Beliebt, Mini-Feature, Spielbericht, VfB
Kommentare 13

Verein für Blabla?

„Elf gegen elf hätten wir das Spiel definitiv gewonnen.“
Markus Weinzierl

Ja, Deniz Aytekin hat einen Mist zusammen gepfiffen. Aber diese Schlechtleistung des Schiedsrichters darf niemanden, vor allem nicht den Trainer, darüber hinweg täuschen, dass gestern nichts, aber auch gar nichts beim VfB Stuttgart funktionierte – nicht mal die Verkündigung der Aufstellung oder die Videowand über der Cannstatter Kurve.

Doch auch auf dem Feld waren mal wieder keine „professionellen Strukturen“ zu erkennen. Kein Plan, kein Zusammenspiel. Niemand wusste, wo er hinlaufen bzw. hinspielen sollte. Dabei darf man dem Team keinen mangelnden Einsatzwillen vorwerfen. Die meisten Spieler wollten, konnten aber nicht. Weil sie nicht wussten, wie. Es muss Trainer Markus Weinzierl die Augen öffnen, dass ein wilder Alexander Esswein so etwas wie der beste Spieler des VfB war. Ein Spieler, der in erster Linie über seine Schnelligkeit kommt und dessen Stärke weder das Zusammenspiel noch das Spielverständnis sind.

Das VfB-Spiel hat keine Struktur und keine Idee. Dazu kommen noch haarsträubende Fehler in der Abwehr. Das muss thematisiert werden, anstatt wegen eines unterirdischen Schiedsrichters rumzuheulen, auch wenn „die Gremien“ in Form von Weinzierl, Gomez, Gentner und Zieler wie immer einstimmig der Meinung waren, dass einzig und allein Aytekin am späten 2:2 schuld wäre. Trainer Markus Weinzierl muss sich viel eher den Vorwurf gefallen lassen, dass er in 13 Spielen der Mannschaft nichts beigebracht hat. Laufwege, Positionsspiel, Automatismen bei Pressing und Ballgewinn? Nicht vorhanden. Die Achse Kempf-Aogo-Gentner-Gomez, die in der Winterpause stark geredet wurde? Ein Fall für den Pannendienst. Der Rekord-Einkauf Kabak? In Rekord-Zeit vfb-isiert und gegen Freiburg ein Unsicherheitsfaktor.

Nachdem es in zwei Heimspielen gegen Mainz und Freiburg zu einem Punkt gereicht hat, muss jedem Fan Angst und Bange werden. Wie in der Hinrunde holte der VfB aus den ersten drei Spielen einen einzigen Punkt. Gegen wen wollen sie noch gewinnen? In Düsseldorf nächste Woche? Eher noch muss man befürchten, dass die Ex-VfB-Spieler Zimmermann, Kaminski und Stöger dem VfB eine einschenken. Markus Weinzierl hat es sicher nicht einfach mit diesem vom Reschke zusammen gestellten Patchwork-Kader, in dem es weder spielerisch noch menschlich zu stimmen scheint. Allerdings wachsen nach 10 Punkten aus 13 Spielen auch die Zweifel, ob er die richtigen Lösungen hat. „Wir haben zwei Tore erzielt. Wir waren auch heute nicht die Bomben-Mannschaft und haben sie an die Wand gespielt, aber wir waren trotzdem mit 70 Prozent Ballbesitz überlegen“ sagte Weinzierl dem kicker. Allerdings fragt man sich, ob es überhaupt zielführend ist, dass der VfB so oft den Ball hat. Die Freiburger wirkten mit nur 30% Ballbesitz jedenfalls deutlich strukturierter.

Was Hoffnung macht? Eigentlich nur zwei Dinge: Mit Nürnberg und Hannover könnte es tatsächlich zwei noch schlechtere Teams geben. Und die derzeit rasende Abwärtsspirale muss auch den Herren Dietrich und Reschke klar machen, dass sie nicht so viel richtig gemacht haben können, wie sie denken. Dass sie nicht mehr weiter so tun können, als sei alles in Ordnung. Der VfB als Verein für Blabla muss endlich aufhören alles schön zu reden, denn die Bilanz der beiden liest sich verheerend:

Keine Punkte:
Der VfB spielt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte.

Keinen Plan:
Von jung und wild unter Wolf zu alt und mild unter Korkut und Weinzierl und jetzt wieder zurück zu schnellen Spielern. Beck, Badstuber, Didavi, Castro und Gomez saßen gegen Freiburg auf der Bank.

