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Letzte Chance Trainerwechsel?

Wenn der uninspirierte Rumpelfussball nicht einmal mehr zu Teilerfolgen führt, muss womöglich ein letzter Akzent gesetzt werden: Ein Trainerwechsel. Der Trend beim VfB geht sowieso zum Dritt-Trainer. Es war zudem schon der zweite verheerende Spieltag für den VfB. Konkurrenten gewinnen, es gibt in dieser Saison anscheinend nicht wieder zwei Mannschaften außer dem VfB, die unbedingt absteigen WOLLEN. Drüben bei Facebook hat Thomas ausgerechnet, dass in den verbleibenden 13 Spielen ungefähr sechs Siege her müssten, damit die Klasse gehalten wird. Sechs Siege? Das kann nur einer wie Superman schaffen.

Nur, wer soll es denn richten? Sport-Vorstand Robin Dutt himself? Hat man ja gesehen, wie Bremen rockt, nachdem er nicht mehr auf der Bank sitzt. Oder der kürzlich in Leipzig entlassene Alexander Zorniger? Ein Trainer aus der zweiten bzw. dritten Liga (bei Sonnenhof-Großaspach) ohne jegliche Erfahrung in der höchsten Spielklasse, geschweige denn vom Druck des Abstiegskampfes. So einer soll den Herren Harnik, Gentner, Ibisevic und Niedermeier sagen, wo es lang geht? Glaubt doch das Ding nicht. Autorität und Erfahrung, Modernität und Zukunftsorientierung muss der neue Mann ausstrahlen.

  Gesucht ist also ein Feuerwehrmann mit Perspektive, einer wie Lucien Favre, der Gladbach gerettet und entwickelt hat. Womit Felix Magath, Bruno Labbadia und Christoph Daum, von einigen in der ersten Wut nach der Niederlage in Hoffenheim genannt, zum Glück ausfallen. ;-) Es braucht mehr Phantasie, um diese letzte Chance womöglich zu nutzen. Im eigenen Stall wäre Jürgen Kramny vorhanden. Er hält die U23 respektabel in der dritten Liga, allerdings ist er nicht gerade aufgefallen, wenn es darum ging, Nachwuchsspieler besser zu machen. Die beiden Timos, Werner und Baumgartl, haben die U23 weitgehend übersprungen, an Rani Khedira hat man nicht geglaubt, Tim Leibold steckt in er zweiten Mannschaft fest. Kramny wäre ein Kandidat für die Labbadia-Nachfolge gewesen. Aber er wurde nicht gefragt und so hat sich Kramny eingerichtet, ist ja nicht unbequem in der Zweiten beim VfB.

Aber wer soll bei dieser Truppe, die gar nicht mehr weiß, wie man Spiele gewinnt, die Blockade lösen, um die gruppendynamischen Abwärtsspirale zu stoppen? Was soll ein Trainer auf der Torwartposition machen, wenn die Keeper im Kader immer für Fehler gut sind, ausnahmslos jeden Abschlag ins Aus oder zum Gegner bringen und für das Aufbauspiel ungeeignet sind? Mit Außenverteidigern, die stets schlecht stehen oder nur neben dem Gegenspieler herlaufen? Mit Offensiven, denen jedes Zuspiel drei Meter vom Fuß springt? Mit einem Kapitän, der an den Mikrofonen nach dem Spiel eine bessere Figur abgibt als auf dem Feld? Mit Spielgestaltern, die entweder nur auf dem Platz spazieren gehen oder verletzt sind? Mit Leihgaben von großen Vereinen, die glauben groß rauszukommen, aber mitnichten groß aufspielen? Was macht ein (neuer) Trainer mit diesen Spielern?

Die Defensive steht gut, das wird schon als Erfolg vermeldet – trotz zuletzt zwei Gegentoren pro Partie. Der Mannschaft könne man keinen Vorwurf machen bei der 2:1-Niederlage gegen Hoffenheim, so der ratlose Huub Stevens. Die Ansprüche werden immer mehr nach unten geschraubt. Bald gibt es eine Pressemitteilung, wenn die Spieler sich die Kickstiefel unfallfrei schnüren können.

Es gibt nur einen, der mit seinem Esprit, seiner Leidenschaft, gepaart mit seiner Autorität und Entschlossenheit zum VfB passen könnte: Thomas Tuchel. Von ihm träumen nicht nur die Fans, auch Präsident Bernd Wahler – der immer gut ist für eine hochgestochene Vision – hat früh ein Auge auf ihn geworfen. Aber sind wir ehrlich: Warum soll ein ambitionierter Mann wie Tuchel zum VfB kommen? Ok, it would be a sort of homecoming, vielleicht hat Tuchel romantische Gefühle, denkt an seine Zeit als Barkeeper in der RadioBar und als Nachwuchsttrainer beim VfB zurück. Und es gibt momentan wohl keine größere Herausforderung im deutschen Fussball, als dem VfB wieder eine Spielidee zu vermitteln, ihn in die Erfolgsspur zurück zu bringen. Tuchel liebt Challenges, ist ausgeruht und motiviert. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Aber was, wenn Tuchel sich nicht für den undankbaren Job als VfB-Trainer entscheidet und lieber dem Lockruf von Ralf Rangnick aus Leipzig folgt, wo man in der Winterpause auch mal 10 Millionen für Transfers locker macht? Werfen wir doch mal einen Routineblick in das Regal der Bundesligatrainer, die in dieser Saison ihren Job verloren haben: Mirko Slomka, Jens Keller, Robin Dutt, Armin Veh, Jos Luhukay. Keller, Dutt und Veh scheiden aus naheliegenden Gründen aus, Slomka hat in der letzten Saison mit dem HSV die Klasse nur mit viel Glück gehalten und Luhukay könnte man den Fans als Stevens-Nachfolger kaum vermitteln. Es ist also eine kreative Lösung gefragt: Vielleicht sollte Robin Dutt seine Kontakte zu den Blauen wieder aufwärmen und bei den Kickers mal vorsichtig anfragen, wie sich Horst Steffen seine Zukunft vorstellt.

