Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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Mit Shooter Schorsch ist für den VfB noch alles drin

Es gibt auch gute Nachrichten rund um den VfB, es ist nicht alles schlecht: Nach sechs Spielen wurde in einem Heimspiel wieder ins Tor getroffen, es sind nur vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und die Konkurrenten aus Freiburg, Berlin, Paderborn und Hamburg machen nicht gerade einen übermächtigen Eindruck. Dazu sind es die Fans, die zum Verein stehen und für herzzerreissende Szenen nach dem Spiel sorgen, als sie versuchen, den völlig deprimierten Timo Baumgartl aufzurichten.

Soweit das Gute, weshalb der Klassenerhalt absolut noch drin ist und es keinen Grund gibt, aufzugeben. Überdies ist der Umgang mit Flitzern in Stuttgart sehr tolerant. Es durfte ein zugegeben friedlicher, aber wohl berauschter Fan aufs Feld laufen, sich kurz mit Marco Reus über dessen Monatsgehalt austauschen, um dann in aller Seelenruhe und von Ordnungskräften unbehelligt wieder das Feld zu verlassen. Die Tatenlosigkeit und Naivität im Stadion steht geradezu symbolisch für den VfB.

Das 2:3 gegen alles andere als überzeugende Dortmunder gibt kaum Anlaß zur Hoffnung. Marcel Reif, der das Spiel auf sky kommentierte und der schon viel Blödsinn am Mikro verzapfte, nannte das Spiel des VfB erbärmlich und war von der Gefahrlosigkeit und der offenkundigen Angst entsetzt. Spielern wie Daniel Schwaab, Adam Hlousek und Martin Harnik, denen entweder jeder Ball drei Meter vom Fuß sprang oder denen kein einziger Paß zum Mitspieler gelang, sprach er zur Recht die Bundesligatauglichkeit ab. Ich hätte nie gedacht, dass ich Reif einmal zustimmen werde, aber ich kann nicht Falsches an seinen Einschätzungen finden (siehe hier sein Arbeitsnachweis).

Was bleibt vom Spiel sonst so in Erinnerung?
Neuzugang Serey Dié war deutlich anzumerken, dass er Zeichen setzen wollte. Er ging agressiv in die Zweikämpfe, überzeugte mit einigen Ballgewinnen, dirigierte seine Mitspieler. Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, dass er bei den ersten beiden Gegentoren seine Füße im Spiel hatte. Einmal ging er nicht resolut genug in den Zweikampf, beim anderen Mal kam er einen Schritt zu spät. Aber Dié kann so etwas wie ein (Agressive) Leader werden – und so einen braucht der VfB. Carlos Gruezo war erstaunlich gehemmt, ihm war die mangelnde Spielpraxis anzumerken, aber eine Doppel-Sechs mit ihm und Dié halte ich für durchaus zukunftsfähig.

Timo Werner machte sein 50. Bundesligaspiel und ist damit der jüngste Spieler in der Bundesligageschichte, der diese Zahl erreicht hat. So richtig abfeiern müsste man den Timo dafür, forget Draxler und Götze.

Aber feiern, na ja, später vielleicht. Denn es müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, um das Schlimmste zu verhindern. Auch unkonventionelle Wege, eventuell auch absurde, ja, das mag sein, aber der VfB kann sich nicht nur auf Glück und Gott verlassen.

Wo ist MV, wenn man ihn braucht?
Gerhard Mayer-Vorfelder würde im roten Haus in Cannstatt kräftig auf den Tisch schlagen und verhindern, dass die Vereinsspitze tatenlos zuschaut, wie der VfB absteigt. Jetzt gilt es für Bernd Wahler sich zu zeigen, ein Profil zu entwickeln. Jetzt sind nicht hochgestochene Visionen gefragt, sondern ein Kämpferherz, einer, der anderen – vor allem den Spielern – vorlebt, dass er unbedingt die Klasse halten will. Wahler darf sich jetzt nicht verstecken! Auf geht’s MV, treten Sie Herrn Wahler mal in den Hintern und sprechen Sie bitte mal mit Huub Stevens! Ja, ich weiss, Sie würden mit ihm ein Fläschle Trollinger lupfen. Nur zu! Und dann sagen Sie ihm, dass ein bisschen Offensive notwendig ist, um den Abstieg zu verhindern. Nehmen Sie Wahler mit an den Tisch und trinken Sie meinetwegen zwei Flaschen Trollinger, aber bringen Sie den Huubster zu Vernunft. Wozu sind denn Präsidenten da, wenn sie nicht in die Aufstellung reinschwätzen?

Neue Offensivkraft entdeckt
Georg Niedermeier hatte gegen Galdbach die beiden hundertprozentigen Torchancen, gegen Dortmund holt er den Strafstoß und nickt in der Verlängerung zum 2:3 ein. Er ist damit der torgefährlichste Spieler des VfB in der Rückrunde. Let’s call him Shooter Schorsch!

Soweit muss man nicht gehen, aber wenn Niedermeier schon eine Waffe ist, dann muss man ihm auch die Gelegenheit geben, sein Potential auszuschöpfen. Und das liegt in den Strafräumen. Im eigenen wie auch im fremden. Ziel muss also sein, einen wie Niedermeier in Position zu bringen.

