Spielbericht, VfB
Kommentare 8

Das neue TK Maxx-Prinzip beim VfB Stuttgart

Einst hieß es, der VfB sei keine normaler Absteiger. Dann hieß es, er sei kein normaler Aufsteiger. Und vielleicht stimmte das sogar. Doch unter Tayfun Korkut ist das anders:

Endlich spielt der VfB so wie ein Aufsteiger nun mal spielt. Spielverzögerungen, taktische Fouls, Spielunterbrechnungen ohne Ende, Diskussionen mit dem Schiri, Standardsituationen ziehen. Der Korkut-VfB ist unangenehm zu spielen, er ist ein ekliger Gegner, manchmal wirkt es fast so, als ob da 11 Santi Ascacibars auf dem Feld stehen. Beim Gegner und seinen Fans löst diese Spielweise jedenfalls Brechreiz aus. Spätestens, wenn der Schiedsrichter zum 27. Mal auf Foul an Gomez entscheidet. Und das ist gut so. Denn aus nur drei Toren hat der VfB so sieben Punkte geholt. Dank der Qualität von Gomez und Daniel Ginczek, vorne aus wenig viel zu machen. Und wenn man sich wünscht, dass nach 65 Minuten Donis oder Akolo zur Entlastung kommen, parkt Korkut den VfB-Bus im Strafraum und macht die Vierer- zur Achterkette. Das ist das neue TK Maxx Prinzip beim VfB. Selten schön, aber aktuell ziemlich erfolgreich.

Aber dafür musste der Trainer gewechselt werden?
Hannes Wolf war vielen zu defensiv in der Ausrichtung und was macht Tayfun Korkut? Ihm ist dieses Gerede egal, er ist in seiner Denkweise fast noch sicherheitsorientierter. Egal ist ihm auch, dass er seine Aussagen in Interviews und PKs nach nur einem Spiel widerlegt: Er sagte, er halte nichts davon, Spieler nicht auf ihre angestammte Position zu stellen. Trotzdem lässt er gegen Wolfsburg Christian Gentner erstmals in seiner Karriere als Neuneinhalb spielen und stellt Holger Badstuber gegen Augsburg auf die 6. Aber: Der Erfolg gibt ihm recht. Sieben Punkte in drei Spielen, Respekt!

Entscheidend kann allerdings eine Umstellung sein, mit der er sich von seinen ganzen Vorgängern unterscheidet: Korkut hat erkannt, dass Christian Gentner kein Sechser ist. Ob Holger Badstuber und Dennis Aogo Sechser sind, lassen wir mal außen vor. Aber sie machen es aus Korkuts Sicht wohl besser als Gentner und sind seiner Meinung nach auch besser als Orel Mangala und Dzenis Burnic. In der Offensive hingegen kippt der VfB von einem Extrem ins andere: Statt Chancenarmut gibt es gegen Augsburg hochkarätige Möglichkeiten am laufenden Band. Verwertet wird eine einzige. Der Rest ist fast schon Slapstick. Hier muss sich Korkut etwas überlegen. Denn, alte Fußball-Weisheit: Solange man vorne nur ein Tor macht, muss man hinten zu Null spielen. Jedenfalls, wenn man gewinnen will. Gegen die Augsburger scheint das der Viererkette auch nicht sonderlich schwer zu fallen, aber man darf nicht damit rechnen, dass es gegen Frankfurt ähnlich einfach wird.

Und so wird Tayfun Korkut zum zweiten VfB-Trainer überhaupt, der in Augsburg gewinnen kann. Der erste und bisher einzige: Bruno Labbadia. Und neben der optischen Ähnlichkeit der beiden gibt es noch weitere Parallelen: Nichtssagende Pressekonferenzen, (zu) späte Wechsel und … Erfolg. Wird Korkut der nächste Labbadia? Oder ist das TK Maxx-Prinzip nicht nachhaltig genug? Denn auf der anderen Seite gab es ja schon mal einen Trainer, der sensationell in die Rückrunde startete und den VfB dann am Ende der Saison stabil auf Platz 17 ablieferte. Damals hatte man nach 23 Spieltagen übrigens einen Punkt mehr als jetzt auf dem Konto.

Der Klassenerhalt ist also noch lange nicht geschafft, auch wenn es zehn Punkte auf einen direkten Abstiegsplatz und nur neun zu einem Europa League-Rang sind. Aber alleine schon der knappe Vorsprung auf den Relegationsplatz zeigt, dass der VfB genauso unbequem bleiben muss wie er aktuell ist.

Und, wenn Korkut das TK Maxx Prinzip noch optimiert und häufiger Fußball gespielt wird so wie vor der vergebenen Großchance von Mario Gomez heute, dann beschweren wir uns natürlich auch nicht.