Keine Entwicklung (jedenfalls keine positive):
Jeder Spieler, der sich Trikot mit dem Brustring überstreift, scheint schlechter zu werden. Die Neuzugänge Kabak und Zuber sind die jüngsten Beispiele. Aber auch Hoffnungsträger wie Kempf oder Ascacibar bauen mittlerweile ab. Von Spielern wie Maffeo, Sosa, Akolo und Thommy gar nicht zu reden, die überhaupt keine Rolle mehr spielen.

Keine Stimmung:
51.000 Zuschauer gegen Freiburg. Die wenigsten seit dem Heimspiel gegen Bochum in der Zweitligasaison. Und die, die im Stadion sind, verfolgen das Spiel mittlerweile ähnlich wie Gaffer einen Unfall auf der Autobahn.

Also: Schluss mit Blabla!
Jetzt hilft nur noch Real Talk. Und ein Plan, der auch auf dem Spielfeld erkennbar ist, und zu drei Punkten in Düsseldorf führt!

Das Copyright für die Überschrift liegt übrigens bei Ron (sorry, zu spät gemerkt).

Darf gerne geteilt werden:

13 Kommentare

  1. Ich hab alles mitgemacht: Abstieg, 2. Liga auch im Winter, lausiger Fußball unter Korkut,…..aber die letzten 2 Heimspiele waren wir zum ersten Mal seit Jahren nicht im Stadion. Zuhause kann man wenigstens die Fernseher auschalten und sich mit was schönerem beschäftigen. Im Stadion muss man dieses grottenhafte Gekicke ertragen, wenn man schon extra hingefahren ist. Da reißt einen nix mehr mit und jeder Ballverlust gipfelt in der Angst, gleich wieder einen Gegentreffer zu bekommen. Das tue ich mir/uns (vorerst) nicht mehr im Stadion an.

    PS: Mich wundert nur, dass der Ankerinvestor Daimler diesem stümperhaften Treiben der Führungsriege einfach so zuschaut und nicht mal über die Straße läuft und mit der Faust auf den Tisch haut. Falls die noch mehr Geld verschenken wollen, wo sie keine Gegenleistung erwarten, kann ich gern meine Kontonummer geben.

    • @abiszet sagt

      Hi Eric, die Frage nach Daimler habe ich mir schon oft gestellt. Aber in diesem Zusammenhang – warum geht der Stern nicht in die Vollen? Warum unterstützt er den VfB mehr aus einer Pflicht heraus und um mögliche Wettbewerber abzuwehren? Mercedes will überall die Nr. 1 sein und unterstützt halbherzig einen Verein, der sich seit Jahren selbst vernichtet?
      Dass Du Dir das Spiel vor Ort sparst, ist nachvollziehbar, aber schade. Jeder Support (der Mannschaft!) ist wichtig, auch wenn mit den Leistungen auf dem Platz wenig zurückgegeben wird …

  2. Oliver sagt

    Hmmm, erinnert sich noch jemand an die Diskussionen vor der Ausgliederung und wie die Angst umging, dass sich mit dem Einstieg vom Daimler die hohen Herren in den Sport einmischen würden (1860 ließ grüßen)? Jetzt machen sie das, was sie angekündigt hatten und halten sich raus und es ist auch wieder nicht recht… Außerdem hatte der Daimler-Vorstand damals erläutert, warum sie nur „so halbherzig“ einsteigen wollten, weil sie nämlich eine AG sind und daher den Aktionären gegenüber verpflichtet sind, nur soviel für die 11,25% zahlen dürften wie der Verein auch wert ist (und die Bewertung erschien damals schon jedem echt wohlwollend), das Gleiche gilt auch für‘s Sponsoring und dass sie mit mehr einsteigen, wollte damals auch keiner, sonst würden sie „noch mehr reinreden“. Klingt für mich nach ein wenig „wasch mir den Pelz, aber mach nicht nass“…

    • @abiszet sagt

      Hi Oliver, keiner beschwert sich, dass sich Daimler nicht ins operative Geschäft einmischt. Obwohl, einer der Aufsichtsratskollegen soll Guido Buchwald nach dem Freiburg-Spiel unschön angegangen haben 😔

