dennis Aogo, Andi Beck oder Ron-Robert Zieler vermutlich weniger.

Mislintat hat geliefert. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er plötzlich im Bademantel auf der Trainerbank Platz nehmen würde, um zu begutachten, was Tim Walter aus dem Team herausholt. Aber wie hat Mislinbowski den Kader umgebaut?

Der dufte Dude
Er ist lässig, er ist umgänglich, er geht offen auf alle zu. Ob Mitarbeiter, Fans, Spieler oder Medien.

Der detaillierte Dude
Zu allererst ist Mislintat ein Zahlenfresser. Er kennt jede Passquote, jede Laufstatistik, jede Laktose-Intoleranz von jedem Spieler auf der Welt. Die Daten bilden die Basis für seine Entscheidungen. Viel wichtiger: Er vertraut nicht blind den Zahlen, sondern weiß sie zu interpretieren.

Der diskrete Dude
Lange arbeitet er im Verborgenen, keine Info wird durchgesteckt. Und kommt doch einmal etwas an die Öffentlichkeit setzt Mislintat sein Pokerface auf.

Der Diamond Dude
Er hat ein Auge für Hochkaräter, er weiß, wann Spieler zu funkeln beginnen, wenn ihnen aber noch der letzte Schliff fehlt. Das Ergebnis sind Spieler mit enormem Potential. Das auf den Platz zu bringen liegt nun in der Verantwortung der Spieler – und des Trainers.

The Schwaben Dude
Der Anfang der Transferperiode war von Schnäppchen gekennzeichnet. Hamadi Al Ghaddioui, der Matchwinner von Rostock, kam beispielsweise für gerade mal 300.000 Euro. Atakan Karazor, einer der Schlüsselspieler im Walterball, kostete rund eine Million. Da lacht das Schwabenherz. Dass Mislintat aber auch nicht zögert, in die Vollen zu gehen, zeigt der Transfer von Silas Wamangituka: Da wurde aus dem Sparfuchs der Big Spender: kolportierte 6 bis 7 Millionen zahlte der VfB Stuttgart für den 19-jährigen, an dem nicht nur Schalke, sondern auch Liverpool und Barcelona interessiert waren.

Der drölfte Dude
Er ist nah an der Mannschaft, der 12. Mann im Team. Er ist der erste Förderer und der erste Forderer (ok, der zweite nach Tim Walter). Mislintat hat immer ein Auge auf die Spieler und ein Ohr für sie, ohne sich in die operativen Entscheidungen des Trainers einzumischen.

Das Ergebnis ist ein Kader mit einigen Wundertüten. Die meisten von uns haben viele Neuzugänge nicht gesehen, geschweige denn im Vorfeld gekannt. Natürlich wird nicht jeder neue Spieler zünden. VfB-Fans wissen, dass auch Diamantaugen und Perlentaucher mal daneben liegen. Die Transferoffensive ist deswegen noch kein Grund zur Euphorie, aber es scheint so, als habe Mislinbowski seine Hausaufgaben gemacht. Alle Personalien geben Anlass zur Hoffnung und verleiten fast dazu, von besseren Zeiten zu träumen.

Jetzt fehlt nur noch eins: Erfolg!

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3 Kommentare

  1. drhuey sagt

    Großartig…die Analogie zum besten Film aller Zeiten ;) passt nicht nur wegen der Namensgleichheit des Trainers mit dem Vietnam-traumatisierten, herrlich cholerischen Walter in Big Lebowski.Könnte mir vorstellen, dass es da auch eine Wesensähnlichkeit gibt. Aber bezüglich unseres Dude hatte ich von Anfang an keinerlei Zweifel, was zugegebenermaßen sehr selten vorkommt. Ich habe aus der Ferne auch den Eindruck, dass er richtig Spass hat hier etwas zu entwickeln. Für den nachhaltigen Erfolg braucht es aber jetzt eben auch den Walter und seine Arbeit kann erst später beurteilt werden. Die Positionswechsel und Bsllbesitzquoten kann jeder sehen, aber die Durchschlagskraft fehlt (wie letzte Saison) und die Rückwärtsbewegung ist nicht gut. Klar ist, dass es länger dauert bis eine Mannschaft das System mutig annimmt und nach vorne den Ballverlust mutig riskiert und/oder die Laufwege präziser aufeinander abgestimmt sind. Da vergehen noch 5-6 Monate. Und möglicherweise geht die Entwicklung mit Härtefällen einher (denke, dass Walter seinen Schlüsselspieler bald opfern muss, da die Position zu wichtig ist) , aber der neue Geist mit jungen hungrigen Spielern und einer neuen, frischen Führung (WTF is Dietrich ?) macht mir wahnsinnig Spass !

    • Clemens sagt

      Zugegeben, die meisten von uns (mich eingeschlossen) haben auch bei den Transfers von Reschke vor einem Jahr gestaunt und vermutlich auch geklatscht. Aber die damaligen Erwartungen waren auch ein Stück weit an die für VfB Verhältnisse hohen Ablösesummen geknüpft. Heute kann man die Summe der Transfers durchaus als interessanten Mix aus Risiko Fonds und staatlichen Pfandbriefen bewerten (wenn eine solche Analogie zulässig ist). Sollte sich z.B. ein Karazor am Ende doch nicht als das strategische Mastermind von Walter entpuppen, dann sind schlimmstenfalls 1.000.000 Euro verbrannt worden. Demgegenüber empfinde ich Transferflops wie Maffeo oder auch Castro als deutlich schlimmer. Aber über allem steht schlussendlich dennoch nur der erfolgreiche Aufstieg in diesen oder spätestens im nächsten Jahr. Und Walter, Hitzlsperger und Mislintat haben für den von ihnen eingeschlagenen Weg unser volles Vertrauen verdient.

  2. Steffen sagt

    „Um den Sprung ins Team zu schaffen, müssen die Spieler permanent online sein, Nico Willig gefällt das. Spielern wie Christian Gentner, Dennis Aogo, Andi Beck oder Ron-Robert Zieler vermutlich weniger.“
    Diese Formulierung am Ende des zweiten Absatzes kapiere ich nicht, von denen ist doch schon längst kein einziger mehr da, und Nico Willig trainiert wieder die U19. Ich dachte erst, der Artikel wäre vom Frühjahr. Aber laut Kopfzeile ist er vom 14. August…

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