Aber jetzt feiern wir erstmal den ersten Auswärtssieg und zehn Punkte Vorsprung auf den HSV! Allerdings nicht so wie Flo, der am Tag vor dem Spiel angekündigt hatte, den ersten Auswärtssieg mit einem Schneeengel zu zelebrieren – oben ohne!

Darf gerne geteilt werden:

8 Kommentare

  1. Korkut hat mehr verändert, als das, was ihr beschreibt. Ich denke an Auswärtsspiele unter Wolf, da war Özcan zwar nominell offensiver Mittelfeldspieler, faktisch war er defensiv eingesetzt. Beide echten Stürmer saßen auf der Bank. Der Angriff bestand aus Donis und Akolo. Resultat: Meist lange ein 0:0 gehalten und dann doch verloren. Was mich kolossal genervt hat, war das Aufbauspiel. Unsere kleinen Aussenstürmer wurden ständig hoch angespielt, was zum sofortigen Ballverlust führte!
    Jetzt geht wieder was! Wir haben mit den drei Gs wieder die Lufthoheit! Was die an Bällen sichern ist super.
    Ihr habt ganz offensichtlich Spiele gegen Hoffenheim, Bremen oder Leipzig verdrängt. Wir haben immer ohne nennenswerte Torchance „mitgespielt“, mehr nicht!
    Es wird nicht immer so weitergehen, aber eine Leistungssteigerung war unverkennbar. Jetzt über die vergebeben Torchancen, also das Haar in der Suppe zu jammern ist m. E. nicht richtig. Immerhin haben wir viele herausgespielt. Auch das ist uns unter Wolf gelungen.
    Was mich auch stört ist der Labbadia Vergleich, Korkut hab ich bisher nicht Jammern gehört.
    Wolf war unsere Zukunft. Wir dürfen ihm nachtrauern, aber nicht, in dem wir gute Leistungen in der Nach-Wolf-Zeit als billige Kopie seiner Spielphilosophie darstellen.

    VG
    Arne

    • @buzze sagt

      Hi Arne,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich glaube, der Text kommt viel negativer rüber als er gedacht ist. Die Leistung gegen Augsburg war in allen Belangen top. Dennoch hat der VfB aktuell auch ein wenig das Spielglück auf seiner Seite. Die frühen Tore in den letzten beiden Spielen machen vieles einfacher. Außerdem hatte man jetzt drei Gegner, die keinen guten Tag hatten. Aber 7 Punkte sind sieben Punkte und über die freuen wir uns. Dennoch dürfte Frankfurt eine ganz andere Kragenweite sein.

      Korkut hat zweifellos an den richtigen Schrauben gedreht. Außerdem scheint er sich wirklich nicht um die Befindlichkeiten von Fans oder Spieler zu kümmern. Er zieht sein Ding durch und der Erfolg gibt ihm aktuell Recht.

      Der Vergleich mit Labbadia ist deshalb auch durchaus positiv gemeint. Denn der war doch irgendwie der letzte Trainer, der für Kontinuität und Erfolg stand.

  2. Chris3003 sagt

    Wow! Dieser Artikel ist aber in meinen Augen von einem Profi-Bruddler der VfB-Szene geschrieben: „Endlich spielt der VfB so wie ein Aufsteiger nun mal spielt. Spielverzögerungen, taktische Fouls, Spielunterbrechnungen ohne Ende, Diskussionen mit dem Schiri, Standardsituationen ziehen.“
    Ich weiss ja nicht welches Spiel Herr Bruddler am Sonntag gesehen hat, aber ich sah einen taktisch hervorragend eingestellten VfB, der auch in heißen Situationen kühlen Kopf bewahrt hat. Ich sah auch keine taktischen Fouls – die eher auf Augsburger Seite – oder gewollte Spielunterbrechungen. Aber, nun ja, jeder hat wohl seine Meinung, aber Herr Bruddler sollte eventuell einmal in sich gehen, denn was ich am Sonntag sah, war tatsächlich Fussball und nicht sein „Und, wenn Korkut das TK Maxx Prinzip noch optimiert und häufiger Fußball gespielt wird…“

    • @abiszet sagt

      Hi Chris,

      es ist durchaus repsektvoll gemeint, dass der VfB wie ein Aufsteiger spielt ;-) Als bruddeln wollten wir das nicht verstehen, denn natürlich zog der VfB viele Fouls, zog Augsburg den Zahn, in dem er eklig zu spielen war. Ging Trainer, Mannschaft und Fans der Augsburger auf die Nerven. Und das ist gut so.