  3. drhuey sagt

    Schon lange hat man sich daran gewöhnt, dass der VfB keine grosse Rolle spielt im Fussball. Das hat er im Grunde genommen noch nie; vielmehr reichte es mal für ein paar Ausreisser nach oben (ja, wir durften einen Maradona mit offenen Schnürsenkeln beim Aufwärmen im Neckarstadion bewundern und auch einen Europapokalauftritt im Old Trafford). Und es waren auch schon Trainer und Manager hier, die es zustande gebracht haben aus viel weniger etwas zu machen. Aber was für diesen Verein auch immer gegolten hat, ist, dass er keine kritischen Geister aushält bzw. zulässt. Die massgebenden Leute müssen entweder aus dem inner circle der Vettern kommen oder sie haben keine Chance. Aber Du brauchst für den Erfolg solche Sammers, Rangnicks, Gross, Schindelmeisers, etc. Heute steht fest, dass zum Gelingen der Ausgliederung eine Fassade aufgebaut wurde, um dem peuple eine neue Zeitrechnung vorzugaukeln, die schnellstmöglich wieder eingerollt wurde, als diese druch war. Ich frage mich auch wie der Bewerbungsprozess bei der Trainersuche abläuft. All diese Trainer, die wir nicht bekommen haben, konnten sehr genau sehen, dass sie ihren Fussball mit dem Kader nicht spielen können. Zum Glück hat uns ein freundschaftlich verbundener Vetter „erlöst“ und einen Ladenhüter feilgeboten, der wahrscheinlich beim ersten Job-Interview irgendwas von attraktiver Spielweise, schnelles Umschalten, usw. gefaselt hat und Reschke ist mit funkelnden Augen zum Silberrücken gelaufen (seinerseits komplett von Fussball-Fachwissen befreit) und zu ihm gesagt: „Duuu Wolfgang, de Maakus bringt und wieder janz nach voorne mit bejeisterndem Offensivspegtaaggl.“ Und Wolfgang (nicht ganz bei der Sache, ihr wisst schon, die südafrikanische Sonne) sagte: „Markus wär ? Egal, mach´s. Hauptsach´ s´passt mit em Gentner.“

    Vielleicht sollte sich der Verein mal Gedanken machen, wer in der Mannschaft seit Jahren dafür sorgt, dass nahezu alle Spieler schlechter werden und sobald sie weg sind wieder aufblühen ? Warum haben wir seit Jahren keine Geschwindigkeit im Spiel ? Warum lassen wir einen Dampfplauderer Millionen und die Zukunft dieses Vereins zerstören ? Kein Vertrauen mehr zu Schindelmeiser ? Und jetzt ?
    Ich denke mit viel Glück ist noch die Relegation drin und egal wie der Gegner heisst, bei jedem Club, der in Frage kommt, gibt es ehemalige VfBler und mit einer Vorstellung wie gegen Freiburg haben wir gegen die derzeit ersten Drei in Liga 2 keine Chance.

  4. Arne sagt

    VfB-isiert, eine super Wortschöpfung und steht für: ohne Konsequenzen das Potential nicht abrufen müssen.
    Allerdings gehe ich nicht ganz mit, dass ehemalige aussortierte Spieler bei anderen Vereinen aufblühen. Beispiele: Maxim, Sararer, Heise, Tobias Werner, …
    Tendenziell kaufen wir eher zu schlecht ein, siehe Maffeo…

    • @abiszet sagt

      So pauschal kann ich es behaupten ;-) aber schon richtig, es ist nicht vollkommen und zu 100 Prozent zutreffend, dass sich VfB-Spieler woanders besser entwickeln. Aber: Kimmich ist ein potentieller Nationalmannschaftskapitän, Rüdiger spielt bei Chelsea, Timo Werner ist Deutschlands Stürmer Nr. 1, Okazaki wurde in England Meister, Schwaab und Lord Hlousek spielen Champions League, Sakai ist Kapitän bei HSV (ok, den nehme ich zurück ;-)

  5. Clemens sagt

    In der ganzen Diskussion um Dietrich und Reschke frage ich mich nicht erst seit kurzem, wer sich diesen Verein überhaupt noch antun will? Mal abgesehen von Haas und Rüssmann konnte sich doch kaum ein Duo mittel- bzw. langfristig bei uns als Präsident und Sportmanager etablieren und in diesem „schwierigen Umfeld“ (ja, auch ich bin das schwierige Umfeld) Kontinuität einbringen. Selbstverständlich waren die Gründe für eine fehlende Akzeptanz vielschichtig, aber am Ende hat bis auf MV (und auch der war gegen Ende ein Grund für den Niedergang des VfB zum Jahrtausendwechsel) kaum einer die erforderliche Stabilität in den Verein gebracht. Auch Staudt kämpfte gegen Ende mit dem Vorurteil, nur auf „Steine statt Beine“ zu setzen, obwohl er aus meiner Sicht noch der seriöseste Präsident von allen war.