Fussball kann so einfach sein
Viktor Skripnik wird in Deutschland gefeiert, weil er mit Bremen in sechs Spielen 16 Punkte holte. Und mit was? Mit Standards. Skripnik hat erkannt, dass sein Team spielerisch so gut wie nichts auf die Reihe bringt und läßt deshalb Zlatko Junuzovic jeden Freistoß und jede Ecke in den Strafraum schnippeln. Ergebnis: Selbst Spieler, die keiner auf dem Zettel hat, machen plötzlich Buden. Oder hat einer von Euch gedacht, dass Gebre Selassie, Lukimya oder Caldirola treffen würden?

Also, Huub, lass‘ Standards üben bis die Fußnägel abfallen. Ob Alexandru Maxim, Florian Klein oder wegen mir auch Adam Hlousek (wenns hilft): flanken, flanken, flanken, erster Pfosten, zweiter Pfosten, zum Tor hin, vom Tor weg, mir egal, Hauptsache der Ball geht rein. Bei kessel.tv sind die Swinger- und Kirchentag-Wochen, beim VfB müssen jetzt die Standard-Wochen kommen.

Denn wenn Huub Stevens keine (einfachen) Mittel für ein Offensivspiel in den kommenden Spielen in Hannover und gegen Berlin findet, dann wird es für den Verein und ihn eng werden. Der VfB wird sich nicht nachsagen lassen, dass er nicht die allerletzte Chance ergriffen hat, den Abstieg zu verhindern. Meinetwegen kann Stevens ruhig auf die Defensive setzen, aber es muss zumindest die Chance da sein, selbst ein Tor zu erzielen. Schrieb ich schon, dass er auf Standards setzen soll?

Unkonventionelle Personalentscheidungen
Man kann beim VfB aus einer verbrannten Brezel keinen saftigen Rostbraten machen, aber man muss zumindest mit allen Tricks arbeiten. Am Wochenende war zu lesen, dass Cacau von seinem Arbeitgeber in Osaka freigestellt wurde. In welcher Funktion auch immer: Wenn Cacau zurück kommen würde, wäre dies ein positives Signal, da er sich immer mit dem VfB identifiziert hatte. Ob er auf dem Feld helfen kann, ist fraglich. Wegen mir als Joker, im vorletzten Spiel, whatever. Aber im Verein, in der Kabine, vor den Mikros wäre er ein Typ, den alle sympathisch finden und der für vergangene Erfolge beim VfB steht. Mitreißen könnte er. Das traut man im Moment nur Niedermeier und Dié zu.

Konsequente Personalentscheidungen
Es ist seit einiger Zeit klar, dass es Spieler gibt, die für das Team eher hinderlich sind. Ob Schwaab und Harnik oder auch die ausgeliehenen Moritz Leitner und Oriol Romeu: Huub Stevens sollte konsequent auf sie verzichten. Schon klar, das ist ein populistisches Zeichen einerseits, andererseits aber auch ein Fingerzeig für die Mannschaft: Nur mit Spielern, die mutig sind und nicht sich selbst in der Vordergrund stellen, geht der VfB in die entscheidenden Spiele.

Was sagt Afrob zur Situation beim VfB?
„Hört nie auf, hört nie auf.
Denn es geht immer weiter.
Immer weiter.“

Fingerhut / Shutterstock.com

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5 Kommentare

  1. Pingback: #Link11: Remis ist keine Stadt in Frankreich | Fokus Fussball

  2. wrdlbrmft sagt

    Was haben eigentlich Maxim und Kostic verbrochen, dass sie nicht mehr, oder höchstens für 10min, zeigen dürfen, dass noch offensives und technisch ansprechendes Potential in der Mannschaft schlummert?

  3. Als Fan der einzig wahren Borussia aus Dortmund war ich natürlich auch nicht angetan vom Spiel meines Teams. Immerhin wurde gekämpft und der dritte Sieg in Serie eingefahren.

    Was allerdings der VfB an Harmlosigkeit geboten hat, das war nicht zu überbieten. Ich hatte zu keiner Zeit des Spiels die Sorge, dass der BVB das Spiel verliert. Aber hey: für ein Remis sind die Dortmunder immer zu haben – ich sage erinnere nur an die beiden Stuttgarter-Treffer nach Eckbällen.

    Sei´s drum. Mein Arbeitskollege ist Stuttgarter und wünscht sich derzeit nichts sehnlicher als den doppelten (!) Abstieg und einen Neuaufbau in Liga 3. Leider kein Spaß, sondern sein voller Ernst.

    • Sebastian sagt

      Das ist ja eigentlich das Schlimmste an der momentanen Situation: Selbst als VfB-Fan hat man überhaupt keine Argumente, warum Stuttgart in Liga 1 verbleiben sollte. Das ist schon keine Verzweiflung mehr, sondern schon Resignation.

  4. abiszet sagt

    Nein, wie schon oft angemerkt: Ein Abstieg hat weder „sein Gutes“, noch ist es „reinigend“, sportlich wie finanziell auf Jahre hinterher zu sein. Ich setze auf die Erkenntnis bei Huub, dass es mit 8 defensiven Feldspielern schwer wird, ein Tor zu erzielen (abseits von Standards). Und damit müsste eigentlich die Zeit von Kostic, Maxim und Ginczek kommen.

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