      Wenn zitieren, dann bitte richtig bzw. vollständig:
      (…) „wenn Korkut das TK Maxx Prinzip noch optimiert und häufiger Fußball gespielt wird so wie vor der vergebenen Großchance von Mario Gomez heute …“
      Genau das ist es: Ein, zwei Spielzüge ließen sich durchaus sehen, gerade die Umschaltaktionen waren vereinzelt ganz gut, beim Abschluss fehlte dann die letzte Konsequenz.

      Letztlich scheint es das Verschieben von Christian Gentner weg von der Sechs und die Integration von Daniel Ginczek zu sein, die bisher den Erfolg brachten. Schaun mer mal, wie es weiter geht. Wegen uns kann Korkut noch weitere fünf 1:0-Siege einfahren, kein Thema.

  3. Bernd sagt

    Natürlich musste für den jetzigen Aufwärtstrend der Trainer gewechselt werden. Wolf hatte alle Zeit der Welt, aber gegen Ende ist es unter ihm immer schlimmer geworden und nicht besser. Vielleicht solltet Ihr Euch einfach eingestehen, dass Dietrich und Reschke hier richtig gehandelt haben und Dietrich vielleicht doch nicht der durchtriebene Machtmensch ist sondern jemand der auch mal eine unbequeme Entscheidung durchdrückt, wenn es dem Wohl des Vereins dient. Ob Korkut mit einer Mannschaft nachhaltig Erfolg haben kann, lässt sich natürlich noch nicht abschätzen. Damals in Hannover hatte er auch nicht wirklich eine Chance, weil ihm nach einer guten Halbserie Leistungsträger wie Diouf und Huszti abhanden kamen, ohne dass adäquater Ersatz verpflichtet werden konnte.

    Mich stören aktuell im Fan- und Medien-Umfeld des VfBs zwei Dinge. Erstens, dass sich alle anmaßen, nur aufgrund der öffentlich bekannten Sachlage Entscheidungen abschließend zu beurteilen. Das betrifft insbesondere die Trennungen von Schindelmeiser und Wolf. Wir wissen einfach nicht was intern gelaufen ist und sollten uns daher mit der Bewertung von einigen Dingen zurückhalten. Zweitens, dass alle extrem auf die öffentliche Darstellung fixiert sind. Fürs schön in die Kamera sprechen kriegt man in der Bundesliga keine Punkte. Ja, Reschke hat in diesem Bereich Defizite, aber solange er in seiner absoluten Prio 1, dem Zusammenstellen eines konkurrenzfähigen Kaders, gut liefert, ist das ziemlich egal. Und da muss man sagen, dass er das bisher ganz gut macht, bis auf Bruun Larsen sind alle seine Verpflichtungen Stammspieler oder nahe dran. Ob noch mehr gegangen wäre, wissen wir auch nicht (siehe Punkt 1), der bei uns sehnsüchtig herbeigerüchtete Rashica hat jedenfalls in Bremen noch keine Bäume ausgerissen. Zugegeben, Reschkes unglückliche Äußerung in Richtung Wolf war auf den ersten Blick suboptimal, letztlich hat es aber allenfalls das Unvermeidliche beschleunigt und war damit dann doch wieder für etwas gut.

    • @abiszet sagt

      Hi Bernd,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Mit der Freistellung/Entlassung von Schindelmeiser und Wolf wurde auf jeden Fall der Weg verlassen, der in der zweiten Liga begonnen wurde. Ich denke, wir sind uns einig, dass zB der Zeitpunkt der Schindelmeiser-Demission denkbar unpassend war! Hintergründe kennt keiner, nur die „offiziellen Sprachregelungen“.

      Deine Einschätzung
      „Natürlich musste für den jetzigen Aufwärtstrend der Trainer gewechselt werden. Wolf hatte alle Zeit der Welt, aber gegen Ende ist es unter ihm immer schlimmer geworden und nicht besser.“
      teile ich nicht hundertprozentig.
      Es muss vielmehr nach den Gründen gefragt werden, warum es unter Wolf nicht mehr geklappt hat. Lag es an seinem „Defensivkonzept“? Lag es daran, dass der Kader Schwachstellen hat? Lag es daran, dass ihm Teile der Mannschaft die Gefolgschaft verweigerte? Ich sehe die Verantwortung für die negativen Erlebnisse nicht nur bei Wolf.

