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Serey Dié: Einer wie Mark van Bommel

Serey Die VfB Stuttgart

Ottmar Hitzfeld hat im Laufe seines Trainerlebens viel Interessantes gesagt: Er erfand den „Profffi“, meinte „Fußball ist kalkulierbar, ich weiß, was machbar ist und was nicht“, blendete Emotionen aus („Ich habe mir angewöhnt, keine Gefühle zu zeigen“) und und sein Erfolgsgeheimnis bei Bayern war, dass er auf einen „Aggressive Leader“ setzte. Das war Mark van Bommel, der eigentlich von niemandem geliebt wurde. Von den Mitspielern nicht, die täglich mit ihm trainieren mussten. Von den Gegenspielern nicht, die ihm wegen seiner Sensen und Ellbogenchecks aus dem Weg gingen. Und von den Schiris nicht, die sich vor seiner wütenden Meckerei fürchteten. Wenn er mit weit aufgerissenen Augen auf die Schiedsrichter zustürmte, flüchteten die meistens vor ihm und verschluckten die Pfeife. Kurz: van Bommel machte all die Dinge, die sich andere nicht trauten. Er war sicher auch derjenige, der im Schulhof ordentlich Prügel austeilte.

Die brave Mannschaft des VfB könnte so einen ganz gut gebrauchen. Einen, der mal Zeichen setzt. Auch Vedad Ibisevic kann Zeichen setzen, aber er macht das äußerst unklug und lässt sich dabei auch noch erwischen. Schorsch Niedermeier heißt nicht umsonst Niederstrecker, aber bei ihm ist es kein taktisches Mittel, sondern eher ehrliche bayerische Rustikalität.

Mit der Verpflichtung des frischgebackenen Afrika-Meisters Geoffrey Serey Dié hat der VfB nicht nur einen Siegertypen geholt, sondern auch den ivorischen Zwilling von Marc van Bommel. Er soll die Defensive weiter stabiliisieren, wobei man sich fragen muss, ob es noch stabiler geht, denn die Null steht weitgehend sicher hinten, vorne muss sie weg. Aber Dié ist nicht nur sportlich gefragt, er kann der neue Ankermann beim VfB werden. Der Spieler, an dem sich die anderen aufrichten, denn er ist unbelastet von dem ganzen negativen Lauf, den der VfB seit drei Jahren hat. Er kann der Spieler sein, auf den die Jungen Baumgartl, Werner, Rüdiger und Maxim in kritischen Situationen achten, wenn die sogenannten Führungsspieler Martin Harnik und Christian Gentner wieder mit sich selbst beschätigt sind. Wenn es sein muss, dann kassiert ein Balljunge auch mal einen Ohrfeige, wenn er die Pille nicht schnell genug zurück ins Spiel bringt.

Dass er angeblich nicht mit Geld umgehen kann und ein Faible für rote Karten hat, macht ihn auf den ersten Blick nicht unsympathisch. Sind wir nicht alle irgendwie so?

Hier sind fünf Gründe, warum der Ivorer den Unterschied im Abstiegskampf machen kann:

Publikumsliebling
Dié ist ein Heavy-Metal-Monster-Kämpfer, kompromisslos im Zweikampf, einsatz- und lauffreudig. Da geht manches auch mal schief, doch der 1,79 Meter große Mittelfeldspieler bleibt nie stehen oder motzt Kollegen an, sondern rennt hinter dem verloren gegangenen Ball her. Er ist quasi das genaue Gegenteil von Moritz Leitner. Dié hat das Zeug zum Publikumsliebling, glaubt mir, er wird nach Günther Schäfer der Erste sein, der den Namen „Fußballgott“ verliehen bekommt.

Frisuren-Vorbild
Ich mache mir hier vielleicht nicht viele Freunde, aber ich habe Artur Boka sehr gemocht. Anfangs seine Spielweise, später dann seine Frisuren und Bärte. Nachdem der kleine Linksverteidiger Boka nach Malaga ging, war der blonde Irokese weitgehend im Stadtbild verschwunden. Jetzt kaufen die Friseure im Kessel jede Menge Colorationen und laden Ihre Langhaarschneider auf. Nicht nur die Frisur von Dié ist stets extravagant, ebenso sein Styling. Prada oder Dolce&Gabbana? Beides, sagt Dié und dazu noch ein dsquared2-Gürtel, der Breuninger kann sich schon auf ihn freuen. Allerdings darf man nicht verschweigen, dass seine Frisur auch der eines anderen ehemaligen VfB-Spielers ähnelt, den die meisten in nicht ganz so guter Erinnerung haben: Daniel Ljuboja.