    Bereits bei der Wahl von Dietrich durften wir wählen zwischen Dietrich und …, äh, Dietrich. Es gab keinen Gegenkandidaten. Fragt sich eigentlich auch mal jemand, warum das so war? Ist die Daimler-Lobby wirklich so stark, dass etwaige Gegenpole systematisch ausgeschaltet bzw. ausgegrenzt worden sind?

    Was kommt nach Dietrich? Einen Reschke zu ersetzen halte ich für leicht. Aber wer will diesen schlingernden Dampfer übernehmen, wohl wissend, dass man bei einer Übernahme der Präsidentschaft beim VfB Stuttgart viel zu verlieren, aber wenig zu gewinnen hat.

    Zu sagen, was nicht geht ist leicht. Aber ein Konzept bzw. einen Vorschlag für eine Neubesetzung hat Stand heute scheinbar keiner.

    • @abiszet sagt

      In der Tat, Clemens, es braucht eine gefestigte Persönlichkeit, um beim VfB in die Verantwortung zu gehen. Das trifft auf den bisherigen Präsidenten zu ;-) Staudt hat schon Spuren hinterlassen und war immerhin 8 Jahre Präsident (Manfred Haas übrigens nur 3 Jahre, aber 10 Jahre im AR).

  6. Pingback: Sünder oder Sündenbock?

  7. Clemens sagt

    Haas hatte dabei aber auch aus meiner Sicht den schwierigsten Job zu bewältigen, nämlich die Misswirtschaft eines MV aufzuarbeiten und einen drohenden Finanz-Kollaps abzuwenden. Dahingegen hatte Staudt die Gunst der überraschenden Meisterschaft 2007 sowie zwei CL-Teilnahmen zzgl. die Gomez-Millionen, aus denen aber bekanntermaßen wenig bis nichts gemacht wurde (Stichwort: Horst Heldt!). Dennoch stand Staudt für Seriosität und Kontinuität. Und der Stadionumbau hat sicherlich zur derzeitigen finanziellen Konsolidierung beigetragen.

    Was mich einfach ratlos macht, was soll nach Dietrich kommen? Gibt es eine Persönlichkeit mit kaufmännischem Background, der nicht zwingend aus dem Profi-Fußball kommen muss, aber zumindest gute Kontakte in Wirtschaft und Industrie besitzt? Der sein Ego einer Institution wie einem Verein (und emotional, wenn auch nicht juristisch, ist dies der VfB ja immer noch) unterordnen kann? Vermutlich darf dieser nicht aus BW und Umgebung kommen, damit endlich diese Vorstandsklüngelei aufhört.

  8. Mozy sagt

    Mal angenommen Reschke und Dietrich würden morgen abdanken, wer würde den Laden übernehmen wollen (und können)?!?! Die beiden sind zwar mit Lichtgeschwindigkeit dabei sich in die Top 5 der miesesten Führungsfiguren des VfB ever zu verewigen, aber ihr Abtreten würde der Situation auf dem Platz keine Änderung herbei führen… Hier sehe ich nach wie vor Weinzierl in der Pflicht Konsequenzen zu ziehen. Was Gomez sich am Sonntag gegen Freiburg geleistet hat, war bodenlos! Was hat er sich dabei gedacht? Ich mag den Jungen ja, aber das war unter aller Spur. Und dann dem Schiri Rache zu unterstellen! Geht’s noch? Soll er doch gleich sagen, dass er keinen Bock mehr hat zu spielen! Herrje! Und Gentner? So leid mir dass tut mit dem Verlust seines Vaters, aber er ist nicht mehr in der Lage als Kapitän diese höchst verunsicherte Mannschaft auf den Platz zu führen. Wenn ich Weinzierl wäre, würde ich ab jetzt mit einer gewissen Fuck You Mentalität aufstellen und zwar: Zieler als Kapitano, Kabak/Baumgartl als IV, Insua links, Pavard rechts, Didavi (wenn er kann) u. Aogo (Özcan ist ja jetzt beim HSV) in der Mitte, flankiert von Esswein und Zuber und vorne Donis und Gonzalez. Würde den Altersdurchschnitt ein wenig senken und schlimmer kann es ja eh nicht mehr werden;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.