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(Wie) ist der VfB zu retten?

VfB-Spiele sind wie SM-Spiele. Das ist schlimmer als Kehrwoche am Samstag morgen, Bananenweizen auf Ex oder Shopping-Queen anschauen. Wann hört das Leiden endlich auf? Mit dem Gang in die zweite Liga? Glaubt doch das Ding nicht. Da fängt die Quälerei erst richtig an: Aue, Darmstadt, Bielefeld, Sandhausen, Bochum, Fürth, da graut’s einem jetzt schon. Wer glaubt – mit welcher Mannschaft auch immer – der sofortige Wiederaufstieg wäre realistisch, der unterschätzt die zweite Liga und überschätzt die (möglicherweise neuen) Entscheidungsträger des VfB. Der Abstieg muss also unter allen Umständen verhindert werden. Traumtänzer, die sich eine „Reinigung“ in Liga 2 erhoffen, sollten kurz in sich gehen: Ein Abstieg bedeutet für den VfB, nicht nur finanziell, auf Jahre abgehängt zu sein. Lasst uns also konstruktiv sein! Wie ist der VfB noch zu retten?

Man muss es ehrlich sagen: Die Bundesliga braucht den VfB Stuttgart sportlich nicht. Übelstes Gekicke, gesichtslose Mannschaft, tote Augen und derbe Phrasen nach dem Spiel, keiner wird die Stuttgarter vermissen. Außer vielleicht den VfB-Fans. Aber dies ist der Blick auf das heute. Der VfB kann auch Spaß machen, siehe das 3:3 gegen Leverkusen, das 2:2 gegen Dortmund oder auch das epochale 4:5 in Frankfurt in dieser Saison. Dieses Potential gilt es zu wecken in den letzten 13 Spielen – bevor dann der große Umbruch kommen muss.

Wird es viel leichtere Gegner als Hoffenheim oder Köln geben? Mit Angsthasenfussball lässt sich die Liga nicht halten. Wie sagte Jürgen Sundermann, der Trainer-Wundermann aus den 70er Jahren: „Wenn man in ein Spiel geht, um es nicht zu verlieren, dann wird man es nie gewinnen.“

Vor dem Spiel
Huub Stevens kennt Sundermann wohl nicht, auch auf Jürgen Klopps Spruch „Nicht die Angst vorm Verlieren, sondern die Gier nach dem Sieg treibt uns an!“ gibt er wohl nix: Im Vergleich zu Bayern nimmt er einen Defensiven raus (Daniel Schwaab) und bringt dafür Timo Werner, Martin Harnik ersetzt Vedad Ibisevic. Neuzugang Serey Dié bleibt zunächst auf der Bank. Die Aufstellung ist alles andere als furchtlos. Es fehlt eine Vision, wie das VfB-Spiel aussehen könnte.

Was fiel auf?
Beide Mannschaften können nicht kicken, was kaum verwundert weil bei Hoffenheim ja auch vier ehemalige VfB’ler auflaufen. VfB gegen Ex-VfB also. Kaum ein Spielzug geht über mehr als zwei Stationen, da wird gehackt, geholzt und gestock-fehlert. Grauenhaft. Auffällig sind Moritz Leitner und Go Sakai, die so etwas wie ein Bemühen um ein Spiel nach vorne erkennen lassen. Die anderen bekommen noch nicht einmal ein „sie bemühten sich stets um offensive Akzente“ ins Zeugnis geschrieben. Christian Gentner ist komplett untergetaucht, Adam Hlousek und Harnik behindern den zarten Spielfluss durch technische und taktische Unbeholfenheiten, Werner verliert jeden Ball, hat Florian Klein überhaupt mitgespielt?

Es gibt viele Standardsituationen, die von Leitner und Hlousek erbärmlich gespielt werden. Spezialist Alexandru Maxim friert auf der Bank. Als er ins Spiel kommt, gibt es keine Standards mehr.

Irritierend finde ich den Kuschelkurs vom Huubster nach dem Spiel. Nicht den Journalisten gegenüber, sondern der Mannschaft. Er könne ihr keinen Vorwurf machen. Wie bitte?

Wer ist Schuld?
Trainer oder Team, diese Frage stellen wir uns hier ununterbrochen und kommen zu keinem Ergebnis. Wahrscheinlich heisst die Antwort Trainer UND Team. Weil die Mannschaft ängstlich aufgestellt wird, agiert sie übervorsichtig. Weil kaum kreative bzw. offensive Akteure auf dem Feld sind, fallen zwangsläufig auch keine Tore. Das Spiel gegen Hoffenheim geht in 9 von 10 Fällen 1:1 aus. Wenn da nicht die Nachspielzeit gewesen wäre. Timo Baumgartl klärt zehn Meter hinter der Mittellinie zu Oriol Romeu und der Spanier reagiert auf den Paß wie in seiner gesamten Zeit beim VfB: Langsam. Er schaltet nicht schnell genug, sein Laufweg ist falsch, seine Aktion grauenhaft – mit einer Grätsche zum Ball will er klären, anstatt dem heranstürmenden Sebastian Rudy den Weg zuzustellen. Ein taktisches Foul begehen. Aus. Ende. Abpfiff. Ein Punkt. Immerhin. Anstatt dessen das nackte Grauen und Heinz Kamke hat es schon im September gewusst!

Was machte Neuzugang Serey Dié?
Er spielt rund sechs Minuten, daraus läßt sich nichts herauslesen. Nach dem Spiel habe ich ihn zufällig getroffen, sehr nett, sehr höflich – und er ist optimistisch: „Wir schaffen das!“, meint er und gibt mir noch „God is strong“ mit auf den Weg. Ok, es sieht so aus, als ob der VfB spirituelle Kräfte bräuchte. Dié ging einsam über den Parkplatz am Vereinsheim in die Nacht und ich fragte mich: Wo geht er jetzt alleine hin, weiss er, wie er nach Hause kommt? Wo ist sein Zuhause überhaupt? Hätte ich ihm meine Hilfe anbieten sollen? Da war Dié bereits weg, wohl unterwegs mit Gottvertrauen. By the way: Dié ging selbst über den Parkplatz schneller als ich Romeu je auf dem Feld gesehen habe.

Letzte Chance Trainerwechsel?
Ja, wer soll es denn richten? Sport-Vorstand Robin Dutt himself? Hat man ja gesehen, wie Bremen rockt, nachdem er nicht mehr auf der Bank sitzt. Oder der kürzlich in Leipzig entlassene Alexander Zorniger? Ein Trainer aus der zweiten bzw. dritten Liga (bei Sonnenhof Aspach uralt) ohne jegliche Erfahrung in der höchsten Spielklasse, geschweige denn vom Druck des Abstiegskampfes. So einer soll den Herren Harnik, Gentner, Ibisevic und Niedermeier sagen, wo es lang geht? Glaubt das bitte nicht. Autorität und Erfahrung, Modernität und Zukunftsorientierung muss der neue Mann ausstrahlen. Womit Felix Magath, Bruno Labbadia und Christoph Daum, von einigen in der ersten Wut nach der Niederlage in Hoffenheim genannt, ein Glück ausfallen. ;-) Es braucht mehr Phantasie, um diese letzte Chance womöglich zu nutzen. Wir hätten da eine Idee.

Was sagt Max Herre dazu?
Viele Tränen geweint.
Gedacht, es wär vorbei.
Doch es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist.

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2 Kommentare

  1. Das Schlimme ist, dass ich in der zweiten Halbzeit mir ein Bananenweizen bestellt habe, es bis zur 70.ten auch leer war…

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