Schnelle Integration
Sprachschwierigkeiten? Mentalitätsunterschiede? Eher nicht, er ist seit 2008 in der Schweiz tätig. Zugegeben: In Sion spricht man französisch, aber spätestens in Basel wurde er mit der deutscher Sprache konfrontiert. Das Wort „Abstiegskampf“ sollte er seinem Vokabular allerdings schnell hinzufügen, denn in Basel war er erfolgsverwöhnt, wurde zweimal Meister und spielte in der Champions League.

Kämpfer- und Siegermentalität
Dié war in allen Mannschaften der Jugend immer der Kleinste und wusste, „dass ich besser sein musste als die anderen, um aufzufallen. Später, im nationalen Ausbildungszentrum, war ich immer noch der Kleinste. Wieder musste ich härter arbeiten als andere, um eines Tages Fussballer werden.“ Dié kommt als gefeierter Afrika-Cup-Gewinner und kann diesen Spirit hoffentlich auch dem nicht gerade erfolgsverwöhnten Stuttgarter Team einimpfen.

Gute Laune
Als Stimmungsaufheller ist der Ivorer perfekt. In der Kabine mimt er meistens den Klassenkasper, treibt mächtig Schabernack, tanzt und singt vor Spielen. Aber er kann auch aufbrausend sein, wenn er mit Spiel und Spielern nicht zufrieden ist. Außerhalb des Spielfelds ist er liebenswürdig, höflich und zuvorkommend, man muss ihn einfach mögen.

Serey Dié ist der erste Neuzugang von Robin Dutt, der irgendwie die besseren Argumente hatte gegenüber der ebenfalls interessierten Konkurrenz von Eintracht Frankfurt und SC Freiburg. Der Mann von der Elfenbeinküste ist kein einfacher Spieler, aber wenn ihn einer auf Linie bekommt, dann Huub Stevens. In Basel jedenfalls vermissen sie Dié.

Wir freuen uns auf ihn, herzlich Willkommen beim VfB!

7 Kommentare

  1. Pingback: #Link11 vom 11.2.2015 | Fokus Fussball

  2. trurll sagt

    Etwas optimistische Sichtweise, finde ich. Arthur Boka lies man doch beispielsweise nicht aufgrund fehlender Aggresivität gehen, sondern aufgrund eines mangelnden Stellungsspiels. Mir fehlt der Glaube, dass speziell dieser Wintereinkauf einschlagen soll, ich tippe eher auf ordentliche, aber ausbaufähige Leistung. Das ist auch genau das, was man erwarten kann und sollte von einem Neuzugang, der international erfahren, aber keine Granate ist.

    Generell hoffe ich eher, dass die „Hinten-die-Null“ Strategie (mit dem Nebeneffekt des „Vorne-auch-die-Null“) der richtige Weg ist. Veh hat es ja ein bisschen offensiver probiert, das ging auch nicht so richtig gut, von Leverkusen (mit viel Glück) und Frankfurt (mit noch mehr glück) mal abgesehen. Und schlussendlich braucht man halt nur ein laues Ding vorne, wenn hinten keiner reinfällt.

    • Sebastian sagt

      Optimismus ist das einzige, was uns noch bleibt. ;-) Natürlich ist es bezeichnend, wenn ein 500.000 Euro Wintertransfer der neue Heilsbringer sein soll. Aber in diesem Fall sind es hoffentlich weniger die sportlichen Fähigkeiten als vielmehr die Mentalität und Attitüde, die ein Spieler einbringen kann. Jemand, der das Mannschaftsgefüge ein wenig durchrüttelt, sollte dem Team helfen. Vielleicht auch mit dem Effekt, dass die Null vorne nicht immer steht.

  3. trurll sagt

    Na hoffentlich fängt er sich nicht gleich ne Rote ein und hoffentlich hast du mit deiner Einschätzung recht. Um deinen Optimismus zu pflegen: Die leichten Gegner kommen ja erst noch :)

  4. Thomas sagt

    Ich muss einer Stelle widersprechen. Der letzte Spieler Marke „Fussballgott“ war Silvio Meissner. Zumindest in meinem Teil der Kurve.

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