Oder wie wäre es mit Uwe Rösler? Der hat vor ein paar Jahren den abstiegsbedrohten Molde FK mit 20 von 24 möglichen Punkten gerettet und anschließend erfolgreich in England gearbeitet. Okay, das war in der zweiten Liga bei Wigan Athletic, aber wer weiß, wo der VfB in der nächsten Saison spielt. Auch aus Stuttgarter Sicht auch ganz wichtig: Rösler ist derzeit ohne Job könnte sofort und ohne Ablösesumme übernehmen. Während Zorniger Sympathiepunkte als schlankes Smudo-Look-alike sammeln könnte, kommt Rösler optisch eher wie eine Kombination aus Christian Gross, Pep Guardiola und Sepp Blatter rüber.

Selbst wenn Huub Stevens noch aus seiner Lethargie erwacht und es schafft, sein Team irgendwie zum Klassenerhalt zu führen: In der nächsten Saison muss alles vieles anders besser werden. Auf dem Platz und neben dem Platz. Egal, in welcher Liga.

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6 Kommentare

  1. santa sagt

    der karren ist schon 3-4 jahre verfahren, es gibt nur noch die eine lösung: 2. liga, neuen, jungen trainer, meiste spieler verkaufen, junge talente holen, hoffen, dass rüdiger, gruezo, didavi, werner, harnik bleiben als gerüst….neuer präsident, 50% der misere hat (leider) unser aller fredi zu verantworten…sonst werden wir auch die nächsten 10 jahre ein provinzclub sein und bleiben!!!

    • Sebastian sagt

      Das kann funktionieren, muss aber nicht. Die Gefahr, auf Jahre in der zweiten Liga zu vegetieren, ist groß. Siehe Kaiserslautern, siehe 1860 München, siehe Sankt Pauli. Aber Du hast Recht: Wenn sie die Klasse halten, wird sich wohl nicht viel ändern.

  2. wrdlbrmft sagt

    Zunächst einmal: Es gibt z.Z. keinen vernünftigen Grund, aber ich habe es irgendwie im Gefühl, dass Stevens das Ruder noch herumreissen kann/wird. Daher sehe ich deine interessante Trainerauflistung als Zukunftsthema, denn nach dieser Saison, das ist auch klar, muss sich mannschafts- aber auch trainertechnisch sehr vieles ändern beim VfB.

    Leider überzeugt mich nur einer deiner Kandidaten: Tuchel, der aber wohl zu Leipzig wird. Röslers Werdegang habe ich nun nicht so verfolgt, aber der ist ja von Wigan kürzlich wegen Erfolgslosigkeit gefeuert worden! Das klingt jetzt nicht so toll.

    In der zweiten Liga würden wir mMn länger kleben bleiben. Wir haben hohe Fixkosten, die sich nicht automatisch verringern, nur weil man eine Liga tiefer spielt. Zudem haben wir auch noch einige teure Spieler, um die sich andere Vereine im Abstiegsfall nicht reissen werden und uns dann eventuell noch länger an der Backe kleben bleiben. All dies würde verhindern, dass man ordentlich in eine neue Mannschaft investieren könnte. Aber da mein Gefühl selten trügt, werden wir uns mit diesem Problem im Sommer nicht beschäftigen müssen.

    • abiszet sagt

      Hi wrdlbrmft, wir würden uns auch wünschen, dass es mit Huub klappt. Aber in der Tat: Sollte der Klassenerhalt geschafft werden, muss einerseits rigoros das Team „ausgemistet“ werden, ich kritisiere ja schon eine ganze Zeit die sogenannten Führungsspieler. Und dann wird auch das Trainerthema nochmal diskutiert werden müssen. Kollege Sebastian nennt den VfB „größte Herausforderung im deutschen Fussball“. Vielleicht lässt sich damit Herr Tuchel ködern. Das Gute ist: Ich gehe wie Du davon aus, dass die Klasse gehalten wird. Schön ;-)

      Oder wie ein anderer vp-Leser sagt: „Ein absteigender VfB Stuttgart ist ausserhalb meiner Vorstellungskraft.“

  3. Die Analyse, dass die zweite kein „Jungbrunnen“ darstellt, ist richtig erkannt. Bewahre uns irgendwie vor der zweiten Liga. Ich glaube auch weiter an Stevens, warum sollte ein Tuchel sich so etwas antun? Wir gewinnen die nächsten Spiele, ganz simpel:)
    Und ich ziehe meinen Hut vor den Fans!

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