      Du schreibst weiter:
      „(….) dass alle extrem auf die öffentliche Darstellung fixiert sind. Fürs schön in die Kamera sprechen kriegt man in der Bundesliga keine Punkte. Ja, Reschke hat in diesem Bereich Defizite, aber solange er in seiner absoluten Prio 1, dem Zusammenstellen eines konkurrenzfähigen Kaders, gut liefert, ist das ziemlich egal. Und da muss man sagen, dass er das bisher ganz gut macht, bis auf Bruun Larsen sind alle seine Verpflichtungen Stammspieler oder nahe dran“
      Dass kein offensiver Mittelfeldspieler verpflichtet wurde (ich meine damit nicht Rashica) und im Kader genau ein Rechtsverteidiger steht, verstehe ich nicht unter „gut liefern“.

      Natürlich ist entscheidend auf dem Platz, logisch. „Reschkes unglückliche Äußerung in Richtung Wolf“ zeigt leider seine mangelnde Sensibilität und sein Unvermögen, in der Öffentlichkeit im Namen des VfB eine gute Figur abzugeben. Dies führt eigentlich bei fast allen seinen Aussagen zu kontroversen Reaktionen, teilweise muss er seine Aussagen im Nachhinein korrigieren oder erklären.

      • Bernd sagt

        Ich denke, dass gerade weil der Zeitpunkt der Schindelmeiser-Entlassung so kritisch war, Dietrich davon ausgegangen sein muss, dass das Saisonziel Klassenerhalt in Gefahr war. Wäre es ihm nur um die Installation seines Buddies Reschke gegangen, dann hätte er auch bis zum 01.09. warten können und damit einen Teil der Kritik gar nicht erst aufkommen gelassen.

        Du schreibst ja selbst, dass es unter Wolf nicht mehr geklappt hat. Und das bedeutet einfach Handlungsbedarf, es sei denn man will ein Club wie Freiburg sein, der für eine kontinuierliche Entwicklung auch mal einen Abstieg in Kauf nimmt. Kann man durchaus so machen, aber das wäre bekanntlich nicht der Weg, den man unter Dietrich eingeschlagen hat. Am Kader lag es eher nicht, der ist unter Korkut bekanntlich ja derselbe. Und wenn sich die Mannschaft gegen ihn gestellt haben sollte, dann liegt das selbstverständlich in Wolfs Verantwortungsbereich. Ist ja auch in jedem Unternehmen auch nicht anders.

        Ich sehe die Kader-Baustellen ähnlich wie du. Nur weiss keiner von uns, was im Winter überhaupt realistisch gegangen wäre. Von daher ist das schwieriger einzuschätzen als wenn für viel Geld ein Flop verpflichtet wird. Aber das ist immerhin ein Punkt, über den es sich lohnt zu diskutieren, im Gegensatz zu Dietrichs Allmachtsfantasien oder Reschkes Fettnäpfchen.

        Ich glaube nicht, dass Reschke aufgrund fehlender Sensibilität solche Sachen sagt, sondern weil ihm Talent und Erfahrung im Umgang mit auf permanenter Zuspitzung arbeitenden Medien fehlt. Nenn es von mir aus auch Unvermögen. Aber dann muss er halt seine Äußerungen korrigieren und erklären, na und? Dass ist ja genau die Fixierung auf die öffentliche Darstellung die ich meine. Es ist nur sehr begrenzt Teil von Reschkes Aufgaben, dass seine öffentlichen Äußerungen ohne Fehl und Tadel sind. Aber gerade Medienleute tun sich schwer das anzuerkennen, weil es ihre eigene Unwichtigkeit zum Ausdruck bringt.

  4. drausvomLande sagt

    so ist das halt beim VfB
    => 3 gute Ergebnisse und wir reden von Europa
    => 2 Siege hintereinander und wir sind unschlagbar
    IN WAHRHEIT haben wir
    => gegen schwache Gegner gespielt
    => viele Geschenke bekommen, gerade die Konter gegen Augsburg, da war nur 1 aktiv abgefangener Angriff dabei, die anderen Konter haben die uns geschenkt
    => kläglich im Ausnutzen von Torchancen versagt
    => weniger Punkte als in der Abstiegssaison
    => Spieler, die nach einem Trainerwechsel plötzlich wieder weite Pässe schlagen und mehr als 10m am Stück rennen können
    ALSO eigentlich haben wir wieder den alten VfB, das geht noch 1, 2 Wochen gut und dann …

    Schade, eigentlich hoffte ich, wir hätten einen erfolglosen, aber neuen VfB.

    Und zu mir persönlich:
    Wenn ich ergebnisorientierter Fan wäre, dann wäre ich Bayern-Fan, dann wären auch mir alle Mittel recht.
    Bin ich aber nicht und deshalb habe ich mit einer solchen Spielweise ein Problem, ich zitiere jetzt mal Ute: „Ist das Fussball oder kann das weg?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*